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Schlagwort: Nachkriegsstille (Seite 2 von 3)

Andreas Fischer: Die Königin von Troisdorf

Autor Andreas Fischer ist ein ganz besonderes Buch gelungen, kein Roman im eigentlichen Sinne, aber ein großer Wurf aus meiner Sicht. Cover eschen4verlag, Bild mit Canva erstellt.

Vier Wochen brauchte es nur, um von »Heil unserem herrlichen Führer« zu »Es ist grauenhaft.« zu gelangen. Zwei Zitate aus Feldpostbriefen, jene Schreiben, die von den Soldaten der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges an ihre Lieben daheim geschrieben wurden. Günther heißt der Urheber, der Anfang Dezember 1941 voller begeisterter Erwartung endlich Richtung Ostfront in Marsch gesetzt wird, um dort von der Kriegsrealität blitzartig ernüchtert zu werden. Zwei Tage später ist er schon tot.

Diese beiden Schreiben finden sich in der Mitte des grandiosen Buches Die Königin von Troisdorf, sie bilden das Gravitationszentrum des gesamten Themas, das Andreas Fischer aufarbeitet. Er hat sein Werk als Roman bezeichnet, tatsächlich finden sich auch fiktionale, erzählende Passagen inmitten der vielfältigen Erinnerungsimpressionen und Dokumenten wie Briefen und Postkarten; Fotos spielen im Text eine besondere Rolle, abgebildet sind keine – das geniale Cover-Motiv bleibt solitär.

Fischer lässt seine Passagen munter durch die Zeit springen, er wählt einen nüchternen, sachlichen Rahmen, indem er jeden Abschnitt mit Jahreszahl beginnt, oft gefolgt von einer Ortsangabe und einem oder mehreren kleinen Sätzen. Bei den Dokumenten geht der Autor noch einen Schritt weiter, beschreibt Papier, Form, Poststempel, Briefmarke, Schrift und gibt weitere Erläuterungen zu dem, was folgt. Schreiben als Sezieren.

1961.
Troisdorf.
Ich bin einige Wochen alt.

Andreas Fischer: Die Königin von Troisdorf

Diese Form ist eine brillante Entscheidung. Sie distanziert das Geschilderte und verhindert, dass Inhalt und Thema in einem überemotionalen, gefühlstriefenden Morast versinken. Der Leser wird auch genug durchgerüttelt, denn was Andreas Fischer zu berichten hat, führt in ein finsteres Tal, das er als Kind durchschreiten musste. Die Verlierer des Verwüstungskrieges haben ihre Wut an der nächsten Generation ausgelassen; und der übernächsten – unmittelbar oder mittelbar.

Der Vater des Autors ist selbst Soldat gewesen, er hat im Gegensatz zu dem zitierten Günther und dem eigenen Bruder Herbert das große Schlachten überlebt, obwohl es ihn am Ende sogar noch in den Strudel der Ardennenoffensive gerissen hat. Die Person, die abends von der Arbeit ausgelaugt am Küchentisch sitzt, raucht und säuft, den alten Ideologien, Verschwörungserzählungen und Feindbildern treu geblieben ist, lässt sich kaum in Einklang bringen mit dem, was an anderer Stelle über ihn zu lesen ist: charmant, wissbegierig, sprachgewandt, freundlich, offen. Frauentyp.

Was hat diesen krassen Wandel bewirkt? Was diese unsäglich Ehe initiiert? Vater Reinhold verhält sich höchst befremdlich und wechselhaft gegenüber Andreas, Mutter und Großmutter, die er »Hindenburg und Ludendorff« oder »Kaltmamsellen« nennt, sind ihm gegenüber von einer gleichbleibenden Kälte. Ein ungeliebtes, verachtetes, unerwünschtes Kind, einer »von seiner Sorte« reiche, heißt es. Es wirkt keineswegs übertrieben, wenn Andreas glaubt, in ihren Augen wäre er ein »Drecksack« und seine (Un-)Taten wären «Verbrechen«.

Jeder Protest, jedes Aufbegehren verhallt.
Hindenburg und Ludendorff kennen keine Gnade.

Andreas Fischer: Die Königin von Troisdorf

Wie kann man in einer solchen Umgebung aufwachsen? Wie überleben? Eine weitere, große Stärke des Buches liegt darin, dass es – auch dank der Form – nicht in eine rauschhafte Abrechnung oder gar einen rasenden Amoklauf des erinnerten Schmerzes abgleitet, sondern den Lichtblicken Raum gibt. Andreas hat seine Tante Hilde, und – vom haltlosen Jähzorn abgesehen – durchaus auch seinen Onkel Bruno, der ihn zwar einmal fürchterlich verprügelt, aber im Grunde auch respektiert.

