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Susanne Heim: Die Abschottung der Welt

Buchcover von ‚Die Abschottung der Welt: Als Juden vor verschlossenen Grenzen standen 1933–1945‘ von Susanne Heim. Das Cover zeigt eine historische Schwarz-Weiß-Fotografie von Menschen auf einer Straße. Im Vordergrund ist ein Zitat zu lesen: ‚Rettung ist nachrangig – bis zuletzt.
Wer dieses vorzügliche Buch aufschlägt, betritt einen Dornwald. Coverrechte beim Verlag, Bild mit Canva erstellt.

In den folgenden Jahren bis 1937 verließen jährlich zwischen 21.000 und 25.000 Personen Deutschland, die nach den nationalsozialistischen Bestimmungen als jüdisch galten – unabhängig davon, wie sie sich selbst definierten.

Susanne Heim: Die Abschottung der Welt

Manchmal reicht ein einzelner Satz, um mich für ein Buch einzunehmen. Er klingt wenig spektakulär, zielt jedoch auf einen wichtigen Aspekt von geradezu existenzieller Tragweite. Wenn von »Juden« im Zusammenhang mit der zwölfjährigen NS-Herrschaft in Deutschland die Rede ist, geht es um Menschen, denen von den Nationalsozialisten diese Identität aufgezwungen wurde. Wichtiger noch ist, dass diese Menschen auf jene zugeschriebene Identität reduziert wurden. Das bildete die Basis für die Ausgrenzung bis hin zur Vernichtung.

Die eigene Identitätssicht spielte überhaupt keine Rolle. Ob sich jemand als säkularer Deutscher oder Orthodoxer sah, machte in der Realität des NS-Staates keinen Unterschied. Das Prinzip derIdentitätszuweisung und -reduktion wurde auch auf andere Gruppen angewandt, gelegentlich mit schwammigen Begriffen wie »Asoziale« oder »Arbeitsscheue«, was Missbrauch Tür und Tor öffnete. Zwangsarbeit konnte so leicht gerechtfertigt werden. Keineswegs nur in Deutschland: Im selbst ernannten »Arbeiter- und Bauerparadies« der Sowjetunion waren die stalinistischen Herrschaftseliten besonders kreativ im Umgang mit dieser Technik, zahllose Gulags mussten schließlich mit Millionen Menschen gefüllt werden.

Der kleine Exkurs soll keineswegs das Schicksal der von den Nazis als Juden definierten Menschen in Deutschland (und Europa) relativieren. Es ist eine Warnung an die Gegenwart, dass wirksame Herrschaftsmechaniken wie die der Identitätszuschreibung und -reduktion unabhängig von Ideologien in Zwangsregimen aller Art angewandt werden können. Bedauerlicherweise wird mit der holzschnittartigen Identitätszuschreibung im 21. Jahrhundert geradezu fahrlässig umgegangen. Es ist also wichtig, auf diesen Aspekt hinzuweisen.

Die Kriegsgegner Deutschlands waren zwar gewillt, dem Terror der Nationalsozialisten ein Ende zu setzen, doch deren Opfern auf dem eigenen Staatsgebiet dauerhaft Aufnahme und Sicherheit zu gewähren – dazu waren sie nicht bereit.

Susanne Heim: Die Abschottung der Welt

Wie der Untertitel des Buches zeigt, geht es nicht nur um deutsche Juden. Schon vor Beginn des Zweiten Weltkrieges und der gewaltsamen Expansion, die mehrere Millionen Menschen unter die Herrschaft des Hitler-Regimes zwang, die als »Juden« galten, wurden in verschiedenen Staaten Maßnahmen zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung in die Wege geleitet, die sich an die im Deutschen Reich anlehnten. Das hatte schwerwiegende Folgen auf diplomatischer Ebene. Bei allen Versuchen, für die Verfolgten in Deutschland Hilfe zu organisieren, blockierte die Befürchtung, die Zahl der Hilfesuchenden könne sich massiv erhöhen, wenn Juden aus Ungarn, Polen, Rumänien, Bulgarien usw. ebenfalls berücksichtigt werden müssten.

Dabei reichte die Hilfsbereitschaft längst nicht für die deutschen Juden aus. Susanne Heim schildert mehrere Anläufe, den Betroffenen auf diplomatischer Ebene beizuspringen. Das glich oft einer Mischung aus Drahtseilakt, um die verschiedenen Interessen, Möglichkeiten und Grenzen unter einen Hut zu bekommen, und einem Pokerspiel, bei dem jeder am Verhandlungstisch Sitzende versucht, die anderen zu übervorteilen. In diesen oft langsam mahlenden Mühlen wurden die Flüchtlinge zerrieben. Die Konferenz auf den Bahamas im April 1943, zeitgleich zum Aufstand des Warschauer Ghettos, stellt einen beispiellosen Tiefpunkt dar, dort »spielten humanitäre Erwägungen keine Rolle mehr.« Die europäischen Juden waren rettungslos verloren.

