Schriftsteller - Buchblogger

Kategorie: Kurzrezension (Seite 7 von 12)

Fabrice Le Hénanff: Wannsee

Anlässlich der so genannten »Wannsee-Konferenz« am 20. Januar 1942 wurde die Tötung von mehreren Millionen Menschen in Todeslagern beschlossen. Cover Knesebeck, Bild mit Canva erstellt.

In der an Konferenzen nicht eben armen Geschichte Deutschlands nimmt die so genannte »Wannsee-Konferenz« vom 20. Januar 1942 einen ganz besonderen Platz ein; zumindest dürfte sie eine der folgenreichsten sein, denn bei dieser Zusammenkunft wurde nicht weniger als der Tod von rund elf Millionen Menschen beschlossen.

Diese Menschen stellten aus der Sicht des verbrecherischen Nazi-Regimes eine Gefahr dar, weil sie in den Augen der NS-Ideologie »Juden« waren. Ich formuliere bewusst so verwunden, um deutlich zu machen, dass diesen Menschen die Identität »Jude« aufgezwungen wurde, völlig unabhängig davon, ob sie sich als solche empfanden oder nicht; ob sie überhaupt jüdischen Glaubens sein wollten – oder nicht. Sie wurden auf diese eine, übergestülpte Identität reduziert.

An einer Stelle der Graphic Novel Wannsee von Fabrice Le Hénanff wird das deutlich, wenn in der Diskussion behandelt wird, wer denn überhaupt als Jude gelte. Die Antwort ist nicht eine Frage des Glaubens der Betroffenen, sondern dessen, was von den Nazis als »Rasse« bezeichnet wird. Die Nürnberger Gesetze hatten 1935 Vorarbeit geleistet, der Irrwitz des Rassenkatalogs, nach dem bestimmt wurde, wer als »Halb-« oder »Vierteljude« angesehen wurde, wird im Verlauf der Graphic Novel vollendet vorgeführt.

Das ist einer der Gründe, warum die Wannsee-Konferenz vielleicht die deutscheste aller deutschen Konferenzen war, zumindest hat sie den Grundstein gelegt für ein völlig wahnwitziges Unternehmen, nämlich die industriell organisierte Massentötung; in den eigens errichteten Vernichtungslagern wurden außer »Juden« auch andere Gruppen umgebracht.

Wannsee offenbart das bürokratische Vorspiel dieses in der Geschichte solitären Massenmordes. So klar dargestellt ist, auf welchen Weg sich das Reich im Januar 1942 begab, so verwaschen sind die Zeichnungen: Sie wirken, als würde man durch ein regennasses Fenster schauen. Das sorgt für Distanz, gleichzeitig verstärkt es die alptraumhafte Atmosphäre dieses Ereignisses, das von den maßgebenden Personen selbst verschleiert werden sollte.

Nach dem Sieg sollte niemand von dem Massenmord erfahren. Der britische Romancier Robert Harris hat das in seinem brillanten Dystopie-Thriller Vaterland umgesetzt und eine ungeheuer dramatische Geschichte um die Geheimhaltung der Wannsee-Konferenz in einem Deutschland, das den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte, gesponnen.

Die reale militärische Lage hatte in Wirklichkeit bereits den Kipppunkt Richtung Niederlage überschritten. Vor Moskau war die Wehrmacht unter immensen Verlusten zurückgeschlagen worden, vor allem befanden sich die USA im Krieg, die entscheidende Macht in beiden großen Kriegen bis 1945. Das gibt dieser Zusammenkunft einen besonders grotesken Zug.

Manchmal ist auch wichtig, was nicht geäußert wird: Kritik. Widerstand gegen die Pläne kommt im Verlauf der Konferenz wenig auf, wenn, dann eher aus Kompetenz- und anderen Bedenken, die nichts mit einer Form des Mitgefühls mit den Opfer zu tun hat. Empathie haben die Konferenzteilnehmer nur mit den uniformierten Tätern, die in den Einsatzgruppen die blutige Tötungsarbeit hinter der vorrückenden Front verrichten und psychisch aus dem Gleichgewicht geraten.

