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Schlagwort: Abenteuer (Seite 4 von 5)

B. Traven: Das Totenschiff

Buchcover von B. Traven ‚Das Totenschiff‘ mit dem Zitat: ‚Wie immer auch die Hölle beschaffen sein mag, sie ist Erlösung.‘ Das Cover zeigt ein altes, rostiges Schiff auf hoher See.
Ein Abenteuerroman mit Tiefgang. Cover Diogenes Verlag, Bild mit Canva erstellt.

»Seelenverkäufer« ist so ein schönes Wort. Es meint ein nicht vollständig seetaugliches Schiff, das im übertragenen Sinne die »Seelen« der Mannschaft »verkauft«. Die Yorikke gehört zu dieser Kategorie. Als »der Eimer« vor den Augen des Erzählers erscheint, findet dieser weit stärkere Formulierungen, um den heruntergewirtschafteten Zustand des Dampfers zu beschreiben. Ein »Seelenverkäufer« ersten Ranges. Oder, wie es der Augenzeuge dann selbst formuliert:

Da war ein Geheimnis verborgen. Sie war doch nicht etwa gar ein -?
Aber vielleicht doch. Vielleicht war sie doch ein Totenschiff. Da! Da ist es endlich heraus. Ein Totenschiff. Verflucht noch mal, o Sperlingsschwänze und Fischflossen! Jawohl, sie ist ein Totenschiff.

B. Traven: Das Totenschiff

Zu diesem Zeitpunkt ist der Roman Das Totenschiff von B. Traven bereits recht weit gediehen, ganz ohne Schiff. Das erste Drittel der Handlung spielt an Land, erzählt wird eine hanebüchene Irrfahrt durch Westeuropa, voll kurioser Wendungen. Nachdem der Seemann Gales die Tuscaloosa durch missliche Umstände verpasst hat und seine Papiere mit dem Schiff auf und davon sind, steht er vor einer unüberwindlichen Hürde: Wie beweisen, dass er Amerikaner ist?

Es folgt ein irrwitziges Spiel. Gales wird von den belgischen Behörden gezwungen, die Grenze zum Nachbarland illegal zu überschreiten. Ihm drohen drastische Strafen, sollte er noch einmal zurückkehren. In den Niederlanden wird er aufgegriffen, auch hier greifen die offiziellen Stellen zum gleichen Mittel wie in Belgien. Absehbar, dass die Hauptfigur gar keine andere Wahl hat, als trotz Strafandrohung eines der ihm verbotenen Länder erneut aufzusuchen.

Das Hin&Her spitzt sich immer mehr zu und erreicht in einem amerikanischen Konsulat seinen vorläufigen Höhepunkt. Während eine reiche Amerikanerin allzu leicht ihren verlorengegangenen Pass ersetzt bekommt, muss sich Gales anhören, dass er ohne seine Papiere im Grunde gar nicht existiere. Der Beamte erklärt ihm entgegenkommend, er persönlich wolle ja dem Identitätslosen gern Glauben schenken, doch damit könne er die Vergabe eines Passes gegenüber seinen Vorgesetzen nicht verantworten.

Denn was ich glaube, will die Regierung daheim nicht wissen. Sie will nur wissen, was ich bestimmt weiß. Und was ich bestimmt weiß, muss ich beweisen können. Ihre Staatsbürgerschaft und Ihre Geburt kann ich nicht beweisen.

B. Traven: Das Totenschiff

Traven nutzt die Irrfahrt seines Helden, um gesellschaftliche Kritik zu üben – in einem schnoddrigen Ton, gewürzt mit Spott, Sarkasmus und boshaftem Witz. Oft lässt der Autor die Situation an sich sprechen, die Dialoge und Handlungsweisen der Figuren, die Zufallsbegegnungen. Manchmal rückt Gales das Gesagte durch bissige Kommentare ins rechte Licht; in das Licht der frühen 1920er Jahre, das gedämpft wird durch den Schatten des Ersten Weltkrieges.

Gales ist Amerikaner und verheimlicht das zumeist. Er gibt sich oft als Deutscher aus, eine auf den ersten Blick seltsame Maßnahme, könnte man doch annehmen, die Verlierer des Großen Krieges wären unbeliebter als die Yankees, die letztlich dank ihrer wirtschaftlichen und militärischen Stärke den Waffengang für die Alliierten entschieden haben. Doch stehen die USA im Ruf, ihre Hilfe vor allem aus Eigennutz angeboten zu haben, ein recht typisches Motiv des Antiamerikanismus, wie er in manchen Kreisen bis heute gern gepflegt wird.

