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J.R.R. Tolkien: The Lord of the Rings

Es ist und bleibt für mich der einzige wirklich gute Fantasy-Roman, den ich kenne. Zu Weihnachten 2023 gab es diese wunderschöne Prachtausgabe des englischen Originals. Die Lektüre ist für mich mittlerweile mehrstimmig – Deutsch, Englisch, Film und Computer-Spiel überlagern sich.

Unter dem Weihnachtsbaum lag sie: die Prachtausgabe des The Lord of the Rings von J.R.R. Tolkien. Sie ist wunderschön, allein die Haptik der gebundenen Bücher, das Papier, die Motive auf den Schutzumschlägen wie auch die Illustrationen innen. Eine wahre Pracht. The Hobbit ist als viertes Buch im Schuber auch mit dabei, den habe ich aber schon einmal auf Englisch gelesen. Also konnte ich gleich mit der Lektüre von The Lord of the Rings beginnen.

Mittlerweile lese ich Tolkien Opus Magnum »mehrstimmig«, es überlagern sich Bilder und Stimmen aus ganz verschiedenen Medien, die ich im Laufe der vergangenen vierzig Jahre zu Der Herr der Ringe gelesen, gesehen, gehört und gespielt habe. Alle begleiteten meine Lektüre von The Lord of the Rings und sorgten manchmal für ein kurioses Durcheinander in meiner Vorstellungswelt.

Am Anfang meines Lese-Weges mit dem einzigen Fantasy-Abenteuer, das ich wirklich mag, bildete Der Herr der Ringe in der Übersetzung von Margaret Carroux. Mit elf oder zwölf Jahren habe ich den Dreiteiler erstmals gelesen, danach immer wieder, sogar einmal laut vorgelesen (eines der schönsten Weihnachtgeschenke überhaupt). Jede Lektüre dieser deutschen Version des Ringkrieges ist so etwas wie eine Heimkehr gewesen.

»Fly, you fools!«

J.R.R. Tolkien: The Lord of the Rings

Die Filmtrilogie von Peter Jackson habe ich auch mehrfach gesehen, auf Deutsch und Englisch. Sie hat die stärksten Bilder hinterlassen, aber auch den meisten Ärger verursacht. Wann immer ich das Buch lese, wundere ich mich über die Veränderungen im Film, die dem Werk Tolkiens einen beträchtlichen Teil seiner Wirkung rauben. Warum? Um Arwen eine kleine, sinnfreie Nebenrolle zu gewähren? Für ein paar billige Show-Effekte? Ein schönes Beispiel dafür sind die Wurfmaschinen des Ork-Heeres: Bei Tage werden Steine, nachts Brandgeschosse auf Minas Tirith gefeuert.

Die schönsten Bilder Mittelerdes kenne ich aber aus einem Computerspiel: Der Herr der Ringe online. Mit meinem Hauptmann habe ich ein paar Jahre die Gegenden von Bree bis Bruchtal, von Forochel bis Pelagir unsicher gemacht. Lange ein großes Spektakel, bis das MMOG schließlich seinen Reiz verlor, ein Schicksal, das bislang noch jedes Spiel dieses Genres ereilte.

Aber die Landschaft! Unglaublich schön gestaltet. Auf der Wetterspitze habe ich mit meinem Avatar manchmal einfach nur so gestanden und in die Gegend geschaut und »mein« erster Ritt nach Minas Tirith bleibt unvergessen. Durch das Spiel habe ich während der Lektüre immer wieder das Gefühl gehabt, schon einmal selbst vor Ort gewesen zu sein. Das gilt vor allem für die wunderbaren Städte, aber auch Moria, Lothlorien, weniger für Fangorn, dessen uralt-boshafte Düsternis nicht einmal im Ansatz spürbar war.

Beim Lesen immer dabei: Historischer Atlas von Mittelerde von Karen Wynn Fonstad. Man kann auf den Karten die Wege der Gefährten, die Orte, die Schlachten usw. wunderbar verfolgen, für mich ein gesteigertes Vergnügen, nicht nur, weil ich generell gern einen Atlas hinzunehme, wenn ich einen Roman mit historischem Inhalt lese, sondern weil sich hier aus meiner Sicht eine der großen Stärken von The Lord of the Rings offenbart – das führte hier aber zu weit.