Es gibt in der Kälte durchaus wärmende Momente, auch sein Vater hat einige positive Erinnerungen hinterlassen. Das väterliche Meisterstück bestand darin, seinem fünfzehn Jahre alten Sohn den Auszug in eine Art Schutzraum zu gestatten – mit seiner Hilfe baut sich dieser den Dachstuhl in jenem Haus aus, in dem das familieneigene, gut laufende Fotoatelier untergebracht ist. Dort verbringt er seine Tage, irgendwann auch die Nächte und entzieht sich dem kontrollierenden Zugriff von Oma und Mutter.

Vater Reinhold hat Andreas’ »Testament« gefunden, eine achtseitige Abrechnung, verfasst anlässlich aufkeimender Suizid-Gedanken, und aus diesem alarmierenden Fund eine bemerkenswerte Schlussfolgerung gezogen. Sie steht in Kontrast zu jenem alltäglichen Wüten, zum Beispiel als der Sohn in der Schule mit den Abgründen des Vernichtungskrieges konfrontiert wird: Reinhold leugnet die Fakten rundherum ab, diffamiert sie als alliierte Propaganda und stellt eine rechtsextreme Verschwörungserzählung dagegen.

Andreas hat das große Glück, dass er an eine vernünftige Lehrerin gerät, die ihn zunächst den Unsinn vortragen lässt, ehe sie ihm ruhig widerspricht; eine Bibliothekarin, die ihn mit der nötigen Literatur über den Holocaust versorgt, sodass er sich selbst ein Bild machen kann; einen Geistlichen, der ihm eine Erklärung dafür liefert, warum sein Vater eine Lüge der Wahrheit vorzieht. Am Ende steht eine eigene Meinung, die im Gegensatz zu dem väterlichen Nonsens steht. So geschieht Bildung, gedeihen Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit, das Pendant zum emotionalen Rettungsanker.

Der Hass meiner Oma auf mich durchzieht das ganze Haus vom Keller bis zum Dach wie ein bestialischer Gestank, dessen Quelle nicht zu orten ist. Ich bin zu klein, um Überlegungen anzustellen, wo die Ursache liegen könnte. Der Gestand ist völlig normal, ganz selbstverständlich gehört er zu meiner Welt wie das Geschäft meiner Eltern, das weiße Schulgebäude und Vaters Schnapsflasche im Kühlschrank.

Andreas Fischer: Die Königin von Troisdorf

Die Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern sind gestört und im Grunde kaputt. Andreas Fischer stellt viele Fragen, ohne unbedingt eine Antwort zu geben oder auch nur zu versuchen. Was für ein Glück, denn so bleibt es dem Leser überlassen, selbst nach welchen zu suchen – oder auch nur zu lesen. Dankbarerweise verzichtet der Autor auch auf die Niederungen jeder Gut/Böse-Verschlichtung, die Widersprüche sind klar und bleiben unaufgelöst.

Dieses Buch ist auch ein ganz wunderbares Beispiel dafür, wie ein Inhalt seine passende Form gefunden hat. Man kann fast dankbar sein, dass der Autor keinen Verlag gefunden hat, der ihn möglicherweise genötigt hätte, seine Lese-Kost zu einem gefälligen, leicht verschlingbaren Literaturbrei zu pürieren; der Inhalt verlangt geradezu nach einer sperrigen Form. So ist Die Königin von Troisdorf ein großer, geradezu royaler Wurf.

Wer eine Zweitmeinung zu dem Roman einholen möchte, den verweise ich gern auf die sehr gelungene, ausführliche und etwas anders fokussierte Buchbesprechung auf dem generell empfehlenswerten Blog: Horatio-Bücher.

Andreas Fischer: Die Königin von Troisdorf
eschen 4 verlag 2022
Hardcover 473 Seiten
ISBN: 978-3-00070-369-0

Alexander Münninghoff: Der Stammhalter

Eine hochinteressante autofiktionale Erzählung aus den Niederlanden über eine Familie, die tief verstrickt ist in den zweiten Weltkrieg – teileweise auf deutscher Seite wohlgemerkt. Coverrechte beim Verlag, Bild mit Canva erstellt.

»Verhältnis« – ein wunderbares, vielschichtiges Wort. Es kann die Beziehung zwischen Menschen bezeichnen, im Plural dient es dazu, die allgemeinen Lebensumstände zu benennen, schließlich steckt noch das Verhalten darin, das mehr oder weniger dazu beiträgt, die Verhältnisse zu beeinflussen und umgekehrt. Außerdem wird es oft mit einer außerehelichen Liebschaft gleichgesetzt.

All das findet sich in diesem Buch von Alexander Münninghoff. Die Verhältnisse sind auf allen Ebenen verwickelt, verworren, atemberaubend wechselhaft und von der ersten bis zur letzten Seite spannend und vor allem dynamisch. Der Stammhalter hält den Leser bei der Stange, es ist ein Pageturner ohne Action, man kann sich nur schwer lösen.