Präsident Wilsons Politik war tatsächlich darauf ausgerichtet, den Mittelmächten keinen Sieg zu erlauben, vor allem aber, die USA zur globalen Führungsmacht aufsteigen zu lassen. Europa war jenseits des Atlantiks hoch verschuldet und selten liegt die Macht beim Schuldner, sondern beim Gläubiger. Die hehren amerikanische Werte, mit denen die USA in den Krieg zogen, bespöttelt Gales.

Als er wiederholt von Polizisten durchsucht wird, fragt er sich, was diese so dringend suchten – etwa die verlorengegangen 14 Punkte von Präsident Wilson? Dieses Programm fasste die Ziele des US-Präsidenten für eine Friedensordnung zusammen, es diente als politische und moralische Grundlage für die Kriegführung der USA. Die tatsächliche Nachkriegsordnung hatte mit dem Geist der 14 Punkte recht wenig zu tun, was Traven auf seine Weise karikiert.

Doch bekommt auch Deutschland, namentlich Preußen, bissige Kritik ab. Die Behörden eines jeden Landes bemühen sich, den Mann ohne Papiere nach Deutschland abzuschieben, worüber dieser sich wundert. Er verweigert sich rundheraus, verkündet, er würde sich lieber erschießen lassen, als nach Deutschland zu gehen. Denn:

Wenn man in Amerika und vielen andern Ländern das Wort ›Preußen‹ hört, ist es nie mit dem Lande Preußen oder mit seinen Bewohnern verknüpft, sondern es ist ein Synonym für eine Abwürgung der Freiheit und für polizeiliche Bevormundung.

B. Traven: Das Totenschiff

Der freiheitsliebende und nicht sonderlich arbeitswütige Gales, der in Spanien eine Art Dasein gefunden hat, landet schließlich auf der Yorikke. Wie kann das sein, wo er in dem Kahn gar ein Totenschiff sieht und angesichts seiner äußeren Erscheinung auf verheerende Zustände an Bord rückschließt? Nolens volens, könnte man sagen. Das Schiff selbst scheint es auf ihn abgesehen zu haben. Gales verweigert sich dem Anwerbeversuch und findet sich dennoch unversehens an Deck wieder. Die Yorikke nimmt Fahrt auf und steuert geschwind aufs weite Meer. 

Auf dem Schiff sind die Verhältnisse noch viel furchtbarer, als Gales befürchtete. Er wurde betrogen, geschickt mit Worten in die Irre geführt und sitzt abermals in der Falle. Die Yorikke ist ein Totenschiff, doch geht es hier nicht um Untote, wie jene halb verwesten Gestalten in Fluch der Karibik. Es sind die Arbeiter an Bord, die unter unmenschlichen Bedingungen knechten müssen. Vieles ist im Wortsinne kaum vorstellbar.

Travens Totenschiff ist ein Sinnbild für die Ausbeutung in einem ungeregelten Kapitalismus, in dem sich die Arbeiter nicht wehren können und zu Verdammten und Verlorenen, zu Toten werden. Aber der Autor lotet bei seiner mitreißenden Schilderung des Schicksals von Gales auch die allgemeinen menschlichen Untiefen aus: Der Drang der Unterdrückten, sich gegenüber Schwächeren oder Niedrigergestellten zu erheben und diese ihrerseits zu unterdrücken.

Eine der wesentlichen Ursachen der menschlichen Misere sieht Gales im Drang zur Nachahmung, dem Herdentrieb, der eine echte Weiter-Entwicklung des Menschen verhindere. So bleibe man ein Barbar, wie vor sechstausend Jahren, und lasse sich knechten. An der Reling der Yorikke stehend fragt sich Gales, warum er sich nicht selbst erlöse, seinem Leben durch einen beherzten Sprung ins Meer ein Ende setze. Die Antwort lautet, weil er sich Hoffnung mache.

Aber der Mensch? Der Herr der Schöpfung? Er liebt es, Sklave zu sein, er ist stolz, Soldat sein zu dürfen und niederkartätscht zu werden, Er liebt es, gepeitscht und gemartert zu werden. Warum? Weil er denken kann. Weil er sich Hoffnung denken kann. 