Don´t use it!

J.R.R. Tolkien: The Lord of the Rings

Meine erstmalige Lektüre der englischen Version fühlte sich insgesamt eher wie ein Erstlesen an, denn wie ein erneutes Lesen. Durch die englische Sprache wirkt das so vertraute Geschehen überraschend fremd, die Namen der Personen und Orte hingegen direkter und gleichzeitig in gewisser Hinsicht poetischer. Das mag Einbildung sein, hervorgerufen durch die häufigen Lektüren der deutschen Version.

Kurioserweise habe ich wieder einige inhaltliche Aspekte zum ersten Mal wahrgenommen. Das kann aber auch ein Irrtum sein, nicht ausgeschlossen, dass ich diese einfach vergessen habe. Da wäre die Anweisung Gandalfs an Frodo, den Ring unter keinen Umständen zu benutzen. Frodo kann dem drängenden Rat erstaunlich häufig trotzdem nicht widerstehen, als er auf dem Weg von Hobbingen nach Bruchtal ist.

Das bereitet natürlich das Ende am Schicksalsberg vor, dessen Gestaltung nach wie vor meine Begeisterung weckt, wie beim allerersten Lesen. Auch der Hobbit scheitert und ausgerechnet das Mitleid, die barmherzige Tat gegenüber Smeagol, dem verlogenen, niederträchtigen Gollum schafft die Voraussetzung, dass dieser gegen seinen Willen alles rettet. Dieser Kniff nötigt mir noch Jahrzehnte nach der Erstlektüre höchsten Respekt ab.

Aber das Scheitern des Helden auf seinem ersten Weg ist Teil des Lernprozesses, der überhaupt zum Erfolg der Gemeinschaft des Ringes oder der gerade noch abgewendeten Katastrophe bei den Rauros-Fällen beiträgt: Nur weil Frodo selbst erlebt hat, wie der Ring einen Hobbit seinen Willen aufzwingen kann, kann dieser – im Gegensatz zu Boromir – wirklich verstehen, dass Elrond recht hat. Nur darum kann er die Gefahr, die von dem Sohn Denethors, aber auch allen anderen der Gemeinschaft ausgeht, richtig einschätzen und die entsprechende Konsequenz daraus ziehen.

»Lord Smeagol? Gollum the Great? The Gollum

J.R.R. Tolkien: The Lord of the Rings

Die Charakterentwicklung nicht nur Frodos und Sams ist Teil des Spiels, das Tolkien mit seinen Lesern spielt. Es geht um Annahmen, Vorurteile, Grenzen des Einschätzungsvermögens, das Fallenstellen, gewollt und ungewollte (Ab-)Lenken der Aufmerksamkeit, Sichtlinien, hinter denen sich für den Gegner im Verborgenen liegende Dinge abspielen.

“Sicht” bezieht sich keineswegs nur auf das physischer Sehen,  sondern  das Vorstellungsvermögen, die Auslegung dessen, was man sieht. Sauron kann sich nicht einmal in seinen dunkelsten Träumen vorstellen, dass jemand den Ring vernichten wollte und ihn mit dem schwächsten denkbaren Wesen direkt in das Herz  der Dunkelheit ziehen lässt. Auch für Saruman ist das undenkbar.

Sie haben ja auch nicht unrecht, wie sich am Beispiel Boromirs zeigt. Vielleicht hätte der Ring am Ende auch andere überwältigt, ganz sicher Denethor, der im Buch zwar nicht ein Zehntel so närrisch und einfältig auftritt, wie im Film, aber wie Sauron und Saruman auf dem Pfad der Macht wandelt.

But the only measure that he knows is desire, desire for power; and so he judges all hearts.

J.R.R. Tolkien: The Lord of the Rings

Als ich das Fantasy-Epos Der Herr der Ringe 1981/82 das erste Mal gelesen habe, war ich überwältigt. Das giftgrün gefasste Buch im gleichfarbigen Schuber war wie ein literarischer Komet, ein mächtiger Einschlag, der ein Beben auslöste, wie es kein einziger Roman des Genres danach auch nur ansatzweise vermochte. Allein der geniale Showdown, dem so wunderbar der Weg bereitet wird, macht Der Herr der Ringe zu etwas Besonderem.

