Alexander Preuße

Schriftsteller - Buchblogger

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Neue Lektüre: Fremde, ferne Welt

Bücherregal mit einer Auswahl an historischen und literarischen Büchern. Im Vordergrund steht das Buch ‚Viking Britain‘ von Thomas Williams, umgeben von weiteren Werken zu Geschichte, Kultur und Literatur.
Schon nach der Lektüre der ersten beiden Kapitel ist klar: Das ist ein gutes Buch. Viking Britain ist Teil meines Lesevorhabens 12für2026. Coverrechte beim Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Die Arbeit am letzten Band meiner Piratenbrüder-Buchreihe liegt in den letzten Zügen, seit Wochen bin ich parallel dazu mit dem nächsten Roman beschäftigt. Der führt mich und die Leser in die Welt der Wikinger, weshalb ich weiter fleißig Bücher über das Sujet lese. Nach einem eher gruseligen Buch über König Knut den Großen von W.B. Bartlett nun ein neues, das sich gezielt mit den britischen Inseln während der Wikinger-Zeit befasst.

Was für eine Wohltat, ein Buch auf so gutem Niveau zu lesen! Thomas Williams hat seinem Viking Britain auch eine interessante Struktur gegeben, in dem er erzählerische Motive einfließen lässt. Das ist keineswegs nur ein Versuch, den Leser an die Zeit heranzuführen, im Gegenteil: Die trennenden, fremden Momente werden so deutlich. Die Welt der Wikinger war voll von mythischen Wesen, Toren in andere Welten, Monstern, Göttern und Vorzeichen.

Für mein Romanprojekt ist das eine Ermahnung. Nicht etwa, Anachronismen zu vermeiden. Das ist unmöglich. Es geht darum, Anachronismen so zu gestalten, dass der moderne Leser einen Zugang findet.  Er soll die Fremdheit der damaligen Welt, so sie für mich erkennbar ist, durchaus spüren, ohne dass die Motive der Personen unverständlich werden. Ein Beispiel ist die Schrift: Wie soll ein Leser (!) im dritten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends nachvollziehen, wie das Leben von Analphabeten in einer Welt fast ohne Schrift aussah? Analphabeten waren beinahe alle, vom Bettler bis zum König. Auch wenn Smartphones eifrig daran mitwirken, den Abgrund zu verringern, ist er riesig und unüberbrückbar.

Manchmal helfen Leerstellen, die wie leere Räume mit zwei Türen sind: von der einen Seite tritt der moderne Leser ein, von der anderen die historische Figur. Wenn im Roman von einer »Karte« die Rede ist, versteht die historische Figur etwas grundsätzlich anderes darunter als der moderne Leser. Dort eine Karte mit Jerusalem als Mittelpunkt von Asien, Europa und Afrika; oder ein Portolan, ein Verzeichnis von Häfen, ohne geographische Genauigkeit; hier eine moderne Karte oder vielleicht eine ältere, historische, aber mit erkennbar modernen Umrissen und geographischen Gegebenheiten.

Im Wikinger-Teil von Vinland – Piratenbrüder Band 4, an den der neue Roman inhaltlich anschließt, habe ich meine Hauptfigur Eillir Valdasson entsprechend gestaltet: Alphabetisiert, mehrsprachig, ein Kartenzeichner, Chronist, Berater eines Jarls, später Königs. Er muss wie alle anderen Personen des Buches vor allem handeln und darf nicht den Leser belehren. Ein Roman ist keine Schulstunde, sondern eine Erzählung inmitten von historischen Kulissen. Niemand hält einen Leser davon ab, hinter diese Kulissen zu schauen, das ist sogar höchst löblich. Wer das möchte, greife etwa zu …

Viking Britain von Thomas Williams

Die wahre Geschichte der Wikinger von Neil Price

Walküren von Johanna Katrin Friðriksdóttir

Das Jahr 1000 von Valerie Hansen

Spielregeln der Politik im Mittelalter von Gert Althoff

Reisen im Mittelalter von Norbert Ohler

Zeitalter des Nordens von Andreas Winroth

Die Wikinger: Entdecker und Eroberer von Staecker / Toplack

Philip K. Dick: Blade Runner

„Buchcover von ‚Blade Runner‘, einem dystopischen Roman von Philip K. Dick, mit einem markanten Auge und futuristischem Design auf dem Cover.“
Oft im Kino gesehen und nun zum zweiten Mal gelesen: Philip K. Dicks Dystopie. Coverrechte beim Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Vor mehreren Jahrzehnten habe ich erstmals den dystopischen Science-Fiction Blade Runner von Ridley Scott gesehen. Ein paar Jahre später griff ich zur Buchvorlage aus der Feder von Philip K. Dick, die den originalen Buchtitel hinter dem des Films verbarg. Wen wundert es: Schon Scotts Werk brauchte einige Zeit, um zum Kultfilm zu werden. Mittlerweile dürfen die Zuschauer sogar die ungeschönte, unkommentierte und am Ende auch nicht verschnulzte Version sehen. Aber mit dem originalen Buchtitel wäre der Film wohl zum Flop geworden.

