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Schlagwort: Frankreich (Seite 10 von 10)

Hervé Le Tellier: Die Anomalie

Die dem Roman zugrundeliegende Idee ist spektakulär, die literarische Umsetzung sehr spannend und anregend. Ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt. Cover Rowohlt, Bild mit Canva erstellt.

Zu Beginn des Romans blickt der Leser in eine Art zerbrochenen Spiegel: Die Scherben zeigen den schmalen Ausschnitt eines Lebens, zunächst einer Person, die ihren Weg als professioneller Killer geht. Das überrascht, klingt dieser Auftritt doch mehr nach einem Thriller als nach dem Werk eines Prix Goncourt Preisträgers.

Es bleibt nicht bei einer Scherbe, eine ganze Reihe von menschlichen Daseinsformen wird ausgebreitet. Naturgemäß ist dieser Romanabschnitt eine nahezu plotfreie Zone, was manchen Leser erschöpft, einige zum Aufgeben zwingt. Und doch ist es nötig für das Vorhaben von Hervé Le Tellier, der mit diesem bunten Strauß eine erzählerische Reise antritt, die eine enorme Flughöhe erreicht.

Man muss dem Roman Die Anomalie entsprechend Zeit geben.

Die Spiegel-Scherben-Personen haben nämlich eine Gemeinsamkeit: Sie fliegen mit einem Air France Flieger von Europa in die USA. Unterwegs gerät die Maschine in ein dramatisches Unwetter und dadurch geschieht etwas absolut Unglaubliches, worüber die Käufer des Buches schon durch den Klappentext informiert werden: Der Flieger erreicht die USA zweimal mit einem Zeitabstand von mehrere Monaten.

Klappentext verringert Schockwirkung

Voilà! Die Kulisse für eine atemberaubende Geschichte ist aufgestellt. Durch die geschickte Strukturierung seiner Erzählung gelingt es dem Autor, den Leser einige Zeit an der Nase herumzuführen, trotz des stark spoilernden Klappentextes. Es ist fast ein wenig schade, dass dieser so gefasst wurde – die Wirkung ohne diese Vorabinformation würde eine gewaltige Wucht entfalten.

Doch auch so lässt Le Tellier sein Publikum erschaudern. Die lakonische, detailreiche, dabei zu keinem Zeitpunkt barock-überladen wirkende Erzählweise lässt niemanden entkommen, der sich durch das fast stehende Gewässer am Anfang hindurchgekämpft hat. Die Personen des zerbrochenen Spiegels verbindet nämlich, dass sie in diesem Flugzeug saßen und nun fast alle zweimal auf Erden weilen.

Platzierte Hiebe in alle Richtungen

Was auf den ersten Blick wie Science Fiction wirkt und durchaus mit Action hätte ausgeführt werden können, ist vielmehr ein multiperspektivisches Kammerspiel mit Niveau. Le Tellier lässt es sich nicht nehmen, Hiebe auszuteilen, die einen zeitkritischen Charakter haben: Trump, Frankreich, Nachrichtendienste, nerdige Wissenschaftler, Soziale Medien, US-TV-Show, fanatische Christen werden mit einer feinsinnigen Gnadenlosigkeit seziert.

Und im Herzen dieses endlosen Brandes, der Amerika seit jeher verzehrt, in diesem Krieg, den die Finsternis gegen den Verstand führt, in dem die Vernunft Schritt für Schritt vor der Ignoranz und dem Irrationalen zurückweicht, legt Jacob Adams die dunkle Rüstung seiner primitiven wie absoluten Hoffnung an.

Hervé Le Tellier: Anomalie

Vor diesem Hintergrund erleben die Protagonisten ihr Schicksal, der Leser folgt ihren Versuchen, mit dem Undenkbaren fertigzuwerden. An manchen Stellen ist der Roman ungeheuer komisch, an anderen von bitterböser Klarheit und das Echo eines Pessimismus, das die Überlebensfähigkeit der Menschheit infrage stellt.

