Zwei dicke Schinken lese ich gerade: ein Sachbuch über die Renaissance und einen berühmten Roman-Klassiker.
Wer kennt den Titel Moby Dick und wer hat den Roman gelesen? Vermutlich lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich von einem riesigen Missverhältnis zwischen beiden Gruppen ausgehe. Der Begriff Moby Dick ist sicher weithin bekannt, Zitate, Anspielungen und kreative Verarbeitungen gibt es zuhauf.
Sogar in Star Trek wurde einmal etwas aus dem Roman zitiert, ein Satz über den Knurre-Grummel Ahab. Auch ich habe mich bedient und ein Zitat aus dem Roman von Herman MelvilleVinland – Piratenbrüder Band 4vorangestellt.
Sie ist auf keiner Karte verzeichnet. Die wahren Orte sind das nie.
Wer aber liest einen Roman, der bereits 150 Jahre auf dem Buckel hat und seine rund 800 Seiten mit einer beachtlichen Sammlung an Zitaten über Wale beginnt? Melville lässt sich Zeit, erst um Seite 200 sticht das Schiff in See, mit dem Ismael zu seiner abenteuerlichen Fahrt aufbricht.
Stilistisch und perspektivisch bietet der Roman einige Überraschungen, die kein modernes Lektorat überstehen würden. Da hülfen auch Melvilles Spott und ironische Bissigkeit nicht, die eine wahre Wonne sind.
Für mich macht auch diese Andersartigkeit gegenüber dem, was aus Verlagen und Selbstverlegern in den Buchmarkt strömt, einen Klassiker wie Moby Dick zu einem wahrhaftigen Lesevergnügen. Der Roman ist Teil meines Lesevorhabens 12 für 2026.
Die Bücher aus der Historischen Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung waren bislang ausnahmslos ein großer Gewinn. Das gilt auch für den aktuellen Band, den ich lese, in der Gerd Roeck die Geschichte der Renaissance erzählt. Der Morgen der Welt hält schon auf den ersten Seiten eine Feststellung bereit, die auf einige provozierend wirken könnte.
Galileis »Dialogo« steht für einen Stil gelehrter Diskussion, wie ihn in dieser Form zuerst und für lange Zeit ausschließlich Europa mit seiner Wissenskultur pflegte: Geprägt von den Tugenden neugierigen Fragens und gelassenen Bezweifelns, scheut er Streit, ja donnernde Polemik nicht.
Gerd Roeck: Der morgen der Welt
Das Gespräch kombiniert mit der schriftlichen Verbreitung nach der Revolution des Druckens und der Beschränkung der religiösen Einflüsse als Triebfeder für den gewaltigen Modernisierungssprung Europas, der den Kontinent zum Hegemon der Welt machte. Ein – hier arg verkürzt skizzierter – Denkansatz, der eine Antwort auf die Frage wagt, warum die Entwicklung hier stattfand und nicht anderswo.
Nach der Lektüre dieses herausfordernden Buches betrachtet der Leser Ruinen mit einem anderen Blick. Neben allem anderen ist Versunkene Welten auch eine faszinierende Entdeckungsreise, denn die Zahl der ruinierten Städte ist überwältigend. Darunter sind einige in Vergessenheit geratene Metropolen. Cover C.H. Beck, Bild mit Canva erstellt.
Es kommt nicht oft vor, dass ein Autor seinen Lesern rät, einen Abschnitt seines Buches zu überspringen. Martin Zimmermann unterbreitet an einer Stelle seines Buches Versunkene Welten diese Möglichkeit. Wer das Kapitel trotz der originellen Trigger-Warnung das Kapitel liest, wird belohnt. Die schiere Fülle an Ruinenstädten in der Antike ist überwältigend, man blickt gewissermaßen in einen apokalyptischen Abgrund des Untergangs, aber eben auch auf eine mehrere Jahrhunderte währende Geschichte des Überlebens, Wiederauf- oder Neubaus von Städten. Dieses untrennbare Nebeneinander ist ein Kern von Versunkene Welten, denn Entstehen und Vergehen schreiten Hand in Hand durch die Zeit.
Wie aber haben die Zeitgenossen und Nachgeborenen, die in der »Antike« und den vorangegangenen Jahrhunderten lebten, auf die Hinterlassenschaften des Untergangs, auf Ruinen, Trümmer und Relikte geblickt? Das ist die zentrale Frage, der Zimmermann nachgeht, ein Unterfangen, bei dem der Autor Neuland betritt. Versunkene Welten widmet sich der »Kehrseite antiker Urbanisierung, die eine Erfolgsgeschichte war«, aber eben auch »von Beginn an eine Geschichte des Scheiterns und Untergangs.«
Wer wissen will, wie dieses Nebeneinander aus Erfolg und Scheitern in alter Zeit wahrgenommen wurde, muss sich von modernen Maßstäben lösen und dazu diese zunächst einmal festlegen. Begriffe wie »Scheitern« und »Niedergang« sind negativ konnotiert, mit der Folge, dass sie ausschließlich als »Störfall« wahrgenommen und schlimmstenfalls mit »melancholischer Nostalgie« verarbeitet werden. Das verstellt und verzerrt den Blick auf Phänomene, die für moderne Städte undenkbar sind:
Eine Stadt konnte aber auch, sobald sich eine attraktivere Alternative bot oder die politische Großwetterlage es nahelegte, wie ein unpassendes oder schadhaftes Kleidungsstück abgelegt werden.
