

Seit vielen Jahren warten diese beiden Bücher geduldig in meinem Regal darauf, endlich gelesen zu werden. Nun ist es soweit, denn thematisch passen sie im weiteren Sinne zu dem, womit ich mich derzeit beschäftige. Ein Buch nimmt die Perspektive eines herausragenden Kaisers ein, das andere stellt einen Längsschnitt durch die Entwicklung deutscher Städte dar.
Friedrich II. ist mir während meines Studiums mehrfach begegnet, die abenteuerlichen Umstände seiner ersten Jahre, der Aufstieg zu einem mächtigen Kaiser, eine bemerkenswerte Persönlichkeit, auf dessen Ableben die so genannte Staufer-Katastrophe folgte. Vor allem die Biographie von Ernst Kantorowicz wurde mir vor dreißig Jahren wärmstens empfohlen, dessen Lektüre mir allerdings eher abstrus als hilfreich erschien.
Wolfgang Stürners Werk ist fast ein dreiviertel Jahrhundert jünger, entsprechend modernisiert. Schon auf den ersten Seiten machen sich die Herausforderungen bemerkbar. Zwar gibt es für das beginnende 13. Jahrhundert sehr viel mehr Quellen als noch für die Zeit der Wikinger, dennoch bleibt vieles lückenhaft. Stürner tastet sich recht kleinteilig voran, was im Zusammenspiel mit der hüftsteifen Sprache aus Friedrich II. Der Kaiser 1220 – 1250 eine fordernde Lektüre macht.
Aber allein die Schilderung des Schicksal jener auf Sizilien ansässigen Sarazenen, die unter Friedrich letztlich in Lucera eine Existenz fanden und ihm treu als leistungsfähige Soldaten dienten, später jedoch von den nachfolgenden französischen Herrschern militärisch geschlagen und in die Sklaverei verkauft wurde, macht die Lektüre interessant.
Auch Evamaria Engel gehört in die Kategorie der papierknisternden Historiker, die ihr seriöses Gedankengut in eine trockene Sprache verpacken. In Fall von Die deutsche Stadt des Mittelalters schimmert das Wasserzeichen ihrer ostdeutschen Genese sprachlich gelegentlich hindurch, glücklicherweise in einer harmlosen Dosierung.
Ein Längsschnitt dieser Art birgt die Gefahr, zu einer endlosen Aufzählung unüberschaubarer Phänomene zu werden – meine Zuversicht auf eine weniger zumutende Lektüre hält sich in Grenzen. Dennoch erwarte ich von beiden Büchern einen lohnenden Zuwachs an Wissen, das gelegentlich auch mit schwieriger Lektüre erworben werden muss.





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