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Schlagwort: Ukraine Lesen (Seite 1 von 5)

Neue Lektüre: Deutschland und die Ukraine

Der Titel ist sehr passend und stellt die erstaunliche Diagnose, dass man die flächenmäßig größte Nation Europas »übersehen« kann. Der Mensch ist zu wahrhaftigen Glanztaten fähig.

Am Anfang meiner Beschäftigung mit der Ukraine stand der Action-Film Mission Impossible. Wenn ich mich richtig erinnere, ist an einer Stelle von „Ukrainisch“ die Rede. Ich war damals verdutzt. Ukrainisch? Ist das eine eigene Sprache? Ich dachte, das wäre so etwas wie Bayerisch oder Nordhessisch, eine Mundart. Auch in der Romanreihe von Martin Cruz-Smith um den russischen Polizisten Arkadi Renko ist im fünften Teil von den angeblich geringen Unterschieden zwischen Russisch und Ukrainisch die Rede.

Mittlerweile habe ich mich eines Besseren belehren lassen. Das russische Imperium führte einen regelrechten Sprachkrieg gegen das Ukrainische, die Auslöschung der Ukraine stand und steht ganz oben auf der Agenda. Gen Westen wird Propaganda betrieben, der auch ich erlegen bin. Bücher wie Alles ist teurer als ukrainisches Leben sind ein wunderbares Gegengift. Doch wandelte sich mein Blick auf die Ukraine früher.

Anfang der 2000er Jahre habe ich in einem Atlas oder einer Ausgabe der Le Monde diplomatique eine Karte der Ukraine lange betrachtet, die mir erstmals ein präziseres Bild von dem Land verschaffte. Es ging um Geostrategie, Rohstoffe und Infrastruktur, aus der Karte ging hervor, wie reich die Ukraine eigentlich ist oder sein könnte. Über die problematischen gesellschaftlichen Zustände, aber auch die erste große Welle des Wandels in Gestalt einer »Farben«-Revolution konnte ich in meiner Tageszeitung einiges erfahren.

Trotzdem gingen auch die journalistischen Artikel über die Ukraine immer noch an den Realitäten vorbei. Die Süddeutsche Zeitung, die ich bis 2014 abonniert hatte, war weder in Bezug auf die Ukraine noch auf Putin und seine Machenschaften auf der Höhe der Zeit; sie ist es bis heute nicht. Sie hat keine angemessene Sprache gefunden, die für die Beschreibung der Wirklichkeit geeignet ist. Putin einen „Präsidenten“ zu nennen, weil er sich selbst so bezeichnet, ist eine Unwahrheit, notdürftig kaschiert mit einer angeblichen Neutralität des Beobachters. Trump und Steinmeier werden auch als „Präsident“ bezeichnet, so wahllos verwendet verliert jedes Wort seinen Sinn.

Die angeblich so neutrale Sichtweise hat es sich bequem gemacht in den Floskeln und Formeln russischer Lügen, etwa über die innere Teilung des Landes in einen prowestlichen und prorussischen Teil, deckungsgleich mit der angeblichen Trennung durch „Sprache“; oder dem angeblich »bürgerkriegsähnlichen Konflikt«, mit dem man schlicht die russische Tarnformulierung der aggressiven Intervention übernommen hat. Wer nun auf Trump zeigt, sitzt im Glashaus.

So stellte 2014 einen Bruch dar, auch in meiner Wahrnehmung. Längst hatte mich die Behandlung des Landes durch die deutsche Politik im Merkel-Zeitalter aufgebracht, die Verweigerung der Nato-Mitgliedschaft und der Bau von Nord-Stream 1. Bis heute bin ich fassungslos über Nordstream 2; die Entscheidung für die russische Pipeline trotz des verdeckten Krieges gegen die Ukraine und den Westen war die schwärzeste Stunde der flügellahmen Merkel-Jahre.

Der Titel des Buches Die übersehene Nation von Martin Schulze-Wessel ist sehr gut gewählt. Das bewusste oder unbewusste „Übersehen“ passt perfekt auf die deutsche Ostpolitik, angesichts der Größe der Ukraine zeigt es auch die gewollte Blindheit, an der sich bis zum heutigen Tag zahlreiche deutsche Politiker wie besessen festklammern. Umso besser, dass es Bücher gibt, die sich der Ukraine und ihren Beziehungen zu Deutschland und umgekehrt in den Fokus nehmen.

Marcus M. Keupp: Spurwechsel

Zahlen sind eine hervorragende Grundlage für die Analyse. Ich bevorzuge die Herangehensweise von Ökonomen gegenüber moralisch argumentierenden Autoren. Man muss es aushalten, denn schön ist es nicht, was der »Spurwechsel« mit sich bringt, doch haben Illusionen und Wegsehen das Dilemma erst heraufbeschworden. Cover Quadriga-Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Vielleicht hat die Ukraine der westlichen Welt den moralischen Kompass zurückgegeben, ihr gezeigt, dass selbst blutig erkämpfte Selbstbestimmung besser ist als Sklaverei oder Flucht.