Die Abschottung der Welt stellt die dramatischen Einzelschicksale, oft Selbstmorde oder wochenlanges Ausharren im sprichwörtlichen Niemandsland zwischen den Staatsgrenzen, den Eiertänzen der großen Politik und Diplomatie gegenüber. Auch die Selbstbehinderung der Hilfsorganisationen, die ebenso zögerlich wie von gegensätzlichen Interessen, strategischen Vorstellungen und Rivalität geprägt waren, bleibt nicht außen vor. Gelegentlich gab tatsächlich sachliche Zwänge, die eine Lösung in größerem Maßstab verhinderten. Ein Beispiel ist Palästina, wo sich der bis in die Gegenwart ziehende gewaltsame Konflikt zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung schon in den 1930er Jahren abzeichnete und eine Masseneinwanderung von Juden (nicht nur aus britischer Sicht) verbot.

Obwohl der NS-Staat danach trachtete, die Juden außer Landes zu treiben, erschwerte gerade ihre weitgehende Enteignung durch deutsche Behörden und «Arisierungs»-Profiteure die Auswanderung.

Susanne Heim: Die Abschottung der Welt

Von 1933 bis 1938, der Machtübergabe an Hitler bis zur Einverleibung Österreichs, waren vor allem die deutschen Juden von massiven Repressalien betroffen, die sie letztlich ausplündern und vertreiben sollte. Deren Zahl war klein gemessen an den Juden, die in jenen Gegenden lebten, die bis 1942 von der Wehrmacht erobert wurden; außerdem war der Zeitraum, in dem ihnen hätte geholfen werden können, mit fünf Jahren recht lang. In den darauf folgenden vier Jahren explodierte die Zahl der Betroffenen, während gleichzeitig eine unvorstellbare Eskalation der Repression zur Vernichtung erfolgte.

Die Welt zeigte sich außerstande, den deutschen Juden ausreichend Hilfe in Form einer geordneten Massenauswanderung zukommen zu lassen. Für die Millionen Juden in Europa gab es keine Hoffnung, selbst als die Vernichtung im vollen Gange war. Die Berichte darüber wurden zurückgehalten. Als nach und nach die Gräueltaten durchsickerten, wurden Vorschläge zur Erleichterung der Lage der Juden mit zweifelhaften Argumenten zurückgewiesen. Selbst begrenzte Möglichkeiten, wie etwa jüdisches Kinder-Leben aus Rumänien zu retten, wurden abgewiesen. Bis Kriegsende galt: »Rettung ist nachrangig.«

Zwangsweise wirft das die Frage auf, ob und wie der Vernichtung der deutschen und europäischen Juden überhaupt hätte Einhalt geboten werden können. Zunächst einmal ist es wichtig, den zuerst Betroffenen keinen Vorwurf zu machen, dass sie nicht früh genug Deutschland verließen. Es gab unzählige persönliche Hürden, die mit der Aufgabe der Heimat verbunden waren, denen die Hoffnung entgegenstand, es könne vielleicht nicht so schlimm werden. Den Zivilisationsbruch konnten sich alle berechtigterweise nicht vorstellen.

Vor allem behinderte die NS-Führung die von ihr gewollte Auswanderung der jüdischen Bevölkerung selbst. Kern des Problems war die Finanzierung der Auswanderung, das jüdische Vermögen sollte im Reich bleiben, Devisenabfluss verhindert werden. Die forcierte Aufrüstung wäre sonst gefährdet gewesen, da die finanziellen Spielräume Deutschlands bereits erschöpft waren. Alle Anstrengungen in den Jahren bis Kriegsausbruch gelangten immer wieder zu diesem unauflöslichen Widerspruch, der das Widerstreben massiv befeuerte, die jüdischen Flüchtlinge aufzunehmen. Ein Grund, die Aufnahme abzulehnen, wurde durch die Armut der Flüchtlinge auf dem Silbertablett geliefert.

Täglich nahmen sich 30 bis 40 Menschen das Leben.

Susanne Heim: Die Abschottung der Welt

Statt eines geordneten Konzepts der Massenauswanderung jüdischer Bürger aus Deutschland folgte ein groteskes Spiel mit den Flüchtlingen in den kommenden Jahren. Die Passagen in Die Abschottung der Welt, in denen diese abstrusen Maßnahmen geschildert werden, sind schwer erträglich. Flüchtlinge wurden über Ländergrenzen hin- und hergeschoben, gelegentlich dutzendfach. Wie zermürbend und erniedrigend das für die Betroffenen gewesen sein muss, ist schwer in Worte zu fassen. B. Traven hat in seinem 1926 (!) erschienenen Roman Das Totenschiff einen geradezu identischen Umgang mit einem Staatenlosen geschildert, eine literarische Vorausdeutung auf das spätere Unheil.