Martin Zimmermann: Versunkene Welten
Man stelle sich das Prozedere einmal für Berlin vor, ein gegenwärtiges Musterbeispiel für »schadhaft«. Besonders wichtig erscheint mir die Erkenntnis, dass Städte aus freiem Willen ohne äußeren Druck aufgegeben wurden, wenn etwas Besseres gefunden wurde. Melancholische Rückschau verbietet sich daher beim Blick auf Ruinen, die nicht nur als »Störfall einer großen Erfolgsgeschichte« betrachtet werden sollten. Um die Suche nach einer neuen, angemessenen Perspektive geht es eben auch in Versunkene Welten.
Zwei Aspekte in der Rezeption von städtischer Vergangenheit betrachtet Martin Zimmermann als hinderlich, um einen angemessenen Zugang zu ruinierten Städten zu bekommen. Erstens liegt der Fokus auf der Darstellung der Stadt als funktionstüchtige und intakte Ansammlung von Gebäuden zu betrachten, einschließlich der Vorstellung eines »pulsierenden Lebens« – nicht umsonst ein wiederkehrendes Motiv in Reiseführern. Zweitens beschränkt man sich auf einzelne Monumente, die das moderne Verständnis von Ruinen unterstützen, weil sich als passende Erinnerungsorte für blühende Urbanität erweisen.
Im ersten Fall wird der Verfall ausgeblendet, im zweiten werden der Antike identifizierte und inszenierte Trümmer mit modernen Wahrnehmungsmustern gedeutet.
Martin Zimmermann: Versunkene Welten
Die Lektüre wird also herausfordernd. Der Leser von Versunkene Welten muss sich einiger Gewohnheiten entledigen und wird sich beim nächsten Betrachten eines Stadtmodells fragen, ob das, was ihm präsentiert wird, nicht eher Fantasy ist als historische Rekonstruktion. Stadtmodelle sind nach Zimmermanns Ansicht wirklichkeitsferne Phantasiegebilde.
Neben plastischen Modellen und Zeichnungen, wie das Foto zeigt, wäre hier die Flut an KI-generierten Filmchen auf Instagram, Youtube zu ergänzen, die den Zuschauer in eine vergangene Zeit reisen lassen sollen, dabei reine Fiktion bieten. Dem von Zimmermann attestierten Hang zur Makellosigkeit begegnet man in diesen Visualisierungen in perfektionierter Form.
Was neben dem Straßendreck fehlt, sind Baustellen, Ruinen, Brachflächen, die Teil der städtischen Dynamik sind. Außerdem sind sie leer und geradezu aseptisch. Visualisierungen der Vergangenheit zeichnet eine statische Stille aus, die von der Realität weit entfernt ist, denn Städte haben zu allen Zeiten gleichzeitig Verfall und Erneuerung erfahren. Innerstädtische und zwischenstädtische Dynamik gingen dabei Hand in Hand. Wurde eine Stadt verlassen, verfiel sie; eine andere blühte aber auf. Ein vielfältig anzutreffendes Wechselspiel, wie einige namhafte Beispiele zeigen.
»Verlassen« meinte nicht unbedingt menschenleer. Die Reste einst blühender Großstädte bewohnten nach der Ruinierung kleinere Gemeinschaften oder verzweifelte Rand-Existenzen. Für den modernen Leser wirkt es befremdlich, wenn antike Autoren Städte mit einer noch immer großen Bevölkerung als Ruine oder gar verwüstete Landschaft, Weide für Vieh oder ähnlich bezeichneten. Die Gründe dafür auch nur nachzuvollziehen fordert den Leser heraus; das gilt auch für andere Merkwürdigkeiten. Es gab keine Archäologie, keinen Bedarf an authentischen Ruinen oder Artefakten, Relikten oder Erinnerungsorten; wichtig war die damit verbundene Erzählung.
Ruinen muss man nicht nur haben, man muss sie auch wollen.
Martin Zimmermann: Versunkene Welten
Ein wesentliches Ziel der Beschäftigung mit Ruinen in der Antike lag darin, sie in die mythische Geschichtskonstruktion einzubinden. Troja ist ein, vielleicht das herausragende Beispiel dafür, insbesondere bei den Römern. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht wegzudenken. Kaum weniger prominent heute ist Pompeji, vom Namen her bekannt und ideologisch aufgeladen ist Babylon als Brutstätte des Sittenverfalls. Karthago wäre als weiteres Beispiel zu nennen, das für die Römer eine geradezu dramatische Bedeutung auf mehreren Ebenen hatte. Neben den bekannten Orten entdeckt der Leser auch gewaltige Siedlungen, die heute im Schatten stehen, Ninive etwa.
