Schriftsteller - Buchblogger

Schlagwort: Abenteuer (Seite 5 von 5)

Kreative Faulheit

Im Kopf geht die Arbeit am Manuskript weiter, an jedem Ort, zu jeder Zeit.

Faulheit! Höflicher formuliert: Prokrastination oder Schreibblockade. Die Diagnose ist ebenso einfach wie einleuchtend. Seit Tagen das gleiche Bild. Das schwächste Kapitel des gesamten Buches steht zur Überarbeitung an. Ich weiß ganz genau, dass diese Passage so nicht bleiben kann, verändert oder vielleicht neu geschrieben werden muss.

Sie liegt ungefähr in der Mitte von »Totenschiff«, dem fünften Teil meiner Abenteuerreihe um die »Piratenbrüder«. Man trifft sich, Joshua und Jeremiah auf der einen, Alba und Stella auf der anderen Seite. Das ist im vorherigen Band schon einmal geschehen, zwar unter ganz anderen Umständen; doch handelt es sich um eine Dopplung.

Das kann so also nicht bleiben.

Ich könnte auch den Stier bei den Hörnern packen und das fragliche Kapitel direkt angehen. Theoretisch. Praktisch funktioniert das nicht, denn das Kapitel ist in den Erzählstrom eingewoben, an den ich mich nach einigen Monaten Pause bei der Arbeit an diesem Manuskript erst einmal wieder herantasten muss.

Es wird ein wenig unheimlich im fünften Band meiner Abenteuerreihe Piratenbrüder.

Vor ein paar Tagen bin ich nun bis zu dieser Stelle mit meiner Überarbeitung vorgedrungen; statt mich nun der problematischen Passage zu widmen, habe ich zunächst andere Dinge erledigt, bin danach noch einmal die vorangehenden Kapitel durchgegangen und habe schließlich einen Tag lang gar nichts gemacht.

Faulheit. Prokrastination. Schreibblockade. Alles Unsinn. Unterbewusst habe ich die ganze Zeit an der Stelle gearbeitet, darüber nachgedacht, was auf welche Weise geändert werden könnte. Seit gestern Morgen weiß ich es plötzlich, mitten auf dem Weg zum Einkaufen meldete sich mein Gehirn aus dem Reich des kreativen Faulseins und präsentierte die Lösung.

Kurios, dass so etwas bei jedem Buch nach einem ähnlichen Schema verläuft und dennoch immer wieder überrascht und erstaunt. Schreiben vollzieht sich oft fern von Tastatur, Stift und Manuskript, irgendwo in einer dunklen Ecke des Bewusstseins, wird gearbeitet, während augenscheinlich alles zu ruhen scheint. Ruhe und Distanz sind aber die Voraussetzung für diese verdeckte Arbeit – auf Bildschirm oder Papier zu starren schadet nur.

Lang lebe die kreative Faulheit!

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Tom Hillenbrand: Der Kaffeedieb

Ein ganz wunderbarer Schmöker mit einer sehr gelungenen Mischung aus Abenteuer und Raubzug, wie er auch in modernen Filmen á la Ocean’s Eleven umgesetzt wird. Cover Kiepenheuer&Witsch-Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Als passionierter Kaffeetrinker hat mich der Titel natürlich sofort angesprochen und selbstverständlich furchte sich meine Stirn bei der Frage: Wie kann man Kaffee stehlen? Besser gesagt: Warum sollte man Kaffee stehlen, wenn man ihn doch mehr oder weniger überall erstehen kann bzw. in der Welt, in der Hillenbrands Roman Der Kaffeedieb leicht erwerben konnte? Gut, das Angebot war geringer, es handelte sich um ein Luxusgut, aber wer würde ohne Not für einen Diebstahl die grausamen Strafen dieser Zeit in Kauf nehmen?

Es ist ein richtig guter Buchtitel, das machen meine einleitenden Worte schon deutlich, denn die offenen Fragen erzeugen Neugier und damit die Motivation, ein Buch lesen zu wollen. Die Erzählung, die Der Kaffeedieb zu bieten hat, konnte alle Erwartungen deutlich übertreffen. Das beginnt schon mit der Notlage, in die sich der Held Obediah Chalon bringt. Als alter Börsianer weiß ich es sehr zu schätzen, wie er sich verspekuliert und auch noch mit gefälschten Wechseln. Herrlich!