B. Traven: Das Totenschiff

Manche Sentenzen in diesem Buch sind so stark, dass sie mir auch Wochen nach der Lektüre noch im Kopf herumgehen. Die Afrikaner, die mit den Sklavenschiffen über den Atlantik geschifft wurden, haben sich bisweilen gewehrt, indem sie Selbstmord beginnen. Sie verweigerten das Essen oder versuchten, über Bord zu springen. Folgt man den Ansichten von B. Travens Seemann, dann wussten sie genau, was ihnen blühte, und hatten alle Hoffnung dahingegeben.

Immer wieder kommt Traven in seinem Roman auf das Motiv des bürokratischen Todes zurück. Menschen, die keine ordentlichen Papiere besitzen und auch keine bekommen können, was keineswegs an ihnen, sondern den Umständen und einer kalten, herzlosen und völlig mechanisch agierenden Bürokratie liegt. Lebende Tote also, die ein Totenschiff brauchen, um irgendwie aus dem Niemandsland fortzukommen.

Gales alias Pippip erfährt vom Schicksal einiger Seemänner, die auf der Yorikke ein tragisches Ende fanden. In der Koje über seiner eigenen soll einer gelegen haben, der nach langer Irrfahrt, unter anderem auch der Fremdenlegion, an Bord kam und dort verendete. Von ihm blieb nicht einmal ein Eintrag im Journal, dem Bordbuch, das mehr einem vom Kapitän frisierten Märchenbuch gleicht. Der Tote war nur „Luft, verwehte Luft“.

Wie endet ein Roman, der vorgibt, ein Abenteuer zu erzählen, das sich als verhängnisvolles Schicksal entpuppt und – im übertragenen Sinne – weit über die eigentliche Geschichte hinausreicht? Mehrfach sagt der Erzähler, von einem Totenschiff könne man nur auf einem Riff entkommen, also durch den Tod. B. Traven hat seinem Helden auf dessen Totenschiff ein sehr gelungenes, passendes und eben doch unvermutetes Ende beschert.

Und die Düsternis an Bord der Totenschiffe, die alptraumhafte Ausweglosigkeit haben mir eine Vorstellung davon gegeben, was kafkaesk bedeutet, noch bevor ich Kafka gelesen hatte.

Volker Kutscher, Ein persönliches Nachwort, in B. Traven, Das Totenschiff

Das Buch Das Totenschiff ist dann aber noch nicht vorbei, denn Volker Kutscher hat ein sehr lesenswertes Nachwort beigesteuert. Das beschäftigt sich mit der eigenen Leseerfahrung, stellt fest, dass der Roman – leider – zeitlos ist, weil die Zahl der Verlorenen einhundert Jahre nach dem Erscheinen von B. Travens Erstling keineswegs geringer geworden ist.

[Rezensionsexemplar]

B. Traven: Das Totenschiff
Mit einem Nachwort von Volker Kutscher
Diogenes 2023
Hardcover, 416 Seiten
ISBN: 978-3-257-07269-3

Spiel, Gegenspiel, Gegengegenspiel

Das Zitat stammt von Friedrich von Hagedorn, einem deutscher Dichter, der von 1708 – 1754 lebte, also ein Zeitgenosse von Joshua und Jeremiah war.

Das Zitat von Hagedorn hat mir so gut gefallen, dass ich es Doppelspiel – Piratenbrüder Band 3 vorangestellt habe. Ein Doppelspiel ist im Grunde genommen eine Form der Unaufrichtigkeit, des Betrugs. Je nach Kontext kann das lustig, spannend oder anrüchig sein.

Wer nach dem Begriff »Doppelspiel« in den Weiten des Internets sucht, bekommt bei Wikipedia den Begriff »Intrige« als Synonym präsentiert, was nicht falsch, aber inhaltlich ein wenig arg eingeengt ist. Gemein ist beiden Begriffen, dass jemand hintergangen wird.

Das Vergnügen am Betrug ist einseitig, einen Betrug mit einem Gegenbetrug zu kontern, vervielfacht den Genuss. Es ist kein Zufall, dass zahlreiche Filme aus dem „Heist“-Genre darauf setzen: Spiel, Gegenspiel, Gegengegenspiel.