Die Graphic Novel Wannsee endet übrigens mit einem – irrtümlichen – Paukenschlag. Viele Teilnehmer der Konferenz werden kurz vorgestellt und ihr Werdegang dargelegt. Einer von ihnen, Dr. Georg Leibbrandt, gehört zu jenen, die nach dem Krieg eine neue politische Karriere durchliefen – er soll 1966 mit dem Bundesverdienstkreuz bedacht.

Das geht auf einen Irrtum zurück, der sich mittlerweile aufgeklärt hat, wie auch nachfolgender Tweet zeigt.

Fabrice Le Hénanff: Wannsee
Aus dem Französischen von Thomas Laugstien
Knesebeck 2019
Gebunden, 88 Seiten
ISBN 978-3-95728-304-7

Sergej Gerassimow: Feuerpananorama

Die Eindrücke aus den ersten Kriegswochen sind bestürzend, Charkiw ist Frontstadt, hat früh Bekanntschaft mit russländischen Streubomben und Raketen gemacht und bot das titelgebende Feuerpanorama. Cover dtv, Bild mit Canva erstellt.

Erwachen im Krieg. Charkiw. Geräusche, die nichts anderem auf der Welt ähneln, Geräusche des Todes, des vorsätzlichen Mordes. „Ich habe es noch nie gehört, aber ich weiß, dass es das Atmen des nahenden Krieges ist.“ Man stelle sich vor, in einer Stadt, in der Nobelpreisträger gewohnt, studiert und gearbeitet haben, Anfang des 21. Jahrhunderts. Kann das überhaupt sein? Es kann. Es wirke wie ein Traum, aus dem man noch nicht aufgewacht sei; Angst – nein. Es herrscht das Gefühl von Unwirklichkeit.

Draußen Gefechtslärm. Artillerie. Panzer. Luftangriffe mit Flugzeugen und Raketen. Streubomben, die von der russländischen Armee gezielt über Wohngebieten eingesetzt werden. Man kann zusehen, wenn man in einem hohen Haus wohnt, aus dem Fenster heraus beobachten, wie der Krieg tobt. Eine ältere Dame, berichtet Gerassimov, hört dabei Heavy Metal, um das Dröhnen, Krachen des Krieges zu übertönen, der Versuch, zwischen sich und dem Gesehen Distanz zu bringen, es erträglich zu machen. Sie schläft in einer Gusseisen-Badewanne zum Schutz von Splittern und Schrapnells.

Das Kriegstagebuch Feuerpanorama von Sergej Gerassimov ist voll von derartigen Beobachtungen. Sie bringen den Krieg, seine Grausamkeiten und die Versuche, damit umgehen, nahe. Schlangen vor Geschäften werden nicht in Metern, sondern Wartezeit gemessen: »Die Schlange war nur dreißig Minuten lang.« Oft ist vorher klar, dass es nicht das Gesuchte gibt, doch reihen sich die Menschen ein. Warum?

Das ist die wohl am häufigsten gestellte Frage. Warum? Warum kann jemand absichtlich eine Geburtsklinik bombardieren? Warum das von Kindern überfüllte Theater in Mariopol zerstören? Viele der Antworten sind verstörend. Wenn etwa von »Putinophilen« die Rede ist, die sich die Realität zurechtbieten. Vor ihren Augen wird ihre Heimat, ihre Stadt (Charkiw) bombardiert – es wären Ukrainer, die das täten, papageien die Putinophilen nach. Was soll man da noch sagen?

Gerassimow schreibt noch in den ersten Kriegstagen, dass er die Menschen in Russland nicht hassen könne; er erinnert sich seiner Kindheit bei Kursk, einem Ort, dessen Umgebung ihm die schönsten Erinnerungen geschenkt habe. Tage später steigt er dann doch auf, der Hass, wie „schwarze Tinte“ vom Grund eines Sees. Ein passiver Hass auf einen russländischen Piloten, der Zivilisten bombardiert hat und abgeschossen wurde. Es könnte, gesteht er sich selbst ein, aktiver Hass werden, das Bedürfnis aufsteigen, diesem Piloten den Hals umzudrehen. Der Krieg verändert die Menschen.