Auch die Strafe, die er erdulden muss, ist sehr originell – sie dient als klassische Mausefalle für einen Gestrauchelten, der so vor eine Wahl gestellt wird, die gar keine ist: Obediah muss einen Auftrag annehmen, der einem Himmelfahrtskommando ohne sonderliche Aussichten auf Erfolg gleicht. Sein Auftraggeber ist zudem für seine brutale, gewissenlose Grausamkeit bekannt: die Niederländische Ostindienkompanie. Kompanie meint hier: Gesellschaft.

Obediah nimmt nolens volens an. Eine haarsträubende Geschichte voller abenteuerlicher Wendungen, Begegnungen, beinahen und tatsächlichen Katastrophen, Rückschlägen und überraschenden Fortschritten, Verfolgungen, Schleichwegen, ausufernden Plänen und Absichten, Zufällen und Gefahren in mehr oder weniger fremden, immer gefährlichen Ländern entwickelt sich. Alles, um Kaffee zu stehlen – da ich nicht gern spoilere, belasse ich es bei einer nichtssagenden Angabe: Es geht um mehr als eine Schale voll lauwarmer Kaffee-Plörre.

Der Kaffeedieb besticht durch die Gestaltung seiner Hauptfigur. Ein Virtuoso, weitreichend vernetzt mit anderen Gelehrten dieser Zeit, in der Newton, Leibnitz und wie sie alle hießen das Wissen der Menschheit von den Tumbheiten religöser Eiferei befreiten und auf eine rationale Grundlage stellten. Briefe wurden verfasst und empfangen, man könnte meinen, es hätte so etwas wie einen Gelehrtenstaat gegeben, basierend auf dem Wort, der Schrift und dem Gedanken.

Das gibt dem Roman die gewisse Würze und bewahrt Leser wie mich vor dem bloßen Action-Gedöns – das ich nur selten zu schätzen weiß. Manche mögen das vielleicht als geschwätzig, weitschweifig und langatmig empfinden, weil nicht alle zwei Seiten die Säbel gekreuzt werden und die Kanonen donnern, sondern nachgedacht, gestritten, debattiert und aufgeklärt wird.

Und, ja – da wäre noch der Höhepunkt der Erzählung, wenn der gewagte, gewundene Plan in die Tat umgesetzt wird und Hillenbrand einfach die Perspektive wechselt. Das Spektakel wird in der Rückschau von einem alt gewordenen Augenzeugen berichtet, der seinen Zuhörern, einer Schar Kinder, eine recht eigenwillige Auslegung der Ereignisse darbietet. Der Leser weiß genug, um das alles auf die Pläne Obediahs übertragen zu können – den Rest muss er sich halt selbst ausmalen. Chapeau!

Es gibt Motive in Romanen (und Filmen), die eine Kaminfeuerwärme bei mir erzeugen. Die Zusammenstellung einer Gefährtengruppe gehört dazu. Obediah kann das Unternehmen nicht allein bewältigen, er braucht Unterstützer, die bei so einem Unternehmen nicht gerade zu der sozialverträglichsten Sorte gehören. Der Kaffeedieb schart seinen Trupp eigenwilliger Persönlichkeiten um sich und muss mit ihnen klarkommen – bis zum bitteren Ende. Auch das ist übrigens in jeder Hinsicht sehr gelungen.

Tom Hillenbrand: Der Kaffeedieb
Kiepenheuer&Witsch 2016
Gebunden 480 Seiten
ISBN: 978-3-462-04851-3

Schatten im Nebel

Gefangen in Nebel und Flaute taucht plötzlich ein mächtiger Schatten auf, den die überspannten Gemüter der Seeleute als Totenschiff wahrnehmen. Die Wahrheit liegt dem Begriff näher, als ihnen lieb ist, allerdings auf eine ganz andere Weise.

