Im Erzählwerk des Autors und jenen drei Beiträgen dieses Bändchens spielt der Nebel eine wichtige Rolle. Cover Sonderzahl, Bild mit Canva erstellt.
Züge erzählen Geschichten
Jaroslaw Rudiš: Durch den Nebel
Es sind Sätze, wie dieser, die den schmalen Band Durch den Nebel von Jaroslav Rudiš so lesenswert machen. Für Zeitgenossen einer heruntergewirtschafteten, kaputtgesparten Deutschen Bahn, die vielleicht noch mehr als der Berliner Flughafen BER eine nie versiegende Quelle von Hohn, Spott und Verärgerung darstellt, sind solche Sätze im ersten Moment ein wenig befremdlich.
Autor Rudiš ist Eisenbahn-Reisender aus Passion, der niemals Zeitverlust oder gar Zeitverschwendung empfindet, auch wenn der Anschlusszug verpasst wird. Im Zug, im Bahnhofsrestaurant verstreicht für ihn die Zeit gewinnbringend, denn nicht nur Züge erzählen Geschichten, sondern auch die Menschen in, um und bei Zügen. Sie sind für den Autor Quelle der Inspiration.
Der erste der drei Teile von Durch den Nebel ist denn auch im Perronnord zu St. Gallen verfasst, einem Bahnhofsetablissement mit Blick auf eine schöne Uhr. Dort werden kleine Biere serviert und machen das Verweilen angenehm. Die Gedanken können weit durch Raum und Zeit schweifen, was Rudiš weidlich für einen Streifzug nutzt.
Es für die Lektüre von Durch den Nebel hilfreich, den Roman Winterbergs letzte Reise zu kennen. Wenn Rudis von seiner weitreichenden Affinität zu der Habsburgermonarchie spricht und auf Winterberg, den Protagonisten des Romans verweist, nimmt die Verbundenheit mit dem Kulturraum der einstigen Donaumonarchie im wörtlichen Sinne Gestalt an. Der Vielvölkerstaat nahm die eisenbahnbefahrbare Grenzenlosigkeit Europas im kleineren Maßstab bereits vorweg.
Es ist kein Zufall, dass Winterbergs Begleiter in meinem Roman Kraus heißt. [Karl Kraus wurde in Gitschin / Jičín geboren, in »Wallensteins Stadt«]
Jaroslaw Rudiš: Durch den Nebel
Heute liegt Österreich-Ungarn im Nebel des Vergessen und der Geschichte, laut Rudis ein Nebel, in dem er sich selbst verloren hat. Nebel, Schneetreiben oder niedrig hängende Wolken regen die Phantasie an. Aus diesem Nebel treten bisweilen großartige Ideen hervor, etwa jene, den greisen Winterberg mit einem Baedeker-Reiseführer des Jahres 1913 (!) durch das Mitteleuropa der Gegenwart reisen zu lassen.
Im zweiten Teil wird der Ort Winterberg oder Vimperk noch wichtiger. Dieser Part ist nicht nur formal das Zentrum von Durch den Nebel, sondern auch inhaltlich. Königgrätz. Wallenstein. Jičin / Gitschin (»Wallensteins Stadt«). Österreich-Ungarn, Böhmen, Sachsen, Preußen. So viel Geschichte! Wie die Hauptfigur von Winterbergs letzte Reise scheint auch Rudiš von Geschichte befallen oder ihr verfallen zu sein.
Geschichte ruht nicht. Wie die Geister der fünfzigtausend bei Königgrätz Gefallenen, der elendig auf dem Schlachtfeld verreckten Soldaten nicht ruhen können, so geistert das Gestern im Heute. Der stille Held des Winterberg-Romans ist jener Baedeker-Reiseführer aus dem Jahr 1913, der dem Autor vor Augen führt, wie erstaunlich viel von der längst vergangenen Zeit noch im Heute enthalten ist.
Aus dem Gemenge ist die geniale Idee entstanden, eine Road-Novel auf Schienen zu schreiben und diese Mobilitäts-Erzählung mit der Vergangenheit zu verwirken, indem die Hauptfigur überwiegend gar nicht im Jetzt, sondern der Gegenwart des uralten Reiseführers existiert. Winterberg zitiert ständig aus dem Buch, er trägt ganze Passagen über die Orte und Städte vor, die von dem ungleichen Buddy-Duo angesteuert werden.
Was man durch die Fenster des Waggons sieht, wird ergänzt durch die Vergangenheit, die eben noch gar nicht so vergangen ist. So wird es denn auch glaubhaft, wenn Winterberg selbst jenen Roman über seine letzte Reise mit einem pathetischen (und für viele völlig unverständlichen Satz) einleitet:
Die Schlacht von Königgrätz geht durch mein Herz.
Jaroslaw Rudiš: Durch den Nebel / Winterbergs letzte Reise
Rudiš erläutert in Durch den Nebel, woher er diesen Satz hat, wie er ihn ein wenig angepasst hat und was er eigentlich ausdrückt. Der Leser erhält einen Einblick in sein Schreiben, aber auch in die Tiefe, die unter kurzen, harmlos-verklausuliert klingenden Sätzen liegen kann.
