Schriftsteller - Buchblogger

Kategorie: Schreiben (Seite 1 von 7)

Sol Stein: Über das Schreiben

Die Lektüre war insgesamt gewinnbringend, allerdings muss man eine Menge aushalten. Der Autor kommt mit überbordendem Selbstbewusstsein daher, das dem Inhalt nicht gerecht werden will. Cover Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Als Autor über das Buch eines „Meisterlektors“ kritisch zu urteilen, hat etwas Anmaßendes. Das gilt insbesondere, wenn der Autor nur ein armer Selbstveröffentlicher ist, dem es nicht vergönnt war, einen Verlag für seine Manuskripte zu finden. Für „Meisterlektor“ Sol Stein ist das aber eines der wesentlichen Kriterien des Erfolgs, der (Verkaufs-)Erfolg ist der alleinige Leitstern seiner Arbeit. Schreiben, um möglichst vielen Lesern zu gefallen, sie mit „Spannung“ zu fesseln, ist wenig überraschend der Rote Faden durch sein Buch. Gefälligkeitsliteratur soll es sein.

Entsprechend sind die Textbeispiele von Stein ausgewählt, denen gemeinsam ist, dass sie oft von erschütternder Schlichtheit sind. Amerikanische Massenware, jene aufgeblasen wirkende, narzisstisch um sich selbst drehende Art des Erzählens, die oft konstruiert wirkt, künstlich. Dieses Urteil erlaube ich mir durch den Vergleich zu den Textbeispielen, die Michael Maar für sein vorzügliches Buch Die Schlange im Wolfspelz ausgewählt hat. Das Niveau der Textstellen ist dort fast immer großartig, bei Stein selten. Der „Meisterlektor“ greift auch auf seine eigenen Werke als Textfundus zurück, was bisweilen peinlich wirkt. Maar verzichtet zum Glück darauf; ebenso auf „Tipps“.

Sol Steins Selbstbewusstsein touchiert nicht selten die Grenze zur Hybris. Der Eindruck drängt sich auf, hier meine jemand, den Schlüssel für die Kunst des Schreibens tatsächlich in den Händen zu halten. Der Autor tritt oft belehrend wie ein weiser Schulmeister auf. Seine Ratschläge an den »unerfahrenen Autor« lesen sich oft wie Moses’ in Stein gemeißelte Gebote, die befolgt werden müssen. Doch gilt für Schreibtipps wie für Börsentipps: Man sollte ihnen niemals blind folgen. Zum einen gibt es von berufener Seite andere Ansichten zu diversen Punkten. James Wood vertritt in Die Kunst des Erzählens die Haltung, dass Figuren nicht zwangsweise »Tiefe« haben müssen.

Wer Über das Schreiben aufmerksam liest, findet immer wieder Fragwürdiges. Ein Beispiel, das sich mit dem Thema »Zeigen statt Erzählen« befasst, soll das verdeutlichen. Die Auslegung der Textstelle finde ich nicht recht nachvollziehbar.

Hinter dem Polarkreis ist die Farbe der Kälte Blau. Aber in der Tiefe der arktischen Gewässer ist die Farbe der Kälte Schwarz.

Sol Stein: Über das Schreiben

Stein sieht in diesen beiden Zeilen einen tollen Romanbeginn, dem ich nur zustimmen kann. Auch kann ich den Eindruck des Geheimnisvollen nachempfinden, fühle aber auch etwas Bedrohliches in dem Buchbeginn. Was ich nicht verstehe, ist Sol Steins Begründung dafür, wie diese Stelle funktioniert.

Wir sehen das Wasser vor uns. Und der Farbwechsel hat etwas Geheimnisvolles.

