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Schlagwort: Jugendbuch (Seite 5 von 6)

Benedict Jacka: Das Labyrinth von London

Urban Fantasy spielt in London, so scheint das Genre-Axiom zu lauten. Cover Blanvalet, Bild mit Canva erstellt.

Feine Urban-Fantasy aus der Feder von Benedict Jacka. Sein Alex Verus ist eine originelle Figur, die schon im Auftaktband der recht üppigen Buchreihe einiges durchmacht, haarsträubende Situationen bewältigen muss und bei Gelegenheit die Welt mit einer halben Legion ironischer, sarkastischer und flapsiger Bemerkungen bereichert.

Verus ist Magier, allerdings ein besonderer. Kämpfen kann er nicht, im Gegensatz zu vielen anderen Zauberkundigen, die je nach Ausrichtung zur weißen oder schwarzen Richtung neigen und zumeist ihr eigenes Süpplein köcheln. Der Protagonist ist Wahrsager. Er kann die Zukunft bzw. viele verschiedene Varianten einer möglichen Zukunft voraussehen.

Das ist zunächst einmal lustig, wenn Verus sein Alltagsleben als Inhaber eines Ladens etwas aufpeppt und den Leser vorab darüber in Kenntnis setzt, was die werte Kundschaft wünscht. Eigentlich wussten wir immer schon, dass Hellsehen eine Kernkompetenz misslaunig dreinblickender Ladenbesitzer ist, woher sonst sollten sie wissen, dass wir nur stöbern, nicht kaufen wollen?

Verus ist ein Außenseiter. Gemieden vom Rat, was eine höfliche Umschreibung ist, belastet von einer üblen Vergangenheit unter der Knute eines Schwarzmagiers, hält er Distanz. Das ist ein gutes Stichwort, wenn es um jene junge Dame namens Luna geht, die von einem Fluch belegt ist, der jeden in Mitleidenschaft zieht, der ihr zu nahe kommt.

Wer solche Freunde hat, braucht eigentlich keine Feinde mehr, doch wird Verus in ein Abenteuer gezogen, das nach dem preußischem Militär-Leitspruch „Viel Feind, viel Ehr“ gestaltet ist. Gleich mehrere Gruppen wollen etwas, das sie nur mit Hilfe von Verus bekommen können – die sich daraus ergebenden Antagonismen führen mitten hinein in eine turbulente Hetzjagd, bei der jeder gegen jeden kämpft.

Genretypisch spielt der Roman in London. Wo sonst?, könnte man beinahe fragen. Genretypisch muss der Leser eine allzu nüchterne Lesehaltung ablegen, um Spaß zu haben, sonst verheddert er sich leicht in den Fallstricken des Phänomens »Zukunft«. Gelingt das, ist Das Labyrinth von London ein sehr kurzweiliges, originelles und spannendes Lesevergnügen.

Weitere Bände der Buchreihe um Alex Verus, die ich besprochen habe:
Das Ritual von London.
Der Magier von London.

Der Wächter von London.

Benedict Jacka: Das Labyrinth von London
aus dem Englischen von Michelle Gyo
Blanvalet 2018
TB 416 Seiten
ISBN: 9783734161650

Der Klang der Macht

Die Piratenbrüder werden mitten hineingezogen in den globalen Kampf um die Macht

Kann man Macht hören? Musik malt Bilder in die Köpfe jener, die sie hören. Das funktioniert ganz wunderbar mit abstrakten Begriffen, wie Macht, Größenwahn, Trauer, Verzweiflung, Glück, Liebe und vielem mehr. Ich möchte hier gern zwei musikalische Stücke vorstellen, die aus meiner Sicht Macht repräsentieren. Eines davon ist für bewegte Bilder komponiert, das andere bezieht sich direkt auf ein berühmtes Bühnenstück des so genannten Shakespeare.

Warum gerade Macht? Es handelt sich um den Kernbegriff dessen, worum sich meine Abenteuerreihe um Joshua und Jeremiah dreht. Die beiden Freunde geraten in eine Auseinandersetzung zweier ehemaliger Kaperfahrer, die zu Todfeinden geworden sind. Dieser persönliche Konflikt ist eng verwoben mit dem Kampf der Großmächte jener Zeit um die globale Vorherrschaft.