Eine Warnung

Und ja. Insofern ist es ein Science Fiction. Immer schon waren Autoren des Genres darauf bedacht, Warnungen zu verbreiten. Diese Fingerzeige kamen oft in düsterem Gewand der Dystopie daher. Die Anomalie ist überwiegend heiter, grotesk, witzig, aber auch brutal, grausam und niederschmetternd. Und sie trifft tief, wenn dem Leser klar wird, dass er tatsächlich in einen Spiegel schaut, den seiner eigenen Existenz.

Ein wundervolles, großartiges Buch. Es passt sehr gut zu den bisherigen Erfahrungen, die ich mit Prix Goncourt-Preisträgern gemacht habe. Dabei enthält es Bestandteile, die ich überhaupt nicht mag. Bücher mit einem Titel, der im Buch selbst als Buchtitel vorkommt, schrecken mich gewöhnlich ab. In diesem Fall habe ich das sehr gern inkauf genommen.

Hervé Le Tellier: Die Anomalie
Aus dem Französischen von Romy Ritte und Jürgen Ritte
Rowohlt 2022
TB 352 Seiten
ISBN: 978-3-499-00697-5

Lydie Salvayre: Weine nicht

Ein seltsam klingendes Zitat aus dem preisgekrönten Roman, doch hat der Krieg für die Hauptfigur die Tür aufgestoßen, durch die sie ihren Verhältnissen entkommen konnte. Kurzzeitig. Cover Blessing, Bild mit Canva erstellt.

Der Spanische Bürgerkrieg ist in der Literatur vielfach thematisiert, berühmte Schriftsteller wie George Orwell („Mein Katalonien“) oder Ernest Hemingway („Wem die Stunde schlägt“) haben über ihre Erlebnisse berichtet, es gehören literarische Perlen wie das Buch von Almudena Grandes („Der Feind meines Vaters“) und viele andere dazu. Auf dem vorzüglichen Literaturblog Kaffeehaussitzer findet man ein Leseprojekt Spanischer Bürgerkrieg, das eine anregende Buchliste enthält.

2014 hat die Verleihung des französischen Literaturpreises Prix Goncourt ein weiteres Buch ins Rampenlicht gestellt: Weine nicht. Deren Autorin, Lydie Salvayre, hat Wurzeln, die nach Spanien reichen. Sie wurde als Tochter einer Frau geboren, die gerade noch vor den siegreichen Streitkräften des faschistischen Diktators Franco fliehen konnte. Ihr Roman nähert sich dem Thema auf besondere Weise.

Der Spanische Bürgerkrieg gilt vielen als Präludium für den Zweiten Weltkrieg. Das ist etwas eurozentrisch gedacht und auf das Deutsche Reich fokussiert, das in Spanien mit der so genannen „Legion Condor“ Franco unterstützte, während die Verteidiger der Republik nur durch die Sowjetunion Unterstützung erhielten – zu einem hohen Preis, was in Weine nicht dankbarerweise nicht verschwiegen wird: Stalin schickte Waffen und Terror nach Spanien, dem mehrere zehntausend Menschen zum Opfer gefallen sind.

Vielfältige Perspektiv- und Zeitwechsel

Selbstverständlich werden auch die Hinrichtungen durch die Franco-Faschisten nicht übergangen. Die Darstellung ist besonders eindrücklich, weil die Autorin dafür die Perspektive des konservativen Katholiken George Bernanos wählt. Erschüttert durch die Brutalität und die ignorante, menschenverachtende Haltung der Katholischen Kirche räumt der Mann seine politische Position und dokumentiert die Gräueltaten in seinem Werk: Die großen Friedhöfe unter dem Mond.

Schlimme Zeiten für die, die Heilslehren aller Art misstrauten und die lieber ihrem Gewissen gehorchten als doktrinären Einpeitschern der einen oder anderen Seite.

Lydie Salvayre: Weine Nicht

Salvayre lässt Teile daraus und andere Dokumente geschmeidig in ihren Roman einfließen, ihre Erzählung wandelt spielerisch zwischen faktenreicher Darstellung, Erzählung und Erinnerung, Fiktion und Auszügen aus Quellen. Die Handlung spielt auf mehreren zeitlichen Ebenen, die Autorin mischt kräftig mit, erläutert und kommentiert ihren Schreibprozess, außerdem ist die Interpunktion sehr freizügig gestaltet.