Sol Stein: Über das Schreiben

Welches Wasser? Im ersten Satz ist gar nicht von Wasser die Rede, im zweiten nur mittelbar, denn das Wasser ist in der Tiefe so wenig schwarz wie das an der Oberfläche. In beiden Sätzen geht es um das Licht und eine Empfindung (Kälte), also um etwas, das man nicht sehen kann. Die Empfindung soll verdeutlicht werden durch die bildhafte Übertragung auf die Farbe des Lichtes bzw. dessen Abwesenheit in der Tiefe der See. Man kann das Wasser in der absoluten Dunkelheit gar nicht sehen, es kann nicht »gezeigt« werden; es wird erzählt/behauptet. Der scharfe Kontrast zwischen beiden (Licht-)Welten erzeugt den Eindruck des Geheimnisvollen, sogar Bedrohlichen, denn Licht ist die Voraussetzung für Leben; seine Abwesenheit deutet auf den Tod hin.

Als Über das Schreiben 1995 erschien, war von KI noch nicht die Rede. Bei der Lektüre dreißig Jahre später drängt sich die Frage auf, ob Algorithmen, die entlang der Wahrscheinlichkeiten kalkulieren, die Anweisungen Steins nicht viel besser, also leserbefriedigender und erfolgreicher erfüllen können, als jeder Mensch. Aber wer ist eigentlich mit »Leser« gemeint? Mit Literatur im Sinne meines Leseinteresses – denn das bin ich ja auch: ein Leser – hat das alles nichts zu tun. Auch Sol Steins Unterstellungen, was »Leser« allgemein mögen oder nicht, sind im Wortsinne erstaunlich eingeschränkt. Man ist auf sehr schmaler Spur unterwegs in Sol Steins Lese-Welt.

Die meisten Bücher, die ich im Leben gelesen habe, wären in Steins Lektoren-Welt gar nicht erschienen. Das liegt auch daran, dass der „Meisterlektor“ eine Inhaltsorientierung von Autoren als problematisch betrachtet. Für ihn zählt weniger, was der Autor zu erzählen hat, sondern was sein »Leser« konsumieren will. Das allein ist kurios genug, vor allem aber sind fast alle Textbeispiele zu Steins „Handwerk“ in ihrer Wirkung auf den Leser abhängig vom Kontext. Den aber bestimmt oft genug insbesondere der Inhalt. Wenig überraschend würde sich die Wirkung fast aller Textbeispiele in Über das Schreiben abhängig vom Inhalt verändern, was den Gehalt der Aussagen Steins abschwächt.

Aber auch jene Aspekte, die ich kritisch sehe, regen zum Nachdenken an. Das hat bekanntlich noch niemandem geschadet und so habe ich das Buch mit Gewinn gelesen.  Als Leser und Blogger kann ich nun treffender beschreiben, was mich an Büchern (us-amerikanischer Autoren) stört; jüngste Beispiel wären Blue Skies von T.C. Boyle oder Das große Spiel von Richard Powers, aber auch Lincoln Highway von Amor Towels.

Für meine eigene Arbeit als Autor bietet Über das Schreiben Anregungen zum Nachdenken bei der Überarbeitung des Manuskriptes. Anregend ist etwa der Abschnitt über Rückblenden und die Vermeidung von gehäuftem Plusquamperfekt. Anregend ist auch die Drehbuch-Methode der Actors-Studios. Steins zutreffende Ansichten zu Liebesszenen sind (avant la lettre) vernichtend für jede Form von Romance-Büchern. In einem Punkt, der für das Schreiben von elemtarer Bedeutung ist, kann man Sol Stein unumwunden zustimmen:

Am Widerwillen, das einmal Geschriebene zu überarbeiten, erkennt man im allgemeinen den Amateur.

Sol Stein: Über das Schreiben

Sol Stein: Über das Schreiben
Autorenhaus Verlag 2015
Hardcover 464 Seiten
ISBN: 9-783-8-66711266

Erwünschte Störenfriede

Unregelmäßig werde ich über meine Arbeit am historischen Roman Sessrumnir berichten. Der schließt inhaltlich an den Wikinger-Teil von Vinland – Piratenbrüder Band 4 an, ist aber eigenständig erzählt. Man muss also die Ereignisse aus Vinland nicht kennen, um Sessrumnir zu lesen.

