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Schlagwort: Historischer Roman (Seite 1 von 18)

Leonardo Padura: Ketzer

Buchcover von ‚Ketzer‘ von Leonardo Padura mit einem Zitat auf Deutsch über einem Gemälde von Rembrandt: ‚Sagen wir, ich suche ein Bild, einen Rembrandt, soviel ich weiß.‘ Das Cover zeigt eine historische Szene mit Männern in barocker Kleidung sowie eine Innenansicht mit einem Gemälde und einer Treppe.
Das vielleicht berühmteste Bild von Rembrandt, bekannt als »Die Nachtwache«, spielt im glänzenden Mittelteil des Romans von Leonardo Padura eine wichtige Neben-Rolle; das kleine Bild auf dem Buchcover ist bedeutender, es verbindet die drei, zu unterschiedlichen Zeiten spielenden Teile von »Ketzer«. In allen drei Teilen geht es um Freiheit und den Preis, der vom Einzelnen dafür zu entrichten ist, frei zu sein. Coverrechte Unionsverlag, Bild mit Canva erstellt.

Ihr habt mich gelehrt, dass frei zu sein mehr bedeutet, als an einem Ort zu leben, an dem die Freiheit proklamiert wird. Dass frei zu sein ein ständiger Kampf ist, den man täglich bestehen muss, gegen  alle Mächte, gegen alle Ängste.

Leonardo Padura: Ketzer

Im spanischen Original heißt der Roman Ketzer des kubanischen Autors Leonardo  Padura Herejes. Häretiker zu Deutsch, was mir besser gefällt, als der für  die Übersetzung gewählte Begriff. Ein Häretiker ist ein Abweichler, beim Begriff Ketzer schwingt etwas Aggressives mit, als würde der Abweichler zum Angriff auf die bestehende Ordnung antreten. Die drei  Nonkonformisten, ein jüdischer Flüchtling auf Kuba in den 1930er Jahren, ein Schüler Rembrandts im 17. Jahrhundert und eine Emo in der tristen Gegenwart der sozialistischen Insel, setzen sich zwar über Grenzen hinweg, die ihnen von totalitären Regimen gesetzt werden, verbinden damit aber nur persönliche, keine politischen oder gar umstürzlerischen Absichten.

Ketzer ist ein Roman über die persönliche Freiheit und den Preis, den derjenige zahlen muss, der nach Freiheit strebt. Man kann nicht frei sein, ohne Anstrengung; die Freiheit kann nicht geschenkt werden, man kann sie nicht per Geburt erhalten oder erben, wie etwa Timothy Snyder (Über Freiheit) dargelegt hat. Leonardo Padura schlägt in die gleiche Kerbe. Die Schicksale seiner wichtigsten Personen weisen in diesem Punkt Ähnlichkeiten auf, trotz der Unterschiede durch Zeit und Umstände. Das gibt dem Roman auf einer übergreifenden Ebene einen inneren Zusammenhang, die Erzählung ist etwas Grundsätzlichem auf der Spur.

Den Anfang bildet eine beschämende Katastrophe: Das Schiff St. Louis liegt im Jahr 1939 mit mehr als 900 deutschen Juden an Bord im Hafen von Havanna. Zum Entsetzen der Angehörigen, die bereits auf Kuba sind, dürfen die Flüchtlinge trotz teuer erworbener Visa nicht an Land. Alle Verhandlungen scheitern, Korruption, Gier und politischer Druck rechter Kreise sowie der USA verhindern das, die St. Louis muss unverrichteter Dinge wieder abfahren. Zeuge des Dramas ist Daniel Kaminsky, der hilflos mitansehen muss, wie seine Familienmitglieder nach Europa zurückkehren müssen, wo sie vom Holocaust verschlungen werden.

Sagen wir, ich suche ein Bild, einen Rembrandt, soviel ich weiß.

Leonardo Padura: Ketzer

Elias Kaminsky, der Sohn Daniel Kaminskys, beauftragt Jahrzehnte später den ehemaligen Polizisten, Buchhändler und Gelegenheitsermittler Mario Conde damit, einem ominösen Bild nachzuspüren, das Rembrandt oder einer seiner Schüler gemalt haben könnte. Es erscheint bei einer Auktion, wo es vor dem Verkauf als Raubkunst identifiziert wird. Mit diesem wertvollen Gemälde verbindet sich das tragische Schicksal der Familie Kaminsky auf der St. Louis: Ihnen gehörte es, ihnen wurde es 1939 in Havanna durch einen ruchlosen kubanischen Zeitgenossen entwendet, wo es doch durch seinen reinen Wert die Rettung hätte bedeuten können.