»Schwarz und bedrohlich glänzend, auf der einen Seite ein schwarz-weiß-rotes Emblem und auf der anderen zwei grellweiße Blitze.«

Alexander Münninghoff: Der Stammhalter

Ich werde erst gar nicht den Versuch unternehmen, so etwas wie eine inhaltliche Zusammenfassung zu bieten – das bliebe in allen denkbaren Fällen unzulänglich.

Schwerpunkt und Kern ist der Zweite Weltkrieg, denn dieses epochale Gemetzel auf dem europäischen Kontinent hat für die Familie des Autors dramatische Folgen. Sie ist im Baltikum, in Riga ansässig, dort reich geworden und Teil der gehobenen Gesellschaft. Deutsche, Schweden und Niederländer bilden die wirtschaftliche (und politische) Elite, die Letten sind das Fußvolk – wenn man die gesellschaftlichen Verhältnisse stark vergröbert zeichnet.

Dank des Hitler-Stalin-Paktes geraten die baltischen Staaten unter den Einfluss der brutalen Sowjetmacht, die 1940 mit militärischen und polizeilichen Mitteln die Eigenstaatlichkeit der baltischen Länder beendet und jeden, der nicht in ihr politisch-ideologisches Konzept passt, tötet, inhaftiert oder verschleppt. Eine traumatische Erfahrung, bis in unsere Tage wirkt das Echo in den wieder selbstständigen Staaten nach.

Für die Familie des Autors geht die Katastrophe glimpflich aus. Der »Alte Herr« Joannes, also der Großvater von Alexander (Bully), ist weit über die Landesgrenzen hinaus bestens vernetzt, wodurch er drei Tage vor dem Angriff der Wehrmacht auf Polen davon aus Berlin erfährt. Da er auch von Hitlers und Stalins Teufelspakt weiß, kann er Schlimmeres verhindern und die Seinen sowie einen Teil des Vermögens in Sicherheit bringen. Die Niederlande, aus der er ursprünglich ausgewandert ist, wird zur neuen (alten) Heimat auserkoren.

Sehr zum Verdruss von Frans: Der Sohn von Joannes und Vater von Alexander hasst die Niederlande, in die ihn der »Alte Herr« mit brachialen Methoden hineinzwingen will. Das geht gründlich schief, Frans wendet sich Deutschland zu, tritt der Waffen-SS bei, nimmt am Feldzug im Osten teil, wird mehrfach verwundet und ausgezeichnet und überlebt, weil er trotz seiner tief empfundenen Kameradschaft und Treue im Herbst 1944 schließlich desertiert.

»Das wahre Gesicht des Krieges, wie es sich mir in der halbdunklen Diele vor der Treppe in Hans’ Elternhaus zeigte, macht kopflos.«

Alexander Münninghoff: Der Stammhalter

Sein Vater laviert zwischen den Fronten. Die SS-Mitgliedschaft seines Sohnes und dessen Kampf an der Ostfront nutzt er während der Besatzungszeit für gute Beziehungen zu den Deutschen, während er gleichzeitig mit dem britischen Geheimdienst und Widerständlern Kontakte unterhält, ja selbst tätig wird; das Geschäft läuft derweil trotz des Krieges weiter – nach dem Krieg nutzt er die schwarzuniformierte Vergangenheit Frans’, um diesen unter Druck zu setzen.

Damit ist nur eine von vielen, einander überlagernden, miteinander verwickelten und nicht enden wollenden Konfliktlinien in dieser Familie genannt, wenn auch eine wesentliche: Die Auseinandersetzung zwischen dem erfolgreichen und völlig skrupellosen bzw. gefühlskalt-egoistisch agierenden Tycoons und seinem Sohn um die gewünschte und passende Identität.

Während Frans durch seine Kollaboration in Schwierigkeiten gerät, wird Enkel Alexander zum Stammhalter erwählt und auf rabiate Weise in Position gebracht. Unnötig zu sagen, dass auch am Ende alles mehr oder weniger scheitert, die hochfliegenden Pläne zerschellen an den Verhältnissen im eingangs genannten Sinne. Es wird geliebt, gehasst, fremdgegangen, geprasst, in großer Not gelebt, geflohen, betrogen und intrigiert – ein turbulenter Strudel an Ereignissen, denen der Leser folgen darf.