Noch ist die Arbeit an Opfergang – Piratenbrüder Band 7, nicht ganz beendet, zwei Wochen vor dem Buchsatz stehen letzte Korrekturen auf dem Plan. Doch befasse ich mich mehr und mehr mit dem nächsten Roman, dem ich den Arbeitstitel Sessrumnir gegeben habe. Der spielt um die erste Jahrtausendwende nach Christi Geburt und erzählt die Geschichte von Eillir und den Wikingern nach dem Untergang von Vinland.  

Zunächst gilt es, die historischen Kulissen für die Bühne zu schaffen, auf der die rein fiktionalen und historischen Figuren ihr Spiel aufführen. Recherchelektüre und Versuche, das Material zu sortieren und strukturieren, stehen daher gerade im Fokus meiner Arbeit an Sessrumnir. Wie gewohnt funken kreative Ideen dazwischen. Diese Störungen sind erwünscht, sie gehören zum Schreibprozess dazu; im Grunde genommen sind sie Teil vom Schreibprozess.

Das Schreiben am Roman beginnt, indem ich mir während der Recherche immer wieder Dinge erzählend ausmale: Assoziationen, Bilder, Szenen drängeln sich in die Gedanken und unterbrechen den Lesefluss. Meist reichen ein paar Stichworte auf einem Klebezettel oder in einem Notizbuch, um diese Störenfriede wieder aus dem Kopf zu bekommen;  manchmal versuche ich, aus ihnen ein Stück Romantext zu schreiben.

So gibt es tatsächlich schon einige Fragmente zu Sessrumnir. Vor Wochen habe ich das erste Kapitel geschrieben, ein düsterer Einstieg in die Handlung. Jetzt kenne ich den historischen Moment, in dem meine fiktiven Personen auf die Bühne mit ihren Kulissen treten werden. Ein dramatischer Augenblick, in dem ein Kampf um eine Krone auf Messers Schneide steht. Zu diesem Punkt lässt sich vom ersten Kapitel erfreulicherweise ein Erzählfaden spinnen.

Die fiktionalen Personen von Sessrumnir waren zum Teil schon in Vinland – Piratenbrüder Band 4 aktiv, daher könnte ich bereits mit dem Schreiben der Rohversion anfangen. Gewöhnlich beginne ich einen Satz, ohne zu wissen, wie er endet. Das gilt auch für Absätze, Abschnitte, Kapitel und selbstverständlich für die gesamte Romanhandlung. Es ist für mich also kein Hindernis, keinen Plot oder gar eine ausgearbeitete Romanstruktur zu haben. Die Dinge ergeben sich beim Schreiben.

Es könnte also losgehen. Doch möchte ich noch etwas mehr Abstand zu meinen Piratenbrüdern gewinnen. Wenn das Manuskript von Opfergang – Piratenbrüder Band 7 für den Buchsatz versendet ist, wird es soweit sein und das neue Abenteuer kann beginnen.

Neue Lektüre: Über das Schreiben und Lesen

Mit Schreibratgebern weiß ich nicht viel anzufangen, sofern sie sich auf die Techniken, das viel beschworene »Handwerk« oder gar irgendwelche obskuren Erfolgsaussichten am Buchmarkt beziehen. Derartige Schreib- und Erfolgstipps findet man auf Instagram zuhauf, sie gehen meist Hand in Hand mit dem Wort »Regel«. Nach »Regeln« zu schreiben ist aber wie Malen nach Zahlen.

