Alexander Preuße

Kategorie: Abenteuerreihe (Seite 1 von 2)

Verdeckter Krieg

Zu den spannendsten Erkenntnissen während meiner Recherche gehörte jene, dass in der Karibik über Jahre hinweg ein unerklärter Krieg zwischen den Großmächten schwelte. Kaperfahrten und Piraterie gehörte mit dazu.

Während meiner Recherche für meine Abenteuerreihe bin ich auf eine interessante Sichtweise gestoßen. Sinngemäß hieß es, dass in Europa zwar nach Beendigung des Spanischen Erfolgekrieges Frieden herrschte, in der Karibik jedoch fortlaufend militärische Auseinandersetzungen zwischen den Großmächten ausgetragen wurden. Kern dieser Aktivitäten waren Kaperfahrten, aber auch Schmuggel und Zollkontrollen.

Möglicherweise spielten die Sklavenaufstände auch eine Rolle, wenn ich auch keinen Beleg dafür gefunden habe. Für meine Romanreihe habe ich mir jedoch die Freiheit genommen, diese als Teil des unterschwelligen Krieges zu betrachten. Was läge näher, als über provozierte und heimlich unterstützte Aufstände den Gegner empfindlich zu treffen?

Verdeckter Krieg

Aus meiner Sicht war das alles nichts anderes als ein verdeckter Krieg, wie ihn Putins Russland seit vielen Jahren führt. Damals wie heute wird er auf verschiedenen Ebenen ausgetragen, in der Ukraine über Jahre hinweg durch einen als »Bürgerkrieg« zwischen angeblichen »Separatisten« und den Ukrainern verbrämten Angriff; die eingefrorenen, aber nicht gelösten Kriege in Georgien, Moldau, flankiert von destabilisierenden Maßnahmen gegenüber den westlichen Demokratien.

Der Vorzug des verdeckten Krieges liegt darin, dass man offiziell gar keinen Krieg führt. Wer die letzten Jahre Revue passieren lässt, wird unschwer feststellen, wie wirkungsvoll dieses Mittel ist. Politik geht ungern unbequeme Wege (Sanktionen, Waffenlieferungen etc.) und lässt sich allzu oft von den verheißungsvollen Honigtöpfen wie billigem Gas verlocken.

Offene Kriege sind ein ungeheures Risiko, weil sie unglaublich teuer sind, nicht leicht beendet werden können und am Ende zumindest auf wirtschaftlicher Ebene alle verlieren. Von der Verelendung der Bevölkerung durch Nebeneffekte (Teuerung, Seuchen, Verwundete, entlassene Soldaten) einmal ganz abgesehen. Außerdem kann man militärisch unterliegen.

Vorteile und Nachteile

Ganz anders der verdeckte Krieg, der nicht begonnen wird und gleichfalls nicht beendet werden muss. Außerdem unterhält er eine gewisse Kriegsinfrastruktur. Als in den 1720er Jahren ein kurzer Krieg zwischen England und Spanien aufflammte, viel kleiner und letztlich folgenloser als der große um die spanische Erbfolge, konnte in der Karibik rasch operiert werden, wenn auch ohne Fortune.

Ein Nachteil dieser Art der Kriegführung besteht darin, dass sich die Kämpfenden von der Leine lösen und ihren Kampf auf eigene Rechnung weiterführen. Damals waren die Grenzen zwischen Kaperfahrern, Piraten und Piratenjägern (!) fließend; die Folgen für die zivile Schifffahrt, auch des eigenen Landes, verheerend.

Prägend für die Abenteuerreihe

Alle genannten Aspekte spielen für meine Romanreihe eine zentrale Rolle. Meine Protagonisten, Joshua und Jeremiah, werden in eine Auseinandersetzung zweier ehemaliger Kaperfahrer hineingezogen, die jedoch eng mit dem globalen Machtkampf zwischen England und Spanien (und Frankreich) verknüpft ist.

Damit bot sich die Möglichkeit, die Romanreihe wachsen zu lassen. Während der Fokus in den ersten Teilen noch stark auf der persönlichen und individuellen Ebene liegt, erweitert sich dieser von Band zu Band und wird immer stärker mit dem verflochten, was das Zeitalter geprägt hat: Piraterie, Verdeckter Krieg, globaler Machtkampf, Sklaverei, Handel mit Genussmitteln (Zucker, Tabak, Kaffee).