»Bei uns wurde ein Deutsch der Höflichkeit und Sanftmut gesprochen, eine Sprache, von der man sich gut vorstellen kann, dass sie sich auch für tiefschürfende Gedanken und Poesie eignet, nicht nur für Kriegshetze und Propagandagedröhn. In meiner Erinnerung ist die deutsche Sprache, die auch meine erste war, ein zärtliches Säuseln, ein leises Flüstern, denn es kam ja aus dem Mund meiner Mutter.«

Alexander Münninghoff: Der Stammhalter

Münninghoff zeichnet auch das Bild einer untergegangenen Welt. Eigentlich müsste man Welten sagen, denn der Zweite Weltkrieg hat davon eine ganze Reihe in den Abgrund gestürzt, aus dem sie nie wieder hervorkommen werden. Neben vielem anderen unterscheidet auch das einen Familienroman wie Der Stammhalter von TV-Serien-Schund, denn wie vor 1939 die unwiederbringlichen, heute unvorstellbaren europäischen Verflechtungen aussahen, wird hier auf wunderbare Weise erlebbar. Außerdem gilt für beinahe alle und alles in diesem Buch: »Doch es wurde nichts mehr gut.«

[Rezensionsexemplar]

Alexander Münninghoff: Der Stammhalter
Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke
C.H. Beck-Verlag 2023
Taschenbuch 334 Seiten
ISBN: 978-3-406-79624-1

Stefan Hertmans: Der Aufgang

Eine großartige literarische Annäherung an den flämischen Kollaborateur Willem Verhulst und sein Leben. Ganz nebenbei mein erstes Buch eines in Belgien lebenden Autors. Cover Diogenes, Bild mit Canva erstellt.

Man stelle sich den Kauf eines Hauses vor, die Besichtigung in Gegenwart des Notars, dem das Anwesen gehört; während man von Raum zu Raum schreitet, werden die Erinnerungen an jene geschildert, die dort einmal gewohnt haben – eine Hitler-Büste auf dem Kaminsims? »Was für Leute haben denn hier gewohnt?« Die Frage beantwortet – Jahre später – ein Buch: ein Kollaborateur und Angehöriger der Waffen-SS.

So führt Autor Stefan Hertmans den Leser in seinen Roman Der Aufgang, um diesem Mann nachzuspüren: Willem Verhulst, eine schillernde Figur, in dem sich das Drama ganz Belgiens spiegelt. Früh auf einem Auge erblindet, was ihn zum Außenseiter macht, zugleich aber vor einem Fronteinsatz während des Ersten Weltkrieges bewahrt; in den Kriegsjahren beginnt seine Liaison mit Deutschland, die bis zum Ende seines Lebens im Jahr 1975 prägend sein wird.

Belgier, könnte ich schreiben, und hätte damit durchaus recht. Formal gesehen war Willem Verhulst Staatsbürger des kleinen Landes, das etwas arg zu kurz kommt, wenn die beiden großen Kriege verhandelt werden, mit denen Deutschland Europa überzogen hat. Frankreich, England, Russland, die Sowjetunion, die USA – aber Belgien? Oft kaum mehr als ein randständiges Durchmarschland in beiden Kriegen.

Schon im Ersten Weltkrieg machen sich Charakteristika des Zweiten bemerkbar: Zwangsarbeit, Gewalttaten gegenüber der Zivilbevölkerung, Kollaboration; und nach der Niederlage des Kaiserreiches Verfolgung und Flucht der Kollaborateure. Einer davon ist Willem Verhulst, der sich selbst eben nicht als Belgier, sondern als Flame sieht und auf ein großgermanisches Reich unter deutscher Führung hofft. Schon vor 1918, wohlgemerkt.

Immer seltener hält er mit seinen Sympathien für ein großgermanisches Reich unter deutscher Führung hinterm Berg.

Stefan Hertmans: Der Aufgang

Nach dem Krieg folgt die Flucht in die Niederlande mit seiner todkranken, verheirateten Geliebten Elsa;  dort lernt er Mientje kennen, die er nach dem Tod Elsas ehelicht und betrügt. Ein notorischer Fremdgänger, der jedoch nicht nur seine Liebschaften, sondern auch seine politischen Ansichten und Aktivitäten vor seiner Frau geheimzuhalten sucht.

Oft steht der Leser gemeinsam mit Mientje vor verschlossener Tür, hinter der widersprüchliche Dinge verhandelt werden. Mal ist es ein jüdisches Ehepaar, das um Hilfe bittet; Willem kennt offenkundig die Frau näher, man ahnt, warum. Mal sind es Wehrmachtsoffiziere, mit denen sich Willem beim Einmarsch der Wehrmacht bespricht, seine Reisen ins Reich, seine Kontakte, Sympathien.

Hertmans nutzt diesen Kniff, um Dinge, die er nicht wissen kann, offenzulassen. Wie Willems Frau braucht der Leser ohnehin keine Details, denn aus den Taten des Kollaborateurs lässt sich genug herauslesen. Mientje ist sein Widerpart, was die politischen Ansichten anbelangt; die kluge, religiöse, pazifistisch eingestellte Frau, die wissbegierig und offen ist, kämpft gegen alles an, was sie an Willems Kollaboration erinnert.