Die Lektüre von Versunkene Welten ist eine faszinierende Entdeckungsreise durch die antike Geschichte, die überraschend weit sie in die Vergangenheit zurückreicht. Dabei bleibt die Beschäftigung mit dem Thema Vernichtungskrieg nicht aus, denn der Krieg war ein wesentlicher Grund für die Ruinierung von Städten. Wie römische Feldherrn mit der Zahl der von ihnen ausgelöschten Orte prahlten, löst beim modernen Leser Befremden aus. Das gilt keineswegs nur für die üblichen Verdächtigen. Neben Caesar, Pompejus war auch einer der beiden Gracchen erpicht darauf, sich als Vernichter darzustellen. Ausgerechnet einer der Brüder, die bisweilen in der Gegenwart als Reformer-Brüder der Antike gehandelt werden, feiert sich als Vernichtungskrieger.
Das ist keineswegs die einzige Überraschung, die als »Ent-Täuschung« auf den Leser von Versunkene Welten wartet. Jenes unausrottbare Vorurteil über »den Orient« als Stätte grausamer, menschenverachtender, zu rationalem Regieren unfähiger und dekadenter Despotien ist sprichwörtlich uralt. Griechen wie Römer haben diese Sicht nach Kräften befeuert. Die letzte ptolemäische Königin Ägyptens, Kleopatra, personifiziert das Klischee-Sammelsurium geradezu, trotz bemühter Aufarbeitung durch die Wissenschaft geistern die Echos der Vorurteile weiter durch die Literatur. In Bezug auf Kleopatra ist mir derlei zuletzt bei Peter Frankopan, Das Licht aus dem Osten begegnet. Nach der Lektüre von Versunkene Welten sind diese zählebigen Geister gebannt.
Gern bedanke ich mich beim Verlag C.H. Beck für das Rezensionsexemplar.
Martin Zimmermann: Versunkene Welten Ruinenstädte in der Antike von Troja bis Pompeji C.H. Beck 2026 Gebunden 544 Seiten Historische Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung ISBN: 978-3-406-83619-0
Der Brocken im Harz-Gebirge, das Steffen Kopetzky auf den Spuren Heinrich Heines durchwandert hat und seine Erlebnisse und Gedanken in diesem wunderbaren Buch mit dem Leser teilt. Coverrechte Rowohlt Berlin, Bild mit Canva erstellt.
Niemand wird kommen, uns zu retten, niemand wird uns etwas schenken, nicht die Amerikaner und die Russen schon ganz bestimmt nicht.
Steffen Kopetzky: Die Harzreise
Ein wenig erstaunt war ich schon, als ich beim Durchblättern der Verlagsvorschauen dieses Buch entdeckte: Die Harzreise. Was treibt einen Schriftsteller wie Steffen Kopetzky dazu, im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts eine mehrtägige Wanderschaft durch den Harz zu unternehmen? Ausgerechnet der Harz? Eine Deutschlanderkundung soll es sein, heißt es im Untertitel. Will Kopetzky im Kleinen das Große Ganze erkennen? Am Schreibtisch erahnen Schriftsteller noch ganz andere Dinge, was werden frische Luft und Bewegung erst anrichten?
Eines war mir vorher klar: Wie eine mehrtägige Wanderschaft der körperlichen Konstitution mit Schmerzen und anderen Zudringlichkeiten zu Leibe rückt, würde die Lektüre meinen Vorurteilen gegenüber dem Harz ans Leder gehen. Ich kenne die Erhebung nur aus der Literatur, von einigen Orten wie Goslar, Osterode oder Quedlinburg einmal abgesehen; und als Fernansicht. Vom Schreibtisch bräuchte ich die Zeitspanne eines Fußballspiels für einen Fußmarsch zum Aussichtsturm »Harzblick«, von dem aus man über idyllisch rotierende Windräder hinweg zum Berg schauen kann. Gutes Wetter vorausgesetzt.
Nun werde ich wohl auch einmal in den Harz müssen, vielleicht sogar auf den Brocken, sicher aber nach Wernigerode oder Treseburg mit seinen Villen. Damit bin ich schon weit im Buch gesprungen, es sind Orte der letzten Etappen der Wanderung, die Steffen Kopetzky auf den Spuren Heinrich Heines und seiner berühmten Harzreise unternahm. Möge die 200 Jahre danach unternommene Deutschlanderkundung viele Leser finden, denn die moderne Harzreise mündet in Gedanken und Überlegungen, die weit über persönliches (Wander-)Erleben und die Harz-Region hinausgehen. Eine kämpferische Sicht auf Gegenwart und Zukunft, ohne Gejammer und Untergangsfantasie, aber auch nicht die heute gern gepflegte Flucht in romantische Unwirklichkeiten.
Aber da müssen wir durch, müssen unsere Harzreise antreten, auch wenn der Himmel Regen schickt. […] Vielleicht werden wir als Deutsche in diese harten nächsten Jahre gehen und als Europäer herauskommen.