Erzählfluss statt stehendes Gewässer

George R.R. Martins »Lied von Eis und Feuer« ist ein prominentes Beispiel für die Schwierigkeiten episch angelegter Buchreihen: Der Fantasy-Welterfolg hat sich im dichten Gestrüpp zahlloser Personen und Schauplätze verheddert. Bild Canva.

Im November 2017 hat sich der Blogger Der Wortvogel parallel zum Beginn der sechsten Staffel der überaus erfolgreichen HBO-Serie Game of Thrones zum Thema vertikales Storytelling geäußert. Ich habe einen etwas anders akzentuierten Beitrag von ihm damals in der Süddeutschen Zeitung gelesen und er hat mich sehr lange beschäftigt. Denn: Ich hatte gerade begonnen, selbst eine Buchreihe zu verfassen.

Buchreihen können tückisch sein. George R.R. Martin hat aus meiner Sicht eine großartige Fantasy-Reihe geschrieben, mit leicht abfallender Qualität. Der erste Band (die ersten beiden in der deutschen Ausgabe) gefallen mir jedoch ganz besonders gut. Der strukturelle Ansatz ist jedoch mit Schwierigkeiten verbunden, die Torsten Dewi in seinem allgemeinen Beitrag Kaugummi TV: Das Dilemma des vertikalen Storytellings schön aufgezeigt hat.

Großer Beginn, leicht abfallendes Niveau

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Erzählfluss in Das Lied von Eis und Feuer mehr und mehr zu einem stehenden Gewässer wurde. Die Erzählung verhedderte sich immer mehr im vielbeinigen Gestrüpp zahlloser Figuren und Schauplätze, dabei hätte die Neigung des Autors, seine Charaktere ins Reich des Jenseits zu schicken, durchaus Abhilfe schaffen können. Nicht jedoch, wenn diese teilweise wieder als Untote oder Wiederauferstandene zurückkehren.

Martin sah sich auch gezwungen, die ständig wechselnden Perspektiven in zwei dicke Stränge zu bündeln und auf zwei (in der deutschen Ausgabe vier, also je zwei) Bücher zu verteilen. Das macht alles noch komplizierter, zumal mir beim Lesen recht oft Redundanzen und Muster aufgefallen sind. Die Romanreihe verliert, je weiter sie voranschreitet.

Die Filmserie The Game of Thrones ist ja – gottlob – beendet, wenngleich mit einem grauenerregenden Qualitätseinbruch. Das Buch verharrt seit langem an der gleichen Stelle, obwohl der Autor nach eigenem Bekunden an dem vorletzten Band arbeitet. Sicherlich ist die immense Komplexität ein wesentlicher Faktor für die lange Pause. Das wirft Fragen auf, etwa: Wie lassen sich die vielen offenen Erzählstränge wieder zusammenfügen, um die gesamte Geschichte voranzutreiben?

Wie ein Crescendo in der Musik

Ich bin gespannt. Die Wartezeit habe ich mir damit vertrieben, selbst eine Buchreihe mit etwas mehr als zweitausend Seiten zu verfassen. Auf der Basis des Artikels, der Lektüre und einiger Binge-Watch-Tage in der Welt von Eis und Feuer habe ich irgendwann die Entscheidung getroffen, mit der Erzählung der Abenteuer von Joshua und Jeremiah sehr schmal anzufangen und dann Stück für Stück aufzufächern.

Es kam mir vor allem darauf an, am Ende der siebenteiligen Reihe noch genug Spielraum zu haben, einen effektvollen Showdown zu schaffen, ohne völlig zu überziehen. Das ist mir, denke ich, durchaus gelungen. Alles, was im Schlussband namens Opfergang geschieht, ist rein fiktional, aber nicht undenkbar; und es ist ein grandioses, spannendes Spektakel.

Ich habe eine Anleihe aus der Musik genommen, um die strukturelle Gestaltung der gesamten historischen Abenteuerreihe zu verdeutlichen: ein Crescendo. Wer das zum Beispiel auf dem Klavier erzeugen will, muss keineswegs nur immer lauter spielen – dann brüllt das Klavier am Ende und verursacht Schmerzen.