Zuhause untersagt sie ihm das Tragen der Uniform; wirft einen SS-Dolch, den Willem ihrem gemeinsamen Sohn schenkt, mit dem auf der Klinge eingravierten Schriftzug, »Meine Ehre heißt Treue«, in das benachbarte Gewässer; verbrennt deutsche Zeitungen; hält gegenüber allen uniformierten Gästen und dem mit einer Hitler-Büste geschmückten Salon Distanz und nennt diesen Raum treffend »Totenzimmer«. Ändern kann sie damit selbstverständlich wenig.

Diese unschuldige Formulierung ist nur ein dünnes Vlies, das kaum das rohe Fleisch darunter verdeckt.

Stefan Hertmans: Der Aufgang

Der Aufgang ist kein Roman im eigentlichen Sinne; er vereint fiktionale, berichtende, essayistische Elemente, angereichert mit Bildern ist er auch die Geschichte einer Spurensuche. Hertmans spricht mit den Angehörigen Willems, den Kindern, liest, was an Akten, Briefen, Tagebüchern und Büchern überliefert ist und reflektiert. Bemerkenswert ist, wie die Kindern bis ins hohe Alter Formulierungen verwenden, wenn es um die Karriere ihres Vaters geht, die seine (Un-)Taten verharmlosen.

Ab 1943 dreht der Wind. Willem ist Angriffen, Pöbleien, Spott und Drohungen ausgesetzt; zugleich steht er seitens der Deutschen unter massivem Druck, erleidet Nervenzusammenbrüche, schluckt Pervitin und ist noch diensteifriger. Trotz allem Engagements spürt er die Herablassung seitens der Besatzer, die in ihm und den Flamen letztlich doch nur zweitklassige »Westgermanen« sehen.

Ausgrenzung ist eine Wurzel für Willems Kollaboration, die Herablassung durch die französischsprechenden Bevölkerungsteile Belgiens, das Gefühl, »ein ›Neger‹ im eigenen Land« zu sein. Kurioserweise führte das zum Bruch mit dem Staat Belgien, während die bittere Erkenntnis, ein Flame sei »nie mehr als ein Ersatz- oder Westgermane« seine Loyalität gegenüber Deutschland nicht bricht.

Der Siegeszug stockte bald und die Hölle näherte sich unabwendbar.

Stefan Hertmans: Der Aufgang

Im September 1944 flieht Willem mit seiner Geliebten Griet Latomme nach Deutschland; Mientje bleibt in Gent, sie und die Kinder werden von »Widerständlern«, einer Rotte gewaltbereiter Männer, heimgesucht. Da der Kollaborateur in Deutschland weilt, ein Aufenthalt, über den Griet gespenstisch geschönte »Erinnerungen« überliefert, bekommen seine Familienangehörigen die aufgestaute Wut ab; Sohn Adri stirbt beinahe.

Was folgt – nun, Geschichte ist nicht gerecht; Gefängnis läutert nicht, sondern radikalisiert, und Menschen ändern sich nur dann, wenn sie einsichtig sind und es wirklich wollen.

Der Aufgang ist ein großartiges Buch, das die widersprüchliche Vielschichtigkeit der historischen Person und ihre Verflechtung mit der Lebenswirklichkeit auch durch die Struktur der Erzählung wiedergibt. Der Autor setzt sich mit der Person Willem Verhulst, aber auch mit der Spurensuche und auf beeindruckend offen-kritische Weise mit sich selbst auseinander. Am Ende bleibt aber – bei allem Verstehen – immer deutlich, wofür Verhulst sich hat einspannen lassen: ein menschenverachtendes Gewaltregime.

Ganz persönlich hat mir Der Aufgang auch deshalb so gut gefallen, weil ich wieder einige Antworten auf die Frage erhalten habe, warum Männer (und Frauen) in fremder Uniform kämpfen. Eine positive Rezension gibt es auch bei Buch-Haltung, die etwas anders akzentuiert ist und den Versuch einer Einordnung unternimmt.

[Rezensionsexemplar]

Stefan Hertmans: Der Aufgang
Aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm
Diogenes 2022
Hardcover, Leinen 480 Seiten
ISBN: 978-3-257-07188-7

Djaimilia Pereira De Almeida: Seebeben

Der Krieg schlägt einen langen Schatten und lässt auch nach dem letzten Schuss diejenigen nicht ruhen, die ihn mitgemacht haben. Cover Unionsverlag, Bild mit Canva erstellt.

Der Krieg kommt kaum vor und bestimmt doch alles in dem Roman Seebeben von Djaimilia Pereira De Almeida. Er hat die Hauptfigur namens Boa Morte – »Guter Tod« – in eine Randexistenz verwandelt, hat ihn schuldbeladen ausgespuckt und ans Ufer Portugals geworfen, wo er für den Rest seiner Tage ein geduldetes, wirtschaftlich und psychisch prekäres Leben führt.