Damit ist eine immer wiederkehrende Frage aufgeworfen: Wie kann der Einzelne bestehen, wenn die Mühlsteine der Macht mahlen? Auch der Film und das Bühnenstück berühren diese Frage und geben darauf eine Antwort. Doch hier geht es heute um die musikalische Umsetzung dessen, was man Macht nennt.

Imperial March – Star Wars

Das erste musikalische Stück, das ich mit Macht assoziiere, ist der berühmte Imperial March aus Star Wars. Eine musikalische Ikone der legendären Filmtrilogie, deren Einfluss auf die Filmindustrie gar nicht groß genug eingeschätzt werden kann.

Der Imperial March erinnert nicht umsonst an Militär-Märsche, handelt es sich bei dem Stück um die Untermalung von Szene mit höchst martialischem Charakter. In der Episode IV, der allerersten aus dem Star Wars-Universum, betritt Darth Vader die Szene, untermalt von langsamen, tiefen Tönen, die einen gleichmäßigen, unwiderstehlichen Marschtritt wiedergeben.

Langsam und schwer ist der Marsch, der den Auftritt begleitet.

Vader steht für Macht. In den Filmen verkörpert er das Imperium und die Kräfte der dunklen Seite der »Macht«, jener Kraft, die das ganze Universum durchzieht und jenen, die sie verstehen und anwenden können, zu ungeheurer Macht verhilft.

Noch prägnanter ist die zweite Szene, aus Teil VI, dem dritten gedrehten Film der Trilogie. Als der Imperator, nicht nur vom Rang über Vader stehend, den neuen, zweiten Todesstern erreicht. Sein Shuttle landet in einem Hangar des riesigen Kampfsterns, ihn erwarten in Reih und Glied angetretene Formationen.

Als sich die Tür zu seinem Schiff öffnet, betreten als erste seine Gardisten den Hangar, in blutiges Rot gekleidet, das sie von den Sturmtruppen und allen anderen Sondereinheiten klar abhebt. Erst dann folgt der Imperator selbst, der in seiner Kluft eher an einen verschrobenen Hohepriester erinnert.

Das Tempo des gleichen Motivs ist deutlich höher, dynamischer.

Doch ist er derjenige auf der dunklen, bösen Seite, der von der Macht mit Abstand am wirksamsten Gebrauch machen kann und zugleich die oberste politische und militärische Instanz des Imperiums. Die Parallelen zum Imperium Romanum sind greifbar und sicherlich gewollt, wie auch die imperiale Musik, die alles untermalt. Schneller, fordernder und mit der Wucht eines ganzen Orchesters vorgetragen, kann sich ihrem Eindruck fast niemand entziehen. Macht in Musik gegossen par excellence

Sergej Prokofiev: Romeo & Julia

Das zweite Stück stammt aus der Ballettsuite Romeo & Julia des russischen Komponisten Sergej Prokofiev. Die Geschichte einer verbotenen Liebe ist bekannt und braucht nicht nacherzählt zu werden. Als ich die Suite erstmals gehört habe, war ich wie elektrisiert – die Musik ist unfassbar emotional und schickt den Hörer auch ohne Bühne und Tänzer auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Besonders ein Teil hat es mir seinerzeit schon angetan und das gilt bis heute: Der so genannte Tanz der Ritter, das dreizehnte Stück aus dem ersten Akt des Balletts. Ich stehe offensichtlich nicht allein, wie die recht lange Liste der Adaptionen zeigt, darunter namhafte Rock-Bands wie Deep Purple und Iron Maiden.

Im Original sollte der Teil ganz gezielt eine erhebliche Wucht entfalten, wie die Besetzung zeigt: Ein romantisches Orchester, das den düsteren, fast gewalttätigen, stampfenden und malmenden Charakter der Episode auszudrücken weiß. Ich persönlich mag die langsame Spielweise lieber, weil sie das für mich wesentliche Thema, die Macht, am besten wiedergibt.

Der Tanz der Ritter wird oft auch Montague und Capulet genannt, den ich treffender finde. Die Namen stehen für die verfeindeten Häuser, denen Romeo und Julia angehören. Sie symbolisieren deren Macht und bilden zugleich die Grenze, die von den beiden Liebenden nicht überschritten werden dürfen.