Piano zu Beginn

Viel wichtiger, ja entscheidend ist: Piano am Anfang. Um ein Crescendo zu erzeugen, muss man unbedingt leise beginnen und – ganz wichtig – nicht linear lauter werden. Im Verlauf sollten kleiner Decrescendi eingebaut werden, Verzögerungen, um den Effekt zu verstärken. Außerdem könnten zu der anfangs einstimmigen Tonfolge weitere Stimmen hinzukommen.

Daher beginnt meine Abenteuerreihe sehr schmal, klein, leise, fokussiert sich auf wenige Personen und Handlungsorte, täuscht manches vor, deutet vieles an und ist keineswegs auf Handlungsspannung oder Action beschränkt. Denn was hilft alles Crescendo, wenn es an der Baisis fehlt, dem Leitmotiv oder Thema? Es wäre ein hohler, langweiliger Effekt.

Piraterie – im Schlagschatten des Krieges

Der Klappentext und das Cover für den Auftaktroman meiner siebenteiligen Abenteuerreihe. Das E-Book erscheint am 03. Oktober 2022. Bild mit Canva erstellt.

Wie wird man eigentlich Pirat? Folgt man populären Filmen, könnte man den Eindruck haben, Piraten wären einfach da. Oft wird ihre Herkunft gar nicht weiter geklärt, man könnte meinen, sie fielen mehr oder weniger vom Himmel. Manchmal wird der Weg zur Piraterie auch als eine Art Vermächtnis geschildert, wenn etwa Henry Morgan Jack Sparrow mit Kompass und Kapitänsamt beglückt. Oder William Turner in die Fußstapfen seines Vaters tritt, als hätte er genetisch – schicksalsträchtig gar keine andere Wahl.

Wenn man einen Blick auf die Biographien historischer Piraten wirft, wie zum Beispiel eben jenen Henry Morgan, ist eine andere Sache recht augenfällig: Es gibt eine direkte Verbindung zwischen Piraterie und Krieg. Selbstverständlich gab es auch in langen Friedenszeiten Piraterie, doch sorgten Kriege in der Regel für ein massives Ansteigen der Aktivitäten von Piraten.

Piratenrepublik und Goldenes Zeitalter

Es ist kein Zufall, dass die so genannte »Piratenrepublik« von Nassau in den Schlagschatten des ersten wirklich weltumspannenden Krieges fiel: Der Spanische Erbfolgekrieg wurde nicht nur in Europa ausgetragen, sondern auch in der Neuen Welt (gemeinsam mit dem teilweise zeitgleich stattfindenden Großen Nordischen Krieg brannte es in ganz Europa).

Das gleiche gilt für das so genannte »Goldene Zeitalter« der Piraterie, das von Historikern zwischen 1714 und 1722 bzw. 1716 und 1726 verortet wird. Der Große Krieg endete in Europa offiziell 1713, doch in der Neuen Welt ging es munter weiter. Ein Teil der Kaperfahrer, sprich: der von der jeweiligen Krone beauftragten oder zumindest geduldeten Seeräuber bekam das Ende der Kampfhandlungen erst mit großer Zeitverzögerung mit und war keineswegs immer begeistert vom Friedensschluss.

Manche haben einfach auf eigene Rechnung weitergemacht. Warum auch nicht? Die Alternativen waren nicht besonders verlockend. Frieden bedeutete nicht für jeden eine Erleichterung, mit dem Ende der Kampfhandlungen verloren viele Seeleute Anstellung und Einkünfte; manche standen einfach vor dem Nichts und die Aussicht auf Einkünfte durch Raub, für dessen Ausführung sie die nötigen Kompetenzen erworben hatten, bot einen Ausweg.

Grauzonen

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. In Europa mag für einige Jahre Frieden geherrscht haben, in der Neuen Welt jedoch nicht. Die Kaperfahrerei bot eine großartige Möglichkeit, einen verdeckten Krieg zu führen, ohne ihn offen erklären zu müssen. Man konnte seine Feinde schwächen, ohne einen unpopulären Waffengang vom Zaun zu brechen.

Außerdem gab es eine Grauzone. Wer mochte verhindern, dass Kaperfahrer die »falschen« Schiffe auf ihrem Weg nicht einfach auch aufbrachten? Wenn ein englischer Kapitän auf der Suche nach spanischen und französischen Schiffen lange ohne Beute blieb, was aber essentiell für die Loyalität der Mannschaft war, würde er nicht auch ein englisches Handelsschiff überfallen?