Es ist das vierte Tagebuch (Im Schatten des Krieges, Als ich im Krieg erwachte) aus diesem Krieg – das zweite aus Charkiw – das ich gelesen habe. Ich konnte eine Menge Eindrücke durch die Augen des beobachtenden Autors sammeln, das Ausmaß der Zerstörungen in der Frontstadt, die hierzulande im Schatten von Kyjiw steht, der materiellen und ideellen Verluste, wird greifbar.

Sergej Gerassimow: Feuerpananorama
Übersetzt von Andreas Breitenstein
dtv 2022
Hardcover 256 Seiten
ISBN: 978-3-423-28315-1

Marie Benedict: Die einzige Frau im Raum

Hedy Lamarr, geborene Kiesler, ist eine faszinierende Person, deren Spuren die amerikanische Schiftstellerin in ihrem Roman folgt. Cover KiWi, Bild mit Canva erstellt.

Hedy Lamarr ist eine faszinierende Persönlichkeit. Schönheit und hohe Intelligenz, ein bewegtes Leben voller Brüche, Rückschläge und Erfolge, umflort von Tragik – es gibt eine Reihe von Gründen, sie aus dem Schatten treten zu lassen. Vor Jahren habe ich einmal eine Dokumentation gesehen, die den sehr treffenden Titel »Geniale Göttin« trug; entsprechend gespannt war ich darauf, wie die Schriftstellerin Marie Benedict versucht, sich ihr zu nähern.

Der Roman Die einzige Frau im Raum stellte die solitäre Erscheinung Hedy Kieslers, wie die Protagonisten bürgerlich hieß, schön heraus. Als die Handlung einsetzt, ist Hedy Schauspielerin und verkörpert auf der Bühne Elisabeth von Österreich, Sissy. Sie hat bereits einen skandalumwitterten Film (»Ekstase«) gedreht, die Nacktszenen darin werden für Hedy zu einem Problem.

Zunächst erzählt der Roman, wie die schöne, kluge und selbstbewusste Hedy in die Ehe mit einem mächtigen Verehrer hineingerät, der sie mit Übermaß umwirbt und den Eindruck erweckt, er würde sie als Person, ihre Eigenständigkeit respektieren. Ein folgenschwerer Irrtum, wie sich herausstellt, denn die Ehe erweist sich als Falle.

Etwas bemüht wirkt, dass die Heirat auch eine Art Schutzschild gegen mögliche Repressalien sein soll, vor denen sich Hedys Familie wegen ihrer jüdischen Herkunft fürchtet. Das ist durchaus schade, denn gerade die historisch-politischen Hintergründe, mit denen das Leben der Protagonistin wegen der rührigen Tätigkeiten ihres Mannes (Waffenhändler, Mussolini-Vertrauter) verwoben ist, sind sehr interessant.

Richtig in Fahrt kommt Die einzige Frau im Raum, als Hedy in den USA ankommt und ihre Karriere als Schauspielerin fortsetzt. Die Erfahrungen, die sie macht, wirken einerseits wie ein anachronistisches Echo auf MeToo, andererseits entlarven sie die völlige Missachtung von Frauen ihres Formats außerhalb ihres Erscheinungsbildes. Das vorletzte Kapitel lässt wohl jeden Leser mit einer gewissen Fassungslosigkeit zurück.

Kritisch ist allerdings die Wahl der Perspektive, denn trotz der Ich-Erzählhaltung bleibt das Buch recht distanziert. Dagegen ist grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden, wenn eine passende Erzählform gewählt wird; so entsteht gerade im ersten Teil manchmal Eindruck einer formel- und phrasenhaften Oberflächlichkeit. Es ist eine Sache, die Hauptperson von sich behaupten zu lassen, sie wäre stark, eigenständig und klug, eine ganz andere, es zu zeigen – wie es im zweiten Teil auch geschieht.

Trotz dieses Mankos ist Die einzige Frau im Raum lesenswert, wann hat schon eine Film-Diva eine Hochleistungs-Waffentechnologie entwickelt und gleichzeitig die bornierte Engstirnigkeit einer von Männern dominierten Welt entlarvt?