Marcus M. Keupp: Spurwechsel

Immer wieder muss man darauf hinweisen, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht erst im Februar 2022 begonnen hat. Der offensichtliche Bruchpunkt ist die militärische Besetzung und Annektion der Krim 2014 gewesen, auch wenn Russland schon vorher aktiv in der ukrainischen Politik mitgewirkt hat, um die Entwicklung des Landes in seinem Sinne zu beeinflussen. Folgte man der Analyse in Marcus M. Keupps Spurwechsel, dann steht das alles in einem viel weiter in die Vergangenheit reichenden Sinnzusammenhang und greift weit über die Ukraine hinaus. Russlands Fundament ist imperial, das bestimmte seine Handlungsweisen in der Vergangenheit und bestimmt sie in Gegenwart und Zukunft.

In diesem Sinne spielt es keine Rolle, welches gesellschaftlich-politische Hülle Russland gerade vorzeigt. Die Sowjetunion war genauso imperial wie es das Zarenreich vor ihm gewesen war und Russland heute ist. Diese Feststellung ist dramatisch, wenn man die Folgen bedenkt: Verschwindet Putin, ändert sich nichts. Der Krieg geht weiter, denn es ist nicht nur Putins Krieg. Keupp weist darauf hin, dass auch ein Sieg der Ukraine den Krieg nicht beenden wird. Russland wird sich andere, leichtere Ziele suchen, wie etwa Georgien, Moldawien oder die Staaten in Zentralasien. Vielleicht aber auch das Baltikum, sollte man im Kreml zu der Ansicht gelangen, das Risiko wäre vertretbar.

Entscheidend ist, dass Russland durch den Krieg nach innen stabiler ist, denn je. Die Wirtschaft steht zwar vor einem dramatischen Einbruch, wie Keupp deutlich macht, der en passant gleich mit einer Reihe von in westlichen Medien gepflegten ökonomischen Mythen aufräumt. So sind Kennzahlen, die normalerweise über den Stand der wirtschaftlichen Entwicklung informieren, im Falle Russlands wertlos. Abgesehen von der Frage, auf welcher Basis diese Zahlen beruhen, ist eine Kriegssituation eine dramatische Veränderung, die vertraute Indikatoren wie Inflation, Arbeitslosigkeit oder das BIP entwerten. Die prekäre wirtschaftliche Lage lässt sich so nach außen propagandistisch bemänteln.

In einer Kriegssituation verliert das nominale BIP jede Aussagekraft.

Marcus M. Keupp: Spurwechsel

Die Passagen, in denen Keupp die russländische Wirtschaftsentwicklung analysiert und ihre Folgen skizziert, gehören zu den ernüchternden Abschnitten. Mittel- und langfristig hat der mafiöse Petro-Staat nichts zu bieten, von den dramatischen technologischen Umwälzungen wie Künstlicher Intelligenz ist das Land abgehängt. Auf den Kriegsverlauf und die Systemstabilität des Landes hat das aber kurzfristig keine Auswirkungen, im Gegenteil. Putins Regime verfolgt die Fokussierung auf wirtschaftliche Autonomie (vom Westen) und Downsizing auf technologischer Ebene sowie beim Konsum, abgefedert durch Subventionen und ideologisch aufgeladene Propaganda. Wer dennoch aufmuckt, verschwindet im Lager oder stirbt; das über Jahrzehnte aufgebaute Repressionssystem funktioniert prächtig.

Der Krieg hält die Eliten zunächst einmal an der Macht, also könnte er weitergehen, bis alle Ressourcen ausgeschöpft wurden und der Staat in die Knie geht. Die Aussicht auf einen langwierigen Krieg ist selbstverständlich niederschmetternd in einer Welt, in der ohne ein aggressiv nach außen greifendes Russland genug Probleme zu lösen wären. Gleichzeitig entwertet der Zusammenhang von Machterhalt und Krieg jegliches Friedensgesäusel hierzulande, bei dem allein der Wunsch Vater des Gedankens ist. Bis zum Zusammenbruch wird allein in Moskau über die Fortsetzung des Krieges entschieden. Was in Deutschland gewünscht wird, interessiert nur insoweit, wie es für die eigene Politik instrumentalisiert werden kann. Der intellektuelle Spurwechsel steht in dieser Hinsicht hierzulande vielfach noch aus.

Die Ukraine hat den Europäern schmerzhaft die eigenen Lebenslügen aufgezeigt, ihnen vorgeführt, wie Appeasement letztlich immer endet.