Nur ganz wenige Sätze über den Krieg streut die Autorin ein, doch das reicht, um die Last der Schuldgefühle zu ermessen, deren Bewältigung aussichtslos erscheint. Der Kamerad, der durch Boas Feigheit stirbt, die unerträgliche Gewissheit, als Schwarzer andere Schwarze im Namen einer europäischen Macht getötet zu haben; die schiere Zahl der Toten, das durch die eigenen Hände vergossene Blut.

Doch seine Schuld reicht noch viel tiefer. Boa Morte hegte den Traum, Portugiese zu sein; seine Frau bezichtigte ihn, einem Irrtum aufzusitzen. Seine Reaktion besteht in Gewalt, was ihn später dazu bringt, in sich ein Raubtier zu vermuten, eine Hyäne. Er wähnt diese eingesperrt, doch da ist es längst zu spät. Seine Frau ist weg, seine Tochter Aurora auch.

Dein Problem ist, dass du dich auf einem Irrweg befindest, Boa Morte, du wirst nie Portugiese sein, die Weißen haben dich benutzt, so wie sie unsere Landsleute benutzt haben.

Djaimilia Pereira De Almeida: Seebeben

Seebeben handelt davon, wie Boa Morte versucht, trotz des Grauens in jenem Land zu überleben, zu dem er gehören wollte, aber – wie von seiner Frau vorhergesagt – nicht dazugehören kann. Es ist nicht nur die Hautfarbe, es ist nicht nur die Undankbarkeit des Staates gegenüber seinen ehemaligen Kombattanten, die nach dem – verlorenen – Krieg nur noch eine Last sind, wie alle Soldaten in allen Ländern nach allen verlorenen Kriegen.

Die Zerstörungen in seinem Innern, zu dem sich körperliche Gebrechen gesellen, lassen ihn gestaltlos werden. Als ihn das Schiff am Kai abgesetzt hatte, besaß er nur die wenigen Lumpen am Leib, die um einen zerrütteten Körper flatterten; erst durch das Schreiben von Briefen an seine Tochter Aurora glaubt Boa, wieder an Gestalt zu gewinnen, eine Person zu sein, zu leben.

Das Schreiben ist auch eine Flucht vor dem Schlaf, den ihm ein nicht abreißendes Band von Kriegsbildern zur Hölle werden lassen. Ein großer Teil des Romans wird aus der Ich-Perspektive erzählt, wenn Boa seiner Tochter aus seinem Leben berichtet, dabei oft Faden und Form verliert. Boas Schilderungen gehen in freie Assoziationen über, die bei aller Düsternis manchmal auch eine lichte Heiterkeit ausstrahlen.

Vielen Äußerungen merkt man die schiere Verzweiflung der Hauptfigur an, wenn diese etwa postuliert, Heimat wäre jenes Land, in dem ein Mann seinen Boden bestelle und für das er töten würde. Boa, der in einem Garten mit anderen Lebensmittel anbaut und dabei ein gewisses Glück erlebt, errichtet mit solchen Worten eine Schein-Heimat, die eben keine ist. Manchmal bricht die Sehnsucht nach seinem Herkunftsland durch, Angola, eine Maniok-Region; jene typischen Kindheitserinnerungen im Alter.

Meine Freundin wirkt wie eine Frau aus einem anderen Jahrhundert, die vergessen hat zu sterben.

Djaimilia Pereira De Almeida: Seebeben

Seine Gegenwart machen Jardel, eine ihm zugelaufene Flohschleuder, und seine »Freundin« Fatinha erträglich. Doch ist die junge Frau ganz ohne Krieg zerstört. Sie lebt auf der Straße, Alkohol hat ihren Geist und Körper zerrüttet und sie in einen Menschen verwandelt, der andere mit Ekel und Abscheu begegnen. Boa Morte kümmert sich; auch hier regiert die Tragik, denn seine Freundin lebt in einer anderen Welt.

Was mir an dem Roman besonders gut gefallen hat, ist die vielschichtige Gestaltung der Hauptfigur, ihre Selbstbeobachtungen. Neben den bereits geschilderten ist er sich darüber im Klaren, dass es keinen »Ex-Kombattanten« gibt, mit all jenen haarsträubenden Folgerungen, die sich aus dieser Erkenntnis ergeben. Trotz aller Aussichtslosigkeit beharrt er auf seinem Stolz; er fordert seine Tochter auf, »niemals, niemals, niemals Mitleid« mit ihrem Vater zu haben.

Seebeben ist ein kurzer, aber mächtiger Roman, der den Leser durchrüttelt und ihm noch einmal vor Augen führt, dass Kriege nicht enden, wenn die Waffen ruhen; für viele Teilnehmer wüten sie bis ans Lebensende und darüber hinaus, wenn die Schrecken an die nächste Generation vererbt werden.