Kleinod ist so ein schönes Wort. Es bedeutet kleines Schmuckstück, Kostbarkeit oder Juwel. Ursprünglich hieß es einfach kleines Ding, doch können kleine Dinge bekanntlich großen Wert haben. Das gilt für das schmale Bändchen Durch den Nebel von Jaroslaw Rudiš, das auf so typische Weise vom Schreiben des in Berlin lebenden Autors, der aus Tschechien stammt, erzählt.
Jaroslaw Rudiš: Durch den Nebel Salzburger Stefan Zweig Poetikvorlesungen Sonderzahl Verlag 2022 Büttenbroschur 108 Seiten ISBN 978-3-85449-605-2
Der Lektüre habe ich mit großer Spannung entgegengesehen, schließlich beschäftigt mich das Schicksal der Gracchen seit meinem Studium. Cover C.H. Beck, Bild mit Canva erstellt.
Wie konnte es so weit kommen?
Charlotte Schubert: Der Tod der Tribune
Das zweite Kapitel von Der Tod der Tribune ist mit dieser Frage überschrieben. „So weit“ meint dabei die brutale Ermordung des Volkstribuns Tiberius Gracchus im Jahr 133 v. Chr., das erbarmungslose Niederhauen von 300 seiner Anhänger, die nachfolgende Schändung ihrer Leichen. Zehn Jahre später wurde der jüngere Bruder, Gaius Gracchus, ebenfalls auf gewaltsame Weise mit 3.000 Gefolgsleuten getötet.
Der Vorgang ist – bis dahin – einmalig gewesen, die Folgen für die Römische Republik werden als verheerend angesehen: Oft wird mit dem Doppelmord ein Anfangspunkt benannt, nach dem die Republik Schritt für Schritt in den Abgrund glitt. Dafür kann man Gründe anführen: Beschädigung der Verfassungsordnung, des sakrosankten Amte und des Rechts allgemein. Vor allem aber wurde ein doppelter Präzedenzfall geschaffen, nämlich, auf Gewalt zu setzen.
Politisch denkende Zeitgenossen mögen an dieser Stelle vielleicht an den Sturm auf das Capitol denken oder auch an den Angriff auf Robert Habeck, verbunden mit dramatischen Befürchtungen bezüglich der Aussichten für die westliche Demokratie. Grundsätzlich sind Analogien mit großer Vorsicht zu genießen, Vergleiche, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausstellen, sind aber wichtig, sonst bleibt die Lektüre zwangsweise akademisch.
Andererseits tut akademische Nüchternheit und eine möglichst sachliche Betrachtung dessen, was über die Umstände, Hergänge, Gründe und Folgen überliefert ist und in der Forschung diskutiert wird, dem Thema gut. Die Gracchen werden manchmal in ein sozialromantisches Licht getaucht, als tragisch gescheiterte Retter der ins Straucheln geratenen Römischen Republik; eine Art Che Guevara – Brüderpaar der Antike. Ausgerechnet Cicero hat allerdings eine ganz andere Einschätzung geäußert.
Tiberius Gracchus der Ältere [d.h. der Vater des ermordeten Volkstribuns] habe, so Cicero später, den Bestand der Republik gerettet, sein Sohn sie zertrümmert.
Charlotte Schubert: Der Tod der Tribune
Die Autorin Charlotte Schubert widmet sich zunächst der Mordtat und den nachträglichen Versuchen einer Legitimation. Das ist wichtig, denn es zeigt, wie dünn und lückenhaft die Überlieferung ist und wie schwierig quellenkritisch tragfähige Aussagen sind. So steht Ciceros Einschätzung im Verdacht, weniger die realen Ereignisse zu bewerten, als einen Versuch zu unternehmen, die eigene Missachtung institutionalisierten Rechts zu überdecken.
Tiberius und Caius Gracchus haben allein wegen ihrer Herkunft und sozialen Verankerung in der römischen Gesellschaft mehr mit ihren Gegnern als mit »dem Volk« gemeinsam: Sie gehörten zur Elite Roms. Tiberius bekleidete zwar das Amt eines Volkstribuns, er stammte weder aus dem Volk noch sprach er für „das Volk“ in einem sozialromantischen Sinne. Noch wichtiger ist ein anderer Punkt: Roms Elite befand sich in einem erbarmungslosen Wettstreit um Macht, Ansehen und Ruhm.
Der Tod der Tribune entfaltet nun ein politisches Panorama, das viele Fäden aufzeigt, die zu jenem Knäuel führten, das mittels einer unerhörten Bluttat kurzfristig »gelöst« wurde. Im Kern drehte sich die Auseinandersetzung um die Bodenreform, die Zuteilung von Land an römische Bürger, ein Projekt, das keineswegs nur die Gracchen vertraten und das nach dem Tod von Tiberius und Caius eben auch nicht in der Versenkung verschwand.