Doch die Grauzone reicht noch weiter. Mancher für die Piratenjagd ausgesandte Kapitän konnte der Verlockung des scheinbar schnellen Geldes ebenfalls nicht widerstehen und hat sich entsprechend an friedlichen Kauffahrern vergriffen. Diese verschwommene Grenzlinie zwischen Kapern, Piraterie und Piratenjagd wurde gelegentlich mehrfach überschritten.

Gnade und Blutbad

Letzten Endes haben sich die europäischen Großmächte England, Frankreich, Spanien, die Vereinigten Niederlande und auch Portugal irgendwann aufgerafft und mit dem Piratenproblem gründlich aufgeräumt. Neben der Möglichkeit, der Piraterie abzuschwören und auf friedlichem Wege das blutige Handwerk hinter sich zu lassen, wurde auch zu brutaler Gewalt gegriffen.

Am Ende des »Goldenen Zeitalters« der Piraterie stand ein Blutbad, das entschlossene Vorgehen dämmte das Piratenunheil massiv ein und machte die Seefahrt wieder sicherer. Doch der verdeckte Kaperkrieg war ein viel zu verlockendes Mittel, um darauf zu verzichten, im Grunde herrschte in der Karibik über Jahrzehnte ein kaum bemäntelter Waffengang.  Mit den bekannten Folgen. 

Das ist die Lage, als die Hauptfigur meiner Abenteuerreihe, Joshua, 1732 aus London aufbricht. Er kann eigentlich darauf setzen, dass Piraten kein großes Problem mehr darstellen, zumal sein Schiff, die Sturmvogel, in einem Konvoi fährt, was Überfälle gewöhnlich erheblich erschwert.

Am Anfang war – Bornholm

Bornholm 2006. Der Blick aufs Meer. Hier wurden die ersten Zeilen und Kapitel eines Kinderbuches verfasst, aus dem später die sehr viel erwachsenere Abenteuerreihe um Joshua und Jeremiah entstanden ist.

Bei den meisten meiner noch nicht realisierten Schreibprojekte könnte ich nicht sagen, wo und wann ich die Inspiration bekommen habe. Im Falle meiner Abenteuerreihe um Joshua und Jeremiah schon: Bornholm. Im Sommer 2006 haben wir dort mit unserem Nachwuchs Urlaub gemacht, im Norden dieser ganz wundervollen Insel, mit ihrem ungeheuer schönen Wanderweg von Allinge nach Hammershus.

Wir hatten ein Ferienhaus mit Blick aufs Meer. Wenige Monate später stand der Geburtstag meines ältesten Sohnes an, der Bücher geliebt hat. Also kam mir die Idee: Schreib ihm doch ein Büchlein. Piraten standen hoch im Kurs und das große Piratenschiff von Playmobil war als Geschenk geplant. Natürlich auch ein standesgemäß zugerichteter Kuchen!

Da ich einen Laptop mitgenommen hatte, saß ich nach zwei, drei Urlaubstagen abends am Tisch, den Blick hinaus auf die graue Ostsee, und habe mich gefragt: Was könnte man so erleben? Schreiben mit Blick aufs Meer ist eine wundervolle Angelegenheit – noch einmal, 2016, habe ich das in Frankreich, Bretagne, erleben dürfen.

Einige Dinge sind tatsächlich noch immer genau so, wie ich sie damals geschrieben habe. Spurenelemente im ersten und zweiten Band. Die Namen der beiden Hauptfiguren, Joshua und Jeremiah, zum Beispiel; der Name des Schiffs, mit dem Joshua von London aufbricht: Sturmvogel. Jener Seemann, der ihm im Hafen einige Dinge aus seiner eigenen Vergangenheit berichtet.

Und doch hat sich die Geschichte seitdem mit Siebenmeilenstiefeln von ihren Anfängen entfernt. Dazu werde ich in den nächsten Beiträgen etwas schreiben. Hier bleiben wir bei den Anfängen. Und aus diesen rührt der Name »Piratenbrüder« her.

Bornholm 2006. Die Ostsee kann auch Meer.

Beim Geburtstag einige Monate nach dem Bornholm-Urlaub wartete tatsächlich ein kleines, schwarz gebundenes Büchlein mit dem Titel »Piratenbrüder« mit der Auflage 1 auf seinen ersten Leser. Es war ein mitreißendes Erlebnis, es vorzulesen, für alle Beteiligten. Eine Erinnerung, warm wie Kaminfeuer. 

