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Schlagwort: Abenteuerroman (Seite 1 von 3)

Mircea Cărtărescu: Theodoros

Buchcover von 'Theo Doros' von Mircea Cartărescu mit einer Illustration einer düsteren, felsenreichen Landschaft und einem Zitat: 'Dann würde es eher kein Buch geben, denn für die glücklichen Schicksale genügte ein Blatt.’
Das Bild zeigt die Belagerung der Festung von Magdala in Äthiopien, den die Briten gegen den »Kaiser« Theodoros führten. Der Roman schildert auf sehr eigenwillige, in mehrfacher Hinsicht fantastische Weise dessen Lebenweg, von der Walachei und Bukarest über die griechischen Inseln bis nach Äthiopien und in den Abgrund eines blutsaufenden Tyrannen. Große Literatur, schwer, abenteuerlich und fabelhaft. Coverrechte beim Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Es gibt Bücher, die schlage ich nach der Lektüre zu und denke: »Was war das denn?« Überwältigt, irritiert und auf eine seltsame Weise zufrieden. Es sind Werke, die inhaltlich und sprachlich fern vom pürierten Allerlei für ein zahnloses Lesepublikum sind. Ulysses von James Joyce wäre ein Beispiel, Dein Gesicht morgen von Javier Marias ein anderes, aus der Riege der Klassiker beispielsweise Goethes Faust II (nicht I).  Das Lesen unterscheidet sich grundsätzlich von der anderer Bücher, denn hier bin ich vor allem staunender Zaungast.

Theodoros von Mircea Cărtărescu gehört in diese Kategorie. Als ich den Roman aufschlug, wurde ich sogleich überrollt. Die Erzählhaltung ist ungewöhnlich, in der zweiten Person Singular, gelegentlich auch Plural. Gleiches gilt für den Tonfall, der eingangs einer Strafpredigt gleicht. Kein Wunder, denn es sind himmlische Kreaturen, Erz-Engel, die über das Leben der Hauptfigur Zeugnis ablegen und in bester biblischer Manier donnerhallend urteilen. Für einen Roman mit im weiteren Sinne historischen Inhalt eine originelle »Erzählerfigur«.  

Das Leben der Hauptfigur ist wild bewegt. Motive aus der so genannten Heiligen Schrift, ob real, erfunden oder entlehnt, begegnen dem Leser oft, während er den verschlungenen Pfaden jenes Theodoros folgt, der aus der tiefsten Provinz der Walachei auf den Kaiserthron Äthiopiens gelangt und nach Jahren als tyrannischer Blutsäufer aus dem Leben scheidet. Als wäre das nicht haarsträubend genug, nimmt der Lebensweg ungewöhnliche Zwischenstationen, etwa Piraterie in der griechischen Inselwelt.

Was hier so harmlos klingt, ist bisweilen brutal. Gelegentlich fallen Cărtărescus Schilderungen düsterer menschlicher Abgründe drastisch aus, ohne dass der Roman ins Voyeuristische abgleitet. Dabei gelingen dem Autor wundervolle Bilder, besonders atmosphärisch ist etwa der schauerlich-schöne Einzug nach Bukarest. Doch sind es die verharmlosenden Briefe, die Theodoros an sein Mütterchen schreibt, die wie ein weichzeichnender Zerr-Spiegel seine Untaten zeigen, ein toller Erzähl-Kniff.

Manchmal, wenn dich die Melancholie erfasst hatte, dachtest auch du daran, dich gründlicher in dem Leben niederzulassen, das gelebt wird, und nicht in dem, das man sich erträumt […]

Mircea Cărtărescu: Theodoros

Der Autor erzählt seine Geschichte mit vielen Zeitsprüngen und Ortswechseln, auf eine unbekümmerte Weise ausschweifend und wortgewaltig. Einer der eingeflochtenen Handlungsstränge führt den Leser beispielsweise zu der Königin von Saba und König Salomon, was erst spät einen Bezug zur Haupthandlung erhält. In gewisser Hinsicht ist das gegenüber der Leserschaft unbarmherzig und konfrontativ, es läuft literarischen Entwicklungen der Buchbranche entgegen und ist allein deswegen ein großer Gewinn.