Doch ist es eine Nebensächlichkeit, die seinerzeit ein Gefühl auslöste, an das ich mich beim x-ten Wiederlesen erinnere, genauer gesagt: nachempfinde. Eine Art Kaminfeuer-Wärme, wohlig und angenehm, als ich die entsprechende Stelle gelesen habe: Frodo im Gespräch mit Gloin in Bruchtal, beide sind freundlich, deuten an, verweigern zugleich, alles zu offenbaren, was den anderen interessiert, vertrösten einander auf später. 

Das hat seinerzeit eine mächtige Welle an spannungsgeladener Vorfreude ausgelöst, denn natürlich wollte ich wissen, was hinter diesen kargen Worten steckte, hinter dem Vertrösten auf später; und ebenso natürlich galoppierte die Phantasie davon, ins Ungefähre, eine erwartungsvolle Jagd hinein in eine Welt voller Abenteuer. Und so ist es auch heute, auch wenn ich selbstverständlich im Detail weiß, was folgt, erzählt und verschwiegen wird.

Ich bin sicher, dass viele Leser des Der Herr der Ringe solche Stellen kennen, die zweifelsfrei nicht für andere in der individuellen Weise nachvollziehbar sind. Das gehört für mich zu den großen Qualitäten des Romans. Tolkien hat sein Werk auf einem derart gewaltigen Gedanken-Fundament errichtet, dessen Macht und  Wirkung auf jeder Seite des Buchs spürbar ist. Das verleiht dem Geschehen Tiefe, während andere Bücher das bestenfalls vorschützen, was The Lord of the Rings tatsächlich verkörpert.

A Ring of Power looks after itself.

J.R.R. Tolkien: The Lord of the Rings

Es gibt Leser, die es nicht schaffen, das Buch durchzulesen. Sie verheddern sich in den kruden Erzählungen der ersten Seiten, in denen es um ein Fest geht – wenn bei Gegenwartsliteratur gewöhnlich die Leser durch irgendeine Actionszene gefangen werden, wird in The Lord of the Rings erst einmal Abseitiges verhandelt: ein Geburtstag. Ein besonderer Geburtstag eines absonderlichen Auenlandbewohners, aber eben nur ein Geburtstag.

Ganz gemächlich träufelt Tolkien in homöopathischen Dosen Gefahr in seine Geschichte, die sich immer wieder Auszeiten nimmt, Landschaften beschreibt, Gedichte und Lieder rezitiert, während gegessen, getrunken oder viel hobbitscher Unsinn geredet wird. In dem Rhythmus geht es weiter, dabei steigern sich die Gefahrendosen peu á peu; als die Hauptfigur erstmals wirklich bedroht ist, geschieht dies indirekt – über eine seltsam zischende Stimme.

Fast unbemerkt entfaltet die Erzählung das Geflecht paralleler Handlungen, von denen die Personen bestenfalls etwas ahnen oder einfach nichts wissen, aber die Auswirkungen dieser Taten zu spüren bekommen. Der Leser ahnt schon beim ersten Lesen, dass hinter den unverständlichen Dingen mehr steckt. Aber was? Statt die Spannung dann endlich in die Höhe zu treiben und aufzulösen, geht es zu der wohl seltsamsten Figur im ganzen Buch, Tom Bombadil, bei dem man sich immer fragt, was der wohl dort überhaupt zu suchen hat.

Tolkien nimmt sich in seinem Der Herr der Ringe erzählerische Freiheiten heraus, die im Verlagsbetrieb der Gegenwart schwerlich denkbar sind und mit ziemlicher Sicherheit abgeschliffen würden. Vielleicht würde der Roman damit »leichter« oder »angenehmer« zu lesen sein, aber ist das eigentlich ein Qualitätsmerkmal? Brei ist schließlich auch leichter essbar als ein Mehrgängemenü.

»And those who have no swords can still die upon them.«

J.R.R. Tolkien: The Lord of the Rings

Frappierend fand ich aber, wie viel in dem Buch über meine eigene Gegenwart erzählt wird. Das Zitat ist nur ein Beispiel von vielen, das eine brandaktuelle Frage berühren. Die allgemeine Lage, ein immer stärker drohender Krieg, das Verleugnen, die machtgesteuerten Doppelspiele, der Wille oder Unwille, den Kampf aufzunehmen, Verrat und Treue, das alles ist im The Lord of The Rings elementarer Bestandteil der Handlung und zugleich der Gegenwart Europas. Vielleicht auch seiner Zukunft.