In diesem niederschmetternden Durcheinander kamen immerhin tausend jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland in anderen Staaten unter. Es gehört zu den ironischen Wendungen, dass ausgerechnet einer der »brutalsten und korruptesten Diktatoren Lateinamerikas«, Rafael Trujillo Molina, in der Dominikanischen Republik bis zu 100.000 Flüchtlinge aufnehmen wollte.

Mit den immer höheren rechtlichen Hürden stiegen auch die Versuche, illegal aus Deutschland und Europa zu entkommen. Manche dieser Versuche, wie etwa die Irrfahrt der St. Louis, sind recht bekannt. Dabei war das Schiff nur eines von vielen, die auf den letzten Drücker versuchten, Juden aus Europa herauszuschaffen. Die geschilderten Schicksale sind oft tragisch, Schiffe wurden (versehentlich) von sowjetischen Ubooten versenkt, von Briten aufgebracht und ihre Insassen in Lager gesperrt; oder die Fliehenden saßen während ihrer Balkan-Odyssee auf der Donau fest.

Im Krieg versuchten ganze Netzwerke unter Lebensgefahr zu helfen, selbstverständlich gegen geltendes Recht. Autorin Susanne Heim betont, dass diese Netzwerke gern als Heldenerzählungen von Männern wie Adrian Fry oder Niclas Winton verbreitet werden, während die erzielten Erfolge auf den vielen Schultern namenlos bleibender Frauen ruhten. Beachtenswert ist auch die Rolle von Beamten, Soldaten und anderen, die ihre Handlungsspielräume bei der Pflichterfüllung gegen oder für die Flüchtlinge ausnutzen konnten.

Der Kleinmut obsiegt.

Susanne Heim: Die Abschottung der Welt

Die Massentötung im Krieg hätte wohl nur eine Aufgabe der Appeasement-Politik nach 1933 bewirken können. Ohne die Eroberungen der Wehrmacht wären Millionen Juden niemals unter deutsche Herrschaft gekommen, die Vernichtungslager wären ebensowenig errichtet worden wie der Holocaust durch Gewehre in der Ukraine und Belarus nicht stattgefunden hätte.

Wie sich die von Antisemitismus geprägten Gesellschaften entwickelt hätten, bleibt selbstverständlich offen, der Antijudaismus wäre auch mit einer konsequenten Politik gegenüber Deutschland nicht aus der Welt geschafft worden. In Deutschland hätte die jüdische Bevölkerung für ein Nicht-Appeasement vermutlich als Sündenbock den Kopf hinhalten müssen. Doch gilt für die Deutschland-Politik der 1930er Jahre, was Autorin Heim der Flüchtlingspolitik attestiert: Der Kleinmut obsiegt.

Gern bedanke ich mich beim Verlag C.H.Beck für das Rezensionsexemplar.

Susanne Heim: Die Abschottung der Welt
Als Juden vor verschlossenen Grenzen standen 1933-1945
C.H. Beck 2026
Gebunden 384 Seiten
19 Abbildungen, zwei Karten
Historische Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung
ISBN: 978-3-406-84301-3

Sara Dellabella, Alessio Lo Manto: Die Irrfahrt der St. Louis

Buchcover ‚Die Irrfahrt der St. Louis‘ mit Illustration eines Schiffes in Händen und historischem Foto eines Passagierschiffs auf dem Meer. Textzitat: ‚Überall behandelt man uns wie Aussätzige´.
Das Schicksal der St. Louis steht beispielhaft für den Umgang mit Flüchtlingen in Zeiten von Krieg und Krise. Viele Staaten schließen ihre Grenzen, oft auch aus innenpolitischen Gründen, weil Populisten die Gelegenheit nutzen, um zu agitieren. In Havanna zerschellten 1939 die teuer erkauften Träume von einem Leben in Freiheit für mehr als 900 Juden. Coverrechte beim Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Es war eine Flucht auf den letzten Drücker, als das Schiff St. Louis am 13. Mai 1939 von Hamburg Richtung Kuba aufbrach. Vernichtungskrieg und Holocaust, die weitgehende Zerstörung Europas mit rund sechzig Millionen Toten waren nur noch wenige Monate entfernt, da öffnete sich für 937 meist jüdische Deutsche eine Tür. Sie hofften, nach Bezahlung einer hohen Summe nach Kuba ausreisen zu können. Das war ein tragischer Irrtum, wie die Graphic Novel Die Irrfahrt der St. Louis zeigt.