Es verbietet sich, hier auch nur den Versuch zu unternehmen, die komplexe und durchaus widersprüchliche Entwicklung, immer überschattet von der schwierigen Quellenlage, auch nur halbwegs adäquat zu skizzieren. Das bleibt der Lektüre des ausgesprochen interessanten und sehr gut informierenden Buches vorbehalten. Der Leser wird Zeuge eines sich dramatisch zuspitzenden Machtkampfes, in den zufällig äußere Einflüsse hineinspielten.
Wieder einmal – wie so oft in der Geschichte – stellte sich das Geld als der entscheidende Punkt heraus: Tiberius brauchte für die Verwirklichung seiner Reform die materiellen Mittel, und die Mehrheit des Senats wollte ihm nichts bewilligen.
Charlotte Schubert: Der Tod der Tribune
Die so genannte Schenkung durch Attalos III. von Pergamon etwa, mit der Rom als Erbe eines Königreichs im Osten wurde, war dabei wohl entscheidend. Um sich aus dem finanziellen Würgegriff des Senats zu befreien, versuchte Tiberius Gracchus per Gesetz den »Schatz« des verstorbenen Königs zur Finanzierung seines Vorhabens zu nutzen. Das dürfte der Schritt über die »rote Linie« des Senats sein, wie Schubert meint, denn außenpolitische Angelegenheiten gehörten in dessen Verantwortungsbereich.
Entscheidend ist aber nach Einschätzung der Autorin das Verhalten des Volkstribuns während seiner letzten Volksversammlung, das sie als unklug und wohl missverständlich beschreibt und für seine Gegner nicht tolerierbar gewesen sei. Das ist durchaus nachvollziehbar. Machtkämpfe sind immer auch ein Ringen um Handlungsspielräume inmitten der institutionalisieren und formalrechtlich festgelegten Grenzen, die dabei gedehnt und auch überschritten werden.
Tatsächlich haben das vor den Gracchen andere Mitglieder der Elite ebenfalls getan, ohne getötet zu werden. Umgekehrt bleibt aber die Frage, warum sich der Senat nicht nur mit bemerkenswerter Kompromisslosigkeit gegen das Reformvorhaben wandte, die Reformer brüskierte, bloßstellte und diskreditierte. Scheinbar waren Tiberius und später auch Caius so weit gegangen, dass sie von den Senatoren als grundlegende Gefahr für deren Macht angesehen und ausgeschaltet wurden.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Gegner der Gracchen und ihres mit Tiberius’ Tod nicht beendeten Reformwerks Scipio Aemilianus zum Diktator ernennen wollten, um den immer höher kochenden Aufruhr in Rom zu bekämpfen. Scipio war mit Tiberius verwandtschaftlich verbunden, aber politisch verfeindet. Er hatte Karthago und Numantia dem Erdboden gleichgemacht, es erscheint keineswegs übertrieben, wenn Schubert meint, dass Sullas Handlungsweise zwei Generationen später als Blaupause dienen könnten für das, was Rom bereits nach 129 v. Chr. hätte blühen können.
Der Tod Scipios löste zumindest dieses Problem. Nach seinem Tod unterblieben weitere Attacken gegen die Bodenreform und die Gefahr eines Aufruhrs war vom Tisch.
Charlotte Schubert: Der Tod der Tribune
Das ist ein bemerkenswerter Hinweis. Der Tod eines Gegners und entschiedenen Bekämpfers der Reformen war der Grund für die ersterbenden Flammen der Empörung. Das gibt einen wichtigen Hinweis, wo der Unruheherd zu suchen ist. Das schwelende Feuer erlosch jedoch nicht, denn mit dem Volkstribunat des jüngeren Gracchen-Bruders ging das Spiel in verschärfter Form weiter. Caius Gracchus entfaltete ein Feuerwerk an Reformaktivitäten, seine Gegner griffen zu neuen, durchaus perfiden Mitteln, um ihn zu stoppen.
Caius Gracchus kam am Ende im Rahmen einer brachialen Bluttat mit mehr als 3.000 Toten um. Charlotte Schubert skizziert den zeitlichen Ablauf: Zunächst habe sich der vormalige Volkstribun mit seinen bewaffneten Anhängern auf den Aventin versammelt, erst danach sei diese bar jeglicher Legitimität zusammengerottete Truppe Aufständischer mit »umstürzlerischer« Absicht attackiert und niedergehauen worden. Kann man Caius tatsächlich unterstellen, er plante eine Aktion, die in einen Bürgerkrieg geführt hätte?
Es erscheint richtig, dass die Morde von 133 und 121 v. Chr. »kaum zu vergleichen« (im Sinne von gleichzusetzen) sind, doch kann man in der Betrachtung der Ereignisfolge die Tötung des Tiberius nicht übergehen. Sie war die erste Gewalttat, initiiert und ausgeführt von Reformgegnern aus dem Senat. Allein die Überlieferung von Caius’ Traumgesicht, das ihm seinen Tod vorausgesagt haben soll, unterstreicht die Bedeutung des Mordes von 133 für die Handlungsweise von Caius und seinen Anhängern zwölf Jahre später. Der vielzitierte Traum wirkt eher wie ein illusionsloser Blick auf das besiegelte Schicksal des ehemaligen Volkstribuns.