Ratschläge anderer Art nehme ich gern an. So habe ich Hilary Mantel den Hinweis auf Dorothea Brande zu verdanken, die vor rund einhundert Jahren ein Buch mit dem Titel Becoming a Writer (deutsch Schriftsteller werden) verfasst hat. Auch da gibt es Vorschläge, aber mit einem etwas anderen Charakter. Im Gegensatz zu gängigen Schreibratgebern schlagen solche Bücher einen sehr langen Weg vor, bei dem man eben nicht Regeln und Tipps befolgt.

Lesen – Lesen – Lesen – Nachdenken

Brande rät, man solle Bücher lesen und jene Titel mehrfach wiederlesen, deren Schreibweise einem gefällt, um zu erforschen, was die Autoren eigentlich machen bzw. womit sie erreichen, dass es uns als Leser gefällt. Im Gegensatz zu Regeln, die befolgt werden, sollen die Mittel des Autors keinesfalls kopiert werden. Der Nachwuchsautor soll sich vielmehr darum bemühen, auf der Basis des Gelesenen eine eigene Schreib-Weise zu finden. Brande legt den Fokus auf das Individuelle, nicht auf das Kopierbare. Das liegt quer zum Trend, der mit dem Aufkommen von KI verstärkt wird, denn die kann bestenfalls Malen nach Zahlen.

Ohne umfangreiche Lektüre (bzw. Filme) geht es nicht. Das zeigt auch Anatomy of Story von John Truby, aus dem ich bereits viel Wissenswertes schöpfen konnte. Ohne Kenntnis der dort genannten Bücher und Filme hätte das Gesagte nicht in dem Maße weiterhelfen können, wie es in meinem Fall gewesen ist. Aber auch bei Truby habe ich nicht als Quelle von Tipps und Regeln zum Befolgen oder nachmachen gelesen.

Mehrere Jahre habe ich zum Beispiel darüber nachgedacht, ob es für meine Buchserie Piratenbrüder sinnvoll sein könnte, dem Antagonisten eine Stimme zu geben, um sein Weltbild zu erklären, wie Truby anregt. John Black alias Eisenkralle bekommt in Opfergang – Piratenbrüder Band 7 tatsächlich die Möglichkeit, sich zu äußern, nachdem er wie ein schwarzer Schatten durch sechs Bücher geisterte.

Drei neue Bücher zum Thema Schreiben

Nun also drei weitere Bücher, die sich mit dem Thema Schreiben und (untrennbar damit verbunden) Lesen befassen. Die Briefe an einen jungen Schriftsteller von Mario Vargas Llosa sind für mich vor allem wegen ihrer Fremdheit von großem Wert. Mit gängigen Unterscheidungen, wie zwischen personaler und auktorialer Erzählhaltung, bricht Vargas Llosa, dabei wird gerade um die »Einhaltung« der Perspektive in manchen Kreisen ein immenses Gewese gemacht.

Anders liegt die Sache bei Martin Maar und seiner Schlange im Wolfspelz. Der Titel mit seiner schrägen Metapher wird im Buch auch erklärt, wie so viele andere Besonderheiten, Glanzstücke und Schattenplätze der Literatur. Maar schreibt ausgezeichnet und ist oft richtig witzig. Dabei verhält es sich wie mit »Spuren von Nüssen« in Nahrungsmitteln – das kann zu allergischen Reaktionen führen.

Daniel Kehlmann ist mir als Autor hervorragender Romane (Tyll, Lichtspiel) bekannt, außerdem hat er ein sehr lesenswertes Buch über Leo Perutz geschrieben. Für Die Kunst des Erzählens von James Wood hat Kehlmann das Vorwort verfasst, was mehr als eine Buchempfehlung ist.

Wie alle anderen genannten Bücher wird auch Wood den Nachteil haben, meine Leseliste zu verlängern. Moby Dick steht schon im Regal, Don Quichote in den Startlöchern, außerdem wären da noch die Briefe von Rahel Varnhagen und so viele mehr, dass sich dieser Text mal eben verdoppeln und verdreifachen würde. Belasse ich es also bei den Beispielen.