»Schatten im Nebel« lautet die Überschrift zum ersten Kapitel von Totenschiff – Piratenbrüder Band V. Es wird unheimlich, die Sturmvogel ist gefangen in Nebel und Flaute, die Zeit wird lang und die Gedanken begeben sich auf abgründige Pfade. Aberglaube gehört zum Menschen wie die Hoffnung, das war vor rund dreihundert Jahren nicht anders als heute.

Damals ging es weniger um zusammenphantasierte Impfnebenwirkungen oder abstruse Deep-State-Verschwörungserzählungen, sondern um Schiffsfriedhöfe, Geisterschiffe, Meerungeheuer und die unvermeidlichen Omen, die auf das eine oder andere hindeuteten. Flauten etwa.

Zu diesem Thema habe ich ein interessantes Buch gelesen, das sich mit Geisterschiffen befasst und die Frage stellt, ob es diese wirklich gab. Der Autor Olaf Fritsche beschäftigt sich in Gibt es Geisterschiffe wirklich? vorwiegend mit rationalen Erklärungen, aber auch für die abergläubische Seite gab es eine Menge Anregungen. 

Es war für mich keine Frage, dass ich das Thema in die Abenteuerreihe um die »Piratenbrüder« einfließen lasse – in Maßen, um zu verhindern, dass die Erzählung in Geschwurbel abschweift. Als Leser finde ich Grusel und Horror stinklangweilig, das gilt erst recht für ausschweifenden Schilderungen von irrationalem Unfug, der nichts zur Haupthandlung beiträgt.

In den ersten drei Bänden der »Piratenbrüder« gibt es daher ganz vereinzelte Stellen, die auf Aberglaube hindeuten, auf der Zeitebene der Wikinger im vierten Teil Vinland etwas mehr, zumeist als kleines Kolorit der Zeit und um Personen voneinander abzugrenzen.

Mit Totenschiff scheint sich das zu ändern, denn auf hoher See begegnet meinen Helden jener »Schatten im Nebel«, von dem ich an dieser Stelle selbstverständlich nichts weiter verraten werde, außer, dass der Begriff »Totenschiff« noch eine ganz andere Bedeutung hat, die in diesem Band und den folgenden eine große Rolle spielt. Der Tod fuhr auf jedem Schiff in dieser Zeit mit, auf einigen waren die Mitfahrenden ganz besonders betroffen.

»Totenschiff« erscheint im Oktober 2024. »Vinland« im März 2024.

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Sonnenaufgang

Das Zitat habe ich meinem Erstling Eine neue Welt vorangestellt, es passt perfekt zum Auftaktband der Abenteuerreihe um die Piratenbrüder Joshua und Jeremiah. Zwischen Lichtenberg bzw. Göttingen, seiner Wirkungsstätte und meiner Wahlheimat, und der Hauptfigur Joshua gibt es noch weitere Verbindungen.

Eine Statue von Georg Christoph Lichtenberg steht auf dem Marktplatz in Göttingen. Ganz passend, denn in seine Armbeuge konnte ich für ein Foto meinen Erstling platzieren. Über das Motiv hinaus gibt es aber eine direkte und eine ganze Reihe indirekter Verbindungen zwischen Lichtenberg und meiner Abenteuerreihe um die »Piratenbrüder«.

Das ganz wunderbare Zitat des Gelehrten unterstreicht den Aufbruchscharakter von Eine neue Welt perfekt. Joshua hätte am Hafen in London auch in der Kutsche sitzenbleiben können, nicht aussteigen, sich nicht auf die Sturmvogel einschiffen und keine Abenteuer erleben.

Der Sonnenaufgang, von dem Lichtenberg in seinem Zitat spricht, steht für die Chancen und Möglichkeiten, die sich dem Menschen bieten; aber er muss sie selbst ergreifen, dafür Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen, sich aus dem bequemen, warmen Bett erheben und in die fröstelige Kühle der frühen Tagesstunden treten.