Wie dieses Bild entstand, erfährt der Leser im zweiten Teil des Romans. Im relativ freien  Amsterdam des Jahres 1643 setzt sich der  junge Jude Elias Ambrosius Montalbo de Ávila über diverse Dogmen seiner Glaubensgemeinschaft hinweg und folgt seiner Berufung: der Malerei. Geschickt verbindet Padura durch diesen Teil verschiedene, über die Jahrhunderte hinweg ähnliche Motive: Elias ist aus Spanien geflohen, wo die  Inquisition brutal gegen Juden vorging, was auch seinen Namen Montalbo de Ávila erklärt. Als wäre die Vertreibung nicht Belastung genug, sorgen religiöse Eiferer unter den Juden für Unfrieden und gerieren sich so autoritär wie die katholische Inquisition.

Der zweite Teil ist der stärkste Part des Buches, auch wegen des Themas Malerei und der ganz wunderbar umgesetzten historischen Einbettung. Padura folgt dem Weg des Künstlers, der dem Ruf der Kunst folgt und den Umständen trotzt; Kompromisse schmerzlicher Natur, um nicht von den aggressiven Konformisten vernichtet zu werden, sind nötig. Selbst ein Maler-Star und Genie wie Rembrandt muss schmerzliche Rückschläge hinnehmen, sich oft genug den Zwängen des Marktes unterwerfen, um zu überleben. Der Konformismus, insbesondere in Gestalt des fanatisch Gläubigen, erweist sich allzu oft als stärker als der nach Freiheit Strebende.

Vielleicht wäre es das Beste, dachte Elias Ambrosius, jene Hirngespinste, die bisher zu nichts geführt hatten, zu vergessen und ein größeres Unglück zu verhüten, solange noch Zeit dazu war. […] Wäre das ganz gewöhnliche Leben eines ganz gewöhnlichen Mannes nicht vielleicht besser?

Leonardo Padura: Ketzer

Im dritten, meiner Wahrnehmung nach schwächsten Teil sucht Mario Conde nach einer siebzehnjährigen Schülerin, die auf mehrere Weise eine Abweichlerin ist. Hier steht das Kuba der jüngeren Vergangenheit im Fokus der Erzählung, dessen Regime über Jahrzehnte das Land  wirtschaftlich und sozial, aber auch kulturell auf gnadenlose Weise in bittere Armut getrieben hat.

Judith, genannt Judy, bricht auf  vielfache  Weise mit dem vorgegebenen Leben, sie stammt aus einer Familie,  die Teil des Systems ist und daher privilegiert lebt; trotzdem bereichert sich ihr Vater durch korrupte Handlungen noch, was die intelligente und moralisch denkende Judy zum Bruch mit ihren Eltern treibt. Die Figur ist leider überfrachtet, weniger wegen der zweifelsfrei vorhandenen Widersprüchlichkeit zwischen Wirklichkeit und ideologischer Rhetorik des herrschenden Regimes, sondern weil in die Person eine Menge philosophischer und ideeller Gedanken gepresst wird; Judy wirkt idealisiert und wesentlich ferner als Daniel Kaminsky oder Elias Ambrosius aus Teil eins und zwei.

Padura verzichtet darauf, aus ihrer Perspektive zu erzählen, was die Distanz noch vergrößert. Die Dinge werden von Conde und anderen in die Figur Judy hineingelesen, kommen nicht aus ihr; damit fehlt ihr, was vor allem der Maler Elias Ambrosius vorzuweisen hat, ein schöpferisches Talent, das nach außen  drängt. Vor allem aber ist es jener Teil, der am stärksten nach Kriminal– oder Detektivroman klingt. Obwohl der innere Zusammenhang der der drei Teile geschickt hergestellt wird, verliert die Erzählung an Wucht.

Der Ex-Polizist und Gelegenheitsermittler Mario Conde ist im literarischen Universum Leonardo Paduras der Fixstern, eine Figur, die fast immer in Erscheinung tritt. Das hat Vorteile, die über die Buchmarkt-Tendenz zu Serien-Figuren hinausgehen. An einer immer wieder auftretenden Figur lässt sich eine lange Entwicklung der gesellschaftlichen Gegebenheiten aufzeigen. Umgekehrt engt es die erzählerischen Möglichkeiten ein. Es ist kein Zufall, dass in Paduras Opus Magnum, Der Mann, der Hunde liebte, Conde keine Rolle spielt.