Vielleicht war die Zusammenkunft auf dem Aventin eine letzte heroische Geste oder ein Akt der Verzweiflung, um das verwirkte Leben zu retten? Sie wirkt tatsächlich eher defensiv. 3.000 Anhänger des Gracchen wurden niedergemacht; auch wenn sie bewaffnet waren, müssen sich gegenüber den Kräften des Opimius (»Schwerbewaffnete und Bogenschützen«) dramatisch unterlegen gewesen sein. Auch aus diesem Grund frage ich mich, ob Caius´ Absicht tatsächlich »umstürzlerisch« im Sinne eines bewaffneten Aufstandes war, insbesondere angesichts der erbarmungslosen Schlächtermentalität ihres Gegners.
Dreitausend Menschen haben die Widersacher des Volkstribunen Caius Gracchus niedergemacht; deren Vermögen zog die Staatskasse ein.
Charlotte Schubert: Der Tod der Tribune
Selbst der Hinweis auf den rechtlichen Status von Caius als Privatmann zum Zeitpunkt seines Todes hilft nur bedingt weiter, denn die Ermordung seines Bruders hat gezeigt, dass auch ein Amt keinen Schutz mehr bot. Nicht umsonst versuchte Caius den Schutz gegen gewalttätige Übergriffe wiederherzustellen und zu erhöhen, gerade auch für Privatmänner, die oft dem Machtmissbrauch der Elite ausgesetzt waren; auch die Volkstribunen sollten vor Attacken nach Beendigung ihres Amtes geschützt werden.
Vor allem aber ist augenfällig, dass die Reformgegner eine zutiefst destruktive Verhaltensweise an den Tag legten. Neben der schon aus den Zeiten des Tiberius bekannten Blockade sah sich Caius einer perfiden Taktik seiner Gegner gegenüber: Die Überflügelung der Reformgesetze durch viel weiter reichende, die zwar von der Volksversammlung abgesegnet wurden, aber in keiner Weise finanzierbar waren und nicht umgesetzt wurden; ja, niemals umgesetzt werden sollten. Parallel wurden auf diese Weise Vorhaben des Caius abgeschwächt.
Charlotte Schubert ist in jedem Fall zuzustimmen, dass diese Vorgehensweise geschickt und sehr effektiv gewesen ist. Offen bleibt für mich aber die Frage, woher dieser fundamentale, extrem aggressive und schließlich in dem sehr zwiespältigen und rechtlich obskuren Senatus Consultum Ultimum mündende Widerstand eigentlich rührte. Naheliegend wäre die Vermutung, dass der Senat das Volkstribunat einhegen oder gar beseitigen wollte, mithin also eine institutionelle Umformung der Republik, die man den Gracchen und ihren Anhängern unterstellte.
Faktisch fehlte „die über Jahrhunderte eingeübten Verfahren der Konsensherstellung“, aus meiner Sicht macht Tod der Tribune deutlich, dass diese vor allem auf Seiten des Senats verschwunden war, und zwar auch gegenüber ganz herausragenden Persönlichkeiten wie Fulvius Flaccus. Aber warum? Wo auf dem Weg vom Sieg über Hannibal waren sie verloren gegangen? Einen Ersatz für die Konsensherstellung gab es bis zum Ende der Republik nicht.
Das Instrument des Senatus Consultum Ultimum hat 121 keine Eskalation verhindert, später auch nicht. Nach dem Tod des Caius’ begann eine immer dramatischere Zeit der inneren Gewalt in der römischen Republik, endlose, blutige Kriege im Innern, Proskriptionen, Mord und Totschlag. Diejenigen, die Öl ins Feuer gegossen haben, saßen im Senat; dafür haben nicht nur die Gracchen einen hohen Preis bezahlt:
Mit der Ermordung der Tribunen und der Abschlachtung der Gefolgsleute des Caius hatte sich das senatorische Rom für die Zukunft entscheidende Wege zur Konfliktlösung innerer Krisen verlegt – die Eliten führten so die Republik in eine Sackgasse, aus der es einhundert Jahre später endgültig keinen Ausweg mehr gab.
Charlotte Schubert: Der Tod der Tribune
So ist es.
[Rezensionsexemplar]
Charlotte Schubert: Der Tod der Tribune Leben und Sterben des Tiberius und Caius Gracchus C.H.Beck 2024 Gebunden 304 Seiten ISBN: 978 3 40681372 6
Ein historisches Epos mit einer barocken Sprache. Man sollte sich Zeit nehmen, um es langsam und voller Genuss zu lesen. Cover Liebeskind-Verlag, Bild mit Canva erstellt.
Der britische Comedian, Schauspieler, Autor und damit noch lange nicht erschöpfend beschriebene Ricky Gervais hat sich einmal über jene Menschen lustig gemacht, die angesichts von mehr als dreitausend Göttern in der Geschichte der Menschheit ausgerechnet jenen einen, an den sie glauben, als den einzig Wahren ansähen. Alle anderen wären nur Auswüchse von Nonsens. Müll. Er macht sich also weder über Gott noch über den Glauben, sondern den kuriosen Absolutheitsanspruch angesichts der überwältigenden Konkurrenz lustig.