J.R.R. Tolkien: The Hobbit & The Lord of the Rings Boxed Set: Illustrated edition
Illustrations by Alan Lee
Harper Collins 2020
Gebunden im Schuber 1601 Seiten
ISBN: 978-0008376109

J.R.R. Tolkien: Das Silmarillion

Ein wunderbares Zitat aus dem Buch von J.R.R. Tolkien, das nur dann enttäuscht, wenn man es mit den gleichen Maßstäben misst, wie seinen Roman »Der Herr der Ringe«.

Mein erster Kontakt mit dem Fantasy-Epos »Der Herr der Ringe« geht auf das Jahr 1980 zurück. Der grüne Dreiteiler lag  unübersehbar auf dem Schreibtisch eines Freundes, es brauchte keine fünf Minuten, um mich vom Kauf zu überzeugen; gelesen habe ich ihn aber erst nach »Der kleine Hobbit« und – nicht lachen – war anfangs etwas enttäuscht, weil nicht etwa Bilbo, sondern ein gewisser Frodo die Hauptlast in Form eines kleinen, goldenen Ringes zu tragen hatte.

Seine Fahrt bis zum Schicksalsberg und darüber hinaus ist und bleibt eines der größten Abenteuer der Literatur. Das liegt auch an einem Buch, das ich erst jetzt, vier Jahrzehnte später, gelesen habe. Seinerzeit hieß es, »Das Silmarillion« wäre nicht so gut wie »Der Herr der Ringe«. Das stimmt und stimmt zugleich überhaupt nicht, denn beide Bücher gehören zwei völlig unterschiedlichen literarischen Spezies an. Sie lassen sich nicht über den gleichen Kamm scheren.

Damit komme ich bereits zur ersten wichtigen Empfehlung, was die Lektüre von »Das Silmarillion« anbelangt: weg mit den Erwartungen! Wer das Buch zur Hand nimmt, sollte den Ringkrieg aus seinem Kopf verbannen, sonst ist eine derbe Enttäuschung vorprogrammiert, einschließlich der Gefahr, das Buch gleich wegzulegen. Und das hielte ich für einen schweren Fehler, denn »Das Silmarillion« hat eine Menge zu bieten, wenn man die Geduld aufbringt, das sperrige Werk langsam in sich aufzunehmen.

Dem Westen sind unsere Herzen zugewandt, und wir glauben, dass wir dort Licht finden.

J.R.R. Tolkien: Das Silmarillion

Die ersten Kapitel erinnern sehr an die Bibel, dem Leser treten keine handelnden Figuren entgegen, sondern Teile eines Schöpfungsprozesses, den Eru oder Illuvater in Gang setzt. In der kleinen Flut an Namen und Orten kann der verwöhnte Leser, der auf Action und unmittelbares Erleben von Handlungsspannung fokussiert ist, leicht ertrinken. Es passiert in diesem Sinne nichts, in anderem schon, denn man wird Zeuge, wie eine neue Welt entsteht.

Der Leser erfährt so eine ganze Menge über Personen und Umstände, die ein »Aha!« provozieren. Sauron; Melkor bzw. Morgoth; die Balrogs, von denen es eine ganze Menge mehr gab als jenen in den Tiefen Morias. Spätestens beim Aufstieg dieser dunklen Gestalten bekommt »Der Herr der Ringe« nachträglich einen gewaltigen Schub, denn erst jetzt wird dem Leser richtig bewusst, wem die Halblinge und ihre Gefährten wirklich gegenüber stehen und wer ihnen in Gestalt von Gandalf, Galadriel und Elrond zur Seite steht.

Immer wieder gibt es jene kleinen Glücksmomente, wenn etwas, das man als Wiederholungsleser des Ringkrieges bereits gut kennt, erheblich mit Bedeutung aufgeladen wird; das ist ein einmaliges Erlebnis, denn in welcher anderen Fantasy-Welt wäre das überhaupt möglich? Die ernüchternde Antwort: in keiner.