Wenig verwunderlich nimmt Theodoros ein schreckliches Ende. Im Angesicht einer vernichtenden Niederlage seiner Streitkräfte gegen die Briten wählt er den Freitod. Da dieses recht früh im Roman geschildert wird, geht es dem Autor um die Enthüllung des verschlungenen Weges dahin. Der ist übrigens neben den himmlischen Erzählern gesäumt von phantastischen und übersinnlichen Gestalten und Begebenheiten. Historisch verbürgten Personen wie der englischen Königin Victoria stehen irreale Erscheinungen zur Seite.

Wenn ein ganzer Heerzug plötzlich über dem Boden schwebt, als wäre die Schwerkraft aufgehoben, bricht die erzählte Realität – aber in so sanfter Dosierung und ausgesprochen geschickt motiviert, dass es im Rahmen bleibt. Zur Einordnung dieser Erzählweise wird gelegentlich der berühmte »magische Realismus« südamerikanischer Autoren bemüht. Ich frage mich allerdings, ob das wirklich passt und nicht zu kurz greift. Theodoros erscheint mir etwas ganz Eigenes, in einem eigenen, osteuropäischen Rahmen und der dazugehörigen Weltsicht.

Mircea Cărtărescu: Theodoros
Übersetzt aus dem Rumänischen von Ernest Wichner
Zsolnay 2025
Gebunden 672 Seiten
ISBN 978-3-552-07509-2

Opfergang – Piratenbrüder Band 7

Kämpfen, wenn der Gegner unbesiegbar ist? Die Lüge ist so ein Gegner, einmal in die Welt gesetzt, kommt man nicht mehr dagegen an. J.R.R. Tolkien wusste um die Macht der Lüge und auch um ihre Unsterblichkeit, denn sie lässt sich nicht ausrotten. In seinem Silmarillion hat Tolkien das in einen treffenden Satz gefasst, den ich als Zitat dem Schlussband meiner Buchserie um die Piratenbrüder vorangestellt habe.

Dabei ist die Herausforderung, der sich die Piratenbrüder und ihre Freunde gegenübersehen, groß genug. Von Patrick Vandenbergh, einem Verräter in den Reihen John Blacks, haben sie erfahren, wo ihr Erzfeind seinen Stützpunkt hat. Der Schock hätte kaum größer sein können: Ausgerechnet in Maracaibo, mitten in den spanischen Kolonien, liegt der Unterschlupf Blacks.

Das alles hier war John Blacks Spiel. Henry würde mitspielen, denn er hatte das bessere Blatt, dank einer Karte, die alle anderen stach: ein schwarzer Joker.

Alexander Preusse: Opfergang – Piratenbrüder Band 7

Ohne militärische Unterstützung durch Linienschiffe und Seesoldaten ist an einen Angriff auf Maracaibo nicht zu denken. Das aber würde einen Krieg zwischen Spanien und England auslösen, etwas, das Henry und seine Getreuen bis dahin unbedingt verhindern wollten. Jetzt erscheint ihnen ein Krieg als einziger Weg zum Sieg über John Black. Voraussetzung ist, dass der englische König George II. die nötige Unterstützung gewährt.

In London aber ist die Saat der Lügen Warringtons aufgegangen, Henry gilt als Pirat und Verräter, ihm drohen Verhaftung und Tod durch Hinrichtung. Bald zeigt sich, dass ohne große persönliche Opfer kein Erfolg möglich ist. Nicht nur Henry zieht daraus dramatische Konsequenzen, auch Joshua hat keine andere Wahl, als ein Opfer zu bringen. Widerstand und Unterstützung kommen von überraschender Seite. So entfaltet sich das dramatische Ende der Abenteuer von Joshua und Jeremiah in London und Maracaibo.

Eine Leseprobe gibt es hier: Opfergang

Das Taschenbuch (508 Seiten) ist bei Autorenwelt, Buch 7, geniallokal, Amazon & anderen Online-Buchhändlern sowie im lokalen Buchhandel erhältlich.
eBook exklusiv bei Amazon (Kindle und Kindle unlimited).