Für den Tod gilt das nicht. Es gibt nur einen einzigen Tod, vor dem tatsächlich alle Menschen gleich sind, denn alle Menschen müssen sterben. Manchem gilt diese wahrhaft göttliche Absolutheit des Todes als eigentlicher Grund für die Neigung des Menschen, sich Götter zu suchen: Ein Versuch, dem Tod in seiner Allmacht entgegenzutreten, ein Placebo gegen die Angst vor dem Sterben. Aber es gibt eben auch das Streben nach Unsterblichkeit, das in vielfältiger Weise Einzug in menschliches Leben gehalten hat.
Damit betreten wir das Erzählreich von Thomas Willmann, der sich in seinem Roman Der eiserne Marquis dem Bestreben mehrerer Zeitgenossen des 18. Jahrhunderts widmet, das Geheimnis des Lebens zu ergründen und den Tod zu besiegen. Schon im Prolog erfährt der Leser, dass die Sache schrecklich schiefgegangen ist, die Hauptfigur sitzt fest, mutmaßlich ein Kerker, und bezichtigt sich gegenüber seinem Publikum, einigen Ratten, mehrerer schwerer Vergehen.
Mit jenen Sätzen, glaube ich heute, setzte er mich erst recht auf die Bahn meiner fatalen Suche nach der treibenden, lebenden Kraft unserer Welt.
Thomas Willmann: Der eiserne Marquis
Bis alle Gründe für die missliche Lage offenbart sind und die letzte aller Schuld offengelegt ist, vergehen neunhunder opulent gefüllte Seiten. Die Erzählung beginnt in der Provinz, eine klassisch anmutende Begabten-Geschichte, in der jener vom Schicksal mit einigen Talenten ausgestattete Held mit seinem eher schlichten Umfeld kollidiert. Dank einer hilfreichen Hand gelingt es ihm nach Wien zu gelangen und Lehrbub beim angesehenen Uhrmacher Servasius Weisz zu werden.
Die Fein-Mechanik ist das Gebiet, in dem die Talente der Hauptfigur liegen. Die Uhrmacher-Zunft bietet ihm ein interessantes Betätigungsfeld, zumindest wenn die Uhren die nötige Qualität und Komplexität aufweisen. Darüber hinaus eröffnet die Kaiserstadt noch zahlreiche andere Möglichkeiten der Bildung, vor allem mit einem kundigen Führer wie Ferdinand, der ebenfalls für Weisz arbeitet.
Der Leser ist zu diesem Zeitpunkt längst im üppigen, bildstrotzenden Erzählstil Willmanns versunken, dessen Sprache vom einem geradezu märchenhaften Reichtum ist. Die Welt, in der sich die Figuren tummeln, wird so lebendig. Aber auch die Innenwelten der Personen, insbesondere der Hauptperson, die sich dank der Rückschau immer wieder selbst durchleuchtet und bestimmte Charakterzüge hervorhebt, meist verbunden mit Selbstbezichtigungen.
Auch Weiszens Antlitz machte erste Anstalten, sich dem Alter zu ergeben – unter Kind und Augen begann die noch gut ausgepolsterte Haut herabzusacken, feines Adergekrakel schrieb ihm die Neigung zu üppiger Speise und Trank auf die Wangen; und selbst die Fröhlichkeit hatte in seinen Zügen als Schnitzmesser für Fältlein gewirkt.
Thomas Willmann: Der eiserne Marquis
Das Beispiel zeigt schön, auf welche Reise sich der Leser dieses Romans begibt. Wer so schreiben und Bilder erschaffen kann, dem ist es möglich, die vielfältigen Zwischenwelten der menschlichen Existenz stärker auszuleuchten, als es viele andere Schriftsteller können. Das braucht Zeit, der Autor hat sie sich genommen und der Leser sollte es ihm nachtun und diese literarische Reise durchschreiten, um sie zu einem Erlebnis zu machen, das sich einem im Leseleben nicht oft bietet.
In Wien erleidet der Protagonist einen verheerenden Schicksalsschlag, den er zwar nicht ausgeführt hat, aber hätte abwenden können. Er verliebt sich in eine Grafentochter namens Amalia, es gelingt ihm sogar, sich ihr zu nähern, was Willmann in einer wirklich fabelhaften Weise erdacht hat, doch will er zu viel und beschwört durch seine kindische, dickköpfige, selbstverliebte und larmoyante Art eine Katastrophe herauf.
Ein Zwischenspiel folgt, die Hauptfigur flieht aus Wien und nimmt einen klingenden Namen an: Jacob Kainer. Er tritt der preußischen Armee bei und kämpft im Siebenjährigen Krieg, allerdings nicht mit dem Gewehr, sondern der Trommel, wenn man so will, dem Taktgeber der Armee und damit eine Art Echo des Uhrwerks. Willmann lässt den Leser an den Unbilden des Kriegsdienstes und Kriegsgeschehens mehr teilhaben, als diesem manchmal lieb ist.