[Rezensionsexemplar]

Marie Benedict: Die einzige Frau im Raum
Aus dem Englischen von Marieke Heimburger
KiWi-Paperback 2023
Paperback 304 Seiten
ISBN: 978-3-462-00492-2

Klaus Modick: Keyserlings Geheimnis

Klaus Modicks Künstlerroman widmet sich einem weitgehend vergessenen Schriftsteller inmitten einer längst untergegangenen Welt. Cover Kiepenheuer&Witch, Bild mit Canva erstellt.

Die Bücher Klaus Modicks haben mich noch nie enttäuscht. Auch Keyserlings Geheimnis ist keine Ausnahme, im Gegenteil: Es ist ein großes Lesevergnügen, die gemächliche, melancholische Erzählweise trägt durch die Geschichte um den heute völlig vergessenen Autor aus dem Baltikum. Die Sprache ist einer der Pluspunkte dieses kleinen, feinen Romans.

Graf Eduard von Keyserling trägt ein Geheimnis mit sich herum. Immer wieder schweifen seine Gedanken in die Vergangenheit, berichten von den großen und kleinen, unwiederbringlich verlorenen Liebschaften. Verletzungen schimmern durch und mehr noch der Bruch, den der Adelige gegenüber seiner Herkunft, seiner Familie und gesellschaftlichen Konventionen und Zwängen vollzogen hat.

In der erzählten Gegenwart ist Keyserling etablierter Schriftsteller, Teil der Künstler-Boheme, gut vernetzt mit berühmten Kreativen seiner Zeit. Ausgangspunkt seiner gedanklichen Streifzüge durch sein Leben ist das Haus am See seines Freundes Max Halbe, wo er mit einigen anderen eingeladen ist. Dort malt ihn Lovis Corinth, das Bild ist bekannter als sämtliche Schriften Keyserlings.

Der Grund liegt in Keyserlings Hässlichkeit, die ein zentrales Motiv während der Handlung ist. Sie setzt ihm zu, als junger Mann wie als Mittvierziger, der noch einmal vom Zauber junger Mädchenblüte umweht wird. Modick gelingt es, das alles ohne Larmoyanz und aufgesetzte Eigenmarginalisierung seiner Hauptfigur in Szene zu setzen; im Gegenteil: Ganz am Ende nämlich, wenn das durchaus bittere Geheimnis enthüllt ist, offenbart sich die Lebensstärke dieses Mannes.

Zu den wirklich schönen Dingen dieses Künstlerromans gehören die vielen Begegnungen, Gespräche und merkwürdig komischen Verhältnisse. Wenn Keyserling etwa mit Frank Wedekind in einen fundamentalen Streit gerät, und das Dichtergenie ihm die Freundschaft in alle Ewigkeit aufkündigt, weiß der Graf, dass diese Endlosigkeit schon nach wenigen Stunden vorüber sein wird.

Neben allem anderen ist der Roman auch ein Portrait der Zeit und gleich mehrerer untergegangener Welten. Wien mag es noch geben, die imperiale Hauptstadt ist heute ein üppig-prächtiges Echo dieser Vergangenheit, das Baltikum und seine deutschen Spuren haben sich dagegen so vollständig aufgelöst, dass man glauben könnte, es habe sie nie gegeben; gleiches gilt für den schriftstellernden Grafen Eduard von Keyserling.

Klaus Modick: Keyserlings Geheimnis
Kiepenheuer & Witsch 2019
Taschenbuch 240 Seiten
ISBN: 978-3-462-05335-7

Gwendolyn Sasse: Der Krieg gegen die Ukraine

Wer aus Bequemlichkeit den Begriff »Ukrainekrieg« verwendet, wird das nach der Lektüre dieses Buches infragestellen, wie vieles andere auch. Cover C.H.Beck, Bild mit Canva erstellt.