Bisher erschienen (auf das Cover klicken)

Die letzten Meter

Jedem meiner Bücher habe ich zwei Zitate vorangestellt, die selbstverständlich mit dem Inhalt verbunden sind. Diese Worte George Orwells passen besonders gut.

Der Probedruck ist jener Moment, in dem aus einem Manuskript ein Buch wird. Opfergang, das siebte in der Reihe meiner Piratenbrüder, ist besonders. Es ist der Letzte Roman der Buchserie, ich bin sehr erleichtert, dass es endlich geschafft ist und nehme gern Abschied. Die Serie hätte sich totgelaufen, ich mag daher auch keine Endlosserien, die sich anfühlen wie Bilbo es über sein eigenes, langes Leben sagt: zu wenig Butter auf zu viel Brot.

Noch ist die Ziellinie nicht erreicht. Als letzten Schritt vor der Veröffentlichung lese ich das ganze Buch noch einmal laut vor und eliminiere die letzten Fehler. Durch das besondere Format fällt doch noch einiges auf, was korrigiert werden muss. Trotzdem ist absehbar, dass Opfergang viel früher erscheinen kann, als geplant. So habe ich den Termin der Vorbestellung auf den 12. März 2026 vorverlegt.

Spätestens dann wird der Roman erscheinen. Da ich kein Gewese um das Erscheinen mache, werde ich wie bei Verräter schon früher die Veröffentlichung vornehmen: Wenn Opfergang bereit ist, dann geht es los.

Alexander Preuße: Opfergang
Taschenbuch 508 Seiten, 19,99 Euro
ISBN: 978-3-819481215
Kindle eBook 5,99 Euro
Kindle Unlimited

Erwünschte Störenfriede

Unregelmäßig werde ich über meine Arbeit am historischen Roman Sessrumnir berichten. Der schließt inhaltlich an den Wikinger-Teil von Vinland – Piratenbrüder Band 4 an, ist aber eigenständig erzählt. Man muss also die Ereignisse aus Vinland nicht kennen, um Sessrumnir zu lesen.

Noch ist die Arbeit an Opfergang – Piratenbrüder Band 7, nicht ganz beendet, zwei Wochen vor dem Buchsatz stehen letzte Korrekturen auf dem Plan. Doch befasse ich mich mehr und mehr mit dem nächsten Roman, dem ich den Arbeitstitel Sessrumnir gegeben habe. Der spielt um die erste Jahrtausendwende nach Christi Geburt und erzählt die Geschichte von Eillir und den Wikingern nach dem Untergang von Vinland.  

Zunächst gilt es, die historischen Kulissen für die Bühne zu schaffen, auf der die rein fiktionalen und historischen Figuren ihr Spiel aufführen. Recherchelektüre und Versuche, das Material zu sortieren und strukturieren, stehen daher gerade im Fokus meiner Arbeit an Sessrumnir. Wie gewohnt funken kreative Ideen dazwischen. Diese Störungen sind erwünscht, sie gehören zum Schreibprozess dazu; im Grunde genommen sind sie Teil vom Schreibprozess.

Das Schreiben am Roman beginnt, indem ich mir während der Recherche immer wieder Dinge erzählend ausmale: Assoziationen, Bilder, Szenen drängeln sich in die Gedanken und unterbrechen den Lesefluss. Meist reichen ein paar Stichworte auf einem Klebezettel oder in einem Notizbuch, um diese Störenfriede wieder aus dem Kopf zu bekommen;  manchmal versuche ich, aus ihnen ein Stück Romantext zu schreiben.

So gibt es tatsächlich schon einige Fragmente zu Sessrumnir. Vor Wochen habe ich das erste Kapitel geschrieben, ein düsterer Einstieg in die Handlung. Jetzt kenne ich den historischen Moment, in dem meine fiktiven Personen auf die Bühne mit ihren Kulissen treten werden. Ein dramatischer Augenblick, in dem ein Kampf um eine Krone auf Messers Schneide steht. Zu diesem Punkt lässt sich vom ersten Kapitel erfreulicherweise ein Erzählfaden spinnen.