Was die Lektüre dieser Bücher so besonders macht: Ich lese nicht allein, kann mich jeden Tag darüber austauschen. Die Schlange im Wolfspelz wird abends vorgelesen (anstrengend!), die Briefe an einen jungen Schriftsteller haben wir Brief für Brief abwechselnd gelesen und besprochen. Parallel läuft die Arbeit am Lektorat von Opfergang – Piratenbrüder Band 7, natürlich beeinflusst das Eine das Andere.

Auferstehung – Schreibjahr 2024

Hinter mir liegt ein wechselvolles Schreibjahr, dessen einzige Konstante die Unzuverlässigkeit aller Annahmen war. Zwei Bücher habe ich veröffentlicht, mehrere tausend Leser gefunden und einige Kuriositäten erlebt. Über allem liegt der dunkle Schatten des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, der mir eine Menge Aufmerksamkeit raubt.

Jahresrückblicken wohnt immer etwas Beliebiges inne. Ereignisse, Veränderungen, Entwicklungen halten sich oft nicht an die Datumsgrenze. Sie hat letztlich außer der kalendarischen keine Bedeutung, auch wenn sie vom Einzelnen immer wieder gern aufgewertet wird. So sind die berühmt-berüchtigten Pläne für das »neue« Jahr allzu oft heiße Luft, die in der Januarkälte verfliegt.

Manchmal aber passt es. Vor einem Jahr bildete die Jahresgrenze etwa die Mitte einer tiefschwarzen »Stunde«: Zwischen Mitte Dezember 2023 und Mitte Januar 2024 habe ich faktisch keine Bücher verkauft. Bei Kindle Unlimited herrschte mehr als zwei Wochen Totenstille, bei den eBook-Verkäufen noch länger Flaute, wenn man von drei gekauften Exemplaren am ersten Tag des Jahres 2024 einmal absieht.

Ein Desaster, das mir Anfang Januar 2024 tatsächlich zum ersten und einzigen Mal einen Moment grundlegenden Zweifels bescherte. Sollte ich es nicht lassen? Es meint das Schreiben und Veröffentlichen in eigener Regie. Diesem rabenschwarzen Tiefpunkt folgte eine Art Auferstehung.

Seit August 2023 habe ich fünf Bücher veröffentlicht. Rückblickend eine recht atemlose, wilde, wechselvolle und bisweilen auch schmerzliche Zeit. Vorallem lehrreich war sie, sehr lehrreich.

Aus der Asche zum Größenwahn und ein Stück zurück

Fünf Monate später herrschte bei mir eine milde Form das Größenwahns. Wochenlang war die Entwicklung der Buchverkäufe wie ein täglich wiederkehrendes Weihnachten. Im schönen Avignon malte ich mir aus: Würde es so weitergehen, dann wäre es der Durchbruch … unnötig zu sagen, dass es selbstverständlich nicht »so weiterging«. Alles normalisierte sich wieder auf einem guten Niveau.

Bis Anfang 2024 hatte ich einige tausend Euro in meine Bücher investiert, nach einem Fehlstart einen zweiten Anlauf mit neuem Cover, Titel und einem Lektorat, das den Namen auch verdiente, gewagt. Die Auftaktbände meiner Piratenbrüder erschienen innerhalb weniger Monate, die Reaktion darauf war mau. Preisaktionen, Werbung auf SoMe, das »Weihnachtsgeschäft«, Blogbeiträge – alles für die Katz.

Noch hatte ich nicht gelernt, dass ausnahmslos alles, was bei anderen Autoren funktioniert, nicht bei mir funktionieren muss. Es kann funktionieren, zu einem bestimmten Zeitpunkt, dann aber auch wieder aufhören, Wirkung zu zeigen. Alles, was ich von anderen erfahren habe, hat sich in meinem Fall als – nun, ja – »falsch« herausgestellt. Was ich gelernt habe, steht unter Vorbehalt – es kann schon morgen nicht mehr funktionieren. Verlässlich ist nur, dass ich mich auf nichts verlassen kann.