[Rezensionsexemplar, daher Werbung]

Djaimilia Pereira de Almeida
aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita
Unionsverlag 2023
Gebunden 160 Seiten
ISBN 978-3-293-00595-2

Alexis Jenni: Die französische Kunst des Krieges

Der preisgekrönte Roman des Franzosen Alexis Jenni führt uns mitten hinein in den Indochina- und Algerienkrieg, zielt aber auf die Gegenwart Frankreichs. Bild mit Canva erstellt, Cover Luchterhand.

Nein, das ist kein Roman über den Krieg, auch wenn der Titel etwas anderes suggeriert. Alexis Jenni erzählt von der Gegenwart Frankreichs. Er legt tief in der Geschichte verborgene Wurzeln offen, die bis in die Zeit der Besatzung durch die deutsche Wehrmacht zurückreichen, und über den Indochina-Krieg und den Algerienkrieg jenes Unheil heraufbeschworen haben, das trotz aktiver Verdrängung nicht verschwunden ist und die Gegenwart prägt.

Koloniale Kriege sind rassistische Kriege. Rassismus spielt eine wichtige Rolle in dem Roman. Jenni nimmt eine sehr pointierte Haltung zur Kategorie Rasse ein, denn er sagt, dass Rasse nur existiere, wenn man davon spreche. Sie sei keine Naturgegebenheit. Viele Motive, die das gegenwärtige Leben und die politische Diskussion prägen, werden in Die französische Kunst des Krieges aufgegriffen und durchdekliniert. Polizeikontrollen etwa, die bei der Auswahl der Kontrollierten auf deren Aussehen zurückgreifen.

In Kolonialkriegen zählt man nicht die Toten der Gegner, denn sie sind weder Tote noch Gegner: Sie sind ein Geländehindernis, das man überwindet, wie spitze Steine, Mangrovenwurzeln oder Mücken. Man zählt sie nicht, weil sie nicht zählen.

Alexis Jenni: Die französische Kunst des Krieges

Durchdekliniert klingt trocken. Gemeint ist, dass Jenni sich herausnimmt, den Leser ins Detail zu verstricken. Den Schreibstil des Autors prägt eine beeindruckende Beobachtungsgabe, er seziert wie ein Wissenschaftler Dinge und rückt sie in ein neues Licht. Dabei geht er nicht gerade bürgerlich-rücksichtsvoll vor. Der Ich-Erzähler gehört in der bürgerlichen Sozialmoral zu den Versagern, Drückebergern, Arbeits- und Leistungsverweigerern.

In einem für mich sehr unangenehmen Kapitel stößt sich diese Person selbst aus dem wohlsituierten Gesellschaftskreis aus und beginnt einen Sinkflug in die untere soziale Schicht. Ein hübscher literarischer Kniff, denn nur durch das Verlassen der Blase beginnt das nötige Wahrnehmen. Auf seinem Weg kommt er in Kontakt mit einem ehemaligen französischen Offizier der Luftlandetruppen namens Victorien Salagnon. Dieser lehrt ihn die Kunst des Malens, im Gegenzug hört der  Ich-Erzähler die Geschichte des Soldatenlebens an, die Geschichte von zwanzig Jahren Krieg.

Zwanzig Jahre lang folgte ein Krieg auf den anderen, und jeder tilgte die Spuren des vorherigen, die Mörder des einen Krieges tauchten im folgenden unter.

Alexis Jenni: Die französische Kunst des Krieges

Die Französische Kunst des Krieges ist ein fesselnder Roman, der auch auf jene Leser ohne besondere Affinität zu (Kriegs-) Geschichte seinen Reiz ausübt, ihn wie ein Sog erfassen und mitreißen kann. Zumutungen sind Teil des Erzählens, wie jene Passagen, die entlang der Grenze zum Essay oder Bericht verfasst sind, emotionale, wütende Ausbrüche, aber auch detaillierte Beobachtungen und Verfremdungen, einige Male von atemberaubender Klarheit, manchmal auch verstörend.

Jenni hat seinen Roman als Wechselspiel inszeniert. Sieben Kapitel sind mit »Kommentar«, sechs mit  »Roman«  überschrieben. Dass an einer Stelle explizit auf Julius Caesars Commentarii de bello gallico verwiesen und dessen geniales Kommunikationsinstrument der literarischen Lüge, die er auf diese Weise in die Welt gesetzt hat, diskutiert wird, dürfte das kein Zufall sein. Der Autor will etwas mit seinem Werk, wenn auch das Gegenteil von dem, was Caesar (und de Gaulle) vorhatten: enthüllen statt bemänteln.

De Gaulle war der größte Lügner aller Zeiten, aber Romantiker sind nun einmal Lügner.

Alexis Jenni: Die französische Kunst des Krieges

Die sieben Kommentare widmen sich vor allem dem Leben und der Erfahrungswelt des Ich-Erzählers, seinen Eindrücken von der Gesellschaft und die Wahrnehmung und Einordnung der Ereignisse. Eine immer stärkere Rolle spielen Victorien Salagnon, seine Ehefrau, eine Algerien-Französin, und ehemalige Kriegskameraden, die den Krieg, die »koloniale Fäulnis« in die Gegenwart der französischen Republik getragen haben.