Zu diesem Zeitpunkt erschien die Fahrt der St. Louis wie eine Gunst des Schicksals. Das Leben in Deutschland war für jene, die von den Nationalsozialisten als Juden angesehen wurden, fast unmöglich geworden. Die Pogrome vom November 1938 zeigten, dass es nicht bei Ausgrenzung, Entrechtung und Ausplünderung bleiben würde, unmenschliche, staatlich gedeckte Gewalt wurde gegenüber den Juden angewendet.  Zu dem Zeitpunkt war Auschwitz undenkbar, doch reichte den Betroffenen die Erfahrung, um alles aufzugeben, wenn sich die Möglichkeit einer Flucht bot.

Obwohl das nationalsozialistische Deutschland die Bürger jüdischen Glaubens loswerden wollte, verschloss es zugleich die Möglichkeiten zur Flucht. Gerade totalitäre Systeme sind geprägt von Widersprüchen, die bisweilen aberwitzig, fast immer unmenschlich sind. Auf der anderen Seite konnten und wollten viele Zeitgenossen nicht gehen. Vor allem wurden die Türen von jenen Staaten, die als Zielorte einer Migration infrage kamen, geschlossen. Die Konferenz von Evian ist ein entlarvendes Beispiel dafür, die Konsequenz für die Betroffenen waren jahrelange, oft vergebliche Odysseen.

Die Irrfahrt der St. Louis war eine solche Odyssee. Sie endete am 17. Juni 1939 in Antwerpen und nicht wie erhofft in Havanna auf Kuba. Die für viel Geld erworbenen Visa wurden zwischenzeitlich für ungültig erklärt, Korruption und politischer Druck der auf der Insel sorgten dafür, dass die St. Louis für einige Zeit vor dem Hafen der Stadt lag und unverrichteter Dinge wieder abfahren musste. Der kubanische Schriftsteller Leonardo Padura hat im ersten Teil seines Romans Ketzer die Ereignisse aus der Sicht von Juden, die bereits auf der Insel leben, geschildert. Die Irrfahrt der St. Louis widmet sich den Menschen an Bord.

Jeden Abend wird getanzt, aber mit der gezwungenen Leichtigkeit eines Festes, das bald zu Ende gehen wird und als würde sich das Schiff auf den Abgrund der Welt zubewegen.

Sara Dellabella, Alessio Lo Manto: Die Irrfahrt der St. Louis

Auf dem Schiff sorgte die Meldung von der Abweisgung für eine kaum vorstellbare Depression. Flüchtlinge sind auf ihrem Fluchtweg oft in einer Art Niemandsland gefangen. Die St. Louis war so ein Niemandsland, wie es heute die vielen Lager sind, manchmal auch ein Stück Land zwischen zwei Ländergrenzen, auf dem die Fliehenden festhängen. Das blühte den meisten Juden an Bord der St. Louis, die auch in den USA und Kanada abgewiesen wurden.

Sara Dellabella und Alessio Lo Manto schildern Die Irrfahrt der St. Louis auf eine besondere und bewegende Weise. Oft sprechen nur die Bildermit knappen, kargen Gesten und Haltungen der Figuren. Eine abweisende Handbewegung, Mimik und Gestik reichen, um die galoppierende Ausgrenzung in der deutschen Gesellschaft zu zeigen. Beklemmend sind die  verzweifelten Bemühungen, Wertgegenstände zu veräußern, um die vermeintlich rettenden Tickets und Visa zu ergattern.

Eine wichtige Gegenfigur zu den Nazis und Mitläufern ist der Kapitän des Schiffes, Gustav Schröder. Er verhält sich gegenüber den Passagieren mit Respekt und Entgegenkommen, versucht in vorbildlich preußischer Manier, seinen Auftrag zu erfüllen und die Fliehenden irgendwo an Land zu bringen. In einem nachgefügten Beitrag ist zu lesen, dass er sogar erwogen hatte, das Schiff bewusst vor Englands Küste auf Grund zu setzen, um eine Lösung im Sinne der Flüchtlinge zu erzwingen. Die Bereitschaft von vier Ländern, die Juden aufzunehmen, machte das Hazard-Spiel unnötig.

Die eigentliche Graphic-Novel wird von gleich drei Vorworten eingeführt, was bei einem Buch, das sich explizit an Jugendliche richtet, gewagt ist. Besonders interessant ist das ausführliche Interview mit Dr. Sol Messinger, einem Überlebenden der St. Louis, das die Graphic Novel wunderbar ergänzt und Teile der fiktiven Geschichte bestätigt. Auch die Entschuldigungs-Rede des kanadischen Premierministers Justin Trudeau ist abgedruckt, sie bietet reichlich Gelegenheit, Wollen und Wirklichkeit im Umgang mit Flüchtlingen in der Gegenwart zu überdenken.