Die fiktionalen Personen von Sessrumnir waren zum Teil schon in Vinland – Piratenbrüder Band 4 aktiv, daher könnte ich bereits mit dem Schreiben der Rohversion anfangen. Gewöhnlich beginne ich einen Satz, ohne zu wissen, wie er endet. Das gilt auch für Absätze, Abschnitte, Kapitel und selbstverständlich für die gesamte Romanhandlung. Es ist für mich also kein Hindernis, keinen Plot oder gar eine ausgearbeitete Romanstruktur zu haben. Die Dinge ergeben sich beim Schreiben.

Es könnte also losgehen. Doch möchte ich noch etwas mehr Abstand zu meinen Piratenbrüdern gewinnen. Wenn das Manuskript von Opfergang – Piratenbrüder Band 7 für den Buchsatz versendet ist, wird es soweit sein und das neue Abenteuer kann beginnen.

»Verräter« – Piratenbrüder Band 6

Nach dem Erfolg des Aufstands auf Castelduro beginnen die Problem erst und stellen die Piratenbrüder und ihre Freunde vor gefährliche Herausforderungen.

Ausgerechnet Jason Buckler als Hoffnungsträger? Als die Piratenbrüder und Pete Larsen dem Gasthauswirt und selbsternannten »Verwalter« der Insel Castelduro zu Beginn des Romans Chatou Piratenbrüder Band 2 erstmals begegneten, hätte das keiner von ihnen für möglich gehalten. Eine aasige Kreatur, ruchlos, heimtückisch und anpassungsfähig – es ist wenig verwunderlich, dass es Buckler gelungen ist, sich Lord Cornelius Thaddaeus Warrington anzudienen. Er erweist sich als vorzüglich geeignet als Oberaufseher über die versklavten Afrikaner.

Warum sollte ausrechnet jemand wie Buckler den Jägern von John Black helfen?

Henry, Pete und die Piratenbrüder haben ohnehin noch ganz andere Sorgen. Der Aufstand der Sklaven auf Castelduro endete nur mit großer Mühe in einem Sieg, an dessen Ende es beinahe zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den Aufständischen und ihren Helfern gekommen wäre. Diese Gefahr ist keineswegs gebannt.

Mehr noch: Warrington wird mit seinen verbliebenen Linienschiffen irgendwann nach Castelduro zurückkehren und sein Eigen zurückfordern. Kämpfen käme angesichts der Übermacht einem Selbstmord gleich. Folglich sollten Henry und seine Getreuen die Insel schnellstmöglich verlassen. Damit würden sie Akono und die Aufständischen im Stich lassen, ein Dilemma, aus dem es keinen einfachen Ausweg gibt.

Verrat kennt viele Gesichter.

Verräter – Piratenbrüder Band 6

Was wirklich geschieht, übertrifft alle Befürchtungen und Erwartungen in jeder Hinsicht. Der Erfolg auf Castelduro erweist sich politisch für Henrys Ziele als Pyrrhus-Sieg, die Spanier entpuppen sich als unzuverlässige Verbündete. In London ist das zersetzende Gift der Lüge längst am Werk, inmitten einer aufgeheizten Stimmung, in der immer lauter ein Krieg gefordert wird. Vor allem anderen aber sind John Black und seine Piraten nicht müßig, was auch Joshua und Jeremiah zu spüren bekommen.

VerräterPiratenbrüder Band 6 ist das dramatische Luftholen vor dem großen Finale der Buchserie. Joshua muss sich beweisen, mit und ohne Waffe, Stück für Stück enthüllt sich eine bedrohliche Verschwörung, während die Piratenbrüder in einer längst vergessenen Festung nach dem letzten Puzzlestück des Rätsels um den Standort von John Blacks Stützpunkt fahnden.

Eine Leseprobe gibt es hier: Verräter

Das Taschenbuch (424 Seiten) ist bei Autorenwelt, Buch 7, geniallokal, Amazon & anderen Online-Buchhändlern sowie im lokalen Buchhandel erhältlich.
eBook exklusiv bei Amazon (Kindle und Kindle unlimited).

Bisher erschienen (auf das Cover klicken)

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