Der zweite Band ist unmittelbar danach entstanden, ehe sich eine mehrjährige Pause anschloss. Irgendwo (ich weiß natürlich ganz genau, wann und wo) im Roman hält Joshua inne und blickt kurz zurück – fassungslos über den Weg, den er bis zu diesem Punkt zurückgelegt hat. Und so geht es mir in diesem Moment auch ein wenig, wenn ich an die sieben Teile der Abenteuerreihe denke.

Ziellos ins Jahr 2022

Vor einem Jahr hatte ich ein konkretes Ziel vor Augen: Bis Ende Februar den sechsten Teil meiner historischen Abenteuerreihe vollenden und diese damit abschließen. Habe ich es geschafft?

Nein.

In meiner Schreibübersicht kann man schön sehen, wie sich der sechste Band füllte, Seite für Seite, bis Ende Januar 126 davon hinzugekommen waren. Tatsächlich wäre der sechste Band plangemäß fertiggestellt worden, denn ich hatte Ende 2020 schon mehr als einhundert Seiten geschrieben.

Eine schwere Entscheidung

Am 03. Februar steht zum ersten Mal Teil VII in derSchreibübersicht – nach zwei Tagen Schreibpause. Ich schreibe nie nur an einem Projekt, auch im Januar vor einem Jahr habe ich das nicht getan. Mal arbeitete ich an einem Exposé, mal erstellte ich Testleseversionen oder überarbeitete einen Band der Reihe, übertrug die Anmerkungen aus einer Papierkorrektur oder einem Testleserückläufer.

Die beiden Tage Pause sind hingegen leer gewesen und zugleich angefüllt mit Nachdenken, denn ich musste eine Entscheidung treffen. Der Text des Bandes VI war schon recht lang geworden und ich hatte noch nicht einmal das große Finale angefangen. Entweder würde ich einen großen Teil rauskürzen oder einen weiteren Band schreiben müssen.

Ein schwerer Entschluss, denn eigentlich wollte ich schon bald an einem Historischen Roman sitzen, für den ich schon „heimlich“ recherchiert hatte. Aber die Entscheidung war im Grunde genommen längst gefallen, denn ich habe den Druck verspürt, die Erzählung zu beenden, ohne die Seitenzahl des Schlussteils allzu weit über der von den anderen Bänden aufzublähen.

Kürzen ging nicht, denn bei den Recherchen bin ich über ein Stück deutscher Geschichte gestolpert, das ich unbedingt in den Roman einbauen wollte. Eigentlich sogar musste, denn die Gelegenheit war – für mich – einmalig: eine historische Figur mit vielen Leerstellen und einem großartigen Persönlichkeitsprofil.

Der kleine Eintrag vom 03. Februar lautete dann auch: Planung VI VII.

Mehr erreichen durch weniger Ziele

Man kann darin natürlich eine Kapitulation sehen, denn damit war klar, dass ich mein Ziel verfehlen würde. Ich habe den Entschluss aber als Befreiung empfunden, denn danach konnte ich endlich aufhören, über die Geschehnisse mit bangem Blick auf die steigenden Seitenzahlen hinwegzuhuschen.

Und ich hatte den nötigen Freiraum, auch den vierten Teil gründlich umzugestalten, der bei meiner Avantgarde-Testleserin tiefgreifende Kritik abbekommen hat.

Als ich Band VII in der Rohfassung am 06. August fertiggestellt und die Reihe damit beendet hatte, habe ich die Entscheidung vom 03. Februar gefeiert und beschlossen, auf Zielsetzungen künftig zu verzichten. Die sind eher hinderlich, denn ohne das feste Ziel, Ende Februar 2021 mit der Abenteuerreihe fertig zu sein, wäre die richtige Entscheidung sehr viel früher gefallen.

So habe ich auch am NaNoWriMo nicht teilgenommen und prompt Anfang des November 2021 mehr als 30.000 Worte für ein spontanes Projekt zu Papier gebracht; in einer Woche.

Also gehe ich ziellos in das Jahr 2022. Ich weiß, was ich zu tun habe. Ist eine Sache beendet, folgt die nächste. Unter dem Strich werde ich vermutlich mehr schaffen als mit festen Zielen.

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