Steffen Kopetzky: Die Harzreise
Los geht es mit Kopetzkys Harzreise in Göttingen, barmherzig in Heisenbergs Unschärfe gehüllt. Die erste Etappe führt nach Northeim und nicht direkt nach Osterode, wie Heine es getan haben will. Sprachlich tritt Kopetzky von Beginn an in Heines Fußstapfen, fein dosierte Ironie in allen Schattierungen begleitet Wanderer und Leser. So bleibt es heiter, auch wenn von Leerstand in Innenstädten, von Gott und Welt verlassenen Orten, unheimlichen Lost-Places und Zeitgenossen mit kleinkarierten Weltsichten die Rede ist.
Wie immer auf Reisen ergeben sich zufällige Begegnungen, die natürlich nicht zufällig sind, sondern dem zufallen, der aufgebrochen ist. Gerade wenn es sich um Fachleute handelt, gibt es Interessantes mitzuteilen. Ist der Klimawandel für die Zerstörung des Harzwaldes verantwortlich? Ja, unter kräftiger Beihilfe der »Lotterie der Natur« in Gestalt von Regen, Wintersturm und Trockenheit, zeitlich so abgestimmt, dass der Borkenkäfer freie Bahn hatte. Der Anblick des so zerstörten Harzwaldes ist nicht neu, vor 80 Jahren war er als Reparationsleistung abgeholzt worden. Zu Heines Zeiten waren die Bäume ebenfalls abgeholzt, wegen des Bergbaus.
Ausgehend von lokaler Erfahrung und neu gewonnenem Wissen setzt Kopetzky zu weit reichenden Gedankenflügen an. Er schlägt einen Bogen vom Müllvandalismus im Harz zum gleichsam geplagten Himalaya, stellt Überlegungen darüber an, wie die Früh-Industrialisierung in Gestalt des Bergbaus das soziale Gefüge zunächst punktuell ins Wanken brachte, zugleich den Mythos in Gestalt von düsterer Magie und Hexen beflügelte und ganz nebenbei der Reformation Schwung verlieh. Luther war der Sohn eines Hüttenmeisters, Thomas Müntzer auch. Sie wussten die »Bergfreyheit« auf ihre Weise zu deuten.
Einer der beiden ist ein typischer Pfiffikus unserer Tage – bläulich getönte Designerbrille, Kitzbühelteint von der Sonnenbank, hellblauer Pullover.
Steffen Kopetzky: Die Harzreise
Sieht man diese Erscheinung nicht vor sich? Der »Pfiffikus« ist erklärter Antieuropäer und verleiht seinem Unmut ungehemmt Ausdruck. Die Weltverschlichter sind überall am Werk, lautstark und unzugänglich für jede Form von Differenzierung. Dabei bietet auch der Harz Beispiele, dass nichts einfach, sondern alles kompliziert ist, etwa in Gestalt der Brockenbahn. Wirtschaftlich erfolgreich ist die traditionsreiche Einrichtung, aber dank Funkenflug aus den Schornsteinen auch Urheberin von Bränden inmitten eines von Trockenheit und abgestorbenen Bäumen gezeichneten Waldgebietes. Eine Zwickmühle par excellence.
Als politisch denkender Schriftsteller kann Steffen Kopetzky gar nicht anders, als seine Wanderung auch mit historisch-politischen Überlegungen zu verbinden. Die Balance zwischen dem Erleben, Gesehenen und Gedachten ist in Die Harzreise gelungen. So werden Assoziationen und Gedankenreisen, die auch zunächst abwegig erscheinende Themen wie Perry Rhodan berühren, immer durch konkrete Wahrnehmungen vor Ort ausgelöst und sind mit der Wanderung und dem Wanderer verbunden. Nicht auszudenken, wenn man als Leser von Anfang bis zum Ende mit Naturschilderungen befrachtet würde.
So aber gerät man an der Seite des Wanderers auch in eine AfD-Verantstaltung mit ihren ganz eigenen Abgründen. Kopetzky webt in die Schilderung geschickt Heine und dessen ganz eigene Erfahrungen mit radikaler Deutschtümelei ein, die antisemitisch war, wenn auch noch nicht völkisch, und Expatriierung kannte. Dieses Gespenst kehrt als »Remigration« in verschärfter, gnadenloser Gestalt zweihundert Jahre später wieder. Wie auch der Ungeist imperialistischer Eroberungskriege, die Polen im 19. Jahrhundert in ihren Klauen hielten und heute die Ukraine oder ganz Europa bedrohen.
Weil es mir so vorkam, dass genau das vor uns lag. Das Bittere. Das Herausfordernde. Eher keine Kreuzfahrt. Harz im alten Sinne einer beschwerlichen, teils auch gefährlichen Wanderung über Stock, Stein und Gebirge.