Geht es um Organisiertes Verbrechen, geschieht der Betrug oft in Form einer besonderen Täuschung: Jemand schlüpft in eine Rolle, um eine schwer zugängliche Organisation zu unterwandern, sei es die Mafia, einen Geheimdienst oder ein Drogenkartell. 

Doppelspiel– Piratenbrüder Band 3 geht den zweiten Weg. Piraten sind schließlich auch eine Form des Organisierten Verbrechens (gewesen), in ihre Reihen einzudringen war zweifellos lebensgefährlich. Täuschung wurde wie auch Verrat nicht gerade gern gesehen. Wenn beide Seiten (oder sogar drei) mit Betrug arbeiten, findet man sich schnell in einem doppelten oder dreifachen Doppelspiel wieder.

Vielleicht waren sie Figuren in einem dreifachen Doppelspiel.

Alexander Preuße: Doppelspiel – Piratenbrüder Band 3

Warum wählen Elijah O’Stone und seine Getreuen ein so riskantes Vorgehen? Eigentlich wähnte man sich nach dem Roman Chatou – Piratenbrüder Band 2 schon auf dem Weg zum Sieg über John Black, doch mit dem unvermuteten Erscheinen eines englischen Lords namens Cornelius Taddeus Warrington auf Castelduro verschieben sich die Verhältnisse wieder.

Der Adelige verfolgt undurchsichtige Pläne, welches Spiel er spielt, ist ungewiss; er scheint weitreichende Ambitionen zu verfolgen. Klar ist nur, dass er den Elijah O’Stone und seinen Mitstreitern nicht wohlgesonnen ist, wie Pete und die Piratenbrüder rasch am eigenen Leib zu spüren bekommen. Ein Rückschlag nach dem Sieg über Frederic Bluntsorn, genannt Blutlocke.

Außerdem bietet sich unverhofft eine Möglichkeit, John Blacks Piraten zu unterwandern. Das Doppelspiel, auf das sich Elijah O’Stone einlässt, ist also eine entschlossene Flucht nach vorn. Ihr Gegner erweist sich jedoch als mächtiger, als sie angenommen haben. Das hat nicht nur für meine Piratenbrüder dramatische Konsequenzen, das Doppel-Spiel nimmt eine fürchterliche Wendung.

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»Vinland« – Piratenbrüder Band 4

Der vierte Teil meiner Abenteuer-Buchreihe um die »Piratenbrüder« Joshua und Jeremiah ist am 20. März 2024 erschienen. »Vinland« ist es als eBook (Kindle / Kindle unlimited) und als Taschenbuch erhältlich.

Wikinger? Was haben Wikinger in einer Abenteuer-Buchreihe zu suchen, die in den 1730er Jahren spielt, als die Zeit der Nordmänner schon mehrere Jahrhunderte zurücklag?

Die Antwort auf diese Frage erhält der Leser auf 600 Taschenbuchseiten (oder eBook) in meinem Roman Vinland – Piratenbrüder Band 4, der am 20. März 2024 erschienen ist.

Es ist der mittlere Band der Heptalogie und nicht nur wegen seines Umfangs etwas Besonderes. Die Hälfte des Buches spielt nicht um 1730, sondern umd 1010 nach Christus. Von Kapitel zu Kapitel springt die Geschichte zwischen beiden Zeiten hin und her.

Piraten und Wikinger hatten einiges gemeinsam, vieles trennte sie natürlich auch. Das sehen auch Wissenschaftler so, wie etwa Neil Price in einem brillanten Buch »Die wahre Geschichte der Winkinger«.

Der Leser lernt Eillir kennen, einen jungen Nordmann in einer sehr bedrohlichen Lage; er geht mit Stígandr und Ryldr auf große Fahrt in den geheimnisumwitterten Westen und weit über die Grenzen der bekannten Welt hinaus.

Doch werden nicht einfach zwei nebeneinander herlaufende Geschichten erzählt, beide hängen eng miteinander zusammen. Sie sind im Grunde genommen eine einzige Geschichte zu verschiedenen Zeiten.

Vinland – Piratenbrüder Band 4 ist natürlich in erster Linie ein Roman, ich habe mir eine ganze Reihe von Freiheiten herausgenommen, um zu erzählen, was ich erzählen wollte.

Auch über die Vergangenheit Elijah O’Stones alias Einauge erfahren die Piratenbrüder endlich die Wahrheit, eine ziemlich düstere, wie das Zitat zeigt.