Der vollumfängliche Angriff Russlands ab dem 24. Februar 2022 gegen die Ukraine rückt erst mit Seite 98 dieses Buches in den Fokus. Damit berührt man schon einen wichtigen Punkt dieser Darstellung: Der Krieg lief bereits und trat da erst in seine dritte Phase ein. Die erste und zweite haben nach Einschätzung von Autorin Gwendolyn Sasse bereits im Jahr 2014 eingesetzt. Die Invasion mit Vernichtungsabsicht stellt also eine Eskalation dessen dar, was Russland schon seit Jahren praktizierte.

In ihrer sehr lesenswerten Schrift Der Krieg gegen die Ukraine klärt die Autorin sachlich, ausgewogen, wohlinformiert und fundiert über die Wurzeln dieses russländischen Kieges auf. Es mag umständlich erscheinen, auf den Begriff »Ukrainekrieg« zu verzichten, doch dafür gibt es gute Gründe: Das Wort ist ein Echo russländischer Propaganda, es assoziiert einen internen oder gar von der Ukraine ausgehenden Krieg, und verdeckt so die Wirklichkeit eines genozidalen Angriffs- und Vernichtungskrieges.

Sasse räumt en passant mit bei deutschen Sofapazifisten liebgewonnenen Unwahrheiten auf. Der unselige Sprachenstreit in der Ukraine wird durchleuchtet und schrumpft vom propagandistisch aufgeblasenen Scheinriesen zum Zwerg. In Deutschland mag es schwer nachvollziehbar sein, doch ist die sprachliche Realität in der Ukraine geprägt von einer »kontextabhängigen Bilingualität«. Manche sprechen tatsächlich nur die eine oder andere Sprache, andere wechseln zwischen Ukrainisch und Russisch abhängig davon, ob sie Zuhause oder anderswo sind; manchmal spricht eine Person Ukrainisch, die andere Russisch.

Ein Verständnisproblem besteht nur für begriffsstutzige und wirklichkeitsverschlichtende Deutsche. Schlimmer noch ist der Kurzschluss, ein Russisch sprechender Mensch sei auch pro-russisch eingestellt, was hanebüchener Nonsens ist. Die Identität ist nicht allein aus dem Sprachgebrauch abzuleiten – eine Binsenweisheit, die auch für Loyalität gilt. Ganz davon ab: Selbst wenn es gegenüber Kyjiw Vorbehalte oder Ablehnung gab, hieß das noch lange nicht, dass diejenigen automatisch für einen Anschluss an Russland wären.

Das Buch von Sasse räumt mit einer Reihe von Vorurteilen auf, auch was die vielbeschworene Nato-Ostererweiterung anbelangt. Das ist wohltuend in einer Welt, in der Medien auf Einschaltquoten schielen und handfeste Propagandisten in ihre Studios bitten. Überhaupt ist die Informationsdichte in dem kurzen Buch sehr hoch, es informiert über die Staatswerdung der Ukraine nach 1991, rückt absurde Formulierungen in rechte Licht. Die Krym war kein „Geschenk“ Chruschtschows an die Ukraine.

Naturgemäß ist das Ende des Krieges gegen die Ukraine offen. Trotzdem ist das Buch unbedingt lesenswert für alle, die sich noch einmal vor Augen führen wollen, was im Osten Europas gerade geschieht. Kriegszeiten sind immer auch Zeiten der Verunsicherung, doch da dieser Krieg eine lange Vorgeschichte hat und seit vielen Jahren auf niederschwelliger Ebene geführt wird, bietet die Lektüre auch eine Form der Sicherheit.

Besonders lobenswert ist, dass Sasse einen Ausblick auf die Folgen wagt. Monate nach der Niederschrift des Buches, als von einer umfangreichen Rückeroberung großer Gebiete durch die Ukrainer noch nicht die Rede sein konnte, geschweige denn von einer umfassenden Gegenoffensive, lesen sich die Punkte immer noch sehr stichhaltig und realitätsnah. Einige der Voraussagen haben sich mittlerweile bewahrheitet – ein weiteres Qualitätsmerkmal.

Gwendolyn Sasse: Der Krieg gegen die Ukraine
C.H.Beck 2022
Softcover 128 Seiten
978-3-406-79305-9

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