Schriftsteller - Buchblogger

Autor: Alexander Preuße (Seite 15 von 60)

Auferstehung – Schreibjahr 2024

Hinter mir liegt ein wechselvolles Schreibjahr, dessen einzige Konstante die Unzuverlässigkeit aller Annahmen war. Zwei Bücher habe ich veröffentlicht, mehrere tausend Leser gefunden und einige Kuriositäten erlebt. Über allem liegt der dunkle Schatten des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, der mir eine Menge Aufmerksamkeit raubt.

Jahresrückblicken wohnt immer etwas Beliebiges inne. Ereignisse, Veränderungen, Entwicklungen halten sich oft nicht an die Datumsgrenze. Sie hat letztlich außer der kalendarischen keine Bedeutung, auch wenn sie vom Einzelnen immer wieder gern aufgewertet wird. So sind die berühmt-berüchtigten Pläne für das »neue« Jahr allzu oft heiße Luft, die in der Januarkälte verfliegt.

Manchmal aber passt es. Vor einem Jahr bildete die Jahresgrenze etwa die Mitte einer tiefschwarzen »Stunde«: Zwischen Mitte Dezember 2023 und Mitte Januar 2024 habe ich faktisch keine Bücher verkauft. Bei Kindle Unlimited herrschte mehr als zwei Wochen Totenstille, bei den eBook-Verkäufen noch länger Flaute, wenn man von drei gekauften Exemplaren am ersten Tag des Jahres 2024 einmal absieht.

Ein Desaster, das mir Anfang Januar 2024 tatsächlich zum ersten und einzigen Mal einen Moment grundlegenden Zweifels bescherte. Sollte ich es nicht lassen? Es meint das Schreiben und Veröffentlichen in eigener Regie. Diesem rabenschwarzen Tiefpunkt folgte eine Art Auferstehung.

Aus der Asche zum Größenwahn und ein Stück zurück

Fünf Monate später herrschte bei mir eine milde Form das Größenwahns. Wochenlang war die Entwicklung der Buchverkäufe wie ein täglich wiederkehrendes Weihnachten. Im schönen Avignon malte ich mir aus: Würde es so weitergehen, dann wäre es der Durchbruch … unnötig zu sagen, dass es selbstverständlich nicht »so weiterging«. Alles normalisierte sich wieder auf einem guten Niveau.

Bis Anfang 2024 hatte ich einige tausend Euro in meine Bücher investiert, nach einem Fehlstart einen zweiten Anlauf mit neuem Cover, Titel und einem Lektorat, das den Namen auch verdiente, gewagt. Die Auftaktbände meiner Piratenbrüder erschienen innerhalb weniger Monate, die Reaktion darauf war mau. Preisaktionen, Werbung auf SoMe, das »Weihnachtsgeschäft«, Blogbeiträge – alles für die Katz.

Noch hatte ich nicht gelernt, dass ausnahmslos alles, was bei anderen Autoren funktioniert, nicht bei mir funktionieren muss. Es kann funktionieren, zu einem bestimmten Zeitpunkt, dann aber auch wieder aufhören, Wirkung zu zeigen. Alles, was ich von anderen erfahren habe, hat sich in meinem Fall als – nun, ja – »falsch« herausgestellt. Was ich gelernt habe, steht unter Vorbehalt – es kann schon morgen nicht mehr funktionieren. Verlässlich ist nur, dass ich mich auf nichts verlassen kann.

Kurioses

Ein paar Dinge sind besonders kurios. Die Auferstehung kam buchstäblich aus dem Nichts, denn ich habe nichts geändert. Woher plötzlich die Sichtbarkeit kam und aus welcher Quelle das aufkeimende Interesse herrührt – ich habe keine Ahnung. Ausschließen lässt sich immerhin mein Auftritt in den Sozialen Medien. Selbst wenn jeder, der meine Beiträge etwa auf Instagram beherzt hat, zum Buchkäufer geworden wäre, würde das nur einen Bruchteil der verkauften Bücher erklären.

Noch rätselhafter ist mir, wer eigentlich meine Piratenbrüder liest. Die Buchserie richtet sich an Leser ab zwölf bzw. dreizehn (ab Band 3) / vierzehn (ab Band 4). Ob Jugendliche überhaupt zu den Büchern greifen und – wenn ja – auch dabeibleiben? Gibt es nur Leser oder auch Leserinnen? Fragen, die ich nicht beantworten kann. Einen Hinweis könnte die Rubrik bei Amazon geben, die jene Bücher zeigt, die sich Käufer meiner Piratenbrüder zugelegt haben. Das Ergebnis verblüfft – und passt somit ganz vorzüglich ins Bild.

Über mangelnde Rückmeldungen in Form von Sternchen kann ich mich nicht beklagen, mehr als jeder Fünfte Leser lässt auf Amazon Sterne zurück. Ja, es ist nur eine Plattform, aber die entscheidende, denn meine eBooks gibt es dort exklusiv (wegen Kindle Unlimited). Auf jedes Printexemplar kamen bislang rund zwanzig verkaufte bzw. bei Kindle Unlimited gelesene Bücher. Taschenbücher sind bei mir bislang eine Randerscheinung, die eBooks zählen.