Die Irrfahrt der St. Louis ist gerade wegen ihre Kürze und der Fokussierung auf eine recht überschaubares Ereignis gelungen, die Graphic Novel bietet einen guten Zugang zum Thema und ergänzt wesentlich komplexere Darstellungen. Mit dem deutschen Kapitän Gustav Schröder wird ein Mensch vorgestellt, der seinen Mut aus respektvoller Verantwortung schöpfte und bereit war, Grenzen zu überschreiten, um Leben zu retten.

Gern bedanke ich mich beim Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Sara Dellabella, Alessio Lo Manto: Die Irrfahrt der St. Louis
Die wahre Geschichte eines mutigen Kapitäns und seiner jüdischen Passagiere
Aus dem Italienischen von Anja Kootz
Knesebeck 2026
Gebunden 112 Seiten
ISBN 978-3-98962-023-0

Richard Hallas: Wer verliert gewinnt

Zwischen der Bergarbeitersiedlung in Oklahoma und Kalifornien liegen nicht nur viele Meilen, sondern Welten, wie die Hauptfigur des Romans von Richard Hallas feststellen muss. Von der harschen Wirklichkeit entrückt taumelt Richard Dempsey seiner persönlichen Katastrophe entgegen. Coverrechte liegen beim Verlag, das Bild wurde mit Canva erstellt.

USA, Mittlerer Westen, 1930er Jahre. Die Gefängnisse sind überfüllt von Tramps, nicht die tragisch-komische Version Charlie Chaplins, sondern asoziales Gelichter und Gesindel. Die Staatsmacht weiß sich zu helfen: Deportation in einen anderen Bundesstaat, genauer gesagt nach Kalifornien. Raus aus dem Knast, rein in die Eisenbahn, bis die Transportwagons mit Menschen vollgestopft sind.

Wer denkt da nicht unwillkürlich an die Züge, die wenige Jahre später durch Europa rollten?

Der Noir-Thriller aus dem Jahr 1938 deutet an dieser Stelle etwas an, was Autor Richard Hallas zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich nicht einmal ahnen konnte. Die Lage in den überfüllten Waggons des Romans ist düster genug. Das Recht des Stärkeren regiert, brutale Gewalt an Hilflosen und Schwachen wird verübt, Rassismus ist fast nur eine Randerscheinung. Beißende Kälte in den Bergen, brütende Hitze in den Wüsten, keine Verpflegung, kein Wasser, keine Körperpflege.

In diese kleine Hölle gerät der Ich-Erzähler Dick, eigentlich Richard Dempsey. Ein Mann aus der Unterschicht, er lebt in einem BergbauDrecksloch« in Oklahoma, verlassen von Frau und Kind, bricht er auf der Suche nach ihnen gen Kalifornien auf. Geld hat er keines, daher die Reise auf den Schienen im Waggon der Mittellosen. Nach wenigen Seiten dieses alptraumartigen Trips fragt man sich, wie das bis zum Ende des Buches eigentlich weitergehen soll, so drastisch ist die Schilderung. Wer verliert gewinnt hält jedoch für den Leser mehrere verblüffene Wendungen bereit.

Ich hörte, wie sie auf ihn losschlugen, bis er still war.

Richard Hallas: Wer verliert gewinnt

Richard Hallas, das Pseudonym des britischen Autors Eric Knight, hat ein Händchen dafür, seinen Ich-Erzähler in groteske Situationen stolpern zu lassen. Diese sind nicht komisch, sondern wie ein irrwitziger, anstrengender Traum, aus dem man gern aufwachen möchte. Der abgerissene, heruntergekommene Erzähler wird mit Menschen konfrontiert, die ein schräges Verhalten an den Tag legen. Auf das Entgegenkommen dieser Zeitgenossen ist er wegen seiner Lage angewiesen, er würde andernfalls einfach verhungern.

Dick lässt sich zur Teilnahme an einem fingierten Verbrechen überreden, das selbstverständlich einen ungeplanten Verlauf nimmt. Die Schuld schwebt danach wie das berüchtigte DamoklesSchwert über dem Erzähler. Diese latente Bedrohung sorgt für eine nicht abreißende Spannung, auf einem kurvenreichen Weg mündet der Fehltritt in einer Katastrophe. Die Inszenierung des Desasters ist einfach großartig, weil sie die schon damals wirksamen, bis heute bekannten Abgründe des US-Gesellschafts- und Politsystems auslotet.

Wie der ganze Roman ist das wunderbar unterhaltsam, weil Hallas seine Figuren immer unerwartet und schwer begreiflich handeln lässt. Es wirkt wie ein Spiel, bei dem kein allmächtiger Gott die Fäden lenkend in der Hand hält, sondern eine Art Zufallsgenerator, ein Würfelspiel oder Roulette, wie es auf dem sehr schönen Cover abgebildet ist. Vielleicht hatte Einstein aber auch unrecht, und Gott würfelt doch?

