

Zwei dicke Schinken lese ich gerade: ein Sachbuch über die Renaissance und einen berühmten Roman-Klassiker.
Wer kennt den Titel Moby Dick und wer hat den Roman gelesen? Vermutlich lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich von einem riesigen Missverhältnis zwischen beiden Gruppen ausgehe. Der Begriff Moby Dick ist sicher weithin bekannt, Zitate, Anspielungen und kreative Verarbeitungen gibt es zuhauf.
Sogar in Star Trek wurde einmal etwas aus dem Roman zitiert, ein Satz über den Knurre-Grummel Ahab. Auch ich habe mich bedient und ein Zitat aus dem Roman von Herman Melville Vinland – Piratenbrüder Band 4 vorangestellt.
Sie ist auf keiner Karte verzeichnet. Die wahren Orte sind das nie.
Vinland – Piratenbrüder Band 4 aus Moby Dick von Herman Melville
Wer aber liest einen Roman, der bereits 150 Jahre auf dem Buckel hat und seine rund 800 Seiten mit einer beachtlichen Sammlung an Zitaten über Wale beginnt? Melville lässt sich Zeit, erst um Seite 200 sticht das Schiff in See, mit dem Ismael zu seiner abenteuerlichen Fahrt aufbricht.
Stilistisch und perspektivisch bietet der Roman einige Überraschungen, die kein modernes Lektorat überstehen würden. Da hülfen auch Melvilles Spott und ironische Bissigkeit nicht, die eine wahre Wonne sind.
Für mich macht auch diese Andersartigkeit gegenüber dem, was aus Verlagen und Selbstverlegern in den Buchmarkt strömt, einen Klassiker wie Moby Dick zu einem wahrhaftigen Lesevergnügen. Der Roman ist Teil meines Lesevorhabens 12 für 2026.
Die Bücher aus der Historischen Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung waren bislang ausnahmslos ein großer Gewinn. Das gilt auch für den aktuellen Band, den ich lese, in der Gerd Roeck die Geschichte der Renaissance erzählt. Der Morgen der Welt hält schon auf den ersten Seiten eine Feststellung bereit, die auf einige provozierend wirken könnte.
Galileis »Dialogo« steht für einen Stil gelehrter Diskussion, wie ihn in dieser Form zuerst und für lange Zeit ausschließlich Europa mit seiner Wissenskultur pflegte: Geprägt von den Tugenden neugierigen Fragens und gelassenen Bezweifelns, scheut er Streit, ja donnernde Polemik nicht.
Gerd Roeck: Der morgen der Welt
Das Gespräch kombiniert mit der schriftlichen Verbreitung nach der Revolution des Druckens und der Beschränkung der religiösen Einflüsse als Triebfeder für den gewaltigen Modernisierungssprung Europas, der den Kontinent zum Hegemon der Welt machte. Ein – hier arg verkürzt skizzierter – Denkansatz, der eine Antwort auf die Frage wagt, warum die Entwicklung hier stattfand und nicht anderswo.





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