Herausgekommen ist eine sehr spannende Erzählung mit vielen dramatischen Wendungen. Denn natürlich geht die erbarmungslose Auseinandersetzung zwischen den ehemaligen Kaperfahrern Elijah O’Stone und John Black weiter.

Zu einer Leseprobe von »Vinland« – Piratenbrüder einfach folgenden Link klicken:
LESEPROBE

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Ein Spaziergang im Wald

Die Entscheidung ist mir schwergefallen, die Zweifel blieben, aber unter dem Strich bin ich froh, dass ich auf diesem Waldspaziergang beschlossen habe, das Wagnis einzugehen. Vinland ist ein Historischer Abenteuerroman mit zwei Zeitebenen.

Vor einigen Jahren habe ich einen Spaziergang im Wald unternommen, den ich nicht so schnell vergessen werde. Ich war nicht allein, Gespräch und Gedanken drehten sich um eine einzige Frage: Soll ich es wagen?

Es steht dabei für einen Roman auf zwei Zeitebenen. Die erste Version war bei meiner Erstleserin durchgefallen, die zweite immer noch sehr fehlerbehaftet, Zweifel dräuten von allen Seiten, würden die Leser nach drei Bänden einer Buchreihe so einen dramatischen Bruch goutieren?

Vor  allem plagte mich die Frage, ob ich selbst mit der Qualität zufrieden wäre. Schreiben auf zwei Zeitebenen ist ganz anders als auf einer, komplizierter und arbeitsaufwändiger. Beide Erzählstränge liegen in diesem Fall 700 Jahre auseinander und laufen parallel, trotzdem müssen sie auf eine sinnvolle Weise miteinander verbunden sein.

Ich habe Alternativen überlegt und diskutiert. Sollte ich vielleicht die zweite, in der Vergangenheit liegende Zeitebene streichen oder möglicherweise in einem eigenen Buch veröffentlichen – eine Art Spin-Off der Abenteuerreihe um die Piratenbrüder?

Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen, als ich sie endlich getroffen hatte, blieben die Zweifel. Ja, nicht jeder Testleser mochte die doppelte Zeitebene, vor allem erwies sich das Schreiben eines Buches mit dieser Doppelstruktur eine echte Herausforderung.

Vinland – Piratenbrüder Band 4 umfasst 600 Seiten. Es erscheint als Taschenbuch und eBook im März 2024.

Bereut habe ich es nicht. Vinland, der vierte Teil meiner Abenteuerreihe, ist nach einer riesigen Kraftanstrengung richtig gut geworden. Die Arbeit an dem Text hat mich an meine Grenzen gebracht und diese ein gutes Stück verschoben.

Perfekt ist Vinland selbstverständlich nicht, aber erstaunlicher Sprung nach vorn. Noch mehr als zuvor ist es mir gelungen, dem Inhalt eine passende Form zu geben. Grundsätzlich gilt das auch für die ersten drei Teile der Buchreihe um die Piratenbrüder, aber für den vierten in einem bis dahin unerreichten Maß.

Die beiden Zeitebenen befeuern sich gegenseitig, obwohl zwischen ihnen mehr als 700 Jahre liegen, gibt es eine ganze Reihe von Verbindungen; direkte und indirekte, die ich hier nicht verraten möchte. Nur soviel: Während der letzten Überarbeitung habe ich das brillante Buch von Neil Price Die wahre Geschichte der Wikinger gelesen. Der Autor sieht Schnittmengen zwischen den Nordleuten und den Piraten des frühen 18. Jahrhunderts.

Nicht mehr vom Gleichen!

Auch bin ich froh über den Bruch der Erzähl-Struktur innerhalb der Buchreihe Piratenbrüder. Ich mag Buchreihen nicht, die ihre Erzählmuster arg oft wiederholen – Lockwood von Jonathan Stroud war mir eine Warnung. Trotz großartiger Ideen ging mir die ewig gleiche Erzählstruktur der Teile  so auf die Nerven, dass ich keinen weiteren Band nach dem fünften gelesen hätte.

Da Vinland in der Mitte der Piratenbrüder-Reihe liegt, wird das Problem vermieden. Es beeinflusst zudem das Lesen des nächsten  Bandes, denn nicht nur das Schreiben ist auf zwei Zeitebenen anders. Totenschiff, der fünfte Teil der Reihe, wirkt durch die Rückkehr zu der Erzählweise auf einer Zeitebene sehr viel rasanter, als es der Fall wäre, würde Vinland nicht eine etwas sperrige Form haben.