Eine gigantische Schildkröte

Es geht dabei um die Macht an sich, jene uralte, unsterbliche Gewalt, nach der die Menschen am allermeisten streben (laut Galadriel aus der Verfilmung von Tolkiens Fantasy-Roman Der Herr der Ringe).

Ich stelle sie mir wie eine gigantische Schildkröte vor, auf deren Panzer ein in unendliche Höhen aufragender Turm in die Höhe steigt, von dicksten Mauern bewehrt und unbezwingbar. Diese Kreatur stampft im langsamen Takt voran und zermalmt alles und jeden, der sich ihr in den Weg stellt. Auch das von Shakespeare ersonnenen Liebespaar. 

Wenn Joshua und Jeremiah zu ihren Abenteuern aufbrechen, stehen sie auch der Macht an sich entgegen. Sie wird von vielen unterschiedlichen Personen und Orten verkörpert, aber auch abstrakten Dingen wie Warenströmen und Informationen bestimmt. Auch 1732.

Star Wars und Romeo und Julia geben zwei sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage, ob und wie der Einzelne bestehen kann, wenn die Macht heranstampft. Meine Abenteuerreihe gibt auch eine.

Bisher erschienen (auf das Cover klicken)

Cornelia Funke: Der Drachenreiter

Der Roman gehört zu meinen Favoriten im Kinder- und Jugenbuchsegment, ist aber darüber hinaus für Schriftsteller lesenwert, die etwas über Antagonismen lernen möchten. Cover Dressler, Bild Canva.

So oft habe ich dieses Buch nun (vor-)gelesen und freue mich immer wieder, wenn es losgeht mit den Schlechten Nachrichten im ersten Kapitel. Der Roman Der Drachenreiter von Cornelia Funke ist mein allerliebstes Jugendbuch, das ich auch im fortgeschrittenen Alter immer noch gern lese. Um es vorwegzunehmen: Den zweiten Teil fand ich so viel schlechter, dass ich den dritten ignorieren werde.

Nichts liegt mir ferner, als in irgendeiner Form andere Bücher herabzuwürdigen, aber Der Drachenreiter ist nicht zuletzt so gut gelungen, weil er Qualitäten aufweist, die dem Nachfolger abgehen. Die Geschichte um die letzten Drachen, die vom Menschen in ihrem Rückzugsressort bedroht und zur Flucht gezwungen werden, ist spannend, voller Tempo, Warmherzigkeit und Überraschungen.

»›Lung!‹, rief sie. ›Lung, wach auf. Sie kommen!‹«

Cornelia Funke: Der Drachenreiter

Der Leser wird mit einem ganzen Strauß an großartigen Ideen bedacht, als alter Kartenfreund hat mich deren Bedeutung für den Handlungsverlauf gefreut, mehr noch, weil Funke das auf so ungewöhnliche, schöne Weise umgesetzt hat. Natürlich gibt es auch bekannte Motive, etwa das des Jungen, der aufbricht und sich selbst in plötzlich in einer herausgehobenen Rolle wiederfindet – eine Fantasy-Figur par excellence.

Funke gelingt es jedoch, die Figuren auszubalancieren. Ich mag das Wort Balance im Zusammenhang mit Romanen eigentlich nicht, es klingt zu sehr nach billigem Schreibratgeber und schlechten Streaming-Serien, die vor lauter Balancieren das Erzählen vergessen. Der Drachenreiter ist davon glücklicherweise weit entfernt, weil er voller offener und versteckter Antagonismen ist.

Ein Protagonist kann immer nur so gut sein, wie sein bester Antagonist. Charaktere in Romanen bedingen sich gegenseitig, sie konstituieren sich in ihrem Wechselspiel. Die Drachen stehen einem grausamen Feind gegenüber, dem Menschen, der sie aus ihrem Lebensraum vertreibt. Dieser Grundkonflikt ist der Auslöser der Handlung, weil er den Drachen Lung und die Koboldin Schwefelfell zum Aufbruch zwingt.