Ein Meilenstein: 5.000 eBooks haben Leser gefunden. Zum Jahresende sind noch noch erheblich mehr geworden, obwohl im November und Dezember das Interesse zurückging – um NACH Weihnachten wieder zu steigen. Ich muss das nicht verstehen. Wie so vieles andere …

Kurioses

Ein paar Dinge sind besonders kurios. Die Auferstehung kam buchstäblich aus dem Nichts, denn ich habe nichts geändert. Woher plötzlich die Sichtbarkeit kam und aus welcher Quelle das aufkeimende Interesse herrührt – ich habe keine Ahnung. Ausschließen lässt sich immerhin mein Auftritt in den Sozialen Medien. Selbst wenn jeder, der meine Beiträge etwa auf Instagram beherzt hat, zum Buchkäufer geworden wäre, würde das nur einen Bruchteil der verkauften Bücher erklären.

Noch rätselhafter ist mir, wer eigentlich meine Piratenbrüder liest. Die Buchserie richtet sich an Leser ab zwölf bzw. dreizehn (ab Band 3) / vierzehn (ab Band 4). Ob Jugendliche überhaupt zu den Büchern greifen und – wenn ja – auch dabeibleiben? Gibt es nur Leser oder auch Leserinnen? Fragen, die ich nicht beantworten kann. Einen Hinweis könnte die Rubrik bei Amazon geben, die jene Bücher zeigt, die sich Käufer meiner Piratenbrüder zugelegt haben. Das Ergebnis verblüfft – und passt somit ganz vorzüglich ins Bild.

Über mangelnde Rückmeldungen in Form von Sternchen kann ich mich nicht beklagen, mehr als jeder Fünfte Leser lässt auf Amazon Sterne zurück. Ja, es ist nur eine Plattform, aber die entscheidende, denn meine eBooks gibt es dort exklusiv (wegen Kindle Unlimited). Auf jedes Printexemplar kamen bislang rund zwanzig verkaufte bzw. bei Kindle Unlimited gelesene Bücher. Taschenbücher sind bei mir bislang eine Randerscheinung, die eBooks zählen.

Natürlich gab es neben erfreulich vielen sehr guten auch eine Reihe von schlechten Bewertungen, ebenso natürlich stellt sich die Frage nach dem Warum. Hier und da klagen andere Autoren in Social-Media-Postings über Trollbewertungen. Die Verlockung, ein und zwei Sterne-Bewertungen auf Trolle zurückzuführen, ist unbestreitbar da. Allerdings weiß ich sehr gut, dass meine Piratenbrüder nicht jedem gefallen können, auch weil es sich nicht um Gefälligkeits-Literatur handelt.

Trotzdem gibt es tatsächlich Trolle. Ein »Leser« hat einige erfolgreiche Romane in der Rubrik »Historische Romane für Jugendliche« bei Amazon mit ein und zwei Sternen sowie austauschbaren Kurzbemerkungen versehen. Einen einzigen Roman aber mit einem recht langen Text und fünf Sternen bewertet. Kann Zufall sein, für mich riecht das nach Trollen.

Das gilt auch für jene ein/zwei Sternchen, die unmittelbar nach Erscheinen eines Buches verteilt werden; dann, wenn es den Schnitt noch richtig drückt. Und nach Postings in den Sozialen Medien, wenn ich mir erlaube, auf Erfolge hinzuweisen – etwa den Meilenstein von einer Million gelesener Seiten bei Kindle Unlimited. Vielleicht war das natürlich auch nur ein merkwürdiger Zufall.

Das ging fix. Eine Million gelesener Seiten bei Kindle Unlimited ist schon ein Meilenstein gewesen, den ich gern öffentlich verkündet habe. Weitere Bekundungen dieser Art werde ich mir auf den SoMe-Plattformen vermutlich schenken. Bald werden es zwei Millionen sein, doch wem von meinen Followern nützt diese Information?

