Schriftsteller - Buchblogger

Schlagwort: Kaperfahrer (Seite 4 von 5)

Auf heißen Kohlen

Ein dramatischer Beginn des zweiten Teils meiner Abenteuerreihe, dessen Handlung für den Leser Spannung bis zur letzten Seite bereithält.

So also geht es los mit dem zweiten Band meiner Abenteuerreihe um die »Piratenbrüder« Joshua und Jeremiah: hochdramatisch. Dabei ist Joshua nach seiner Irrfahrt endlich wohlbehalten in Boston bei seinem Onkel William eingetroffen; scheinbar sind die aberwitzigen Gefahren überwunden – wie man sieht, ein Irrtum.

Das ist keineswegs der einzige. Man kennt es: Wer eine lange Reise unternimmt, sich vielleicht Wochen und Monate in einer fremden Umgebung aufhält, kehrt verändert zurück. Joshua ist in Eine neue Welt von London nach Boston aufgebrochen, er befand sich ohnehin auf dem Weg in eine neue Welt.

Seine Rückkehr ist eher eine Ankunft in einer neuen Umgebung, aber manches ist schrecklich vertraut: Seine Gouvernante, Mrs. Norway, Majordomus Wilson, William – ein Teil seines alten Lebens ist mitgekommen und bestimmt noch immer über Joshuas.

Man kann sich vorstellen, dass die eigentlich ersehnte Ruhe, der Frieden und die Abwesenheit von Gefahr ihre Tücken haben. Die Abenteuer mit Jeremiah, ihre Freundschaft haben Joshua so verändert, dass er nicht mehr recht in die alte Welt passen will. Und er schleppt einen dicken Rucksack an Erinnerungen mit sich, die Schrecken der blutigen Gefechte auf dem Felsenhort und Castelduro bleiben ihm treu.

Zu allem Überfluss sitzt Joshua auf heißen Kohlen, denn er wartet auf Nachricht von seinen Freunden und ihrer Jagd auf John Black. Statt Ruhe und Komfort genießen zu können, ist Joshua wie zerrissen, denn er empfindet es als Zurücksetzung, nicht an der gefährlichen Verfolgung des Piraten teilnehmen zu können.

Wie genau das Abenteuer weitergeht, um wen es sich bei »Chatou« handelt und warum der zweite Teil der Abenteuerreihe diesen Namen als Titel trägt, wird hier natürlich nicht verraten. Das sollte man schon selbst lesen.

Lust auf einen Blick ins Buch? Leseprobe.

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Post – Korrekturen

Der vierte Teil meiner Abenteuerreihe um die »Piratenbrüder« ist auf zwei Zeitebenen erzählt – eine spielt zur Zeit der Wikinger. Die Korrekturen sind beendet, der Buchsatz steht an. Im März 2024 ist die Veröffentlichung geplant.

In wenigen Tagen geht das Manuskript zu Vinland in den Buchsatz. Die Korrekturen sind beendet, der Staub legt sich und gibt den Blick auf das Schlachtfeld frei. Wie immer begleiten widersprüchliche Gefühle diesen Moment. Erschöpfung. Erleichterung. Befürchtung (Angst? Nein, keine Angst). Freude. Unbehagen. Stolz. Leere.

Wer möchte da nicht gern schriftstellerisch tätig sein, wenn er so reich belohnt wird?

Ich kann nichts mehr ändern, ich will nichts mehr ändern. Die Arbeit der letzten Monate hallt wie ein Echo durch meinen Kopf, mit einer gewissen Fassungslosigkeit schaue ich auf das Manuskript vor dem Lektorat und auf jenes danach. Es ist kein Stein auf dem anderen geblieben.

Der Umfang ist kurioserweise fast gleich geblieben, fast vernachlässigenswert kürzer ist Vinland  geworden. Dabei war der erste Eindruck vor einigen Monaten, dass es zu viele Redundanzen, träge Passagen, Wiederholungen, überflüssige Kapitel ohne erzählenden Wert usw. gibt. Der Fokus würde auf dem Straffen, Kürzen, Streichen und Weglassen liegen, dachte ich.