»›Nach so vielen, langen Jahren. Aaah, ich wusste, dass sie sich nicht ewig vor mir verstecken können. Vor den Menschen vielleicht, aber nicht vor mir.‹«

Cornelia Funke: Der Drachenreiter

Auf ihrer Reise finden sie Mitstreiter, wie etwa den Jungen Ben. Ab diesem Punkt manifestiert sich die große Stärke des Romans, denn auch zwischen den Protagonisten gibt es Antagonismen: Schwefelfell ist ohnehin mit einer spitzen Zunge und einer gehörigen Portion Leichtfertigkeit gesegnet, es kommt zu Eifersüchteleien und Streits, die wiederum Auslöser für törichte und gefährliche Handlungen sind.

Für die Erzählung ist das eine großartige Zutat, von der Autorin gekonnt und mit spürbarem Spaß umgesetzt. Cornelia Funke hat noch mehr auf Lager, denn auf ihrem Weg scheuchen die Helden einen richtigen Antagonisten auf, der ebenfalls über bösartige Verbündete, nie verlöschenden Hass, die nötige Verwerflichkeit und Aggressivität verfügt, um ein tödlicher Gegner zu sein. Eine erbarmungslose Jagd beginnt, garniert mit Verrat, Frontwechseln und vielem mehr.

Vor allem aber steckt hinter diesem fürchterlichen Antagonisten wieder der Mensch, der sich als die eigentliche Bedrohung erweist. Seine Gier ist die Antriebskraft für Böses, indem er sich überall ausbreitet und alles vereinnahmt, egal, ob andere ihren Lebensraum dadurch verlieren. Und er ist auch für den tödlichen Feind verantwortlich, aus niederen, gegenüber dem Leben gleichgültigen Beweggründen. Funkes Fantasy-Roman hat damit, was hochwertige Literatur auszeichnet: Thema.

»›Duuuuu bist der Eeeerste! Der Eeeeeerste, der nicht für sich fragt, käferkleiner Mensch.‹«

Cornelia Funke: Der Drachenreiter

Zu den schönsten Momenten der Geschichte gehört die Begegnung mit einem Dschinn, der – ganz im Stile von Märchen und Fantasy – einen Wunsch gewährt, natürlich erst, wenn eine bestimmte Voraussetzung gegeben ist, sonst droht dem Wünschenden ein schreckliches Schicksal. Funke nutzt das geradezu klassische Motiv, das es zum Beispiel durch Ernest Hemingway auch in die Weltliteratur geschafft hat, um einen ganz wunderbaren Akzent zu setzen, der im Gedächtnis bleibt.

Und spoilere ich zu sehr, wenn ich die Überschrift des letzten Kapitels verrate? Nein, denn nicht das Ende ist entscheidend, sondern der Weg dahin. Und der führt über zahlreiche Wendungen zu Guten Nachrichten. Wie die aussehen, muss allerdings selbst erlesen werden. Viel Vergnügen dabei!

Cornelia Funke: Der Drachenreiter
Dressler Verlag
Gebunden
ISBN ‎ 978-3791504544

Verdeckter Krieg

Zu den spannendsten Erkenntnissen während meiner Recherche gehörte jene, dass in der Karibik über Jahre hinweg ein unerklärter Krieg zwischen den Großmächten schwelte. Kaperfahrten und Piraterie gehörte mit dazu.

Während meiner Recherche für meine Abenteuerreihe bin ich auf eine interessante Sichtweise gestoßen. Sinngemäß hieß es, dass in Europa zwar nach Beendigung des Spanischen Erfolgekrieges Frieden herrschte, in der Karibik jedoch fortlaufend militärische Auseinandersetzungen zwischen den Großmächten ausgetragen wurden. Kern dieser Aktivitäten waren Kaperfahrten, aber auch Schmuggel und Zollkontrollen.

Möglicherweise spielten die Sklavenaufstände auch eine Rolle, wenn ich auch keinen Beleg dafür gefunden habe. Für meine Romanreihe habe ich mir jedoch die Freiheit genommen, diese als Teil des unterschwelligen Krieges zu betrachten. Was läge näher, als über provozierte und heimlich unterstützte Aufstände den Gegner empfindlich zu treffen?