Beeindruckende Leichtigkeit

Der Roman rutscht trotzdem zu keinem Zeitpunkt in ein undurchsichtiges Wirrwarr ab und erzählt mit einer wunderbaren Leichtigkeit. Das liegt auch daran, dass ihm im Kern eine (tragische) Liebesgeschichte als Leitfaden eingewoben wurde. Die Hauptfigur, Montserrat, schließt sich mit ihrem Bruder den Verteidigern der Republik an. Für kurze Zeit erlebt sie Freiheit und ihre große Liebe.

Der Krieg, meine Liebe, ist genau zum rechten Zeitpunkt gekommen.

Lydie Salvayre: Weine Nicht

So ist das Zitat auch zu verstehen, dass der Krieg zum rechten Zeitpunkt gekommen wäre. Diese flammende Liebe mündet in ein würgendes Desaster, mit lebenslangen Folgen. Es gehört zu den großen Stärken des Buches, dass es den Leser einmal nachempfinden lässt, wie weit die Schatten eines Krieges reichen, auch wenn die Kampfhandlungen lange beendet sind.

Zum Zeitpunkt dieses persönlichen Liebes-Desasters machen Montserrat und ihr Bruder Erfahrungen mit der grausamen Realität der Kriegführung. Die Ideale sind menschenverachtender Ideologie gewichen, auch die Sache der Verteidiger der Republik hat ihren Glanz eingebüßt. Auch aus diesem Grund kehren beide in ihre Heimat zurück.

Besonders wertvoll macht diesen Roman der Umstand, dass er eindrücklich nacherzählt, wie sich die Haltung der Bevölkerung in Montserrats Heimatort gegenüber Revolution und dem sich abzeichnenden Sieg der Franco-Seite wandelt. Wer von Umstürzen träumt, sollte hier genau lesen und zuhören, denn so einfach ist die Sache nicht, auch wenn zu Beginn einer Umwälzung die Begeisterung groß ist.

Leider ist der Roman nur noch antiquarisch erhältlich.

Lydie Salvayre: Weine nicht
aus dem Französischen von Hanna von Laak
Blessing 2016
Hardcover 256 Seiten
ISBN: 978-3896675644

Michel Houellebecq: Unterwerfung

Eine seltsam stille Dystopie, scharfzüngige und provokante Kritik am Hochschulsystem, ostentativ frauenfeindliche Haltung des Protagonisten. Cover Dumont, Bild mit Canva erstellt.

Michel Houllebecq lenkt in seinem Roman Unterwerfung den Blick des Lesers bewusst auf das Genital seiner Hauptfigur. Es muss ihm klargewesen sein, dass dieser Umstand zu heftigen Reaktionen führen würde. Und tatsächlich sind viele ablehnende Rückmeldungen gleichfalls darauf gerichtet und entsprechend in empörtem, ablehendem Tonfall vorgetragen.

Und dann sind da noch jene Zeitgenossen, die das Buch zwar nicht gelesen haben, vorauseilend jedoch Rassismus und Islamophobie wittern. »Ist dieses Buch rassistisch? Ich habe es nicht gelesen, aber die Beschreibung erscheint mir sehr islamophob.« (Im Deutschen bisweilen auch mit islamfeindlich synonym gebraucht.)

Est-ce livre raciste? Je l’ai pas lu, mais la description se sent très islamophobe!

Goodreads


Wenn noch etwas darüber hinaus mokiert wird, dann die philosophischen »Abschweifungen«, die als Sumpf empfunden werden, in denen der Leser stecken bliebe und vor Langeweile umkäme. Diese Empfindung lässt sich nachvollziehen. Allerdings wirkt dieser Umstand vom Autor bewusst konstruiert, denn der Protagonist äußert sich maniriert und selbstgefällig, mit der intellektuelle Spitzmündigkeit des Hochschullehrers.