Diesmal habe ich allerdings die Erfahrung gemacht, dass eine Erzählung länger werden und trotzdem kürzer wirken kann, weil sie kurzweiliger, straffer, zielgerichteter ist. Manche Dinge wirken redundant und langatmig, gerade weil sie nicht auserzählt sind. Eine sehr interessante Erfahrung, die ich tatsächlich gern schon im letzten Jahr gemacht hätte – reines Wegstreichen ist oft keine oder nur die schlechtere Option! 

Was mich wirklich freut, ist das Ende, denn daran habe ich wochenlang herumgewerkelt, bis mir tatsächlich etwas ganz Wunderbares eingefallen ist, das zudem die beiden Zeitebenen des Roman noch einmal miteinander verwoben hat. Es hat tatsächlich funktioniert, den Mittelband einer Heptalogie unter Piraten mit einer abenteuerlichen Geschichte der Wikingerzeit zu verknüpfen.

Was bleibt noch zu tun? Den Anfang noch einmal lesen, ein bisschen hier und da stöbern, vielleicht noch ein paar letzte, kosmetische Details. Und dann: Totenschiff Piratenbrüder Band 5.

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Auswandern: Höllentage auf See

Bloß nicht das Schiff verpassen, lautet das Motto der Auswanderer, dabei erwartet sie an Bord und vielfach auch in der Neun Welt nichts anderes als die Hölle. Blick ins Buch: Leseprobe.

Auswandern ist eine wild-romantische Sache? Im Film vielleicht. Die Realität sah ein wenig anders aus.

Anfang der 1730er Jahre macht der vierzehnjährige Joshua auf den Weg von London in die englischen Kolonien unliebsame Bekanntschaft mit der Realität. Aus wohlhabendem Hause stammend reist er mit seinem Onkel William in einer eigenen Kabine, die allerdings kaum Komfort bietet. Ein winziges, düsteres Loch mit Hängematten!

Doch das ist nichts verglichen mit dem, was er unter Deck zu sehen (und riechen) bekommt, dort, wo die Passagiere auf engstem Raum zusammengepfercht sind.

Ich habe für in Eine neue Welt, den Auftaktroman zu Piratenbrüder, ein wenig über das Thema recherchiert. Diese Auswanderfahrten müssen höllisch gewesen sein. Es gab sehr viele Tote während der Überfahrt, was im Grunde kein Wunder ist, allein wegen der hygienischen Zustände, von Stürmen, Piratenüberfällen, Mord und Totschlag gar nicht zu reden.

Erreichten die Auswanderer das rettende Ufer der Kolonien, blühte vielen jahrelanger Frondienst, um die Kosten für die Überfahrt zu bezahlen. Interessanterweise bin ich diesem Motiv vor einigen Jahrzehnten in dem Spielfilm Der letzte Mohikaner mit Daniel-Day-Lewis erstmals begegnet.

Da es sich bei Eine neue Welt um eine Abenteuerreihe und kein Sachbuch handelt, sind die Klage über die erbärmlichen Verhältnisse mit in die spannende Handlung eingeflossen: Einer der Passagiere sorgt für Unruhe an Bord, denn er bringt die Vorwürfe offen zur Sprache.

Dieser Konflikt verschärft sich drastisch, als die Sturmvogel arg zerrupft aus einem Unwetter hervorgeht und dann auch noch Schwarze Segel am Horizont erscheinen. Bei der Frage, Kämpfen oder Segelstreichen, steuern Besatzung und Passagiere auf eine Meuterei zu.

Obwohl das so genannte »Goldene Zeitalter der Piraterie« vorüber ist, sind die ruchlosesten noch auf den Meeren unterwegs. (Lust auf einen Blick ins Buch? Leseprobe)

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Keine Frage der Ehre: Kämpfen bis in den Tod?

»Wir kämpfen bis in den Tod!«

Alexander Preuße: Piratenbrüder – Eine neue Welt

Das Zitat entstammt dem ersten Band meiner Abenteuerreihe um Joshua und Jeremiah. Es ist ein dramatischer Moment, der sich über viele Seiten langsam zugespitzt hat und zu einer heftigen Auseinandersetzung um eine existenzielle Frage führt: Soll man kämpfen oder nicht?

Wie das Drama ausgeht, werde ich hier selbstverständlich verschweigen, es geht mir um etwas anderes.