Steffen Kopetzky: Die Harzreise
Die Harzreise mündet weder in weltabgewandtem Schwärmen noch Tristesse, verweigert sich dem landauf, landab so verbreiteten Hang zur Unterwerfung, wendet sich gegen die allgegenwärtige, überwältigende Angst. Das Buch möchte Mut machen, ohne zu verharmlosen oder – noch schlimmer – die garstige Wirklichkeit in cozy Scheinwelten zu verplüschen. Neben allem anderen erzählt Die Harzreise von der Freiheit, die niemandem geschenkt oder vererbt wird. Man muss sie sich erkämpfen, eine Gewissheit auf Erfolg gibt es nicht. So wie eine Harzreise scheitern kann, ist auch ein Fehlschlag auf anderem Feld nie auszuschließen. Aufbrechen sollte man trotzdem.
Trivia: In Moria, einer Mine in J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe , gruben die Zwerge zu tief; dort wurde die Gier mit dem Erwachen des Balrog von Morgoth bestraft, im Harz-Bergbau wartete das Böse, wenn die Regelbrecher »auf Teufel komm raus« gruben.
Steffen Kopetzky: Die Harzreise Eine Deutschlanderkundung Rowohlt Berlin Verlag 2026 Gebunden 240 Seiten ISBN: 978-3-7371-0256-8
Der König Æthelred II. kommt nicht gut weg in der Wertung späterer Autoren. Kein Wunder, hat er doch kein Mittel gegen die endlosen Wikinger-Raids gefunden und ist im Kampf gegen den dänischen Erobererkönig Sven Gabelbart unterlegen.
Mehr als 35 Jahre lenkte der angelsächsische König Æthelred II. die Geschicke Englands. Dieser Satz ist in verschiedener Hinsicht problematisch, weil es eine Machtausübung suggeriert, die kein Herrscher dieser Zeit realisieren konnte. Das oströmische Reich, »Byzanz«, war in seiner Staatlichkeit wohl am weitesten fortgeschritten, weil der Zivilisationsbruch des westlichen Teils ab dem fünften Jahrhundert nicht stattfand.
Die Monarchen in den Herrschaftsgebilden, die alles Mögliche waren, aber kein Staat, mussten sich mit den regionalen Herren arrangieren. Schriftlichkeit, Recht, Verwaltung spielte um 1000 n. Chr. eine marginale Rolle. Es verbietet sich, diese Vergangenheit an der Moderne zu messen, was manche Historiker nicht davon abhält, Fürsten als Verräter und »Quislinge« zu bezeichnen: eine Anspielung auf den norwegischen Nazi-Kollaborateur gleichen Namens.
Das ist vielfacher Hinsicht absurd. Alle Fürsten zu der damaligen Zeit verfolgten ihre eigenen Interessen. Im Ostfrankenreich war es üblich, Dienste für den König mit Gegenleistungen zu begleichen; eine moderne Pflicht, dem Herrscher zu helfen, wäre damals ein abwegiger Gedanke gewesen. Heute klingt das wie Korruption, aber für das Geschehen um die erste Jahrtausendwende hilft dieser Begriff nicht weiter.
Wer also über König Æthelred II. urteilt, muss das mit großer Vorsicht tun. Ich bin sehr gespannt, wie der Autor meiner aktuellen Lektüre die historische Persönlichkeit wertet. Unbestreitbar steht am Ende des Lebens von Æthelred II. eine Niederlage gegen den dänischen Erobererkönig Sven Gabelbart; auch nach dessen Tod konnte er sich gegen Knut (später »der Große«) nicht durchsetzen.
Das Land war in den Jahren zuvor von schweren Raub- und -plünderzügen der Wikinger geplagt worden, Æthelreds Gegenmaßnahmen halfen nicht. Ein Grund, der immer wieder genannt wird, ist eine Person namens Eadric Streona, ein Adeliger, der mehrfach die Seiten wechselte. Ein »Verräter« oder vielleicht doch ein ganz gewöhnlicher lokaler Großer seiner Zeit? Die Quellenlage ist mäßig, die Autoren (oft Kirchenleute) verfolgten ihre eigenen Absichten.
In meinem Roman »Sessrumnir«, der in dieser Zeit spielt, wird Æthelred II. persönlich wohl nicht auftreten, aber natürlich wird er Teil der Handlung sein. Die Frage ist, wie ich ihn als historische Person gestalte? Was denken meine Protagonisten, ihre Verbündeten und Gegner über ihn? Ich stehe dabei vor einem Dilemma, denn die Leser meines Romans denken und werten modern; ein zu stark historisierender Ansatz könnte als zu fremd, ja falsch empfunden werden und die Grundlage jeden Romans brechen: die Glaubwürdigkeit.
Mein Lieblingszitat aus dem Buch. Die passende Karte veranschaulicht, wie sehr sich das Gesicht unserer Welt verändert hat. Mensch und Baum standen schon immer in Konkurrenz. Coverrechte beim Verlag, Bild mit Canva erstellt.
Wer sich mit Geschichte befasst, stellt unvermeidlich irgendwann die Frage nach einem alternativen Verlauf der Entwicklung. Die Antwort fällt zwangsläufig spekulativ aus, denn so wenig sich die Zukunft in der Gegenwart vorhersagen lässt, so wenig lässt sich die »Zukunft von Gestern« prognostizieren. Zu komplex sind die Entwicklungen, wie Stig Förster in seiner voluminösen Deutschen Militärgeschichte betont. Zur Illustration dessen, was tatsächlich stattfand, und den Folgen, ist ein Gedankenexperiment jedoch gelegentlich hilfreich.