Ich gehe mal davon aus, dass Leser dieser Zeiten den Film und seine Handlung kennen. Dann wird sie der originale Buchtitel sicher auch irritieren: Träumen Androiden von elektrischen Schafen? klingt nicht nach der Filmhandlung. Tatsächlich geht das Buch weit über den Blade Runner hinaus. Die Hauptfigur, Rick Deckard, ist zwar auch Kopfgeldjäger, der entflohene Androiden aufspürt und tötet, doch steht im Buch das im Mittelpunkt, was im Film nur angedeutet wird: Die Grenzen zwischen Androide und Mensch sind fließend, die Methoden, um jemanden der einen oder anderen Seite zuzuordnen, sind umstritten.

Was gehört zum Leben? Die Firma, die Androiden erschafft, versucht diese, immer menschlicher zu gestalten. Dieser Prozess ist so weit fortgeschritten, dass komplizierte (und zweifelhafte) Tests nötig sind, um die beiden »Spezies« auseinanderzuhalten. Grenzüberschreitungen, etwa durch sexuelle Kontakte zwischen Mensch und Androide, sind trotz Verboten an der Tagesordnung und führen bei Kopfgeldjägern zu Schwierigkeiten, ihren Job auszuführen.

Ohnehin sind diese keineswegs so coole Einzelgänger, wie im Film. Deckard ist verheiratet, seine Motivation ist der Kauf eines echten, spricht lebenden Tieres. Er muss bislang mit einem künstlichen vorlieb nehmen. Die dystopische Welt nach einer atomaren Katastrophe ist der Grund für dieses seltsam anmutende Motiv, aber das Leben hat in der von giftigem Staub umwallten, sonnenlosen Welt, die weitgehend leer ist, einen hohen Stellenwert.

Philip K. Dicks Parallelwelt ist übrigens auch eine Absage an monströse Träume, die Erde zu verlassen, um auf anderen Planeten zu siedeln. Die Siedler in Blade Runner wollen wieder zur Erde zurück, trotz allem; die Androiden wollen das auch, sie fliehen und nehmen dabei inkauf, Menschen zu töten. Die fehlende Empathie im Verhalten der Androiden ist zugleich eine weiterer Warnung – vor dem allzu blinden Vertrauen in die Segnungen durch Künstliche Intelligenz. Die kann nur nachahmen und nachgeahmt führt zu Verheerungen.

Der Roman ist auf eine nicht actionlastige, tiefgehende Weise spannend und absolut lesenswert. Ein schönes Detail: fliegende Autos in einer zerstörten Welt. Wer denkt da nicht an die Gegenwart.

Philip K. Dick: Blade Runner
Fischer TO
RTaschenbuch 272 Seiten
ISBN: 9783596297702

Neue Lektüre: Erzählungen und epischer Roman

Feinsinnige Erzählungen und ein ausladender Roman – meine aktuelle Lektüre. Die Rechte für die Cover liegen beim Verlag, die Bilder wurden mit Canva erstellt.

Meine aktuelle Lektüre könnte inhaltlich und formal kaum unterschiedlicher sein. Hier die feinen Erzählungen von Undine Gruenter, sämtlich im Hafenort Trouville in der Normandie angesiedelt ; dort ein überbordend-epischer Roman, erzählt in einer ungewöhnlichen Erzählhaltung und weit schweifenden Zeit-, Raum- und Themensprüngen von Mircea Cărtărescu.

Auf Undine Gruenter bin ich durch Michael Maars Die Schlange im Wolfspelz aufmerksam geworden, tatsächlich spürt man vom ersten Satz an die literarische Qualität, die stilistisch zurückgenommen, präzise und leicht daherkommt. Gruenter lässt ihre Figuren durch ihr Agieren und ihre Gedanken vor den Augen des Lesers erstehen, statt einfach zu beschreiben.