Schreiben ist ein unbewusster Prozess. Die Gestaltung einer Szene plane ich nie voraus, ich verfolge kein Ziel, schon gar kein programmatisches, um irgendetwas darzulegen oder Leser von meiner Sichtweise zu überzeugen. Das heißt aber nicht, dass Textstellen so etwas enthalten können, im Gegenteil: Unbewusst kann viel Haltung, Meinung und Standpunkt einfließen.

Die Textstelle hat im Rahmen der Korrekturen eine Auseinandersetzung darüber ausgelöst, ob das Verhalten zweier Personen so überspitzt, übertrieben geschildert wird, dass sie lächerlich und unpassend wirken. Darüber war ich einigermaßen verblüfft, denn mir erschien deren Auftreten einfach folgerichtig.

Ich habe aber in einem zweiten Schritt verstanden, dass in dieser Textstelle etwas schlummert, was ich unbewusst hineingeschrieben habe. Die beiden Figuren stehen stellvertretend für eine korrumpierte Form dessen, was man militärische Ehre nennt. Die Textstelle bietet also einen unterschwelligen Hinweis auf meine Haltung dazu.

Korrumpierte Ehre

Am 27. Mai 1941 starben rund zweitausend deutsche Matrosen. Das Schlachtschiff Bismarck wurden von schweren Einheiten der britischen Flotte versenkt, von den Überlebenden konnten einige gerettet werden. Neben den britischen Schiffen nahmen auch ein deutsches U-Boot und ein Hochseetrawler Schiffbrüchige auf.

Der Kapitän des Schlachtschiffes Bismarck, Ernst Lindemann, starb ebenfalls an diesem Tag. Der Militärhistoriker Holger Afflerbach schreibt in einem Artikel der Viertelsjahreshefte für Zeitgeschichte, er habe militärisch salutiert, als er mit seinem Stahlkoloss in den Fluten des Atlantik versank.

Was für ein Bild! Der Kapitän eines Kriegsschiffs lässt selbiges in einer völlig aussichtslosen Situation kämpfend untergehen, reißt damit mehrere tausend Matrosen in den Tod und stirbt selbst in einer heroischen Pose, die auf Nachgeborene eher lächerlich wirkt. Ist ein solches Verhalten wirklich militärische Ehre oder ein spätpubertärer Fiebertraum?

Kämpfen ohne Alternative

Manchmal gibt es keine Alternative. Wenn das Strecken der Waffen einem Selbstmord gleichkommt oder die zu verteidigende Bevölkerung damit einem schrecklichen Schicksal ausgeliefert wird. Sicher – der Kampf geht verloren und damit ist das Schicksal unabwendbar, wenn nicht ein kleines Wunder geschieht; aber dennoch macht man es dem Gegner nicht leicht.

Der Aufstand des Warschauer Ghettos oder ein Jahr später von ganz Warschau gegen die Nazis wäre ein Beispiel. Ein anderes wäre die Verteidigung der Armenier auf dem Berg des Musa Dagh gegen die Türken, die ihnen nach dem Leben trachteten; ihnen kamen in letzter Minute alliierte Schiffe zur Hilfe und retteten die Hoffnungslosen, die den Genozid an ihren Landsleuten überlebten.

Tod trotz Alternative

Im Falle der Bismarck liegt die Sache anders. Hier war das Schicksal des Schiffes besiegelt und der Kapitän sowie seine Offiziere wussten das ganz genau. Sie hatten – anders als die Juden im Ghetto, die Polen in ihrer zertrümmerten Stadt oder die Armenier auf dem Musa Dagh – eine Alternative: Kapitulation.

Kapitän Lindemann hätte seine Männer dem Feind übergeben und vielleicht noch das Schiff versenken können. Wäre das ehrlos gewesen? Er selbst hätte ja an Bord bleiben können, um damit heroisch zu versinken.

Er hat sich anders entschieden. In meinen Augen ein Verbrechen. Nicht ganz untypisch für autoritäre und diktatorische Systeme, bzw. solche, die der Krieg peu á peu in diese Richtung abgleiten lässt. Die Faustregel lautet: Diktaturen scheren sich nicht um Menschenverluste, Demokratien können sich das nicht leisten.

Die beiden Figuren in meinem Roman sind ein Echo dieses aus meiner Sicht korrumpierten Ehrbegriffs. Das mag lächerlich wirken, übertrieben und vielleicht ein wenig unangenehm für den Leser – aber das ist auch gut so.