Es reicht natürlich nicht, das Bett oder im Falle Joshuas die Kutsche zu verlassen; immer wieder steht man vor der Entscheidung, den bequemen oder den anstrengenden Weg zu wählen. Auf dem Weg von London in Eine neue Welt lernt mein Protagonist das auf die harte Tour, denn sein Sonnenaufgang ist mit weit größeren Zudringlichkeiten verbunden als etwas Kühle: Stürme, Seekrankheit, heimtückische Besatzungsmitglieder, Niedertracht und ja, auch Piraten.

Als Joshua richtig in der Klemme sitzt, entscheidet er sich dafür, aufzustehen – damit ist das Tor aufgestoßen für eine lebenslang Freundschaft mit Jeremiah. Dessen Lebensweg ist ein ganz anderer gewesen, als er Joshua kennenlernt, hat er seine Feuertaufe bereits hinter sich. Doch auch für ihn stellt sich im Laufe der Handlung die gleiche Frage, wie für Joshua: aufstehen oder nicht.

Göttingen gehörte zu Lichtenbergs (und Joshuas) Zeiten zu einem Staatsgebilde, das gewöhnlich als »Haus Hannover« zusammengefasst wird, regiert durch eine Abfolge von Georgs / Georges regiert wurde, die gleichzeitig die englische Krone trugen. Lichtenberg war mehrfach in England und hat den König Georg(e) III. getroffen.

Ganz passend ist Joshua deutsch-englischer Abkunft, auch wenn er in London wohnt und sich anfangs eher als Engländer sieht – wo mag er wohl geboren worden sein? Seine deutschen Wurzeln spielen mehrfach eine Rolle, manchmal eine lustige, wenn er unvermittelt Deutsch spricht, aber auch wichtige, denn die Abenteuer der »Piratenbrüder« sind keineswegs auf den tödlichen Zweikampf zwischen zwei Freibeutern beschränkt.

Eine Leseprobe gefällig? Hier entlang: Eine neue Welt

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Der Klang der Macht

Die Piratenbrüder werden mitten hineingezogen in den globalen Kampf um die Macht

Kann man Macht hören? Musik malt Bilder in die Köpfe jener, die sie hören. Das funktioniert ganz wunderbar mit abstrakten Begriffen, wie Macht, Größenwahn, Trauer, Verzweiflung, Glück, Liebe und vielem mehr. Ich möchte hier gern zwei musikalische Stücke vorstellen, die aus meiner Sicht Macht repräsentieren. Eines davon ist für bewegte Bilder komponiert, das andere bezieht sich direkt auf ein berühmtes Bühnenstück des so genannten Shakespeare.

Warum gerade Macht? Es handelt sich um den Kernbegriff dessen, worum sich meine Abenteuerreihe um Joshua und Jeremiah dreht. Die beiden Freunde geraten in eine Auseinandersetzung zweier ehemaliger Kaperfahrer, die zu Todfeinden geworden sind. Dieser persönliche Konflikt ist eng verwoben mit dem Kampf der Großmächte jener Zeit um die globale Vorherrschaft.

Damit ist eine immer wiederkehrende Frage aufgeworfen: Wie kann der Einzelne bestehen, wenn die Mühlsteine der Macht mahlen? Auch der Film und das Bühnenstück berühren diese Frage und geben darauf eine Antwort. Doch hier geht es heute um die musikalische Umsetzung dessen, was man Macht nennt.

Imperial March – Star Wars

Das erste musikalische Stück, das ich mit Macht assoziiere, ist der berühmte Imperial March aus Star Wars. Eine musikalische Ikone der legendären Filmtrilogie, deren Einfluss auf die Filmindustrie gar nicht groß genug eingeschätzt werden kann.

Der Imperial March erinnert nicht umsonst an Militär-Märsche, handelt es sich bei dem Stück um die Untermalung von Szene mit höchst martialischem Charakter. In der Episode IV, der allerersten aus dem Star Wars-Universum, betritt Darth Vader die Szene, untermalt von langsamen, tiefen Tönen, die einen gleichmäßigen, unwiderstehlichen Marschtritt wiedergeben.

Langsam und schwer ist der Marsch, der den Auftritt begleitet.

Vader steht für Macht. In den Filmen verkörpert er das Imperium und die Kräfte der dunklen Seite der »Macht«, jener Kraft, die das ganze Universum durchzieht und jenen, die sie verstehen und anwenden können, zu ungeheurer Macht verhilft.