Marcus M. Keupp: Spurwechsel

Überhaupt schrumpft Deutschland mit seinen Befindlichkeiten auf Zwergenniveau, wenn Keupp seinen Streifzug durch Mittelasien unternimmt und den breiten Gürtel von Russland kolonisierter Gebiete behandelt. Deren Werdegang, die wirtschaftlichen Grundlagen und aktuelle geopolitische Optionen werden skizziert. Der Wandel wurde durch den Vernichtungskrieg Russlands dramatisch beschleunigt – Deutschland und Europa spielen dort – anders als bei der Ukraine, Moldawien, Georgien – nur eine kleine oder gar keine Rolle. Das Desaster in Afghanistan hat die Marginalisierung zweifellos beflügelt. So ist auch die Unterüberschrift des Buches zu verstehen: Eine neue Weltordnung bildet sich gerade im vollen Galopp heraus.

Gewinnbringend ist nicht nur der ökonomisch geprägte Analyse- und Erkläransatz von Spurwechsel, sondern auch die globale Ausrichtung. So werden auch die oft übergangenen Öl-Staaten am Golf unter die Lupe genommen, die trotz oder wegen ihres Reichtums in einer durchaus problematischen Lage sind. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat auch hier bereits im Gange befindliche Entwicklungen beschleunigt, grundlegende strategische und taktische Entscheidungen rücken näher. Wie überraschend und tiefgreifend diese sein können, haben die Ereignisse in Syrien gezeigt; wie wenig vorhersehbar die Folgen sind, allerdings auch.

Marcus Keupps Spurwechsel wirft ein Schlaglicht auf zentrale geopolitische Regionen der Gegenwart und Zukunft, ohne sich bei dem Versuch zu verheben, Entwicklungen prognostizieren zu wollen. Die Zukunft ist immer offen. Das macht das Buch auf vielschichtige Weise deutlich.

Marcus M. Keupp: Spurwechsel
Die neue Weltordnung nach Russlands Krieg
Quadriga Verlag 2025
Gebunden, 306 Seiten
ISBN: 978-3-86995-153-9

Andrej Kurkow: Im täglichen Krieg

Kurkow gelingt das Kunststück, den schrecklichen Alltag des Krieges näherzubringen, ohne den Leser damit zu überfordern. Cover Haymon-Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Es mag seltsam erscheinen, aber die Lektüre von Andrej Kurkows Im täglichen Krieg ist eine Art literarische Impfung gegen lähmende Angst, Überforderung und Ohnmacht. Die Beiträge des ukrainischen Autors schildern Ausschnitte des Alltags im russländischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der wird bekanntlich nicht nur an der Front, sondern auch gezielt gegen die Zivilbevölkerung geführt. Russland beabsichtigt eine vollständige Vernichtung der Ukraine.

Wer in den vergangenen Jahren nicht im seligen Tiefschlaf verbracht hat, weiß auch um die Aggressivität des Putin-Regimes gegen den demokratischen Westen. Dabei kann sich der Diktator auf eine Achse der Autokraten stützen, deren Ziel die Zerstörung der unliebsamen, für die Bevölkerung trotz aller Misslichkeiten viel lebenswerteren Staaten, die dem »Westen« zugerechnet werden. Diese sind für Alleinherrscher eine Bedrohung, weil sie als Alternative wahrgenommen werden könnten.

Faktisch führt Russland unter der Hand einen verdeckten Krieg gegen den Westen. Eine grundsätzlich bedrohliche Situation, die oft von interessierten Kreisen verschärft wird. Ein unschönes Beispiel ist die bewusst herbeigeführte Abhängigkeit Deutschlands von Russland bei Energielieferungen. Zu Kriegsbeginn drohten erhebliche wirtschaftliche und soziale Verwerfungen. Menschen reagieren auf Krisen ganz unterschiedlich, nicht wenige mit Verdrängung von Tatsachen und der Neigung, sich falschen Versprechungen zu öffnen.

Auch jene, die offen der Gefahr ins Auge sehen und etwas tun wollen, werden mit einer flatterhaften Flut an Meldungen, Nachrichten, Aufrufen, Lügen, Desinformation, verharmlosenden Medienberichten konfrontiert. Besonders auf den einschlägigen Plattformen im Internet kann der Nutzer schnell das Gefühl bekommen, überrollt zu werden. Ohnmacht ist die düstere Schwester der Angst, beide lähmen und lassen die Neigung wachsen, sich abzuwenden.

Das Schlimmste ist vielleicht, dass der Verlust eines Menschenlebens zu etwas Alltäglichem geworden ist. Im Krieg arbeitet der Tod am Fließband.

Andrej Kurkow: Im täglichen Krieg

Im täglichen Krieg wirkt diesen Zuständen entgegen. Wie das Zitat zeigt, hat Kurkow keine Freudenbotschaften zu verbreiten, er verharmlost die schockierenden Verbrechen in der Ukraine nicht. Doch schildert er den Alltag im Krieg auf eine unaufgeregte Weise. Der Stil des Autors, bekannt aus seinen Romanen Samson und Nadjeschda oder Graue Bienen, ist ist ein großes Plus des Buches. Ein ruhiger, gemessener Erzählduktus führt den Leser durch das jeweilige Thema, der ohne aufmerksamkeitsheischende Übertreibung auskommt.