Der Leser wird Zeuge eines Weltenbaus. Oft hat mich »Das Silmarillion« an den Schreibprozess selbst erinnert. Anfangs ist alles öde und leer, dann ist Musik zu hören – eine Form der Inspiration, die ich für mich anders empfinde. Was daraus folgt, ist allerdings ähnlich, denn diese Musik setzt einen schöpferischen Prozess in Gang. Peu á peu entsteht eine neue Welt, wird umgeformt und neu gestaltet, ausgefüllt, Licht kommt ins Dunkel, Leben entsteht, erste Konflikte kommen auf und dann gerät die Erzählung langsam in Gang.

Die Lügen aber, … , sind eine Saat, die nicht stirbt und nicht vernichtet werden kann; und von Zeit zu Zeit treibt sie neue Sprossen und wird ihre dunkle Frucht tragen bis zum letzten Tage.

J.R.R. Tolkien: Das Silmarillion

»Das Silmarillion« ist in gewisser Hinsicht wirklich »nicht so gut« wie »Der Herr der Ringe«. Tolkiens Hauptwerk werden immer wieder besondere Stärken attestiert, vor allem die Sprache, die Historie, der reiche Schatz an überlieferten Geschichten und Sagen, die bis zum Beginn der Schöpfung Mittelerdes reichenden Wurzeln seiner Erzählung und nicht zuletzt die epischen Schlachten.

Derlei enthält »Das Silmarillion« auch. Was fehlt ist jener Part, der für mich den Ringkrieg im Zusammenspiel mit den übrigen Aspekten zu einem herausragenden Werk macht, der brillant getimte Wettlauf nach dem Ring, eingebettet in parallel verlaufende dramatische Kriegstage. Tolkien war ein Meister des Timings, nicht umsonst hat er gesagt, er habe die weise Entscheidung getroffen, mit einer Karte begonnen zu haben. 

Was im »Silmarillion« bereits eine große Rolle spielt, sind Lüge und Verrat. Die Erzählungen, los zusammenhängend und einander zeitlich oft überlappend, sind wie Fingerübungen für die großen und kleinen Untreuen, die im »Der Herr der Ringe« für grandiose Überraschungen und Handlungswendungen sorgen. Saruman, Denethor und andere haben ihre Vorgänger, aber auch jene, die treu zu ihren Eiden und dem Licht stehen.

Wer hat den Dunklen König im Norden gesehen? Wer hier nach Herrschaft über Mittelerde strebt, sind die Eldar. In ihrer Gier nach Schätzen und Geheimnissen haben sie in der Erde gegraben und den Zorn derer erregt, die unter ihr wohnen, seit je und immer. Last den Orks ihr Reiche, und wir werden da unsere haben! Platz genug ist in der Welt, wenn ihn die Eldar uns nur gönnen.

J.R.R. Tolkien: Das Silmarillion

Das Zitat ist auf eine gespenstische Weise aktuell. Die Verdrehung von Ursache und Wirkung, die Zuschreibung der eigenen bösen Absichten auf andere und die Behauptung, es gäbe ein Nebeneinander beider Welten, der des Lichts und der Dunkelheit, wirkt wie eine poetische Umschreibung dessen, was tagtäglich an propagandistischer Desinformation auf den freien Westen einprasselt.

Nach dem Ende des eigentlichen Silmarillions verfolgt der Leser noch Aufstieg und Untergang Numenors, jenes Menschenvolks, aus dem auch Aragorn und seine Dunedain entstammen. Viele Dinge, die im Der Herr der Ringe geschildert werden, erhalten einen tieferen Sinn – etwa der halb verstorbene Baum in Minas Tirith. Auch über Sauron erfährt der Leser bemerkenswerte Dinge, die im Ringkrieg eine Rolle spielen.

Ein weiterer Tipp: Erwerben Sie den herausragenden »Historischen Atlas Mittelerdes« von Karen Wynn Fonstad und betrachten Sie die Karten, während Sie gemächlich Kapitel für Kapitel durch »Das Silmarillion« schmökern, wie durch ein Buch mit Märchen oder Sagen, die allerdings miteinander verknüpft sind und mehr und mehr zu einer romanartigen Handlung verwoben werden.

J.R.R. Tolkien: Das Silmarillion
Aus dem Englischen von Wolfgang Krege
Hobbit-Presse 2010
Tb 538 Seiten
ISBN: 9783608938197

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