Das Motiv  des Spiels ist im deutschen Titel, vor allem aber im englischen Original enthalten: You Play the Black and the Red Comes Up. In der Romanhandlung findet sich Ich-Erzähler Dick einmal tatsächlich am Roulette-Spieltisch wieder. Das ist eine ganz großartige Szene, denn der Versuch, gefährliches Geld zu verlieren, geht schief. Die Hauptfigur hat am Ende viel mehr Geld als zu Beginn, Dick findet sich inmitten einer aufgeheizten Situation wieder, steht im Zentrum der Aufmerksamkeit, die Polizei rückt an – alles, was er unbedingt vermeiden wollte.

Das alte Sprichwort heißt: Du setzt auf Schwarz – und Rot gewinnt.

Richard Hallas: Wer verliert gewinnt

Von der harschen Lebenswirklichkeit der Großen Depression in den 1930er Jahren, die Wer verliert gewinnt in den ersten Kapiteln drastisch vorführt, ist in Kalifornien nichts zu spüren. Dicks Leben ist dort regelrecht entrückt, alles erscheint geradezu unwirklich, wie die Filmindustrie mit ihren verlogenen Traum- und Scheinwelten. Der Regisseur Quentin Genter, ein hintertriebener, arglistiger und rücksichtsloser Mensch, formuliert das im branchenüblichen Überschwang, wenn er meint, die ganze Welt wäre ein Kino und das Leben ein Film.

Das treibt Autor Hallas auf die Spitze, als der Ich-Erzähler am Meer sitzt und eine splitternackte Schwimmerin namens Sheila aus dem Wasser steigt, wie eine der mystischen Meerjungfrauen. Dick gibt sich ritterlich (ganz im Gegensatz zu der Meute aus den ersten Kapiteln, die schon bei der Erwähnung zweier »Mädels« ihren Trieben freien Lauf lässt). Irritierend ist eine euphemistische Formulierung für Sheilas Verhalten in der Folgezeit, für den handfest denkenden und agierenden Dick bleibt sie rätselhaft. Die Distanz zwischen beiden dürfte der Kluft zwischen der woken Awareness-Kultur und den Trump-Wählern entsprechen. Dennoch verliebt Dick sich in Sheila und nimmt prompt Kurs auf die Katastrophe.

Besonders gelungen finde ich die Gestaltung des Ich-Erzählers. Schon auf dem Höllentrip gen Kalifornien zeigt er Ansätze moralischen Verhaltens, das sein Handeln auch danach immer wieder bestimmt. Geradezu skrupulös versucht er, einem unschuldig Inhaftierten zu helfen, er bleibt seiner Geliebten verbunden, einer älteren Frau namens Mamie mit einem übergriffig-eifersüchtigen Verhalten.

Trotzdem bleibt der Verdacht bestehen, seine Frau könnte  ihn aus gutem Grund verlassen haben, häusliche Gewalt liegt nahe, auch weil der Ich-Erzähler eine wenig glaubhafte Ausrede vorbringt. Er ist  bereit, das Gesetz zu brechen, und er scheut auch nicht den Gedanken an ein Kapitalverbrechen, leitet es sogar in die Wege, was in einer Tragödie endet. Diese Figur des Richard Dempsey ist nicht glattgeschliffen, das Nebeneinander von persönlichen Abgründen und moralischen Grundsätzen ist nicht bloß behauptet, sondern glaubwürdig motiviert.

Das nimmt den Leser für die Hauptfigur ein, die Spannung in diesem Roman entwickelt sich auch aus dem Wunsch, alles möge inmitten des Wahnwitz doch irgendwie gut ausgehen, und dem Wissen um dessen Unerfüllbarkeit. Wie könnte es auch, denn die harsche, oft irrsinnige Wirklichkeit bleibt neben den abgehobenen Traumwelten Hollywoods und totalitär-verzückter Weltverbesserer bestehen. Darum liest man das Ende des Romans mit einigem Misstrauen, es passt besser zum Wunsch als zur Wirklichkeit. Es wirkt wie eine Phantasmagorie.

Gern bedanke ich mich beim Elsinor-Verlag für das Besprechungsexemplar. Wie in den anderen Bänden der Reihe um die Noir-Klassiker rundet auch bei Wer verliert gewinnt ein vorzügliches Nachwort von Herausgeber Martin Compart das Buch ab. Eric Knights Lebensweg ist selbst ein Roman, in dem es reichlich Noir-Phasen gab, einschließlich seines tragischen Endes im Jahr 1943.