Ganz anders Cărtărescu, dessen Text wie eine Steinlawine über den Leser hereinbricht. Allein der Tonfall! Halb donnernde Bergpredigt, halb Barden-Gesang, in Zeit und Raum wild springende Handlung, durchmischt mit mystischen, sagenhaften Motiven. Gleichzeitig ist die Schilderung harsch, ohne den zeitüblichen Hang zur Weichzeichnerei.

Theodoros ist die erste Lektüre meines Lesevorhabens 12 für 2026.

Neue Lektüre: China & Geogeschichte

Zwei Sachbücher mit zwei sehr unterschiedlichen Themen. Die Rechte am Coverbild liegen beim Verlag, die Bilder wurden mit Canva erstellt.

China greift nach der Weltmacht. Ein Satz, wie man ihn in dieser Deutlichkeit nicht allzu oft hört. Ob ihn die Autorin Lea Sahay in ihrem Buch Das Ende des chinesischen Traums verwendet, weiß ich noch nicht, denn mit meiner Lektüre stehe ich noch ganz am Anfang. Aber Titel und Untertitel geben die Marschroute der Darstellung vor und die ist kritisch. Glücklicherweise, denn bedauerlicherweise wird hierzulande auch gern geträumt, man gewinnt gelegentlich den Eindruck, China wird mit putzigen Panda-Bären gleichgesetzt.

Dabei wächst dort im Osten ein Raubtier heran, das sich anschickt, die Welt zu beherrschen. Ulrich Speck vertritt diese Meinung in seinem Buch Der Wille zur Weltmacht, auch Marcus Keupp findet in Spurwechsel klare Worte über die Bestrebungen Chinas. Dazu reicht eigentlich ein Blick auf das militärisch aggressive Gebaren des Landes, sein harscher Umgang mit westlichen Unternehmen und die offene Unterstützung des Vernichtungskrieges Russlands gegen die Ukraine.

Trotzdem wird hierzulande China ernsthaft als Vermittler ins Spiel gebracht, was eher Ausdruck verzweifelter Ohnmachtsgefühle gegenüber andauerndem Krieg und Donald Trump denn außenpolitischer Realismus zu sein scheint. Wie gefährlich das Leben in Ji Xinpings neuem China sein kann, liest man bei Sahay bereits ganz am Anfang. In einer Diktatur entscheidet das Regime über Leben und Tod, die Beherrschten müssen es dulden.

Bei meinem zweiten Sachbuch hat schon der Titel mein Interesse geweckt: Geogeschichte. Wie schon sein Atlas Die Geschichte der Welt* widmet sich der Autor Christian Grataloup den ganz großen Entwicklungslinien, diesmal allerdings weniger auf die politische Geschichte bezogen, als auf die Einflüsse von Geographie auf die Geschichte des Menschen und umgekehrt.

Das klingt immens spannend, zumal der Leser zu Beginn weit in die Geschichte zurückgeht, nämlich zu den Ursprüngen der Menschheit. Es sind – wie Michael Maar völlig zurecht festgestellt hat – die Details, die haften bleiben. Der Meeresspiegel lag während der letzten Eiszeit einhundertzwanzig Meter unter dem heutigen Niveau, entsprechend gab es Landbrücken, die heute überflutet sind.

Das war eine Voraussetzung für die Expansion menschlichen Lebens, das seinen Ursprung in Afrika hatte und von dort buchstäblich in alle Welt ausschwärmte. Auch hier gibt es Karten, allerdings nur recht wenige, die erläuternd zu dem umfangreichen Fließtext sind.

*Ich bedanke mich beim Verlag C.H. Beck für das Rezensionsexemplar

Lesevorhaben 12 für 2026

"Stapel von Büchern in einem Regal mit verschiedenen Titeln und Autoren. Von oben nach unten sind folgende Bücher zu sehen: 
'Rifleman' von Victor Gregg mit Rick Stroud, 
'Karte und Gebiet' von Michel Houellebecq, 
'Viking Britain' von Thomas Williams, 
'Atom' von Steffen Kopetzky, 
´Austerlitz´ von W.G. Sebald, 
'Noli me Tangere' von José Rizal, 
'Theodoros' von Mircea Cărtărescu, 
'Melitta von Stauffenberg' von Thomas Medicus, 
'Die Kinder der Schande' von Jean-Paul Picaper und Ludwig Norz, 
'Nicht ungeschoren davongekommen' von Ebba D. Drolshagen, 
'Geschichte der Völkerwanderung' von Mischa Meier. 
Im Hintergrund sind weitere Bücherregale mit einer Vielzahl von Büchern zu sehen.
Sechs Romane und sechs Sachbücher bilden das Dutzend, das ich in diesem Jahr lesen möchte. Wie man sieht, habe ich sie bereits alle angeschafft, die Bücher gehören zum berüchtigten SUB, einer Art literarischer Speckgürtel, den man nur durch äußerste Disziplin verkleinern kann.