Ketzer ist auch nach meiner zweiten Lektüre der zweitbeste Roman von Leonardo Padura, bei dem vor allem der mittlere Teil glänzt und strahlt. Das Thema Freiheit ist obendrein aktueller als je zuvor. Der Roman ist Teil meines Lesevorhabens Wiedergelesen 4für2026.

Leonardo Padura: Ketzer
Aus dem  Spanischen von Hans-Joachim Hartstein
Unionsverlag 2015
Taschenbuch 656 Seiten
ISBN: 978-3-293206960

Mircea Cărtărescu: Theodoros

Buchcover von 'Theo Doros' von Mircea Cartărescu mit einer Illustration einer düsteren, felsenreichen Landschaft und einem Zitat: 'Dann würde es eher kein Buch geben, denn für die glücklichen Schicksale genügte ein Blatt.’
Das Bild zeigt die Belagerung der Festung von Magdala in Äthiopien, den die Briten gegen den »Kaiser« Theodoros führten. Der Roman schildert auf sehr eigenwillige, in mehrfacher Hinsicht fantastische Weise dessen Lebenweg, von der Walachei und Bukarest über die griechischen Inseln bis nach Äthiopien und in den Abgrund eines blutsaufenden Tyrannen. Große Literatur, schwer, abenteuerlich und fabelhaft. Coverrechte beim Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Es gibt Bücher, die schlage ich nach der Lektüre zu und denke: »Was war das denn?« Überwältigt, irritiert und auf eine seltsame Weise zufrieden. Es sind Werke, die inhaltlich und sprachlich fern vom pürierten Allerlei für ein zahnloses Lesepublikum sind. Ulysses von James Joyce wäre ein Beispiel, Dein Gesicht morgen von Javier Marias ein anderes, aus der Riege der Klassiker beispielsweise Goethes Faust II (nicht I).  Das Lesen unterscheidet sich grundsätzlich von dem anderer Bücher, denn hier bin ich vor allem staunender Zaungast.

Theodoros von Mircea Cărtărescu gehört in diese Kategorie. Als ich den Roman aufschlug, wurde ich sogleich überrollt. Die Erzählhaltung ist ungewöhnlich, in der zweiten Person Singular, gelegentlich auch Plural. Gleiches gilt für den Tonfall, der eingangs einer Strafpredigt gleicht. Kein Wunder, denn es sind himmlische Kreaturen, Erz-Engel, die über das Leben der Hauptfigur Zeugnis ablegen und in bester biblischer Manier donnerhallend urteilen. Für einen Roman mit im weiteren Sinne historischen Inhalt eine originelle »Erzählerfigur«.  

Das Leben der Hauptfigur ist wild bewegt. Motive aus der so genannten Heiligen Schrift, ob real, erfunden oder entlehnt, begegnen dem Leser oft, während er den verschlungenen Pfaden jenes Theodoros folgt, der aus der tiefsten Provinz der Walachei auf den Kaiserthron Äthiopiens gelangt und nach Jahren als tyrannischer Blutsäufer aus dem Leben scheidet. Als wäre das nicht haarsträubend genug, nimmt der Lebensweg ungewöhnliche Zwischenstationen, etwa Piraterie in der griechischen Inselwelt.

Was hier so harmlos klingt, ist bisweilen brutal. Gelegentlich fallen Cărtărescus Schilderungen düsterer menschlicher Abgründe drastisch aus, ohne dass der Roman ins Voyeuristische abgleitet. Dabei gelingen dem Autor wundervolle Bilder, besonders atmosphärisch ist etwa der schauerlich-schöne Einzug nach Bukarest. Doch sind es die verharmlosenden Briefe, die Theodoros an sein Mütterchen schreibt, die wie ein weichzeichnender Zerr-Spiegel seine Untaten zeigen, ein toller Erzähl-Kniff.

Manchmal, wenn dich die Melancholie erfasst hatte, dachtest auch du daran, dich gründlicher in dem Leben niederzulassen, das gelebt wird, und nicht in dem, das man sich erträumt […]

Mircea Cărtărescu: Theodoros

Der Autor erzählt seine Geschichte mit vielen Zeitsprüngen und Ortswechseln, auf eine unbekümmerte Weise ausschweifend und wortgewaltig. Einer der eingeflochtenen Handlungsstränge führt den Leser beispielsweise zu der Königin von Saba und König Salomon, was erst spät einen Bezug zur Haupthandlung erhält. In gewisser Hinsicht ist das gegenüber der Leserschaft unbarmherzig und konfrontativ, es läuft literarischen Entwicklungen der Buchbranche entgegen und ist allein deswegen ein großer Gewinn.