Zunächst einmal ist es grundsätzlich wichtig, jene zu Wort kommen zu lassen, die von diesem Krieg betroffen sind – die Ukrainer. Deren Befindlichkeiten sollten bei allem, was über den Krieg zu berichten, einzuschätzen und entscheiden ist, die wesentliche Rolle spielen. Die »Zeugen des Sofas« (Christoph Brumme) im Westen sollten ihre Befindlichkeiten hintanstellen. Wer zuhört, beginnt nicht nur zu begreifen, was der Krieg vor Ort anrichtet, sondern auch, was die Kampfhandlungen hier verändern. Jeder Krieg hat einen langen Arm. 

Kurkow erlebte den Beginn des Krieges in Kyjiw, er war Binnenflüchtling und kehrte zwischenzeitlich wieder in die Hauptstadt zurück. Über den Alltag der permanenten Bedrohung durch russische Luftangriffe weißt er eine Menge zu erzählen. Etwa über das bekannte Motiv, bei Luftalarm zwei sichere Wände möglichst weit von den Außenmauern und Fenstern entfernt aufzusuchen, um Verletzungen durch Glassplitter bei berstenden Scheiben zu vermeiden. Der Flur ist zum Lebensort geworden.

Das sind Äußerlichkeiten. Der Krieg geht aber im Innern weiter, auch wenn man sich äußerlich von den Kämpfen und Bedrohungen entfernt. Kurkow beschreibt anschaulich, wie er auf Auslandsreisen die Umgebung automatisch daraufhin überprüft, wo er im Falle eines Angriffs am besten Schutz findet. Etwa einen Ort, an dem er nicht einem Regen aus Glassplittern ausgesetzt wäre, wenn in der Nähe eine russländische Rakete einschlagen sollte. Kriege enden nicht für jene, die ihm ausgesetzt sind, auch wenn sie sich außerhalb der Reichweite der Waffen begeben.

Wie eine Krankheit bestimmt der Krieg unser Verhalten, unsere Gedanken und sogar unsere Gefühle. Der Krieg übernimmt das Denken für uns. Er entscheidet sogar für uns.

Andrej Kurkow: Im täglichen Krieg

In einem Kapitel beschreibt Kurkow, wie das Fortleben des Krieges von der Sowjetunion im Falle des Zweiten Weltkrieges verstärkt wurde. Als Kind wurde er von Geschichten über den propagandistisch verzerrten Großen Vaterländischen Krieg überhäuft. Veteranen in Schulen, Filme im Fernsehen und Romane erzählten von Heldentaten sowjetischer Soldaten. Hinzu kamen Kriegsspiele (d.h. »Truppenübungen«) in der Schule, Ausflüge zu Kriegsmuseen und Schlachtfeldern. Solche »Fieberträume vom Krieg«, wie sie Michail Schischkin einmal nannte, wurden in Putins Russland instrumentalisiert.

Kurkow hofft, dass die ukrainische Kultur nach dem jetzigen Krieg einen anderen Weg geht. Sie sollte den »Ukrainern helfen, den Krieg hinter sich zu lassen und ihre Traumata zu bewältigen«. Sie solle für Meinungsfreiheit und Vielfalt eintreten, zugleich aber eine einigende Kraft werden. Diese kurzen Abschnitte zeigen, wie gewaltig die kulturelle Kluft zwischen der Ukraine und dem propaganda- und hassgesättigten Russland mittlerweile ist.

Kurkow verschweigt auch nicht, dass die Ukrainer durch den immer länger sich hinziehende Krieg unter Druck geraten. Kriege zermürben. Die vielgerühmte Resilienz ist kein unerschöpflicher Brunnen, gerade im Angesicht eines Gegners, der auf Vernichtung aus ist, treten Überforderungen auf. Atempausen vom Krieg, von der Belastung, dem Terror sind nötig, aber schwierig, denn auch in ruhige Gegenden reisen Terror und das schlechte Gewissen mit.

In vielen Passagen wird das Bemühen Kurkows deutlich, sich selbst eine Funktion im Krieg zuzuschreiben. Es klingt nach dem Versuch, das Schreiben zu rechtfertigen, eine Tätigkeit, die recht fern vom Kampf, von Rettung oder Wiederaufbau ist. Was ist die Aufgabe eines Schriftstellers im Krieg? Hilft die eigene Tätigkeit oder ist es nur die Ablenkung von der Ohnmacht? Anders als das Liken und Retweeten in den Sozialen Medien ist das Schreiben keineswegs sinnlos, wie ich bei der Lektüre von Im täglichen Krieg an mir selbst feststellen konnte.

Das Thema Verrat ist in der Ukraine ganz und gar kein beliebtes und wird definitiv nur höchst ungern angesprochen.