Die mit »Roman« überschriebenen Teile erzählen vom Werdegang Salagnons, beginnend im Spätherbst 1943, als Frankreich von der Wehrmacht besetzt war. Zwar wendet sich Salagnon auf Weisung seines Onkels der Resistance zu, doch wird deutlich, dass eine Kriegsteilnahme an deutscher Seite durchaus nicht ausgeschlossen war. Die glorifizierte Resistance umflort ein frostiges Zwielicht. Nicht ohne Grund ist dieser Onkel, der wie ein Gespenst immer wieder auftaucht, am bitteren Ende Teilnehmer des missglückten Staatsstreichs gegen de Gaulle.

Salagnon nimmt an den Kämpfen gegen die Deutschen teil, wie alle Kriegsszenen in dem Roman sind sie von einer eigentümlichen Intensität bei gleichzeitiger Nüchternheit und Distanz geprägt. Heroisch ist wenig bis gar nichts an den Schilderungen, weder 1944/45 noch später, in Indochina oder Algerien. Konservativen Geistern dürften sich die Haare sträuben, Linken die Fußnägel krümmen, denn Jenni verlegt sich nicht auf dumpfbackiges Verteufeln; er seziert, diskutiert und lässt dem Leser Raum zum denken. 

Wir bemühten uns, in den heutigen Problemen die gestrigen zu sehen und sie so zu lösen, wie wir sie damals vergeblich zu lösen versucht haben.

Alexis Jenni: Die französische Kunst des Krieges

In einer für mich ganz besonders einprägsamen Szene trifft Salagnon auf einen deutschen Offizier. Zwei Meter trennen sie, und doch eine ganz Welt, denn zwischen ihnen ist Stacheldraht gespannt. Es handelt sich um eine Art prophetischen Stabwechsel zwischen der untergehenden Wehrmacht und den Franzosen – eine Vorausdeutung auf das Unheil, das naht. Das Trennende erweist sich als Augenwischerei.

Frankreich, 1940 in demütigender Weise besiegt, schlüpft wieder in die Rolle der Sieger- und Ordnungsmacht und führt zwei hoffnungslose, brutale, menschenverachtende Kriege in seinem Kolonialreich. Die Deutschen sind zumindest in Indochina mit von der Partie, im Rahmen der Fremdenlegion. Jenni räumt ihnen in seinem Roman etwas Raum ein, bedeutsamen, denn die im Vernichtungskrieg erlernten Terror-Taktiken kommen wieder zur Anwendung – und werden von den Franzosen adaptiert. Der Stabwechsel in der Praxis.

Nicht nur die Techniken, sondern auch die Einteilung der Menschen nach  Rassen, eine Kategorisierung, an der sich der Autor durch seine Personen über die gesamte Handlung hinweg abarbeitet. Der Rassismus ist die wichtigste Quelle von dem, was Jennis Protagonist die »koloniale Fäulnis« nennt, die wie Gülle in das politisch-soziale Erdreich des modernen Frankreich eingesickert ist und es zu vergiften droht.

An einer Stelle fragt der Ich-Erzähler Victorien Salagnon entsetzt, was denn schlimmer sein könne, als Folter. Dieser antwortet, die Menschen in »wir« und »sie« zu unterteilen. Das ist – aus meiner Sicht – eine konsequente Absage an identitäres Denken jeglicher Couleur, das immer damit verbunden ist, anderen eine Identität zuzuschreiben; meist Hand ind Hand mit der Reduktion auf eine (erfundene) Identität.

Die Rasse ist ein Furz der Gesellschaft.

Alexis Jenni: Die französische Kunst des Krieges

Die französische Kunst des Krieges ist ein Fingerzeig, ohne pädagogischen Imperativ, der in weiser Lehrermanier Lösungen bietet. So etwas haben Jennis Figuren nämlich nicht, auch nicht der Ich-Erzähler, dem im Laufe der Erzählung peu á peu die Augen geöffnet werden, der beginnt, sich Zusammenhänge des Begreifens zu konstruieren und seine eigenen, durchaus pointierten und radikalen Vorstellungen entwickelt.  Am Ende findet er sein kleines Glück im Privaten.

Ganz nebenbei ist der Roman auch ein Antikriegsroman, der wie kaum ein anderer deutlich macht, dass Kriege weit über die Waffenruhe hinaus nachwirken. Wie Alexis Jenni es ausdrückt: »Die Stille nach dem Krieg ist immer noch Krieg.«

Alexis Jenni: Die französische Kunst des Krieges
aus dem Französischen von Uli Wittmann
Luchterhand 2012
Hardcover 768 Seiten
ISBN: 978-3442747702

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