Aber natürlich weiß ich, dass Leser meine Bücher nicht mögen, auch meine Schätzchen, das vierte, Vinland, und fünfte Buch, Totenschiff; und das ist auch gut so.

Schreiben 2024 – Ausblick 2025

Es klingt ein wenig vermessen und larmoyant, aber der russländische Krieg gegen die Ukraine lag mir auch im abgelaufenen Jahr auf der Seele. Es fällt mir schwer, ihn aus meinen Gedanken zu drängen, also beschäftige ich mich immer wieder damit. Ich lese Bücher von Ukrainern oder über die Ukraine, setze mich mit ihnen auseinander und stelle sie auf meinem Blog vor. Nur so finde ich Ruhe, wie ich zuletzt bei Andrej Kurkows Im täglichen Krieg gemerkt habe.

Trotz aller Ablenkung war 2024 ein produktives Jahr. Zwei Romane – Vinland und Totenschiff – habe ich veröffentlichen können. Vor einem Jahr war die Schlacht um Vinland geschlagen, die Vorbereitung auf das Lektorat von Totenschiff lief bereits. Im Sommer habe ich Eine neue Welt, Chatou und Doppelspiel eine Frischzellenkur verpasst, überarbeitet und korrigiert gibt es das Auftakttrio meiner Piratenbrüder nun in einer zweiten Auflage. Der nächste Band, Verräter, ist weit fortgeschritten.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Jahr 2024, zugleich möchte ich 2025 noch einiges besser machen. Die Buchserie um die Piratenbrüder steuert auf ihr Ende zu, nach Verräter steht der Opfergang an. Das große Finale der Abenteuer von Joshua und Jeremiah wird den Schlussstein für eine jahrelanges Projekt setzten. Die Versuchung, eine zweite Reihe mit den älter gewordenen Abenteurern zu schreiben, ist groß – es gäbe noch so viel zu erzählen. In diesem Fall werde ich mich nicht an Oscar Wildes Ratschlag halten und der Versuchung nicht nachgeben.

Ein Sequel aus der weiteren Welt der Piratenbrüder wird es allerdings geben. Die Geschichte der Wikinger um Eillir, Stígandr und Ryldr ist in Vinland bis zu dem Punkt erzählt worden, der für die Piratenbrüder wichtig war. Doch was danach geschah, ist noch unerzählt. Da tatsächlich jeder Leser im persönlichen Gespräch geäußert hat, erfahren zu wollen, was mit den Nordmannen passiert, gibt es gute Gründe für einen eigenständigen Roman. Mit den Vorbereitungen habe ich bereits begonnen, 2025 will ich für das Projekt mit dem Arbeitstitel Sessrumnir recherchieren und vielleicht schon mit dem Schreiben beginnen.

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Piratenbrüder – Spin-off-Sequel

Der Weg Eillirs und des Wikinger-Fürsten Stígandr wurde in Vinland – Piratenbrüder Band 4 soweit erzählt, wie es für die Geschichte um die Piratenbrüder Joshua und Jeremiah wichtig war. Was danach geschah, bleibt einem eigenständigen Roman vorbehalten, einem Sequel der Piratenbrüder-Serie.

Vinland – Piratenbrüder Band 4 hat ein offenes Ende. Im Rahmen einer Buchserie ist das wenig verwunderlich, Joshua und Jeremiah werden in drei weiteren Büchern Abenteuer zu bestehen haben. Was ist aber mit den Wikingern um Stígandr, Rydr und Eillir, deren Geschichte parallel auf einer zweiten Zeitebene erzählt wird? Auch hier kommt die Erzählung zu einem Ende, das eine Fortsetzung offensichtlich nahelegt.