Alles, was noch geschehen sollte, war nicht Strafe oder zwingende Folge seiner bedingungslosen Hingabe an die Vernunft – sondern eben seine letztlich menschliche Fehlbarkeit darin.
Thomas Willmann: Der eiserne Marquis
Die Schlachtfelder verlässt Jacob Kainer versehrt und wird in einem Lazarett von einem Marquis entdeckt, nach Paris mitgenommen und werkelt dort gemeinsam mit seinem neuen Gönner, Freund und Schicksalsgenossen daran, dem Leben sein Geheimnis zu entlocken und dem Tod die Stirn zu bieten. Wie das Zitat zeigt, folgt das Duo, das sich ab einem gewissen Zeitpunkt durch die bezaubernde und kluge Arianne zu einem Trio erweitert und von einem stummen Diener namens Mael unterstützt wird, zunächst dem Pfad der Vernunft.
Der weitaus größte Teil des Romans widmet sich diesem Wirken, über den Inhalt will ich kein Wort mehr verlieren. Was geschieht und wie ist ganz wunderbare Literatur, die tief hineinführt in die großen menschlichen Fragen. Der Kampf gegen den Tod ist vor zweihundertfünfzig Jahren so aussichtslos wie in der Gegenwart, wer auf das »sture, bedächtige Voranschreiten der Vernunft und Verantwortlichkeit« setzt, kann angesichts der verstreichenden Lebenszeit das Ziel persönlich nur verfehlen.
Das Dilemma kann man akzeptieren, man kann sich selbst und seine Tätigkeit aufgeben oder den Pfad der Vernunft verlassen und ins Obskure, Okkulte abgleiten. Dieses Nebeneinander von Vernunft und Aberglaube prägt den Roman auf großartige Weise. Im Falle des Marquis sind beide Strömungen in einer Person enthalten, anders als bei Theodor StormsDer Schimmelreiter, in dem Moderne (neuer Deich) und Aberglaube (etwas Lebendiges muss ins Fundament des Deiches) unterschiedlichen Personengruppen zugeordnet ist.
›Meine Vernunft?! Oh, die ließ mich schon lange! Mir blieb meine Verzweiflung.‹
Thomas Willmann: Der eiserne Marquis
Der Marquis ist hochgebildet, aufgeklärt, spöttisch gegenüber dem Aberglauben (und vielen anderen Dingen) und macht sich trotzdem auf den Weg des dumpfen, morastigen Geschwurbels. Der Mensch in diesem Roman, selbst der hoch veranlagte, ist eben trotzdem zum Scheitern, zum Abgleiten verurteilt, seine Stärke nur ein Schein, der in der Konfrontation mit dem Tod, mit Krankheit und Vergehen zusehens verblasst.
Willmanns Der eiserne Marquis beginnt nicht nur im Untergründigen, Dunkeln, Verlies, sondern endet dort auch, sowohl im übertragenen wie im realen Sinne. Der Weg in den Abgrund beginnt viel früher, wie der Erzähler dank der Rückschau durchaus erkennt; er führt die Personen in ihrem verzweifelten Kampf gegen den Tod in ein schauriges Reich, das bereits Mary Shelley mit Frankenstein literarisch betreten hat.
Jede Form von Horror-Literatur ist mir zutiefst zuwider, das gilt auch für ihre zahllosen Ableger und Sub-Genres, auch die viel geschätzte Mystery. Daher ist mir anlässlich des Finales ein wenig unbehaglich geworden, was viele andere Leser nicht weiter schrecken wird. Willmann hat seinen Marquis aber zu einem wirklich überzeugenden Ende geführt. So darf ich uneingeschränkt froh darüber sein, dass sich der Autor auf das Abenteuer eingelassen hat, über mehr als ein Jahrzehnt dieses Opus zu schaffen.
Thomas Willmann: Der eiserne Marquis Liebeskind Verlag 2023 Gebunden, 928 Seiten ISBN: 978-3-95438-165-4
Sehr spannende und turbulente Unterhaltung bietet der vierte Teil der Alex-Verus Buchreihe. Cover Blanvalet, Bild mit Canva erstellt.
Auf dem Titelbild des Romans ist eine Schlange abgebildet. Diese Tierart kann ihre Haut abstreifen, was Menschen weder im realen noch übertragenen Sinne können. Die eigene Vergangenheit etwa wird man nicht los, sie bleibt einem treu wie ein Schatten und mischt sich in die Gegenwart immer wieder ein. Erinnerungen, vor allem unliebsamer Natur, melden sich zu Wort, vorzugsweise, wenn man sie gerade nicht gebrauchen kann.
Die Hauptfigur von Benedict Jackas Urban-Fantasy-Buchreihe um den Magier Alex Verus macht diese Erfahrung in einem Maß, das sich von dem gewöhnlicher Menschen unterscheidet. Verus ist von einem Schwarzmagier ausgebildet worden, allein die Bezeichnung lässt Übles erahnen. Wie übel es tatsächlich gewesen ist, schimmert bereits in den drei Auftaktbänden verschiedentlich durch, doch erst der vierte Teil lässt den Leser teilhaben an dem, was der Protagonist erlebt und selbst getan hat.
