Buchcover von ‚Viking Britain‘ (Sachbuch) von Thomas Williams: Das Cover zeigt einen stilvollen Ausschnitt eines Wikingerschiffsbugs mit typischen Schnitzereien und Ornamenten. Im linken Bereich des Bildes steht in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund ‚THOMAS WILLIAMS‘, ‚VIKING BRITAIN‘ und ‚Sachbuch‘.
Ein vorzügliches Buch über die Geschichte Britanniens, vor allem des späteren Englands, mit dem Fokus auf die Wikinger und ihren Einfluss auf den Gang der Dinge. Coverrechte beim Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Zu den Vorzügen des Buches Viking Britain von Thomas Williams gehört der Fokus auf die britischen Inseln, insbesondere auf den Teil, den man heute England nennt. Allzu leicht verirrt man sich in der Welt der Wikinger, die »groß und weit« war (Neil Price), von Vinland bis zum Schwarzen Meer reichte. Es gab kein »Reich« diesen Ausmaßes, die Worte beschreiben den Horizont der Nordleute, ihre Handelsfahrten, Landnahmen und bewaffneten Raubzüge.

Viking Britain erzählt, wie sich die Angelsachsen, Keltische Bewohner der Inseln und die Wikinger im Laufe von gut zweihundert Jahren gegenseitig beeinflusst und verändert haben. England entstand als politisches Gebilde auf den Trümmern der kleinen, kriegerischen, angelsächsischen Königreichen. Diese Einheit dürfte eine schnelle Eroberung durch William von der Normandie 1066 beflügelt haben; allerdings auch die durch Knut den Großen fünfzig Jahre vorher.

Warum die Wikinger ihre anfänglichen Raubzüge zu Eroberungszügen wandelten, wird nach der Lektüre nicht recht klar. Man könnte mit Blick auf die Reiterkriegerverbände, wie die Hunnen, spekulieren, dass die maritime Version der Steppenreiter vor einem ähnlichen Problem stand, nämlich die Gefolgschaft zufriedenzustellen. Das funktionierte einige Zeit mit Beute (insbesonderes Sklaven), dann liegt der Schritt zur Landnahme nahe, so könnte man spekulieren.

Williams gibt seinen Lesern eine Reihe von bemerkenswerten Denkanstößen: Maritimer Handel und Kriegführung bildeten die Kernkompetenz der Nordleute. Liegt hier bereits die Wurzel für das spätere britische Empire, in Gestalt einer Mind-Map? Und wer waren diese Wikinger eigentlich? Zeitgenössisch wurde der Begriff selten verwendet, einmal für Sklaven, die ihren Herren davonlaufen; oder für Männer (und wenige Frauen), die ein (blutiges) Unternehmen wagten, das ihnen den Tod oder Reichtum und Ruhm bringen konnte.

Ausgesprochen lesenswert, gedankenreich, anregend und gut geschrieben, dabei übersichtlich und klar strukturiert. Die Lektüre ist Teil meines Lesevorhabens Zwölf für 2026.

Thomas Williams: Viking Britain
William Collins 2017
Taschenbuch 410 Seiten
ISBN: 978-0-00-817195-7