Die große Fahrt Stígandrs nach Westen ist beendet. Alles, was für die Handlung der Piratenbrüder wichtig ist, wurde erzählt. Der Leser weiß, woher diese ominöse Karte stammt, die Erik zu Beginn von Vinland als Wegweiser zu einem geheimnisvollen Schatz präsentiert hat. Der Leser weiß auch, ob es den Schatz wirklich gibt und – wenn ja – was er enthält. Wie es danach weitergeht mit der Geschichte, bleibt offen. Eine große Leerstelle tut sich auf, die gefüllt werden möchte.

Stígandr hegt große Pläne, Ryldr will ihm dabei zur Seite stehen und aus persönlichen Gründen Rache nehmen, während Eillir gar keine andere Wahl hat, als die beiden zu begleiten. Gern wüsste man auch, welches Schicksal den starken Frauen Werengis und Aldis beschieden ist; wie Agda sich in ihrem neuen Leben zurechtfindet. Und dann ist da noch Berengar von Werra, der Tyske aus dem Reich der Ostfranken. Schließlich umgibt Eillirs Herkunft noch ein dichter Nebel.

Die Leser möchten wissen, wie es weitergeht. Mehrfach bin ich ermuntert worden, die Geschichte um Eillir weiterzuerzählen. Zum Glück habe ich das schon beim Schreiben von Vinland erwogen. Kaum war die erste, grobe Version getippt, habe ich mir Gedanken über eine Fortschreibung der Geschichte um »meine« Wikinger gemacht. Ich habe recherchiert und eine Skizze mit wichtigen Figuren und Konfliktlinien eines Historischen Romans erstellt.

Vielleicht hat mancher Leser auch erwartet, ich würde im fünften Teil der Piratenbrüder-Serie wieder auf zwei Zeitebenen schreiben. Möglicherweise sind sogar einige enttäuscht darüber, dass es jetzt »nur« mit den Piratenbrüdern weitergeht. Alles andere wäre jedoch keine gute Idee gewesen. Vinland hat das erzählt, was beide Zeiten miteinander verbindet; danach gehen beide Geschichten eigene Wege. Die Berührungspunkte, die es zwischen Piraten und Wikingern historisch gegeben hat, sind auserzählt.

Der Roman hat ein offenes Ende, was das Schicksal der Wikinger um Eillir, Stígandr und Ryldr anbelangt. Von Anfang an hatte ich die Idee, die Geschichte in einem eigenständigen Roman zu erzählen. Das ist mein nächstes Roman-Projekt.

Was Stígandr, Eillir und Ryldr erwartet, würde auch den Erzählrahmen völlig sprengen. In Vinland habe ich schon einige Themen und Motive angedeutet, die eine Rolle spielen werden. Da wären etwa die Kriege in den nordischen Ländern um die Macht, aber auch der Kampf um die Krone in England. Sven Gabelbart (was für ein toller Name!) hat sich dem Ziel verschrieben, König zu werden. Wie das historisch endete und was danach folgte, kann man auf Wikipedia kurz nachlesen.

Meine Wikinger erwartet jedenfalls ein Hexenkessel, so viel sei an dieser Stelle verraten. Das soll und muss mit einem eigenen Roman gewürdigt werden.

Nach Beendigung des letzten Romans um die Piratenbrüder werde ich mich zunächst um diesen Wikinger-Roman kümmern und danach der epischen High-Fantasy-Serie widmen. Da in der Fantasy-Welt auch eine Art »Nordmänner« ihr Unwesen treibt, ist die Recherche für den Wikinger-Roman gleich ein wenig Vorgriff auf das Fantasy-Abenteuer.

Der Wikinger-Roman wird weniger Jugendbuch sein als die Piratenbrüder, allerdings werde ich weiterhin Zurückhaltung üben, wenn es um Schlachten, Kämpfe und Sex geht. Die brutale Grausamkeit der Zeit will ich selbstverständlich nicht verschweigen, aber das geht auch ohne explizite oder blutrünstige Schilderungen. Wer so etwas will, wird anderswo fündig.

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