
Was passiert, wenn sich totalitär regierte Staaten zusammentun und versuchen, die Welt untereinander aufzuteilen? Wir leben in Zeiten, in denen das gerade wieder geschieht.
Andreas Fulda: Wenn China angreift
Bei der Lektüre von Wenn China angreift unternimmt der Leser einen Ausflug in die politische Zoologie und lernt den Schwarzen Elefanten kennen. Damit ist ein Sachverhalt gemeint, von dem Verantwortliche wissen, dessen Gefährlichkeit offenkundig ist und der ganz bewusst übersehen wird. Man tut, als wäre der Elefant nicht da; wenn das Drama seinen Verlauf nimmt, kann behauptet werden, niemand habe das kommen sehen.
Zu beobachten war derlei vor und nach der vollumfänglichen Invasion der russischen Streitkräfte in der Ukraine 2022. Frappierend ist, dass quer durch alle Parteien und Strömungen die Augen geschlossen wurden; eine der wenigen Ausnahmen war Robert Habeck, der sich – gegen seine eigene Partei und die Linie der amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel – für Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen hat. Monate vor dem Angriff, wohlgemerkt.
Schwarze Elefanten gab es zu allen Zeiten. Ein Beispiel wären die antiken Millionenstädte Rom und Konstantinopel. Um die Bevölkerung zu ernähren, brauchten das Römische Imperium und später Ostrom (»Byzanz«) Weizenimporte aus Nordafrika, insbesondere aus dem fruchtbaren Ägypten. Der Praefectus Aegypti war nicht umsonst das höchste Amt der Ritterlaufbahn im Römischen Reich.
Die Bedeutung Nordafrikas und Ägyptens war bekannt, ebenso dürfte die Gefährdung der Lebensmittelversorgung und die verheerenden Folgen in Kreisen der Eliten klar gewesen sein. Trotzdem wurde faktisch nichts daran geändert, es wären weitreichende Veränderungen gewesen, etwa die Dezentralisierung der Versorgung zu organisieren. So konnte man gleich zweimal verfolgen, was mit einer Metropole im Krisenfall (Vandalen, Araber) geschieht.
Es gibt zu viele beunruhigende Anzeichen einer bevorstehenden geopolitischen Katastrophe. Sehr viel steht auf dem Spiel. Und ein furchterregendes Szenario verschwindet nicht, indem man die Augen davor verschließt, im Gegenteil.
Andreas Fulda: Wenn China angreift
Wer das Buch Wenn China angreift von Andreas Fulda liest, macht die Augen auf und schaut den Schwarzen Elefanten an. Dieser trägt den Namen China. Der Begriff bezieht sich auf aggressiven Imperialismus, der nicht nur die gewaltsame Assimilierung Tibets, Xingjiangs usw. betreibt, sondern sein begehrliches Auge seit Jahrzehnten auf Taiwan richtet. Ein Eroberungskrieg zur Durchsetzung der Ansprüche wurde in der Vergangenheit oft genug offen kommuniziert.
Andreas Fulda ist mit der Thematik vertraut, was bedauerlicherweise nicht für alle in den Medien auftretenden »Experten« gilt; auch eine Lehre, die aus dem Ukraine-Debakel bezeichnenderweise nicht gezogen wurde. Er wählt ein Szenario, um einen möglichen Verlauf eines Angriffs Chinas auf Taiwan zu skizzieren und vor allem die Grenzen der Handlungsmöglichkeiten der USA, Japans, Europas und auch Deutschlands aufzuzeigen.
China wird hierzulande und im Westen insbesondere von wohlmeinenden Zeitgenossen und Organisationen als netter Dritt-Welt-Panda verklärt, was ein Beleg für die Wirksamkeit der chinesischen Propaganda gelten darf. Denn das Land hat die wohl größte Kriegsflotte der Welt, setzt auf hybride Marine-Einheiten (Fischerboote) und eine atemlose Aufrüstung, finanziert durch westliche, besonders deutsche Wirtschaftsbeziehungen. »Handel durch Wandel« hat tatsächlich gewirkt, allerdings in einem anderen Sinne, als von den hiesigen Apologeten behauptet. China ist kriegsfähig und reslient geworden.
Umgekehrt hat laut Fulda Deutschland seine außenpolitische Handlungsfähigkeit eingebüßt. Angela Merkels Unfähigkeit / Unwilligkeit, außenpolitische Notwendigkeiten gegen die Lobbyarbeit der deutschen (Auto-)Industrie durchzusetzen, war wenig hilfreich. Bedenklich nehmen sich Entscheidungen in der Vergangenheit aus, haarsträubend erscheint die Verweigerungshaltung in der Gegenwart, trotz Ukraine, trotz Trump, trotz Tibet und chinesischer Neo-Gulags.
Das alles macht Wenn China angreift zur wenig angenehmen Lektüre. Im Sturm der Entwicklungen seit Donald Trumps zweitem Amtsantritt macht es wenig Laune, sich dem fernen Taiwan zu widmen. Doch gehören die Dinge zusammen, ein Sieg Russlands über die Ukraine und die Spaltung der Nato könnte das Signal zum Angriff sein. Für Deutschland wären die Folgen verheerend. Der Schwarze Elefant verschwindet nämlich nicht, wenn man die Augen schließt.
Andreas Fulda: Wenn China angreift
Ein Szenario
C.H.Beck 2026
Klappenbroschur 156 Seiten
ISBN: 978-3-406-84618-2