Verdeckter Krieg

Aus meiner Sicht war das alles nichts anderes als ein verdeckter Krieg, wie ihn Putins Russland seit vielen Jahren führt. Damals wie heute wird er auf verschiedenen Ebenen ausgetragen, in der Ukraine über Jahre hinweg durch einen als »Bürgerkrieg« zwischen angeblichen »Separatisten« und den Ukrainern verbrämten Angriff; die eingefrorenen, aber nicht gelösten Kriege in Georgien, Moldau, flankiert von destabilisierenden Maßnahmen gegenüber den westlichen Demokratien.

Der Vorzug des verdeckten Krieges liegt darin, dass man offiziell gar keinen Krieg führt. Wer die letzten Jahre Revue passieren lässt, wird unschwer feststellen, wie wirkungsvoll dieses Mittel ist. Politik geht ungern unbequeme Wege (Sanktionen, Waffenlieferungen etc.) und lässt sich allzu oft von den verheißungsvollen Honigtöpfen wie billigem Gas verlocken.

Offene Kriege sind ein ungeheures Risiko, weil sie unglaublich teuer sind, nicht leicht beendet werden können und am Ende zumindest auf wirtschaftlicher Ebene alle verlieren. Von der Verelendung der Bevölkerung durch Nebeneffekte (Teuerung, Seuchen, Verwundete, entlassene Soldaten) einmal ganz abgesehen. Außerdem kann man militärisch unterliegen.

Vorteile und Nachteile

Ganz anders der verdeckte Krieg, der nicht begonnen wird und gleichfalls nicht beendet werden muss. Außerdem unterhält er eine gewisse Kriegsinfrastruktur. Als in den 1720er Jahren ein kurzer Krieg zwischen England und Spanien aufflammte, viel kleiner und letztlich folgenloser als der große um die spanische Erbfolge, konnte in der Karibik rasch operiert werden, wenn auch ohne Fortune.

Ein Nachteil dieser Art der Kriegführung besteht darin, dass sich die Kämpfenden von der Leine lösen und ihren Kampf auf eigene Rechnung weiterführen. Damals waren die Grenzen zwischen Kaperfahrern, Piraten und Piratenjägern (!) fließend; die Folgen für die zivile Schifffahrt, auch des eigenen Landes, verheerend.

Prägend für die Abenteuerreihe

Alle genannten Aspekte spielen für meine Romanreihe eine zentrale Rolle. Meine Protagonisten, Joshua und Jeremiah, werden in eine Auseinandersetzung zweier ehemaliger Kaperfahrer hineingezogen, die jedoch eng mit dem globalen Machtkampf zwischen England und Spanien (und Frankreich) verknüpft ist.

Damit bot sich die Möglichkeit, die Romanreihe wachsen zu lassen. Während der Fokus in den ersten Teilen noch stark auf der persönlichen und individuellen Ebene liegt, erweitert sich dieser von Band zu Band und wird immer stärker mit dem verflochten, was das Zeitalter geprägt hat: Piraterie, Verdeckter Krieg, globaler Machtkampf, Sklaverei, Handel mit Genussmitteln (Zucker, Tabak, Kaffee).

Piraterie – im Schlagschatten des Krieges

Piraten fallen nicht vom Himmel, niemand wird als Pirat geboren. Kriege dürften der wichtigste Geburtshelfer der Feinde aller Menschen sein.

Wie wird man eigentlich Pirat? Folgt man populären Filmen, könnte man den Eindruck haben, Piraten wären einfach da. Oft wird ihre Herkunft gar nicht weiter geklärt, man könnte meinen, sie fielen mehr oder weniger vom Himmel. Manchmal wird der Weg zur Piraterie auch als eine Art Vermächtnis geschildert, wenn etwa Henry Morgan Jack Sparrow mit Kompass und Kapitänsamt beglückt. Oder William Turner in die Fußstapfen seines Vaters tritt, als hätte er genetisch – schicksalsträchtig gar keine andere Wahl.

Wenn man einen Blick auf die Biographien historischer Piraten wirft, wie zum Beispiel eben jenen Henry Morgan, ist eine andere Sache recht augenfällig: Es gibt eine direkte Verbindung zwischen Piraterie und Krieg. Selbstverständlich gab es auch in langen Friedenszeiten Piraterie, doch sorgten Kriege in der Regel für ein massives Ansteigen der Aktivitäten von Piraten.