Natürlich gab es neben erfreulich vielen sehr guten auch eine Reihe von schlechten Bewertungen, ebenso natürlich stellt sich die Frage nach dem Warum. Hier und da klagen andere Autoren in Social-Media-Postings über Trollbewertungen. Die Verlockung, ein und zwei Sterne-Bewertungen auf Trolle zurückzuführen, ist unbestreitbar da. Allerdings weiß ich sehr gut, dass meine Piratenbrüder nicht jedem gefallen können, auch weil es sich nicht um Gefälligkeits-Literatur handelt.

Trotzdem gibt es tatsächlich Trolle. Ein »Leser« hat einige erfolgreiche Romane in der Rubrik »Historische Romane für Jugendliche« bei Amazon mit ein und zwei Sternen sowie austauschbaren Kurzbemerkungen versehen. Einen einzigen Roman aber mit einem recht langen Text und fünf Sternen bewertet. Kann Zufall sein, für mich riecht das nach Trollen.

Das gilt auch für jene ein/zwei Sternchen, die unmittelbar nach Erscheinen eines Buches verteilt werden; dann, wenn es den Schnitt noch richtig drückt. Und nach Postings in den Sozialen Medien, wenn ich mir erlaube, auf Erfolge hinzuweisen – etwa den Meilenstein von einer Million gelesener Seiten bei Kindle Unlimited. Vielleicht war das natürlich auch nur ein merkwürdiger Zufall.

Aber natürlich weiß ich, dass Leser meine Bücher nicht mögen, auch meine Schätzchen, das vierte, Vinland, und fünfte Buch, Totenschiff; und das ist auch gut so.

Schreiben 2024 – Ausblick 2025

Es klingt ein wenig vermessen und larmoyant, aber der russländische Krieg gegen die Ukraine lag mir auch im abgelaufenen Jahr auf der Seele. Es fällt mir schwer, ihn aus meinen Gedanken zu drängen, also beschäftige ich mich immer wieder damit. Ich lese Bücher von Ukrainern oder über die Ukraine, setze mich mit ihnen auseinander und stelle sie auf meinem Blog vor. Nur so finde ich Ruhe, wie ich zuletzt bei Andrej Kurkows Im täglichen Krieg gemerkt habe.

Trotz aller Ablenkung war 2024 ein produktives Jahr. Zwei Romane – Vinland und Totenschiff – habe ich veröffentlichen können. Vor einem Jahr war die Schlacht um Vinland geschlagen, die Vorbereitung auf das Lektorat von Totenschiff lief bereits. Im Sommer habe ich Eine neue Welt, Chatou und Doppelspiel eine Frischzellenkur verpasst, überarbeitet und korrigiert gibt es das Auftakttrio meiner Piratenbrüder nun in einer zweiten Auflage. Der nächste Band, Verräter, ist weit fortgeschritten.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Jahr 2024, zugleich möchte ich 2025 noch einiges besser machen. Die Buchserie um die Piratenbrüder steuert auf ihr Ende zu, nach Verräter steht der Opfergang an. Das große Finale der Abenteuer von Joshua und Jeremiah wird den Schlussstein für eine jahrelanges Projekt setzten. Die Versuchung, eine zweite Reihe mit den älter gewordenen Abenteurern zu schreiben, ist groß – es gäbe noch so viel zu erzählen. In diesem Fall werde ich mich nicht an Oscar Wildes Ratschlag halten und der Versuchung nicht nachgeben.

Ein Sequel aus der weiteren Welt der Piratenbrüder wird es allerdings geben. Die Geschichte der Wikinger um Eillir, Stígandr und Ryldr ist in Vinland bis zu dem Punkt erzählt worden, der für die Piratenbrüder wichtig war. Doch was danach geschah, ist noch unerzählt. Da tatsächlich jeder Leser im persönlichen Gespräch geäußert hat, erfahren zu wollen, was mit den Nordmannen passiert, gibt es gute Gründe für einen eigenständigen Roman. Mit den Vorbereitungen habe ich bereits begonnen, 2025 will ich für das Projekt mit dem Arbeitstitel Sessrumnir recherchieren und vielleicht schon mit dem Schreiben beginnen.

Bisher erschienen (auf das Cover klicken)

Bücher 2024

Die zehn Bücher, die mir im Jahr 2024 am besten gefallen haben. So viele Überraschungen! Nur Tolkien stand von Anfang an als Teil dieser Auswahl fest.

Bei einem Buch war ich mir sicher, dass es in die Auswahl der besten zehn für das Jahr 2024 kommen würde: The Lord of the Rings von J.R.R. Tolkien. Erstmals habe ich die englische Original-Version gelesen, die unglaublich schöne Prachtausgabe lag 2023 unter dem Weihnachtsbaum. Was für ein großartiger Fantasy-Roman! Auf Englisch ist das Leseerlebnis besonders intensiv.

Alle anderen Bücher sind Überraschungen. McCarthys phänomenale Dystopie Die Straße habe ich noch einmal gelesen, weil mir rein zufällig die brillante Umsetzung als Graphic Novel (Die Strasse)*in die Finger gefallen ist. Da konnte ich gar nicht anders, als auch den Roman wiederzulesen und beide parallel auf dem Blog vorstellen.