Ein Beispiel findet sich in Christian Grataloups Geogeschichte. Was wäre, wenn das Pferd in Amerika nicht um 30.000 vor Christus ausgestorben wäre? Oder etwas weiter gefasst: Was, wenn nicht alle domestizierten Großsäuger aus Europa, Afrika und Asien (Eufrasien) stammten? Das klingt wenig spektakulär, war für die historische Entwicklung gerade auch der Neuzeit von geradezu dramatischer Bedeutung.
Grataloup zeigt, dass die Abwesenheit von Zug- und Reittieren in den Amerikas tiefgreifende Folgen für die Entwicklung – oder ausbleibende Entwicklung der Regionen hatte. Die Landwirtschaft in Eufrasien war durch Zugtiere intensiviert worden, was eine Zunahme der Bevölkerung nach sich zog. Ohne Wasserbüffel kein intensiver Reisanbau; ohne Pferd und Ochsen kein intensiver Ackerbau; und das Rad wäre – wie in den Amerikas – zwar bekannt gewesen, aber ohne die Bedeutung geblieben, die es tatsächlich hatte.
Wie schnell und hoch effizient diese Großsäuger hätten in die bestehenden Lebensweisen integriert werden können, zeigt sich am Pferd. Als die spanischen Eroberer in Südamerika eintrafen, sorgte der Anblick der Berittenen (neben ihren Feuerwaffen und Rüstungen sowie der taktischen Organisation) für Schockwellen bei den Einheimischen, wie bei Camilla Townsend in Die fünfte Sonne nachgelesen werden kann. Später aber konnten indianische Gemeinschaften Nordamerikas verwilderte Pferde redomeszieren und sowohl für die Jagd als auch Kriegszüge verwenden. Die Frage nach einem alternativen Verlauf der Geschichte zeigt vor allem, was in der tatsächlichen fehlte.
Die Polygenese der Agrargesellschaften ist unbestreitbar.
Christian Grataloup: Geogeschichte
Unweigerlich wird die Sicht auf die Welt, auf die Gegenwart durch die Lektüre von Büchern wie Geogeschichte verändert. Das geschieht auf ganz unterschiedlichen Ebenen. So gibt es auch hier Beispiele für den schamlosen Missbrauch von Wörtern wie »Völkermord«, wenn etwa der (wiederlegten) Ausrottung des Neandertalers durch den Homo Sapiens das Wort geredet und das als »erster Völkermord der Geschichte« eingestuft wird. Diese Form der Marktschreierei entwertet einen Begriff und richtet Schaden an.
Etwas weniger drastisch, dafür sehr wichtig ist die Frage nach dem Konzept des »Fortschritts«. Geschichte wird oft als lineare Abfolge von Verbesserung geschrieben, eine Art Kausalkette des Fortschritts. So wurde die Sesshaftigkeit des Menschen als eine Folge der Landwirtschaft angesehen. Grataloup zeigt, dass diese Betrachtungsweise hinkt. Auch Jäger- und Sammler waren bereits sesshaft, vor allem in Küstenbereichen.
An dieser Stelle sei auch auf die Steppenreitervölker verwiesen, die nach der Sesshaftigkeit erschienen und nicht etwa eine Vorstufe der Agrargesellschaft waren. Mischa Meier weist in seinem vorzüglichen Buch Die Hunnen nicht umsonst mehrfach auf die hochkomplexe Lebensform der Reiterkriegerverbände hin, was das Motiv des »Fortschritts« als recht einseitiges, zweifelhaftes Konzept erscheinen lässt.
War das Neolithikum eine Katastrophe?
Christian Grataloup: Geogeschichte
Schließlich wirft Grataloup auch die Frage auf, ob man überhaupt von einem Fortschritt sprechen könne. Hier stehen sich zwei Bewertungsansätze diametral entgegen. Galt die Sesshaftigkeit der permanenten Wanderschaft lange Zeit als überlegen, gibt es gegenteilige Auslegungen. Die Sesshaftigkeit habe Zwang statt Freiheit und Kriege gebracht, sei außerdem ein ökologischer Holzweg.
Wie so oft ist ein genauer, differenzierter Blick nötig. Die Jäger- und Sammlergemeinschaften wurden wie später die Sesshaften von tödlichen Krankheiten heimgesucht, die erst in der Moderne medizinisch behandelbar wurden (was ohne Sesshaftigkeit nicht geschehen wäre). Aber Seuchen, Epidemien oder Pandemien setzen Sesshaftigkeit voraus.
Und es geht noch weiter. Die Nahrungsmittelvielfalt schränkte sich ein, Karies kam auf. Die Arbeitsbelastung stieg, mit der Bevölkerungsexplosion erhöhte sich die Ressourcen-Entnahme und die Belastung für die Umwelt – lange vor der industriellen Revolution. Die Agrarrevolution war nicht rückgängig zu machen, ein „Degrowth“ hätte zu einem Massensterben geführt.