Der Autor hat dabei ein Szenario erstellt, das beste Voraussetzungen für eine spannende Erzählung bietet: eine Menschen- oder Magierjagd. Alex Verus sieht sich plötzlich einer Gruppe von so genannten Nightstalkern gegenüber, die ihn töten wollen. Vor allem ihr Anführer, Will, tritt kompromisslos auf und reagiert auf Versuche, zu einer Übereinkunft zu gelangen mit aggressiver Gewalt. Er will Alex töten.
Für Verus bedeutet das nicht nur, dass er mehrfach in haarsträubend lebensbedrohliche Situationen gerät, sondern auch eine leibhaftige Rückkehr seiner Vergangenheit. Das Motiv der Nightstalker ist Rache, durchaus nachvollziehbar, wie sich zeigt. Eine knifflige Zwangslage entsteht, Verus will die Situation bereinigen, ohne auf jene Mittel zurückzugreifen, die er in seiner Vergangenheit gelernt hat, allein um seine Gefährten Luna, Anne, Variam und Sonder nicht zu verprellen.
Die Nightstalker bedrohen nicht nur Leib und Leben, sondern auch das mühsam errichtete Sozialgeflecht und Verus’ Versuch einer Vergangenheitsbewältigung. Dieses Dilemma wird verschärft durch undurchsichtige Manöver der Magier-Eliten, bereits aus den ersten Teilen bekannten Gegnern und dem Gerücht, sein skrupelloser Meister Richard, der vor Jahren verschwunden ist, kehre zurück.
Für das Genre Urban Fantasy ist Der Wächter von London bemerkenswert düster und vielschichtig, es nährt die Hoffnung, dass Jacka seine Buchreihe in dieser Richtung weiterführt. Spannende Unterhaltung ist ohnehin gewährt, daran ändert auch die bisweilen seltsame Übersetzung nichts. Ein sprachliches Feuerwerk ist der Roman nicht.
Benedict Jacka: Der Wächter von London Alex Verus 4 Aus dem Englischen von Michelle Gyo Blanvalet 2020 Klappenbroschur 416 Seiten ISBN: 978-3-7341-6233-6
Der Band skizziert die vielfältigen Verstrickungen Deutscher in die Versklavung von Menschen aus Afrika. Das stiefmütterlich behandelte Thema wird facettenreich angerissen und erlaubt ein besseres Verständnis des komplexen Sujets. Cover DVA, Bild mit Canva erstellt.
Die Zeit des Nationalsozialismus und der einhergehende Zivilisationsbruch einschließlich der historisch völlig einmaligen industriellen Vernichtung von Millionen Menschen steht zwischen der Gegenwart und der deutschen Geschichte vor 1933 wie eine dicke, schwarze Rauchwand. Dahinter bleiben viele wichtige Aspekte und Entwicklungen, positiv wie negativ, oftmals verborgen. Kolonialismus und Sklaverei gehören dazu.
Das Buch Die Sklaverei und die Deutschen, herausgegeben von Jasmin Lörchner und Frank Patalong, bietet einen Zugang zu einer ganzen Reihe von Facetten der Sklaverei und der direkten und indirekten Beteiligung Deutscher an dem finsteren Kapitel. Die Sammlung von knappen, journalistischen Beiträgen hat selbstverständlich ihre Grenzen, wer eine historiographische Monographie erwartet, kann nur enttäuscht werden.
Umgekehrt eröffnet die Herangehensweise einige Vorteile. Ein breites Publikum kann durch das Buch angesprochen und erreicht werden, was angesichts der Bedeutung des Themas für die Gegenwart nur wünschenswert ist. Immer wieder gibt es Debatten um Straßennamen oder Denkmäler, die bisweilen auf Unverständnis treffen und von interessierten Kreisen für schamlose Agitation ausgenutzt werden.
Zeuske: Sklaverei ist die gewaltsame Kontrolle und die Kapitalisierung von Körpern. Da spielen Aspekte wie Geschlecht und Status, extrem viel Arbeit, Ausbeutung, Unterdrückung und körperliche Dienstleistungen mit rein. Mallinckrodt: Ich fasse Sklaverei enger. […] [Ich] stütze mich auf eine rechtliche Definition, angelehnt an das römische Recht: Ein versklavter Mensch gilt nicht als Person. Er oder sie wurde als bewegliche Habe angesehen, konnte verkauft, vererbt oder verschenkt werden, war selbst nicht rechtsfähig, konnte also nicht als Zeuge aussagen oder klagen.
Jasmin Lörchner / Frank Patalong (Hrsg.): Die Sklaverei und die Deutschen
Nach der Lektüre wird deutlich, wie sehr das Geschäft mit dem Menschenhandel auch in Deutschland gewirkt hat. Völlig in Vergessenheit geraten ist hierzulande, dass ein deutscher Staat einen Anlauf unternommen hat, Macht und Größe durch das Geschäft mit versklavten Afrikanern zu mehren: Brandenburg-Preußen gründete zu diesem Zweck eine kleine Kolonie (Groß-Friedrichsburg) an der so genannten Goldküste und pachtete in Karibik eine Insel, um dort die in Afrika erworbenen Sklaven zu verkaufen. Das blieb Episode, Piraten, andere Kolonialmächte und hauseigenes Desinteresse beendeten das Unternehmen rasch.
