Eine Zeitlang war »Piratenbrüder« der Arbeitstitel des ersten Buches meiner Abenteuerreihe. Wie viele andere Buchtitel habe ich ihn während des Schreibens gefunden. Ja, im Grunde stolpere ich in der Regel über den passenden Titel, während sich die Erzählung langsam entfaltet.

Der Begriff »Piratenbrüder« ist noch immer Bestandteil der Erzählung, keineswegs aus nostalgischen Gründen, wie gleich zu sehen sein wird. Auch wenn er längst nicht mehr als Titel für den Auftaktband taugt, zielt er doch auf ein ganz wesentliches Motiv der Romanreihe: die große Freundschaft zwischen Joshua und Jeremiah.

»Donnerwetter – ein richtiger Lord!«, entfuhr es George. »Ihr seht euch sehr ähnlich – wie zwei Brüder!« Dann fügte er mit feierlichem Ton hinzu: »Piratenbrüder!«
Er machte bei diesen Worten ein Gesicht, als wäre er der stolze Vater. Joshua und Jeremiah sahen sich an und begannen lauthals zu lachen, selbst Pete schmunzelte.
»Was?«, rief George gekränkt. »Ich meine es nur gut! Undankbares…«

Alexander Preuße: Die Abenteuer von Joshua und Jeremiah in Übersee und anderswo – Eine neue Welt

An diesem Punkt ist die Freundschaft zwischen den beiden Protagonisten besiegelt. In der Kinderbuchvariante war es eine sehr treffende Beschreibung für die Freundschaft, jetzt wirkt das Wort ungewollt komisch.

Äußerlich mögen Joshua und Jeremiah in diesem Moment für die Person namens »George« sehr ähnlich erscheinen, was jedoch nur an ihrer Kleidung liegt. 

Das überdeckt für einen kurzen Augenblick die tiefe Kluft zwischen ihnen. Sie stammen aus sehr verschiedenen sozialen Schichten, ihre Wege, die sie bis zu diesem Punkt zurückgelegt haben, sind so weit voneinander entfernt, dass Spannungen unvermeidlich sind.

Von leiblichen »Brüdern« kann also gar keine Rede sein. Und das ist auch gut so. Denn meine Abenteuerreihe ist auch eine Buddy-Geschichte, für die es unerlässlich ist, dass beide sehr unterschiedliche Charaktere aufweisen und bis zum Ende auch eigenständig bleiben.

Eine Kleinigkeit noch am Ende: Gern hätte ich ein Pendant zu dem englischen Verb »to chuckle« zur Verfügung gehabt, denn das hätte in diesem Fall viel besser als »schmunzeln« gepasst, gar nicht zu reden von »in sich hinein lachen« oder »unterdrückt lachen«.