Andrej Kurkow: Im täglichen Krieg

Die Ukraine ist kein idealer Staat, ihre Bürger sind weder Engel noch Lichtgestalten. Auch nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gibt es genügend Probleme – wie könnte es auch anders sein, hat doch der seit 2014 schwelende Krieg im Osten des Landes eine Modernisierung und Reformierung massiv behindert. Kurkow verschweigt viele der Schwierigkeiten nicht, Korruption, fehlende Bunker, kontraproduktive »Hilfe«, Versagen der Behörden, Politspielchen.

Seine Herangehensweise ist nicht nur konstruktiv, sondern auch enorm kreativ. Ein schönes Beispiel für Kurkows originellen Stil ist das Kapitel mit der auf den ersten Blick etwas seltsamen Überschrift »Bienen und Verräter«. Der Autor verwebt in jedem Abschnitt wenigsten zwei Motive, die augenscheinlich nichts miteinander zu tun haben. Doch gelingt ihm ein Brückenschlag, der den Blick auf die vielschichtige und widersprüchliche, chaotische Wirklichkeit des Kriegsalltags freigibt.

Einige der vielen Helfer in der Ukraine kümmern sich um verwaiste Katzen aus den Frontgebieten. Dort lebten vor dem Krieg zahllose Bienenzüchter, einer davon ist Hauptfigur in Kurkows fabelhaften Roman Graue Bienen. Zehntausende Bienenvölker könnten infolge des Krieges verloren gehen, die Bienen verwildern und vor dem Lärm fliehen. Ein Soldat mit Imker-Kenntnissen nimmt sich bei Bachmut eines Bienenvolkes an und gibt ihm in einer Munitionskiste ein Zuhause. Als der Imker versetzt wird, können die Bienen dank eines Freiwilligen (ohne Imker-Kenntnisse) in ihrer Kiste nach Westen fliehen.

Von den Bienen kommt Kurkow auf die Menschen im Frontgebiet, die zum Teil abwarten, statt zu fliehen. Neben pro-ukrainischen gibt es darunter jedoch auch verräterische Abwartende, die bei erster Gelegenheit mit den Invasoren kollaborieren. Ein unangenehmes Thema, das Kurkow über das Bienen-Motiv ansteuert: Ukrainer, auch in hohen Positionen, haben sich kaufen lassen, schon 2014.

In den besetzten Gebieten müssen viele Menschen mit den Russen kooperieren, denn ihnen werden vielfältige Daumenschrauben angelegt. Doch auch in den nur kurzfristig eingenommenen Dörfern um Kyjiw gab es Kollaborateure, die den Russen bei ihren Kriegsverbrechen halfen, darunter ein ehemaliger Mönch aus einem Kloster des Moskauer Patriarchats in Andrijiwka. Nach dem Rückzug der Russen blieben ihre Hinterlassenschaften, Müll, Gerümpel und auch Waffen.

Die wiedergewonnene Freiheit in den befreiten Orten liegt unter dem Schatten der überstandenen Besetzung. Betrunkene feuern mit den russischen Waffen bei Nacht, niemand will sie anschwärzen, wegen dem, was die »Alkoholiker« unter der Knute russischer Soldaten durchmachen mussten.

Es ist ein seltsames Nebeneinander in dieser neuen Hölle. Einige Bewohner bemühen sich um Normalität, andere stehlen das Gemüse aus dem Garten des Nachbarn, um Alkohol vom Erlös zu kaufen. Einer dieser »Täter« ist ausgerechnet Bienenzüchter. Das Eingangsmotiv dient zu einem Kommentar Kurkows: Eines der Bienen-Völker des räuberischen Alkoholikers wird sich aus dem Staub machen, denn:

Vernachlässigung ist auch eine Form des Verrats und genauso wie Menschen tun sich Bienen schwer damit, Verrätern zu vergeben.

Andrej Kurkow: Im täglichen Krieg

Kurkow lässt seinen Lesern Raum, um selbst über unangenehme Themen wie Verrat, Kriegsverbrechen, Kollaboration und Traumata nachzudenken, indem er auf literarische Weise für die nötige Entlastung sorgt. Angst frisst nicht nur die Seele auf, sie verhindert auch Denken und Empathie. Auf diese Weise bringt Im täglichen Krieg dem Leser den Kriegsalltag nahe, ohne diesen damit zu erschlagen. Auch aus diesem Grund ist das Buch unbedingt lesenswert, wie schon der erste Teil, Tagebuch einer Invasion.

[Rezensionsexemplar]

Andrej Kurkow: Im täglichen Krieg
Aus dem Englischen von Rebecca DeWald
Haymon Verlag 2024
Klappenbroschur 432 Seiten
ISBN: 978-3-7099-8230-3

Oleksij Tschupa: Märchen aus meinem Luftschutzkeller

Erzählungen aus der östlichen Ukraine. Cover Haymon Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Erzählungen lese ich recht selten. Nein, auch nicht die von Franz Kafka, nicht einmal im Jubiläumsjahr. Ein paar Bände mit Erzählungen habe ich aber schon im Regal stehen, den von Leonardo Padura wollte ich in diesem Jahr endlich einmal lesen. Doch ist mit der ukrainische Autor Oleksij Tschupa mit seinen Erzählungsband Märchen aus meinem Luftschutzkeller dazwischengekommen.