Weitere Besprechungen der Noir-Thriller-Klassiker-Reihe:
Fearing, Kenneth: Die große Uhr.
Buchan, John: Der Übermensch.
A.D.G.: Die Nacht der kranken Hunde.
John Mair: Es gibt keine Wiederkehr.
Derek Marlow: Ein Dandy in Aspik.

Richard Hallas: Wer verliert gewinnt
Aus dem Englischen von Anna Katharina Rehmann-Salten
Hrsg. und mit einem Nachwort von Martin Compart
Elsinor 2026
Klappenbroschur 224 Seiten
ISBN: 978-3-942788-94-6

Neue Lektüre: Thriller in einer dystopischen Zukunft von Gestern

Den Roman lese ich nicht zum ersten Mal, wie die Aufnahme zeigt.

Meine neue Lektüre führt in das Jahr 1964, die Vorbereitungen auf den 75. Geburtstag des »Führers« Aldolf Hitler laufen in der Zehnmillionenstadt Berlin wie im gesamten Großdeutschen Reich auf Hochtouren. Doch sorgen die Tode hochrangiger Funktionäre für Unruhe, die in einer Auseinandersetzung auf Leben und Tod endet. Der Ermittler Xaver März entdeckt, dass die Tode Teil einer mörderischen Säuberung sind – ein beliebter Zeitvertreib in Diktaturen.

Der britische Autor Robert Harris führt mit seinem Thriller in eine alternative Vergangenheit, in der das Hitlerreich den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat. Romane dieser Art haben ihren ganz besonderen Reiz, neben Vaterland habe ich in der Vergangenheit einige dieses Sujets gelesen. Wie in jedem Genre gibt es Enttäuschungen, wie etwas Feindesland von C.J. Sansom, aber auch literarisch hochwertige Bücher wie Das Orakel vom Berge von Philipp K. Dick.

Das Besondere an Vaterland ist die Verschlingung der Ermittlungsarbeit eines Polizisten (hier in SS-Uniform) und eines Historikers. Denn es ist ein historisches Geheimnis in dieser Parallelwelt, die für die Tode verantwortlich ist. Harris ist es gelungen, die historische Forschung in die Form eines sehr spannenden, gekonnt getimten Thrillers zu gießen.

Vaterland ist Teil meines Lesevorhabens Wiedergelesen – 4 für 2025.

Marcus M. Keupp: Spurwechsel

Zahlen sind eine hervorragende Grundlage für die Analyse. Ich bevorzuge die Herangehensweise von Ökonomen gegenüber moralisch argumentierenden Autoren. Man muss es aushalten, denn schön ist es nicht, was der »Spurwechsel« mit sich bringt, doch haben Illusionen und Wegsehen das Dilemma erst heraufbeschworden. Cover Quadriga-Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Vielleicht hat die Ukraine der westlichen Welt den moralischen Kompass zurückgegeben, ihr gezeigt, dass selbst blutig erkämpfte Selbstbestimmung besser ist als Sklaverei oder Flucht.

Marcus M. Keupp: Spurwechsel

Immer wieder muss man darauf hinweisen, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht erst im Februar 2022 begonnen hat. Der offensichtliche Bruchpunkt ist die militärische Besetzung und Annektion der Krim 2014 gewesen, auch wenn Russland schon vorher aktiv in der ukrainischen Politik mitgewirkt hat, um die Entwicklung des Landes in seinem Sinne zu beeinflussen. Folgte man der Analyse in Marcus M. Keupps Spurwechsel, dann steht das alles in einem viel weiter in die Vergangenheit reichenden Sinnzusammenhang und greift weit über die Ukraine hinaus. Russlands Fundament ist imperial, das bestimmte seine Handlungsweisen in der Vergangenheit und bestimmt sie in Gegenwart und Zukunft.

In diesem Sinne spielt es keine Rolle, welches gesellschaftlich-politische Hülle Russland gerade vorzeigt. Die Sowjetunion war genauso imperial wie es das Zarenreich vor ihm gewesen war und Russland heute ist. Diese Feststellung ist dramatisch, wenn man die Folgen bedenkt: Verschwindet Putin, ändert sich nichts. Der Krieg geht weiter, denn es ist nicht nur Putins Krieg. Keupp weist darauf hin, dass auch ein Sieg der Ukraine den Krieg nicht beenden wird. Russland wird sich andere, leichtere Ziele suchen, wie etwa Georgien, Moldawien oder die Staaten in Zentralasien. Vielleicht aber auch das Baltikum, sollte man im Kreml zu der Ansicht gelangen, das Risiko wäre vertretbar.