Verdeckter Krieg

Zu den spannendsten Erkenntnissen während meiner Recherche gehörte jene, dass in der Karibik über Jahre hinweg ein unerklärter Krieg zwischen den Großmächten schwelte. Kaperfahrten und Piraterie gehörte mit dazu.

Während meiner Recherche für meine Abenteuerreihe bin ich auf eine interessante Sichtweise gestoßen. Sinngemäß hieß es, dass in Europa zwar nach Beendigung des Spanischen Erfolgekrieges Frieden herrschte, in der Karibik jedoch fortlaufend militärische Auseinandersetzungen zwischen den Großmächten ausgetragen wurden. Kern dieser Aktivitäten waren Kaperfahrten, aber auch Schmuggel und Zollkontrollen.

Möglicherweise spielten die Sklavenaufstände auch eine Rolle, wenn ich auch keinen Beleg dafür gefunden habe. Für meine Romanreihe habe ich mir jedoch die Freiheit genommen, diese als Teil des unterschwelligen Krieges zu betrachten. Was läge näher, als über provozierte und heimlich unterstützte Aufstände den Gegner empfindlich zu treffen?

Verdeckter Krieg

Aus meiner Sicht war das alles nichts anderes als ein verdeckter Krieg, wie ihn Putins Russland seit vielen Jahren führt. Damals wie heute wird er auf verschiedenen Ebenen ausgetragen, in der Ukraine über Jahre hinweg durch einen als »Bürgerkrieg« zwischen angeblichen »Separatisten« und den Ukrainern verbrämten Angriff; die eingefrorenen, aber nicht gelösten Kriege in Georgien, Moldau, flankiert von destabilisierenden Maßnahmen gegenüber den westlichen Demokratien.

Der Vorzug des verdeckten Krieges liegt darin, dass man offiziell gar keinen Krieg führt. Wer die letzten Jahre Revue passieren lässt, wird unschwer feststellen, wie wirkungsvoll dieses Mittel ist. Politik geht ungern unbequeme Wege (Sanktionen, Waffenlieferungen etc.) und lässt sich allzu oft von den verheißungsvollen Honigtöpfen wie billigem Gas verlocken.

Offene Kriege sind ein ungeheures Risiko, weil sie unglaublich teuer sind, nicht leicht beendet werden können und am Ende zumindest auf wirtschaftlicher Ebene alle verlieren. Von der Verelendung der Bevölkerung durch Nebeneffekte (Teuerung, Seuchen, Verwundete, entlassene Soldaten) einmal ganz abgesehen. Außerdem kann man militärisch unterliegen.

Vorteile und Nachteile

Ganz anders der verdeckte Krieg, der nicht begonnen wird und gleichfalls nicht beendet werden muss. Außerdem unterhält er eine gewisse Kriegsinfrastruktur. Als in den 1720er Jahren ein kurzer Krieg zwischen England und Spanien aufflammte, viel kleiner und letztlich folgenloser als der große um die spanische Erbfolge, konnte in der Karibik rasch operiert werden, wenn auch ohne Fortune.

Ein Nachteil dieser Art der Kriegführung besteht darin, dass sich die Kämpfenden von der Leine lösen und ihren Kampf auf eigene Rechnung weiterführen. Damals waren die Grenzen zwischen Kaperfahrern, Piraten und Piratenjägern (!) fließend; die Folgen für die zivile Schifffahrt, auch des eigenen Landes, verheerend.

Prägend für die Abenteuerreihe

Alle genannten Aspekte spielen für meine Romanreihe eine zentrale Rolle. Meine Protagonisten, Joshua und Jeremiah, werden in eine Auseinandersetzung zweier ehemaliger Kaperfahrer hineingezogen, die jedoch eng mit dem globalen Machtkampf zwischen England und Spanien (und Frankreich) verknüpft ist.

Damit bot sich die Möglichkeit, die Romanreihe wachsen zu lassen. Während der Fokus in den ersten Teilen noch stark auf der persönlichen und individuellen Ebene liegt, erweitert sich dieser von Band zu Band und wird immer stärker mit dem verflochten, was das Zeitalter geprägt hat: Piraterie, Verdeckter Krieg, globaler Machtkampf, Sklaverei, Handel mit Genussmitteln (Zucker, Tabak, Kaffee).

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