Piratenrepublik und »Goldenes Zeitalter«

Es ist kein Zufall, dass die so genannte »Piratenrepublik« von Nassau in den Schlagschatten des ersten wirklich weltumspannenden Krieges fiel: Der Spanische Erbfolgekrieg wurde nicht nur in Europa ausgetragen, sondern auch in der Neuen Welt (gemeinsam mit dem teilweise zeitgleich stattfindenden Großen Nordischen Krieg brannte es in ganz Europa).

Das gleiche gilt für das so genannte »Goldene Zeitalter« der Piraterie, das von Historikern zwischen 1714 und 1722 bzw. 1716 und 1726 verortet wird. Der Große Krieg endete in Europa offiziell 1713, doch in der Neuen Welt ging es munter weiter. Ein Teil der Kaperfahrer, sprich: der von der jeweiligen Krone beauftragten oder zumindest geduldeten Seeräuber bekam das Ende der Kampfhandlungen erst mit großer Zeitverzögerung mit und war keineswegs immer begeistert vom Friedensschluss.

Manche haben einfach auf eigene Rechnung weitergemacht. Warum auch nicht? Die Alternativen waren nicht besonders verlockend. Frieden bedeutete nicht für jeden eine Erleichterung, mit dem Ende der Kampfhandlungen verloren viele Seeleute Anstellung und Einkünfte; manche standen einfach vor dem Nichts und die Aussicht auf Einkünfte durch Raub, für dessen Ausführung sie die nötigen Kompetenzen erworben hatten, bot einen Ausweg.

Grauzonen

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. In Europa mag für einige Jahre Frieden geherrscht haben, in der Neuen Welt jedoch nicht. Die Kaperfahrerei bot eine großartige Möglichkeit, einen verdeckten Krieg zu führen, ohne ihn offen erklären zu müssen. Man konnte seine Feinde schwächen, ohne einen unpopulären Waffengang vom Zaun zu brechen.

Außerdem gab es eine Grauzone. Wer mochte verhindern, dass Kaperfahrer die »falschen« Schiffe auf ihrem Weg nicht einfach auch aufbrachten? Wenn ein englischer Kapitän auf der Suche nach spanischen und französischen Schiffen lange ohne Beute blieb, was aber essentiell für die Loyalität der Mannschaft war, würde er nicht auch ein englisches Handelsschiff überfallen?

Doch die Grauzone reicht noch weiter. Mancher für die Piratenjagd ausgesandte Kapitän konnte der Verlockung des scheinbar schnellen Geldes ebenfalls nicht widerstehen und hat sich entsprechend an friedlichen Kauffahrern vergriffen. Diese verschwommene Grenzlinie zwischen Kapern, Piraterie und Piratenjagd wurde gelegentlich mehrfach überschritten.

Gnade und Blutbad

Letzten Endes haben sich die europäischen Großmächte England, Frankreich, Spanien, die Vereinigten Niederlande und auch Portugal irgendwann aufgerafft und mit dem Piratenproblem gründlich aufgeräumt. Neben der Möglichkeit, der Piraterie abzuschwören und auf friedlichem Wege das blutige Handwerk hinter sich zu lassen, wurde auch zu brutaler Gewalt gegriffen.

Am Ende des »Goldenen Zeitalters« der Piraterie stand ein Blutbad, das entschlossene Vorgehen dämmte das Piratenunheil massiv ein und machte die Seefahrt wieder sicherer. Doch der verdeckte Kaperkrieg war ein viel zu verlockendes Mittel, um darauf zu verzichten, im Grunde herrschte in der Karibik über Jahrzehnte ein kaum bemäntelter Waffengang.  Mit den bekannten Folgen. 

Das ist die Lage, als die Hauptfigur meiner Abenteuerreihe, Joshua, 1732 aus London aufbricht. Er kann eigentlich darauf setzen, dass Piraten kein großes Problem mehr darstellen, zumal sein Schiff, die Sturmvogel, in einem Konvoi fährt, was Überfälle gewöhnlich erheblich erschwert – so lange die Schiffe zusammenbleiben.

Eine Leseprobe gefällig? Hier entlang: Eine neue Welt.

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