Wenig verwunderlich nimmt Theodoros ein schreckliches Ende. Im Angesicht einer vernichtenden Niederlage seiner Streitkräfte gegen die Briten wählt er den Freitod. Da dieses recht früh im Roman geschildert wird, geht es dem Autor um die Enthüllung des verschlungenen Weges dahin. Der ist übrigens neben den himmlischen Erzählern gesäumt von phantastischen und übersinnlichen Gestalten und Begebenheiten. Historisch verbürgten Personen wie der englischen Königin Victoria stehen irreale Erscheinungen zur Seite.

Wenn ein ganzer Heerzug plötzlich über dem Boden schwebt, als wäre die Schwerkraft aufgehoben, bricht die erzählte Realität – aber in so sanfter Dosierung und ausgesprochen geschickt motiviert, dass es im Rahmen bleibt. Zur Einordnung dieser Erzählweise wird gelegentlich der berühmte »magische Realismus« südamerikanischer Autoren bemüht. Ich frage mich allerdings, ob das wirklich passt und nicht zu kurz greift. Theodoros erscheint mir etwas ganz Eigenes, in einem eigenen, osteuropäischen Rahmen und der dazugehörigen Weltsicht.

Mircea Cărtărescu: Theodoros
Übersetzt aus dem Rumänischen von Ernest Wichner
Zsolnay 2025
Gebunden 672 Seiten
ISBN 978-3-552-07509-2

Opfergang – Piratenbrüder Band 7

Kämpfen, wenn der Gegner unbesiegbar ist? Die Lüge ist so ein Gegner, einmal in die Welt gesetzt, kommt man nicht mehr dagegen an. J.R.R. Tolkien wusste um die Macht der Lüge und auch um ihre Unsterblichkeit, denn sie lässt sich nicht ausrotten. In seinem Silmarillion hat Tolkien das in einen treffenden Satz gefasst, den ich als Zitat dem Schlussband meiner Buchserie um die Piratenbrüder vorangestellt habe.

Dabei ist die Herausforderung, der sich die Piratenbrüder und ihre Freunde gegenübersehen, groß genug. Von Patrick Vandenbergh, einem Verräter in den Reihen John Blacks, haben sie erfahren, wo ihr Erzfeind seinen Stützpunkt hat. Der Schock hätte kaum größer sein können: Ausgerechnet in Maracaibo, mitten in den spanischen Kolonien, liegt der Unterschlupf Blacks.

Das alles hier war John Blacks Spiel. Henry würde mitspielen, denn er hatte das bessere Blatt, dank einer Karte, die alle anderen stach: ein schwarzer Joker.

Alexander Preusse: Opfergang – Piratenbrüder Band 7

Ohne militärische Unterstützung durch Linienschiffe und Seesoldaten ist an einen Angriff auf Maracaibo nicht zu denken. Das aber würde einen Krieg zwischen Spanien und England auslösen, etwas, das Henry und seine Getreuen bis dahin unbedingt verhindern wollten. Jetzt erscheint ihnen ein Krieg als einziger Weg zum Sieg über John Black. Voraussetzung ist, dass der englische König George II. die nötige Unterstützung gewährt.

In London aber ist die Saat der Lügen Warringtons aufgegangen, Henry gilt als Pirat und Verräter, ihm drohen Verhaftung und Tod durch Hinrichtung. Bald zeigt sich, dass ohne große persönliche Opfer kein Erfolg möglich ist. Nicht nur Henry zieht daraus dramatische Konsequenzen, auch Joshua hat keine andere Wahl, als ein Opfer zu bringen. Widerstand und Unterstützung kommen von überraschender Seite. So entfaltet sich das dramatische Ende der Abenteuer von Joshua und Jeremiah in London und Maracaibo.

Eine Leseprobe gibt es hier: Opfergang

Das Taschenbuch (508 Seiten) ist bei Autorenwelt, Buch 7, geniallokal, Amazon & anderen Online-Buchhändlern sowie im lokalen Buchhandel erhältlich.
eBook exklusiv bei Amazon (Kindle und Kindle unlimited).

