Sessrumnir lautet der Arbeitstitel für meinen Wikinger-Roman. Damit ist in der nordischen Mythologie das Pendant zu Walhalla gemeint, das nicht unter Odins, sondern Freyas Kontrolle steht. Der richtige Roman-Titel steht mittlerweile fest, das Cover ist bereits beauftragt und irgendwann in den kommenden Wochen werde ich auch das Wort Sessrumnir in den Beiträgen ersetzen.
Bei der Wahl des Titels musste ich eine Antwort auf zwei Fragen finden. Wie schaffe ich den Spagat zwischen alten und neuen Lesern? Wie halte ich mir die Tür für einen zweiten Band offen?
Mit Sessrumnir will ich versuchen, neue Leser zu erreichen, die meine Piratenbrüder nicht angesprochen haben. Eine Besonderheit ist, dass die Handlung an Vinland – Piratenbrüder Band 4 anknüpft, ohne dass dieses Buch bekannt sein muss. Sessrumnir soll und muss eigenständig sein, es eine Art Sequel-Spin-Off.
Vinland – Piratenbrüder Band 4 schildert die Fahrt der Wikinger um Eillir, Stígandr und Ryldr so weit, wie sie die Handlung der Piratenbrüder betrifft. Was nach ihren Abenteuer im Westen der Welt geschieht, verlangt nach einem eigenständigen Roman. Vielleicht auch zwei, wenn ich die Handlung nicht auf maximal 500 Seiten unterbringe.
Eine neue Buch-Serie will ich nicht beginnen, was eine ganz eigene Herausforderung darstellt, denn der historische Stoff ist reich, die Überlieferung karg. Es gibt eine Menge Leerstellen, in denen sich meine fiktionalen Figuren tummeln und in die Konflikte der historischen Persönlichkeiten einmischen können.
Ob die Antwort, die ich auf beide Fragen gefunden habe, funktioniert? Das entscheiden letztlich die Leser.
Auf das Buch habe ich mich lange gefreut und es auch in mein Lesevorhaben 12für2025 aufgenommen. Leider entpuppte es sich als Enttäuschung. Hilfreich war es dennoch.
Die erste Lektüre, die sich mit Knut dem Großen und der Eroberung Englands befasst, ist ein Reinfall. Von der reinen Abfolge der Ereignisse abgesehen, bietet sie nicht viel Brauchbares. Historiographisch ist King Cnut von W.B. Bartlett ein Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten. Darstellung und Rückschlüsse reizen zum Kopfschütteln, der Umgang mit den Quellen ist keineswegs kritisch. Plattitüden im Stile von man dürfe es nicht wörtlich nehmen, aber auch nicht alles verwerfen, öffnen Willkür bei der Auswahl und Auslegung Tür und Tor.
Gruselig sind die Bewertungen und Gegenwartsbezüge. Einen Adeligen um die Jahrtausendwende ausgerechnet als „Quisling“, also Nazi-Statthalter, zu bezeichnen, ist unseriös und irreführend. Bartlett nimmt grundsätzlich eine unangemessene „nationale“ Position ein, ein Herrschaftsgebilde wie das angelsächsische um 1000 n. Chr. darf aber nicht einfach mit modernen Kategorien beschrieben und bewertet werden. Das gilt auch für die Handlungs- und Denkweisen der historischen Akteure.
Abstrus wird es, wenn Bartlett das berüchtigte St. Brice´s Massacre allen Ernstes als Beleg für einen „failed atempt of multiculturalism“ betrachtet. Man ahnt nicht nur die hinter diesen Worten lauernde Geisteshaltung, es ist grundsätzlich unseriös, moderne Weltanschauungen (wie Multikulturalismus) auf die Vergangenheit zu übertragen. Käme irgendjemand auf die Idee, Emma von der Normandie als Feministin zu bezeichnen oder zu dieser Zeit Spuren von Wokeness, Demokratie, Faschismus oder Kommunismus zu erspähen, wäre das ebenfalls absurd.
Wie man das trotz erbärmlicher Quellenlage besser machen kann, demonstriert etwa Mischa Meier mit seinem vorzüglichen Buch Die Hunnen.Es gibt Parallelen zwischen Wikingern und Hunnen. Zum Beispiel den Versuch Roms (wie später der angelsächsischen Könige), die Raubzüge durch Geldzahlungen zu beenden. Die Bewertung Meiers ist ausgewogen, während Bartlett verurteilt und klagt, dass die historische Wirklichkeit nicht seinen Wunschvorstellungen entsprach. Er wünscht sich sogar einen Churchill herbei, um „Dünkirchen-Momente“ zu generieren.
Dabei gäbe es reichlich zu überlegen. Die Hunnen waren ein Reiterkrieger-Verband, die Wikinger etwas Ähnliches zur See. Schnelligkeit, Brutalität, fluide Zusammensetzung und Fluktuation waren beiden Raubgemeinschaften gemeinsam. Ihre Anführer hatten auch das Problem, dass zu einem gewissen Zeitpunkt Erfolge bei Raubzügen nicht mehr ausreichten, um die Gefolgschaft zufriedenzustellen und die Herrschaft zu sichern. Ein neues Konzept, nämlich die Landnahme oder -herrschaft wurde versucht – vergeblich bei Attila, teilweise erfolgreich bei den Wikingern, etwa bei Knut dem Großen.
Für meinen Wikinger-Roman ist King Cnut dennoch hilfreich. Es hat mir die Entwicklung der Eroberung Englands vor Augen geführt, viele handelnde Personen vorgestellt, einige überregionale Zusammenhänge aufgezeigt und Leerstellen offenbart, die ich mit fiktionalem Erzählstoff füllen kann.
W.B. Bartlett: King Cnut And the Viking Conquest of England Amberley Publishing 2016 Broschur 320 Seiten ISBN: 978-1-44567714-9
Ein ausschweifender, überbordender Roman mit phantastischen Einschlägen ist Theodoros, schon die ungewöhnliche Perspektive, viele Zeitsprünge und Ortswechsel machen die Erzählung sowohl interessant als auch herausfordernd. Das erste Buch meines Leseprojektes 12 für 2026.
Piratenbrüder
Das dramatische Finale
Alexander Preuße: Opfergang – Piratenbrüder Band 7 Taschenbuch 508 Seiten 12. März 2026; eBook jetzt vorbestellen: Kindle 5,99 Euro oder KindleUnlimited
Bücher begleiten mich schon mein ganzes Leben, auf dem Leseweg habe ich sehr viele großartige Romane und Sachbücher lesen dürfen, von denen ich gern erzählen möchte. Das ist ein Grund, warum ich blogge.