Mag sein, dass es einigen Lesern nicht gefällt, wenn ein Buch in mitten einer Reihe aus dem Rahmen fällt, das bekannte, gewohnte Muster bricht. Der Erfolg von Buchreihen (á la Lockwood), die auf eine stets wiederholte Erzählstruktur setzen, wäre ein respektabler Grund für mich gewesen, meine Piratenbrüderin der gleichen Weise umzusetzen. Aber ein Leitmotiv meines Schreibens ist: nicht mehr vom Gleichen.

Der Waldspaziergang hat letztlich die Entscheidung gebracht. Gut so.

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Walhalla – Sessrumnir

Odins Halle ist bekannt, Freyas weniger. Dabei dienen sie in der nordischen Mythologie dem gleichen Zweck, wie Neil Price in seinem fabelhaften Buch Die wahre Geschichte der Wikinger schreibt. Natürlich ist das in meinen Roman Vinland eingeflossen. Bild mit Canva erstellt.

Den Begriff »Walhalla« kennt jeder, »Sessrumnir« eher nicht. Klingt nach einer arg forschen These, ist es aber nicht. Wer beide Begriffe bei Wikipedia eingibt, erhält zwei sehr unterschiedliche Artikel. Der zu Sessrumnir ist nur ein paar Zeilen lang, der zu Walhalla um ein Vielfaches ausführlicher.

Ich muss gestehen, dass ich vor der Lektüre des bahnbrechenden Buches Die wahre Geschichte der Wikinger von Neil Price von Sessrumnir selbst noch nichts gehört hatte. Dabei hatte ich bis zum Sommer 2023 schon eine ganze Reihe von Büchern zum Thema Wikinger gelesen, Recherche für den vierten Teil meiner Abenteuerreihe um die Piratenbrüder.

Natürlich ist in diesem Roman, der auf zwei Zeitebenen spielt, auch von Walhalla die Rede, wie auch das Zitat aus Vinland zeigt. Krieger, die in der Schlacht fallen, tafeln in Walhalla, der Halle Odins, bis irgendwann all in die letzte aller Schlachten ziehen, am Tag der Götterdämmerung, Ragnarök.

Ein umfassendes Buch zur Geschichte der Wikinger. Eines meiner Sachbücher des Jahres 2023.

Von der Existenz einer zweiten Halle war ich begeistert. Sofort habe ich begonnen nachzudenken, wie ich das in den Roman einfügen könnte; es geht dabei nicht so sehr darum, Wissen auf Loki komm raus in eine Geschichte zu pressen, um mich selbst zu beweihräuchern, sondern um erzählerische Vielfalt, Flexibilität und fiktionalen Spielraum.

Sessrumnir ist die Halle von Freya, auch dort sollen Krieger nach ihrem Schlachtentod Aufnahme finden – »die Hälfte«, wie es heißt. Natürlich gab es die Verlockung, hier literarisch ein wenig nachzuhelfen – Kriegerinnen zu Freya nach Sessrumnir, Krieger zu Odin nach Walhalla. Alles hübsch ordentlich.

Den Gedanken habe ich verworfen, aus verschiedenen Gründen. Der wichtigste: Es gab gar nicht so viele Kriegerinnen, um die überlieferte »Hälfte« der auf dem Schlachtfeld Getöteten auszumachen. In manchen Kreisen wird nach wie vor bezweifelt, ob es wirklich Kriegerinnen gegeben hatte.

Neil Price beschäftigt sich mit dem Thema, das mich auch seit Jahren interessiert, sein Fazit lautet, dass es zwar Kriegerinnen gab, sie aber eher eine Ausnahme von der Regel waren.

In meinem Roman Vinland kann also ein Krieger oder eine Kriegerin jenen Satz gesagt haben, den ich zitiert habe, beide Geschlechter freuen sich auf Walhalla. Die Hauptfigur, der junge Wikinger Eillir, hält das allerdings für ausgemachten Nonsens, aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Mein vierter Roman Vinland – Piratenbrüder Band 4 ist am 20. März 2024 erschienen und als Taschenbuch oder eBook bzw. im Rahmen von Kindle unlimited erhältlich.

Bisher erschienen (auf das Cover klicken)

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