Bisher erschienen (auf das Cover klicken)

Neue Lektüre: Verschlossene Türen

Auch im Jahr 2026 beschäftigt mich das Thema Flucht (und Vertreibung). Abseits populistischen Gedröhns und bestenfalls naiver Rhetorik ist und bleibt unfreiwillige Migration ein wesentlicher Aspekt mit vielschichtigen Wirkungen auf die Gesellschaften. Meine neue Lektüre befasst sich mit der historischen Seite von Flucht, genauer gesagt mit dem oftmals gescheiterten Versuch jüdischer und von den Nazis als Juden klassifizierter Deutscher nach 1933 ihre Heimat zu verlassen.

Viele Romane und Sachbücher, Tagebücher und Essays, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, behandeln oder berühren das Thema Flucht. Das Bild zeigt eine nur Auswahl an Titeln.

Gleich drei Bücher werde ich in der kommenden Zeit lesen, die sich sich mit dem Thema befassen: eine neue Graphic Novel von Sara Dellabella und Alessio lo Manto, ein neues Sachbuch von Susanne Heim und ein etwas älterer Roman von Leonardo Padura.

Was hat einen kubanischen Autor dazu bewogen, sich mit der Flucht von Juden aus Deutschland nach der Machtübertragung an Hitler zu befassen? Einige dieser Fliehenden standen in Kuba vor verschlossenen Türen, was Padura im ersten Teil seines Romans Ketzer verarbeitet. Andere hatten mehr Glück, wie etwa die Hauptfigur in Landgericht von Ursula Krechel. Ketzer habe ich vor vielen Jahren schon einmal gelesen, im Rahmen meines Lesevorhabens Wiedergelesen 4für2026 werde ich es mir noch einmal vornehmen.

Padura nimmt die Perspektive eines Juden ein, der bereits auf Kuba lebt, während sich Dellabella und Lo Manto in Die Irrfahrt der St. Louis* der Sichtweise der jüdischen Flüchtlinge bedienen. Der Dampfer lag nämlich im Hafen von Havanna, die Insassen hatten eigentlich die nötigen Papier, um an Land zu gehen, doch wurde ihnen das verweigert. Das berührt Paduras Roman direkt, die Irrfahrt ging jedoch noch weiter. Zwar konnten die Juden schließlich nach langem Hick-Hack tatsächlich in europäischen Staaten unterkommen, da jedoch die Wehrmacht Europa unterwarf, dräute vielen ein grausiges Schicksal.

Die St. Louis war eine Art Niemandsland, in dem sich auch in unserer Gegenwart zahlreiche Flüchtlinge wiederfinden, die unwillkommen sind. Ein Schicksal, das viele Juden auf ihrem Leidensweg teilten, wenn die Grenzen verschlossen blieben. Die Monographie Die Abschottung der Welt* von Susanne Heim widmet sich diesem Phänomen. Das Buch bereichert meine kleine Sammlung von Bänden der Historischen Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung

Beim Verlag C.H.Beck und dem Knesebeck Verlag bedanke ich mich für die Besprechungsexemplare*.

Die letzten Meter

Jedem meiner Bücher habe ich zwei Zitate vorangestellt, die selbstverständlich mit dem Inhalt verbunden sind. Diese Worte George Orwells passen besonders gut.

Der Probedruck ist jener Moment, in dem aus einem Manuskript ein Buch wird. Opfergang, das siebte in der Reihe meiner Piratenbrüder, ist besonders. Es ist der Letzte Roman der Buchserie, ich bin sehr erleichtert, dass es endlich geschafft ist und nehme gern Abschied. Die Serie hätte sich totgelaufen, ich mag daher auch keine Endlosserien, die sich anfühlen wie Bilbo es über sein eigenes, langes Leben sagt: zu wenig Butter auf zu viel Brot.

Noch ist die Ziellinie nicht erreicht. Als letzten Schritt vor der Veröffentlichung lese ich das ganze Buch noch einmal laut vor und eliminiere die letzten Fehler. Durch das besondere Format fällt doch noch einiges auf, was korrigiert werden muss. Trotzdem ist absehbar, dass Opfergang viel früher erscheinen kann, als geplant. So habe ich den Termin der Vorbestellung auf den 12. März 2026 vorverlegt.

Spätestens dann wird der Roman erscheinen. Da ich kein Gewese um das Erscheinen mache, werde ich wie bei Verräter schon früher die Veröffentlichung vornehmen: Wenn Opfergang bereit ist, dann geht es los.

Alexander Preuße: Opfergang
Taschenbuch 508 Seiten, 19,99 Euro
ISBN: 978-3-819481215
Kindle eBook 5,99 Euro
Kindle Unlimited

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