Im Gegensatz zu Sammelbänden á la Kafkas Erzählungen sind die Texte aus dem »Luftschutzkeller« zumindest räumlich miteinander verbunden: Alle spielen in einem Haus bzw. die Personen, von denen und über die erzählt wird, wohnen in diesem Haus. Manchmal nimmt die Handlung auf eine andere Erzählung Bezug, zum Beispiel wenn etwas dort Geschildertes von anderen Hausbewohnern gehört oder gesehen und dann erzählt wird.

Das Haus steht in Makijwka, einem Ort im Donbass der Ukraine, der seit ein paar Jahren zu Putins Marionetten-Kreation »Volksrepublik Donezk« gehört. Es ist der Geburtsort des Autors Oleksij Tschupa, der mittlerweile weiter westlich in der Ukraine lebt, was angesichts der politisch-wirtschaftlichen Umstände in der russisch kontrollierten Region kein Wunder ist. Thematisiert wird das allerdings in den Erzählungen nur am Rande.

Meine Lieblings-Erzählung ist »Goodbye Lenin«. Natürlich geht es auch in dieser um eine Lenin-Statue, die jedoch nicht an einem Hubschrauber durch die Luft fliegt, sondern – ganz profan – gestürzt wird. Soweit, so erwartbar. Tschupa belässt es jedoch nicht dabei, sondern gestaltet diese politisch-anarchistische Aktion zu einer Groteske. Die Umstürzler finden nämlich überraschenderweise etwas im Sockel der Statue und kommen zu einer wahrhaft salomonischen und sehr komischen Lösung, wie sie sich vor etwaigen Nachstellungen der von ihrer Aktion wenig erfreuten Kommunisten schützen können. Toll!

Fast alle Erzählungen sind dynamisch, modern und schräg, was natürlich in erster Linie an den Handelnden liegt. Sehr gefallen hat mir die Vielfalt der der Figuren und ihrer Charaktere, der prügelnde Berkut-Angehörige und die nörgelige Mutter, Wodka, Waffen, hochfliegende oder ganz abgründige Pläne, Gemeinheiten, Fluchten und auch eine schauerliche Geschichte um einen Kriegsgefangenen aus Deutschland, der nach dem Zweiten Weltkrieg beim Hausbau eingesetzt war und auf seine Weise Spuren hinterlassen hat, die bis in die Gegenwart spürbar sind.

Im letzten Kapitel des Buches gibt sich der Autor selbst die Ehre und erzählt von den Umständen, unter denen Märchen aus meinem Luftschutzkeller entstanden ist. 2014, als er das Buch abgeschlossen hat, begann wenige Wochen später der Beschuss des Ortes, die Schlussbemerkungen sind folgerichtig mit »Noch ein paar Worte aus dem Keller« überschrieben. Erhellende Worte.

Oleksij Tschupa: Märchen aus meinem Luftschutzkeller
Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe
Haymonverlag 2019
Gebunden, 208 Seiten
ISBN: 978-3-7099-7253-3

Kateryna Mishenko, Katharina Rabe (Hrsg.): Aus dem Nebel des Krieges

Das Buch umfasst eine beeindruckende Sammlung von Beiträgen rund um den russischen Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen die Ukraine. Cover Suhrkamp, Bild mit Canva erstellt.

Seit zehn Jahren greift Russland die Ukraine mit dem Ziel an, den souveränen Staat zu vernichten, eine Tatsache, die aus Bequemlichkeit, Ignoranz und falschem Hoffen im Westen ignoriert wurde und wird. Seit Februar 2022 hat Putins Reich die Attacken zu einer vollumfänglichen Invasion ausgeweitet, was den größten offenen Eroberungs- und Vernichtungskrieg in Europa seit 1945 ausgelöst hat. 

Es ist und wird die Schuld vieler westlicher Politiker, insbesondere des Schröder-Merkel-Deutschlands bleiben, die Katastrophe nicht verhindert, Putin trotz aller Warnungen nicht gestoppt zu haben. Mittlerweile gibt es genug Bücher, die das Generalversagen der hochgelobten deutschen Ostpolitik des »Exportweltmeisters in Vergangenheitsbewältigung« klar herausstellen; und trotzdem wird auch zwei Jahre nach der Invasion hierzulande immer noch gelogen, geheuchelt und politisch taktiert, noch immer wird der hybride Krieg Russlands gegen den Westen verharmlost und die Angst instrumentalisiert.

Was das für die Ukraine und ihre Bewohner bedeutet, wird klar, wenn man sie zu Wort kommen lässt. Das geschieht in Büchern wie Aus dem Nebel des Krieges, die dem geneigten, offenen Leser mit vielen Eindrücken, Fakten und Berichten dienlich sind, die ein wirkliches Verstehen ermöglichen. Das ist unbequem, weil die wohlgefälligen Unwahrheiten, die insbesondere in Wahlkampfzeiten gern verbreitet werden, es einfacher machen.