Entscheidend ist, dass Russland durch den Krieg nach innen stabiler ist, denn je. Die Wirtschaft steht zwar vor einem dramatischen Einbruch, wie Keupp deutlich macht, der en passant gleich mit einer Reihe von in westlichen Medien gepflegten ökonomischen Mythen aufräumt. So sind Kennzahlen, die normalerweise über den Stand der wirtschaftlichen Entwicklung informieren, im Falle Russlands wertlos. Abgesehen von der Frage, auf welcher Basis diese Zahlen beruhen, ist eine Kriegssituation eine dramatische Veränderung, die vertraute Indikatoren wie Inflation, Arbeitslosigkeit oder das BIP entwerten. Die prekäre wirtschaftliche Lage lässt sich so nach außen propagandistisch bemänteln.

In einer Kriegssituation verliert das nominale BIP jede Aussagekraft.

Marcus M. Keupp: Spurwechsel

Die Passagen, in denen Keupp die russländische Wirtschaftsentwicklung analysiert und ihre Folgen skizziert, gehören zu den ernüchternden Abschnitten. Mittel- und langfristig hat der mafiöse Petro-Staat nichts zu bieten, von den dramatischen technologischen Umwälzungen wie Künstlicher Intelligenz ist das Land abgehängt. Auf den Kriegsverlauf und die Systemstabilität des Landes hat das aber kurzfristig keine Auswirkungen, im Gegenteil. Putins Regime verfolgt die Fokussierung auf wirtschaftliche Autonomie (vom Westen) und Downsizing auf technologischer Ebene sowie beim Konsum, abgefedert durch Subventionen und ideologisch aufgeladene Propaganda. Wer dennoch aufmuckt, verschwindet im Lager oder stirbt; das über Jahrzehnte aufgebaute Repressionssystem funktioniert prächtig.

Der Krieg hält die Eliten zunächst einmal an der Macht, also könnte er weitergehen, bis alle Ressourcen ausgeschöpft wurden und der Staat in die Knie geht. Die Aussicht auf einen langwierigen Krieg ist selbstverständlich niederschmetternd in einer Welt, in der ohne ein aggressiv nach außen greifendes Russland genug Probleme zu lösen wären. Gleichzeitig entwertet der Zusammenhang von Machterhalt und Krieg jegliches Friedensgesäusel hierzulande, bei dem allein der Wunsch Vater des Gedankens ist. Bis zum Zusammenbruch wird allein in Moskau über die Fortsetzung des Krieges entschieden. Was in Deutschland gewünscht wird, interessiert nur insoweit, wie es für die eigene Politik instrumentalisiert werden kann. Der intellektuelle Spurwechsel steht in dieser Hinsicht hierzulande vielfach noch aus.

Die Ukraine hat den Europäern schmerzhaft die eigenen Lebenslügen aufgezeigt, ihnen vorgeführt, wie Appeasement letztlich immer endet.

Marcus M. Keupp: Spurwechsel

Überhaupt schrumpft Deutschland mit seinen Befindlichkeiten auf Zwergenniveau, wenn Keupp seinen Streifzug durch Mittelasien unternimmt und den breiten Gürtel von Russland kolonisierter Gebiete behandelt. Deren Werdegang, die wirtschaftlichen Grundlagen und aktuelle geopolitische Optionen werden skizziert. Der Wandel wurde durch den Vernichtungskrieg Russlands dramatisch beschleunigt – Deutschland und Europa spielen dort – anders als bei der Ukraine, Moldawien, Georgien – nur eine kleine oder gar keine Rolle. Das Desaster in Afghanistan hat die Marginalisierung zweifellos beflügelt. So ist auch die Unterüberschrift des Buches zu verstehen: Eine neue Weltordnung bildet sich gerade im vollen Galopp heraus.

Gewinnbringend ist nicht nur der ökonomisch geprägte Analyse- und Erkläransatz von Spurwechsel, sondern auch die globale Ausrichtung. So werden auch die oft übergangenen Öl-Staaten am Golf unter die Lupe genommen, die trotz oder wegen ihres Reichtums in einer durchaus problematischen Lage sind. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat auch hier bereits im Gange befindliche Entwicklungen beschleunigt, grundlegende strategische und taktische Entscheidungen rücken näher. Wie überraschend und tiefgreifend diese sein können, haben die Ereignisse in Syrien gezeigt; wie wenig vorhersehbar die Folgen sind, allerdings auch.

Marcus Keupps Spurwechsel wirft ein Schlaglicht auf zentrale geopolitische Regionen der Gegenwart und Zukunft, ohne sich bei dem Versuch zu verheben, Entwicklungen prognostizieren zu wollen. Die Zukunft ist immer offen. Das macht das Buch auf vielschichtige Weise deutlich.

Marcus M. Keupp: Spurwechsel
Die neue Weltordnung nach Russlands Krieg
Quadriga Verlag 2025
Gebunden, 306 Seiten
ISBN: 978-3-86995-153-9

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