Gleichzeitig ist sich die Forschung bewusst, dass diese Dinge für die Regionen gelten, in denen intensive Landwirtschaft betrieben wurde. Sesshaftigkeit und Agrarwirtschaft war auch im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten möglich. Wie so oft ist es die Umsetzung eines „Fortschritts“, der über dessen Charakter entscheidet. Das ist zentral für die großen Debatten der Gegenwart, die vom Fortschritt in „disruptiver“ Gestalt geradezu berauscht zu sein scheint.
Gleichwohl bleibt das Wort „Zivilisation“ behaftet mit dem Geburtsmakel einer wissenschaftlich wie ethisch unhaltbaren Hierarchisierung […]
Christian Grataloup: Geogeschichte
Das Zitat zeigt, wie Grataloup versucht, sprachlich auf der Höhe der Zeit zu sein und diverse Stereotypen und mit Makeln behaftete Formulierung zu ersetzen oder – wie im Falle von »Zivilisation« – ihre Problematik offenzulegen. Seltsamerweise verwendet der Autor trotzdem eine sowjetische Formulierung »kleine Völker des russischen Nordens« für die indigene Bevölkerung am nördlichen Rand Asiens. Haben sie anders als die Bevölkerung Nordamerikas oder Afrikas keine angemessene Begrifflichkeit verdient?
Dieser »Norden« war und ist ebensowenig russisch wie Namibia deutsch, Algerien französisch, der Kongo belgisch oder Ghana englisch waren. Es handelt sich um ein mit Feuer und Schwert kolonisiertes Gebiet, deren indigene Bevölkerung in ein imperial ausgreifendes Reich gezwungen wurde, das heute Russische Föderation heißt (ohne es zu sein). Auch Sibirien ist nicht »russisch«, wie Grataloup bedauerlicherweise formuliert, aus den gleichen Gründen.
Warum fehlt hier sonst anzutreffende sprachliche Sorgfalt? Zeigt sich hier der blinde Fleck gen Osten? Während die Seeimperien als solche bezeichnet und kritisiert werden, während Grataloup einen sprachlichen Eiertanz aufführt, um den Begriff »Afrika« zu entkolonisieren und – durchaus berechtigt – auf die Zweiteilung des Kontinents durch die Sahara verweist, wird »Russland« seiner kolonialen Historie entkleidet und ausgespart. Die aufwendigen Bemühungen um eine korrekte Sprache werden so konterkariert.
Das gilt in gewisser Hinsicht auch für China, bei dem von Tibet, Xinjang und der Unterdrückung nur am Rande Rede ist. Sprachliche Awareness darf aber nicht an den Grenzen der ehemals westlich kolonialisierten Gebieten enden. Ebensowenig darf der fortgesetzte kriegerische Expansionismus Russlands und Chinas übersehen oder gar die imperialistische Stoßrichtung mit einem Fragezeichen abgeschwächt werden. Vielmehr wäre die Frage zu stellen, ob das imperial Expansive nicht Teil der (politischen) Zivilisation Chinas und Russlands ist.
(Ex?)-Imperien.
Christian Grataloup: Geogeschichte
Grataloup verwendet den Begriff »Welten«, um das Wort Zivilisationen zu vermeiden. In seinen Augen existierte China »in einem räumlichen Rahmen, der variieren mochte, aber doch starke Konstanten aufweist». Andere, namentlich das Römische Reich, »zerfielen». Hier kehrt Grataloup nicht nur den brutalen, bis in die Gegenwart andauernden expansiven Imperialismus Bejings unter den Teppich, sondern wird seiner eigenen Marschroute untreu.
Denn »Zivilisation« oder »Welt« soll ja eben nicht nur deckungsgleich mit einem beherrschten Terrritorium, einem »Reich«, »Imperium« oder »Staat« sein. Die römische Welt wirkte über ihre Grenzen weit hinaus, der von Grataloup in überkommener Tradition attestierte »Untergang« bestand in einer gewaltsamen Teil-Transformation, bei der wesentliche Bestandteile der römischen »Welt« von den Eindringlingen übernommen wurden. Bestimmte zivilisatorische Elemente wirken bis heute grundlegend nach.
Vor allem aber ist »Rom« nicht einfach untergegangen. Der oströmische Teil bestand noch fast ein Jahrtausend weiter, wird von Grataloup in unseliger Tradition hinter dem Begriff »Byzanz« versteckt. Im Westen standen alle entstehenden Herrschaften in zivilisatorischer Tradition Roms, etwa das Heilige Römische Reich, das erst 1806 das Zeitliche segnete. Nimmt man die römisch-katholische Kirche (und die orthodoxe für Ostrom) mit ins Boot, wirkt heute in einem Drittel der Welt die römische Zivilisation fort.
Insgesamt hat der Sklavenhandel, besonders der atlantische von 1720 bis 1830, Afrika in eine Situation gebracht, von der er sich nie wieder erholen würde.