Unter diesen inhaltlichen Schichten (und noch einigen anderen) liegen die Bomben versteckt, die im Laufe der – sich nicht gerade überstürzenden – Handlung peu á peu hochgehen. Tatsächlich nimmt Houellebecq so viele Ziele aufs Korn, dass es wundert, wie oberflächlich die Kritik an dem Buch bisweilen bleibt. Und nein: der von vielen beschworene kulturelle Clash zwischen Islam und Christentum steht eigentlich nicht im Zentrum.

Ostentative Frauenfeindlichkeit

Die Frauenfeindlichkeit der Hauptperson, des Professors François, ist derart offensiv dargestellt, dass man sie eher für ein provokatives Aushängeschild halten kann, dessen grelle Lichter das eigentliche Thema bei flüchtiger oder wutentbrannter Lektüre überstrahlen. Ohne Frage ist der Protagonist eine fürchterliche Figur, dessen emotionales und soziales Scheitern durch seinen bequemen Posten und Sex wattiert ist.

Houellebecqs Held weiß um die eigene Bedeutungslosigkeit, auch die seines Faches bzw. des gesamten geisteswissenschaftlichen Apparates, der – im Gegensatz zu anderen Fachtrichtungen – nach Ansicht François´ nur zum Selbsterhalt existiere. Starke Worte, die in diesem Segment bestimmt außerordentlich gern gehört bzw. gelesen werden.

Gutbezahlt bei geringem Arbeitsaufwand, den Job wie ein degenerierter Adeliger vor allem als Jagdgrund auf Studentinnen nutzend, die sich nach einem Semester turnusmäßig verabschieden: Die Geisteswissenschaften, die sich gern als Schild von Kultur, demokratischen Errungenschaften und Hort aufgeklärten Fortschritts empfinden, treten dem Leser in einer heruntergekommenen, sich selbst karikierenden Figur entgegen.

Der aber äußerst in seinem selbstgefälligen Tonfall ebenso scharfäugige wie unangenehme Beobachtungen:

Sehr viele Intellektuelle hatten im Laufe des 20. Jahrhunderst Stalin, Mao oder Pol Pot unterstützt, ohne dass ihnen das jemals ernsthaft zum Vorwurf gemacht worden war. Der Intellektuelle in Frankreich musste nie verantwortlich sein; das lag nicht in seinem Wesen.

Michel Houellebecq: Unterwerfung


Das eigentlich Thema von Unterwerfung ist aber der extrem dünne Firnis der westlichen, säkularen, aufgeklärten, demokratischen Kultur, die so vielen so selbstverständlich erscheint und während weniger Monate wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzt und sich regelrecht auflöst. Angesichts der schonungslos vorgeführten Schwäche ihrer selbsternannten Verteidiger erscheint das nicht abwegig.

Für einige Augenblicke glaubt der Leser, der Roman könnte in ein wildes, umstürzlerisches Chaos abgleiten, doch diese Dystopie bleibt seltsam still. Und stürzt doch alles um. Wirklich alles, einschließlich des Selbstverständnisses vieler Leser.

Michel Houellebecq: Unterwerfung
Aus dem Französischen von Norma Cassau und Bernd Wilczek
Dumont 2015
Hardcover 272 Seiten
ISBN: 978-3-8321-9795-7

Alejo Carpentier: Explosion in der Kathedrale

Ein Historischer Roman, der sich eines wichtigen Themas annimmt: Die Französische Revolution und ihr Abgleiten in den Terror, die Wieder-Versklavung der dunkelhäutige Bevölkerung in der Karibik. Zumutungen sind garantiert. Cover Suhrkamp, Bild mit Canva erstellt.

Dieser Roman hält für den Leser einige Zumutungen bereit. Nach einem sehr langen, recht trägen und ausschweifenden Beginn mündet die Erzählung schließlich in den Wirren der Französischen Revolution. Zunächst ganz klassisch im Mutterland, doch dann verlegt der Erzähler seinen Plot zurück in die Karibik, wo er seinen Anfang genommen hat. Alejo Carpentier bedient sich dabei des Lebens der historischen Figur Victor Hugues und mehrerer fiktiver Protagonisten.