Wieder haben ich mir ein Dutzend ungelesene Bücher aus meinen Regalen herausgesucht, die ich in diesem Jahr lesen möchte. Wieder sind es sechs Romane und sechs Sachbücher. Thematisch liegt bei den Sachbüchern ein Fokus auf dem Zweiten Weltkrieg, dem sich vier Bücher zuordnen lassen; die beiden anderen befassen sich mit der Spätantike und der Wikinger-Zeit in England.

Bei den Romanen ist der Zweite Weltkrieg einmal vertreten, zwei Klassiker sind dabei, ein Prix-Goncourt-Gewinner, außerdem ein international hochgelobtes Buch aus dem Jahr 2001. Schließlich eine Neuerscheinung des vergangenen Jahres, dessen Autor als europäische Antwort auf den magischen Realismus südamerikanischer Autoren gelobt wird.

Zwei Bücher habe ich bereits begonnen. Meiers umfassende Darstellung der Völkerwanderungszeit gehörte zu meinen 12für2025, es war das einzige Buch aus der Liste, das ich nicht unterbringen konnte. Das zweite ist Theodoros, das unter dem Weihnachtsbaum lag.

Zwölf Bücher liegen ausgebreitet auf einer hellen Oberfläche. Von links oben nach rechts unten sind folgende Titel zu sehen: 'Noli me tangere' von José Rizal, 'Moby Dick' von Herman Melville, 'Nicht ungeschoren davongekommen' von Ebba D. Drolshagen, 'Theodoros' von Mircea Cărtărescu, 'Karte und Gebiet' von Michel Houellebecq, 'Melitta von Stauffenberg' von Thomas Medicus, 'Geschichte der Völkerwanderung' von Mischa Meier, 'Austerlitz' von W.G. Sebald, 'Rifleman' von Victor Gregg mit Rick Stroud, 'Atom' von Steffen Kopetzky, 'Die Kinder der Schande' von Jean-Paul Picaper und Ludwig Norz, und 'Viking Britain' von Thomas Williams.

Victor Gregg (mit Rick Stroud): Rifleman
Ein britischer Soldat im Zweiten Weltkrieg, erlebt unter anderem das Inferno von Dresden 1945.

Michel Houellebecq: Karte und Gebiet
Gewinner des Prix Goncourt im Jahr 2010.

Thomas Williams: Viking Britain
Teil meiner Recherche-Lektüre für mein aktuelles Romanprojekt Sessrumnir.

Steffen Kopetzky: Atom
Auch die Deutschen werkelten an einer Atombombe.

W.G. Sebald: Austerlitz
Hochgelobt und international bekannter Roman.

José Rizal: Noli me tangere
Literatur von den Philippinen, der Autor wurde hingerichtet.

Mircea Cărtărescu: Theodoros
Erzählt wird die bewegte Lebensgeschichte des Kaisers der Kaiser Afrikas.

Thomas Medicus: Melitta von Stauffenberg
Biographie der Ingenieurin und Fliegerin.

Jean-Paul Picaper, Ludwig Norz: Kinder der Schande
Das Schicksal von Kindern deutscher Besatzungs-Soldaten.

Ebba D. Drolshagen: Nicht ungeschoren davongekommen
Das Schicksal von Frauen, die sich mit deutschen Besatzern einließen.

Mischa Meier: Geschichte der Völkerwanderung
Der zweite Anlauf für dieses monumentale Geschichtswerk

Die Bücher wurden in fünf Sprachen verfasst, die beiden englischen werde ich auch im Original lesen.

Französisch (Original):
Michel Houellebecq · Jean-Paul Picaper
Deutsch (Original):
Thomas Medicus · Ebba D. Drolshagen · Mischa Meier · W. G. Sebald · Steffen Kopetzky
Englisch (Original):
Herman Melville · Victor Gregg / Rick Stroud · Thomas Williams
Spanisch (Original):
José Rizal (Noli Me Tangere ist auf Spanisch geschrieben, trotz philippinischem Kontext)
Rumänisch (Original):
Mircea Cărtărescu

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