Christian Grataloup: Geogeschichte
Problematisch erscheint mir der Umgang mit dem Thema Sklavenhandel. Ausführlich schildert Grataloup den Transatlantikhandel mit versklavten Menschen aus Afrika. Am Rande wird auch der innerafrikanische Sklavenhandel nach Norden erwähnt, allerdings heruntergespielt: In der Antike habe der nur eine geringe Rolle gespielt, im Mittelalter habe dieser »zugenommen«. Erwähnt werden sollte, dass das Volumen der verschleppten Menschen Schätzungen zufolge wenigstens fast das Niveau des Atlantikhandels erreichte, wahrscheinlich aber sogar deutlich darüber lag.
Das allerdings würde die Erzählung Grataloups in zwei Punkten beeinträchtigen. Viele der versklavten Menschen wurden durch die Wüste nach Norden verschleppt, die in der Weltsicht der Geogeschichte Afrika in zwei Hälften trennt. Auf diesem Weg durch die Wüsten starb – wie bei den unmenschlichen Überfahrten nach Westen – ein großer Teil der Versklavten. Wohlgemerkt waren an diesem Handel lange Zeit keine Europäer beteiligt, auch nicht als Abnehmer, denn die Verschleppten gingen in die islamischen Reiche.
Die Folgen des Sklavenhandels waren zweifellos verheerend, gerade auch in demographischer Hinsicht. Wie steht es aber mit den gesellschaftlichen Folgen, vor allem wegen der Opfer, aber auch der afrikanischen Täter, den Profiteuren, der gesellschaftlichen Menschjagd–Infrastruktur, die über mehrere Jahrhunderte existierte? Sklaverei setzt Gewaltmaßnahmen voraus; wer nur auf den Atlantikhandel schaut, gerät leicht in Versuchung, eine allzu klare Trennung zwischen europäischen Tätern und afrikanischen Opfern zu ziehen, zwischen Norden und Süden. Das entleerte Wort des »globalen Südens« findet folglich leider auch in Geogeschichte seinen Niederschlag.
Weshalb ist es Europa, das zum Hauptakteur bei der Ausweitung der Achse wird?
Christian Grataloup: Geogeschichte
Warum gerade Europa? Letztlich zeigt die Frage nach den Ursachen der globalen Expansion des westlichen Zipfels einer Landmasse, die Grataloup als »Achse« wahrnimmt, die Grenzen einer geogeschichtlichen Herangehensweise. Wenn man den Untertitel des Buches, den Einfluss der Geographie auf den Gang der Geschichte, als alleinige Ressource bei der Suche nach einer Antwort heranzieht, bleibt diese Frage offen. Grataloup verlässt dann auch das Metier und zieht andere Aspekte heran.
Ein Beispiel: Auf der Suche nach Sponsoren für seine Erkundungsreisen klapperten Kolumbus und seine Mitstreiter sämtliche westlichen Herrscherhäuser ab. Am anderen Ende der »Achse«, war für Zeng He undenkbar, nach der Verweigerung weiterer Mittel für Erkundungen in China etwa in Japan nachzufragen, ob man dort vielleicht Interesse hätte. Andere große Seefahrernationen, wie etwa die Osmanen, zeigten kein Interesse an Erkundungen. Warum? Mit Geographie haben die Antworten auf diese Frage herzlich wenig zu tun. Das schmälert den Wert der Geogeschichte keineswegs, im Gegenteil: Die Grenzen einer Herangehensweise zu kennen, ist wesentlich für den Leser.
Geogeschichte bietet ein Füllhorn an Fragen an die Welt und dem Leser zahlreiche Anlässe, über sie nachzudenken, weit über die tagespolitischen Aspekte hinaus. Die langen Linien der Entwicklung verdecken naturgemäß die Details und führen zu Vereinfachungen und Verzerrungen. Das ist der Preis, der gezahlt werden muss, wenn der Blick auf die übergreifenden Linien oder Achsen gerichtet wird. Umgekehrt verschwinden diese Entwicklungslinien im Dickicht der Fakten, wenn das Detail in den Vordergrund rückt. Geogeschichte bietet in diesem Sinne eine herausfordernde Lektüre mit erheblichem Erkenntnisgewinn.
Christian Grataloup: Geogeschichte Die Macht der Geographie in der Weltgeschichte Aus dem Französischen von Stefan Lorenzer 47 schwarz-weiß und 31 farbigen Karten C.H.Beck 2025 Gebunden ISBN: 978 3 406 83726 5
Ein Klassiker steht auf dem Lektüre-Programm. Berühmt und viel zitiert in zahlreichen Büchern und Filmen ist der Roman längst fällig. Moby Dick von Herman Melville ist Teil meines Lesevorhabens 12 für 2026. .
Piratenbrüder
Das dramatische Finale
Alexander Preuße: Opfergang – Piratenbrüder Band 7 Taschenbuch 508 Seiten, 19,99 Euro eBook: Kindle 5,99 Euro oder KindleUnlimited
Bücher begleiten mich schon mein ganzes Leben, auf dem Leseweg habe ich sehr viele großartige Romane und Sachbücher lesen dürfen, von denen ich gern erzählen möchte. Das ist ein Grund, warum ich blogge.