Noch prägnanter ist die zweite Szene, aus Teil VI, dem dritten gedrehten Film der Trilogie. Als der Imperator, nicht nur vom Rang über Vader stehend, den neuen, zweiten Todesstern erreicht. Sein Shuttle landet in einem Hangar des riesigen Kampfsterns, ihn erwarten in Reih und Glied angetretene Formationen.

Als sich die Tür zu seinem Schiff öffnet, betreten als erste seine Gardisten den Hangar, in blutiges Rot gekleidet, das sie von den Sturmtruppen und allen anderen Sondereinheiten klar abhebt. Erst dann folgt der Imperator selbst, der in seiner Kluft eher an einen verschrobenen Hohepriester erinnert.

Das Tempo des gleichen Motivs ist deutlich höher, dynamischer.

Doch ist er derjenige auf der dunklen, bösen Seite, der von der Macht mit Abstand am wirksamsten Gebrauch machen kann und zugleich die oberste politische und militärische Instanz des Imperiums. Die Parallelen zum Imperium Romanum sind greifbar und sicherlich gewollt, wie auch die imperiale Musik, die alles untermalt. Schneller, fordernder und mit der Wucht eines ganzen Orchesters vorgetragen, kann sich ihrem Eindruck fast niemand entziehen. Macht in Musik gegossen par excellence

Sergej Prokofiev: Romeo & Julia

Das zweite Stück stammt aus der Ballettsuite Romeo & Julia des russischen Komponisten Sergej Prokofiev. Die Geschichte einer verbotenen Liebe ist bekannt und braucht nicht nacherzählt zu werden. Als ich die Suite erstmals gehört habe, war ich wie elektrisiert – die Musik ist unfassbar emotional und schickt den Hörer auch ohne Bühne und Tänzer auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Besonders ein Teil hat es mir seinerzeit schon angetan und das gilt bis heute: Der so genannte Tanz der Ritter, das dreizehnte Stück aus dem ersten Akt des Balletts. Ich stehe offensichtlich nicht allein, wie die recht lange Liste der Adaptionen zeigt, darunter namhafte Rock-Bands wie Deep Purple und Iron Maiden.

Im Original sollte der Teil ganz gezielt eine erhebliche Wucht entfalten, wie die Besetzung zeigt: Ein romantisches Orchester, das den düsteren, fast gewalttätigen, stampfenden und malmenden Charakter der Episode auszudrücken weiß. Ich persönlich mag die langsame Spielweise lieber, weil sie das für mich wesentliche Thema, die Macht, am besten wiedergibt.

Der Tanz der Ritter wird oft auch Montague und Capulet genannt, den ich treffender finde. Die Namen stehen für die verfeindeten Häuser, denen Romeo und Julia angehören. Sie symbolisieren deren Macht und bilden zugleich die Grenze, die von den beiden Liebenden nicht überschritten werden dürfen.

Eine gigantische Schildkröte

Es geht dabei um die Macht an sich, jene uralte, unsterbliche Gewalt, nach der die Menschen am allermeisten streben (laut Galadriel aus der Verfilmung von Tolkiens Fantasy-Roman Der Herr der Ringe).

Ich stelle sie mir wie eine gigantische Schildkröte vor, auf deren Panzer ein in unendliche Höhen aufragender Turm in die Höhe steigt, von dicksten Mauern bewehrt und unbezwingbar. Diese Kreatur stampft im langsamen Takt voran und zermalmt alles und jeden, der sich ihr in den Weg stellt. Auch das von Shakespeare ersonnenen Liebespaar. 

Wenn Joshua und Jeremiah zu ihren Abenteuern aufbrechen, stehen sie auch der Macht an sich entgegen. Sie wird von vielen unterschiedlichen Personen und Orten verkörpert, aber auch abstrakten Dingen wie Warenströmen und Informationen bestimmt. Auch 1732.

Star Wars und Romeo und Julia geben zwei sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage, ob und wie der Einzelne bestehen kann, wenn die Macht heranstampft. Meine Abenteuerreihe gibt auch eine.

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