Dem Opfer zu glauben, fällt schwer, es ist bequemer und sicherer, sich mit dem Aggressor zu assoziieren.

Kateryna Mishenko, Katharina Rabe (Hrsg.): Aus dem Nebel des Krieges

Manche Menschen in der Ukraine haben die Fluchterfahrung gleich doppelt gemacht. Der Schriftsteller Volodymyr Rafeyenko hat das in ein Bild gefasst: »Ich kaufe keine Bücher mehr, weil ich schon zwei Bibliotheken zurücklassen musste«. Der russische Krieg um den Donbas hat Rafeyenko 2014 aus Donezk zur Flucht gezwungen, die vollumfängliche Invasion Russlands im Februar 2022 aus der Nähe von Kyjiw.

Dort verbringt der Autor Tage und Wochen in einem Kessel. Eingeschlossen von der russischen Armee, abgeschnitten von allen Nachrichten, Strom, Lebensmitteln, aber auch von Brennstoff. Die eiskalten Nächte verwandeln das Haus in eine »dunkler und unglaublich kalte Wüste«, die Erlebte entzieht sich jedem Versuch, es in Worte zu fassen. Am Ende der erfolgreichen Flucht, denn Rafeyenko hat im Gegensatz zu vielen anderen überlebt, steht »Entwurzelung«, wie sich auch im Verlust der eigenen Bibliothek zeigt. Überall »fühle ich mich fremd und überflüssig«, ein Zuhause wird Rafeyenko in seiner verbleibenden Lebenszeit nicht mehr haben.

Donezk ist seit 2014 unter russischer Kontrolle, wie sich dort lange vorher der Einfluss der Russen breitmachte, schildert Rafeyenko in nüchternen Sätzen. Diese sind umso wirkmächtiger, weil sie die allumfassende Blindheit im Westen gegenüber dem expansiven Streben Putins entlarven. Selbst mit »bloßem Auge« seien die Aktivitäten der russischen Geheimdienste zu sehen gewesen. »Über ein Jahrzehnt wurde eine prorussische militärische und kulturelle fünfte Kolonne etabliert«. Wohlgemerkt: Hier ist von den Jahren vor 2014 die Rede.

Zwei Bibliotheken von Volodymyr Rafeyenko ist nur einer der vielen bewegenden Texte in dem vorzüglichen Sammelband Aus dem Nebel des Krieges. Ich habe ihn hier etwas ausführlicher dargestellt, weil er auf eine ebenso knappe wie eindrückliche Weise die über viele Jahre reichende Entwicklung bündelt. Die von vielen als »überraschend« und »unvorhersehbar« verbrämte Katastrophe vom Februar 2022 hat sich lange abgezeichnet, man wollte den heraufziehenden Angriffs- und Vernichtungskrieg nicht sehen. Dazu steht es nicht im Widerspruch, was ich bereits in vielen Tagebüchern und Äußerungen von Ukrainern (aber auch Journalisten aus dem Westen) gelesen habe:

Trotzdem haben wir es nicht geglaubt. Bis zum Schluss nicht geglaubt. (Artem Chapeye)

Kateryna Mishenko, Katharina Rabe (Hrsg.): Aus dem Nebel des Krieges

Was Artem Chapeye in seinem Beitrag Wenn der Pazifismus endet mit diesem Satz beschreibt, ist jener Funken Resthoffnung, der im Augenblick des Angriffs am 24. 02. 2022 zerbarst. Das wichtigste Wort in diesem Satz lautet: »trotzdem«. Denn der Notfall-Rucksack stand längst bereit, Dokumente und Geld waren darin verpackt. Der Autor hatte sich vorbereitet auf den Fall, von dem er inständig hoffte, er würde nicht kommen; das hing nur noch an einem seidenen Faden einer trügerischen Hoffnung.

Wie danach, während der Flucht und der Reflexionen über den Krieg, der die vollständige Auslöschung der Ukraine und alles Ukrainischen zum Ziel hat, Stück für Stück der Pazifismus schwindet, ist ein Lehrstück über die Anpassung an die Realitäten. Chapeye ist Pazifist, hat eine ganze Reihe pazifistischer Kriegsliteratur gelesen und vom leuchtenden Vorbild dieser Denkweise, Gandhi, das Buch Satyagraha ins Ukrainische übersetzt.

Doch gegen die Macht des Faktischen ist der Pazifismus nicht mehr als eine ohnmächtige Geste. Denn der Aggressor schert sich nicht um derlei, wenn sein Ziel die Vernichtung ist. Das gilt für Hitler ebenso wie Putin. Weniger ohnmächtig und mehr als eine Geste ist es, dass sich Artem Chapeye trotz seiner Bedenken, seiner sich selbst (und den Lesern) eingestandenen Furcht freiwillig zu den Streitkräften der Ukraine gemeldet hat.