Dennoch haben hunderttausende Deutsche beim lukrativen Menschenhandel mitgewirkt. Da waren Kaufleute wie Friedrich Romberg, der als Reeder auf Sklavenschiffe setzte und große Reichtümer anhäufte, ehe ihn Napoleons Kriege ruinierten. Da waren die deutschen Fürsten und Bürger, die ihr Haus mit einem »Hofmohren« schmückten oder einen Afrikaner als Diener »hielten«, die offiziell keine Sklaven waren, aber von Freiheit weit entfernt.
Überraschend ist, wie viele Deutsche etwa in Diensten der Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC) der Niederlande tätig waren und sich auf diesem Weg direkt an Kolonisation und dem Menschenhandel beteiligten. Das waren nicht ein paar hundert oder tausend, sondern hunderttausende Menschen aus deutschen Landen. Städte wie Hamburg und Bremen haben auch direkt von dem Geschäft mit dem Menschenhandel profitiert.
»Deutsche stellten Kapital, Schiffe, Plantagenausrüstung und Kleidung bereit, produzierten Waren für den Tauschhandel und verarbeiteten durch Sklavenarbeit gewonnene Güter wie zum Beispiel Zucker weiter.«
Jasmin Lörchner / Frank Patalong (Hrsg.): Die Sklaverei und die Deutschen
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es kein einiges Deutschland und eigene Kolonien kamen deutlich später, was es erleichterte, die Position zu vertreten, man habe mit dem Sklavenhandel nichts zu tun gehabt. Nach der Lektüre von Die Sklaverei und die Deutschen ist diese bequeme Haltung im Grunde passé. Damit wird die Tür aufgestoßen für ein angemessenes Verständnis aktueller Themen, etwa die Frage von Entschädigungen und Reparationen.
Wirklich gut ist die Vielfalt der Themen, die in dem Buch angerissen werden: sexueller Missbrauch und Ausbeutung weiblicher Sklaven, die Aufstände auf Hispaniola (hier sei auf den älteren Roman von Alejo Carpentier, Explosion in der Kathedrale verwiesen, der sehr schön die Grenzen von Aufklärung und Befreiung zeigt). Aber auch der Vergleich zu der Leibeigenschaft wird ebenso geführt, wie zu der Unfreiheit in den deutschen Kolonien. Nicht zuletzt wird die Versklavung mit Vernichtungsabsicht durch die Nationalsozialisten angerissen.
Besonders beeindruckt haben mich zwei Dinge. Natürlich gab es auch Widerstand, in Form autonomer Territorien entlaufener Sklaven etwa, aber auch durch den Suizid: Versklavte versuchten, über Bord zu springen oder sich zu Tode zu hungern. Nichts verdeutlicht die Verzweiflung, aber auch die Klarsicht der Versklavten über ihr Schicksal deutlicher. Bemerkenswert ist auch, dass Forscher für den Menschenhandel in Afrika, etwa ins Osmanische Reich, wesentlich mehr Betroffene errechnet haben als für den Atlantik-Handel.
Das Thema wird nicht aus der Gegenwart verschwinden, wie nicht zuletzt das Kapitel Mitten unter uns zeigt. Da Zeit das kostbarste Gut ist und viele Leser zwischen einer Unzahl an Publikationen geradezu zerrieben werden, sind Kompendien wie Die Sklaverei und die Deutschen geradezu prädestiniert dazu, einen schnellen, vielfältigen und zur vertiefenden Lektüre und Beschäftigung mit dem Thema anregenden Zugang.
Rezensionsexemplar
Jasmin Lörchner / Frank Patalong (Hrsg.): Die Sklaverei und die Deutschen Eine Geschichte von Ausbeutung, Profit und Verdrängung Deutsche Verlags-Anstalt 2024 Hardcover 240 Seiten ISBN: 978-3-421-07024-1
Von Leonardo Padura habe ich mittlerweile alles gelesen, was aus dem kubanischen Spanisch ins Deutsche übersetzt wurde. Sein Opus Magnum ist Der Mann, der Hunde liebte. Das zweitbeste Buch ist Ketzer, das ich aus aktuellem Anlass ein zweites Mal lese. Die Lektüre ist Teil meines Lesevorhabens Wiedergelesen 4für2026.
Piratenbrüder
Das dramatische Finale
Alexander Preuße: Opfergang – Piratenbrüder Band 7 Taschenbuch 508 Seiten, 19,99 Euro eBook: Kindle 5,99 Euro oder KindleUnlimited
Bücher begleiten mich schon mein ganzes Leben, auf dem Leseweg habe ich sehr viele großartige Romane und Sachbücher lesen dürfen, von denen ich gern erzählen möchte. Das ist ein Grund, warum ich blogge.