Dabei legt der Autor den Finger in eine der zahlreichen Wunden der Revolution: den Umgang mit den versklavten Afrikanern, die in der auf Europa fixierten Rezeption der Revolution keinen Platz haben. Schon zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Buches war es allerhöchste Zeit, sich dem Thema zu widmen, denn trotz der anfänglichen Sklavenbefreiung durch die idealistischen Revolutionäre blieb im Alltag alles beim Alten, wie das Zitat zeigt.

Die Neger waren zu freien Bürgern erklärt worden, aber diejenigen, die man nicht zwangsweise als Soldaten oder Matrosen rekrutiert hatte, beugten von morgens bis abends wie eh und je den Rücken unter der Peitsche ihrer Aufseher, hinter denen sich dazu noch der unerbittliche Azimut der Guillotine abzeichnete.

Alejo Carpentier: Explosion in der Kathedrale

Explosion in der Kathedrale ist bereits 1962 erschienen und zwei Jahre später ins Deutsche übersetzt worden. Die Sensibilität für rassistisch belegte Begriffe hat sich im deutschsprachigen Raum erst mehr als zehn Jahre später langsam durchgesetzt.

Der heute verwerfliche Gebrauch des Begriffes „Neger“ gehört ebenfalls zu den Zumutungen für den modernen Leser, denn er wird in der Ausgabe, die ich gelesen habe, durchgehend verwendet. Im Spanischen heißt „negro“ einfach: Schwarz(er) und ist dem Vernehmen nach nicht so negativ konnotiert wie „Neger“.

Der Inhalt des Werks ist klar antirassistisch und sehr kritisch gegenüber des brutalen, menschenverachtenden Auswüchsen der Revolution. Außerdem ist er ein Fingerzeig in Richtung der europäischen Aufklärer, die in ihren einflussreichen und für die Verbreitung von Menschenrechten und Demokratie so wichtigen Arbeiten das Schicksal der Sklaven weitgehend übergingen.

Robbespiere in der Karibik

Der Protagonist Victor Hugues macht in der Karibik freizügig Gebrauch von der Guillotine und verwandelt Guadeloupe in ein Terrorregime. Zugleich führt er den Kaperkrieg ein und tritt damit in die Fußstapfen der Piraten, die in der Karibik 80 Jahre zuvor gewütet hatten. Mit den hehren revolutionären Absichten hat das längst nichts mehr zu tun.

Der Mechanismus der Macht, die aus den Idealen menschenverachtende Unterdrückung werden lässt, wird vom Autor erbarmungslos vorexerziert. Carpentiers Kritik ist beißend. So lässt er seine Hauptfigur seine Schreckenstaten mit folgender Aussage rechtfertigen, eine Haltung, die nicht nur während der Französischen Revolution allzu gern als Relativierung brutalster Grausamkeiten missbraucht wurde.

Ich bin nicht grausam. Ich tue das, was ich tun muß. Das ist nicht dasselbe.

Alejo Carpentier: Explosion in der Kathedrale

Zu den Zumutungen an den Leser gehört die Sprache. Lange Passagen sind blumig, bildreich und völlig überladen, was den Lesefluss stört und teilweise fast zum Erliegen bringt. Kenntnisse zur Französischen Revolution sind hilfreich, hier wird vieles vorausgesetzt, was für das Verständnis wichtig ist.

Für mich allein aufgrund der Schilderung, wie es den Schwarzen in der Karibik zur Zeit der Französischen Revolution erging, absolut lesenswert, wenn man sich den Mühen unterziehen und den Zumutungen aussetzen will.

Bibliographische Daten zur aktuellen Ausgabe:

Alejo Carpentier: Explosion in der Kathedrale
Aus dem Spanischen von Hermann Stiehl
suhrkamp taschenbuch 5208 2012
Broschur, 332 Seiten, Print on demand
ISBN: 978-3-518-47208-8

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