Gegen Putins Raketen wird Satyagraha nicht funktionieren. Gandhi konnte Hitler nicht mit seinen Briefen überzeugen. (Artem Chapeye)

Kateryna Mishenko, Katharina Rabe (Hrsg.): Aus dem Nebel des Krieges

Der Sammelband Im Nebel des Krieges enthält auch Stimmen aus Russland. Alissa Ganijewa stellt Die Frage nach unserer Verantwortung. »Uns« meint dabei Russland und seine Bevölkerung. Die Diagnose und Prognose fallen betrüblich aus, was diesen Text umso wertvoller macht, weil er den Leser von einer Reihe Täuschungen befreit, was die Lage in Putins Reich anbelangt.

Wer von Verhandlungen schwadroniert, sollte sich erst einmal darüber im Klaren werden, mit wem er da spricht – da sind Eindrücke, wie sie Ganijewa darlegt, sehr hilfreich. Denn auch jene Kreise, die gegen den Krieg sind, befassen sich vor allem mit der »Suche nach einer privaten Absolution, mit Selbstrechtfertigung und Selbstleid«. Das ist kein Einzelfall, etwa das Tagebuch vom Ende der Welt ist voll von derartigen Motiven.

Ganijewa schildert sachlich, wie es um das Innenleben der kritischen Bewohner Russlands bestellt ist. Von den Z-Begeisterten ist hier nicht die Rede und das macht den Beitrag so schwer erträglich: Es sind »deprimierende Beobachtungen«, die sehr deutlich machen, dass es nicht nur Putins Krieg ist und selbst der kleine Teil der Bevölkerung des Landes keine große Hoffnung macht; der Weg zu »einem wirklich neuen Russland« ist weit, »selbst wenn Putin morgen sterben würde«.

Aber der Wunsch, die Last der Verantwortung von Hand zu Hand zu werfen wie eine heiße Kartoffel, ist doch stärker. (Alissa Ganijewa)

Kateryna Mishenko, Katharina Rabe (Hrsg.): Aus dem Nebel des Krieges

Man braucht auf Verhandlungen mit Putin nicht zu hoffen, ehe nicht die Voraussetzungen dafür geschaffen sind: eine schwere, vielleicht vernichtende militärische Niederlage der russländischen Streitkräfte flankiert von weitgehender politischer Isolation und wirtschaftlichem Niedergang Russlands.

Das ist eine schmerzliche, für viele schwer oder gar nicht auszuhaltende Erkenntnis gerade auch in Deutschland, was von zahlreichen politischen Akteuren auf eine geradezu groteske Weise ausgenutzt wird. Diesen schäbigen Bestrebungen kommt – ausgerechnet – die hochgelobte deutsche Erinnerungskultur entgegen, die sich als Flucht aus der Gegenwart oder Ersatz für die Bewältigung der Gegenwart entpuppt hat.

Gerade die sich universalistische gerierende Intellektuellen-Klasse hat eine geradezu peinliche, weil von ihr selbst so oft ostentativ verachtete Charaktereigenschaft gezeigt: ein „germanozentrischer Provinzialismus, der Ohne-mich-deutsche-Michel, der sich heraushält, wenn es hart zugeht.“ Karl Schlögel, von dem diese Worte stammen, hält dem Land und seinen Briefeschreibern einen klaren Spiegel entgegen.

Das tut auch Stanislaw Assejew, der in einem russischen Konzentrationslager saß und aus diesem Gang durch die Hölle seinen eigenen Weg der Traumabewältigung gefunden hat. Ein Zitat von ihm steht am Ende dieser Buchbesprechung – anstelle eines Resümees:

Jeder Vorschlag, einen Teil des ukrainischen Staatsgebiets Russland zu überlassen, um den Krieg schneller zu beenden, läuft nicht auf einen politischen Deal hinaus, sondern auf ein Versagen unserer gesamten Zivilisation. Denn auf jedem Quadratmeter Boden, den man an Russland abträte, würde ein totalitäres Regime errichtet. Solche Konzentrationslager gäbe es dann überall. (Stanislaw Assejew)

Kateryna Mishenko, Katharina Rabe (Hrsg.): Aus dem Nebel des Krieges

Zugeständnisse an Putin auf Kosten der Ukraine heißt nichts anderes, als noch mehr Menschen hilflos der Blutmühle Putins zu überlassen. Alles andere sind wohlfeile Unwahrheiten, wie sich zeigt, wenn der Nebel des Krieges ein wenig durchdrungen wird, wie in diesem sehr informativen Buch.

Kateryna Mishenko, Katharina Rabe (Hrsg.): Aus dem Nebel des Krieges
Die Gegenwart der Ukraine
edition suhrkamp 2023
Klappenbroschur, 288 Seiten
ISBN: 978-3-518-02982-4

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