Shogun von James Clavell war auch so ein Zufall – die sehr gelungene Verfilmung hat mich dazu angeregt, endlich einmal den Roman zur Kenntnis zu nehmen. Bei Traven war es die Neuausgabe, noch ein Buch, das ich immer schon einmal lesen wollte und endlich gelesen habe.

Natürlich schwingt auch der Krieg Russlands gegen die Ukraine in meiner Lektüre mit, zwei Sachbücher (Applebaum, Snyder) beziehen sich direkt darauf, Afflerbachs brillante Analyse des Ersten Weltkrieges liefert eine Menge Anschauungsmaterial, insbesondere jenen, die sich über Verhandlungen Gedanken machen.

Stasiuk und Teran sind zwei großartige Neuentdeckungen, Fall Bombe Fall von Kouwenaar ein ganz besonderes Kleinod.

Holger Afflerbach: Auf Messers Schneide
Geschichte ist immer (!) offen, das gilt auch für Kriege; erst im Nachhinein schien der Erste Weltkrieg für die Mittelmächte von Anfang an verloren

Anne Applebaum: Die Achse der Autokraten*
Die Kooperation unter den Autokraten ist wesentlich für deren Stärke, wenn sie von demokratischen Kräften herausgefordert werden

James Clavell: Shogun
Wahrhaftig ein epischer Schmöker!

Gerrit Kouwenaar: Fall Bombe Fall*
Coming of Age unter dem Eindruck des hereinbrechenden Überfalls der Wehrmacht auf die Niederlande 1940, atmosphärisch sensationell umgesetzt

Cormac McCarthy: Die Straße
Die verstörende Dystopie war auch während der zweiten Lektüre für mich schwer erträglich, atmosphärisch dicht und unendlich dunkel

Timothy Snyder: Über Freiheit*
Der Begriff der Freiheit ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter ausgehöhlt und missbraucht worden, Snyder füllt ihn mit Sinn und neuem Leben

Andrzej Stasiuk: Grenzfahrt
Die Wochen vor dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion aus der Sicher derjenigen, die zwischen Hammer und Amboss geraten waren

Boston Teran: Gärten der Trauer*
Eine spektakuläre Agenten-Mission in den Alptraum des Genozids an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges im Osmanischen Reich

J.R.R. Tolkien: The Lord of the Rings
Die Lektüre der englischen Originalversion war ein Hochgenuss, das Fantasy-Epos ist und bleibt das beste, das ich aus dem Genre kenne

B.Traven: Das Totenschiff*
Eine abenteuerliche Reise in die Abgründe eines Gestrandeten im Maschinenraum des globalen Kapitalismus

Ich bin sehr gespannt, was das Lesejahr 2025 bringen wird. Die Vorschauen für das Frühjahr haben einige interessante Bücher auf meine Leseliste gespült, unter den ungelesenen Büchern in meinen Regalen wartet noch das eine oder andere Schätzchen und dann gibt es noch die vielen Dutzend bereits gelesener Prachtexemplare!

Auf ein gutes Lesejahr 2025!

Volker Kutscher: Rath

Ein furioser Abschluss der großartigen Romanreihe um Gereon Rath. Volker Kutscher spielt sämtliche Stärken noch einmal gekonnt aus, ein kleiner Wermutstropfen trübt das rundum positive Bild kaum. Cover Piper Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Zum Zeitpunkt, da die Handlung des Romans Rath anhebt, war es noch ein Jahr hin, dass der deutsche Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld angesichts der unmenschlichen Behandlung von Polen und Juden seine Uniform in Fetzen reißen wollte. Drei Jahre fehlten noch zum »Holocaust mit Kugeln«, der hunderttausende Opfer forderte. Und es blieben noch vier Jahre bis in den Gaskammern Millionen starben.

Der Zivilisationsbruch durch die Kulturnation Deutschland kam nicht aus heiterem Himmel. Wer die Romane Volker Kutschers um den Kriminalkommissar Gereon Rath liest, erlebt hautnah, wie das Gift nationalsozialistischer Ideologie in den Jahren vor und nach 1933 immer tiefer in die Gesellschaft und ihre Institutionen einsickerte, sie durchdrang und schließlich mit millionenfacher bereitwilliger Beihilfe in Krieg und Massenmord führte.

Die Romanreihe endet in jenem Moment, in dem der Zivilisationsbruch für alle Welt sichtbar wurde. Zielstrebig steuert die Handlung von Rath auf den 9. November 1938 zu. Die »Reichspogromnacht« fegte die letzten Zweifel an der gnadenlosen Exekution der antisemitischen Ideologie des NS-Regimes beiseite, es war der Schritt von Ausgrenzung und Ausschreitungen zur systematischen Gewaltanwendung jenes entrechteten Teil der Bevölkerung Deutschlands, der von den Machthabern als »jüdisch« angesehen wurden.

Literatur, die sich auf das Feld der Politik begibt, droht immer von dieser verschlungen zu werden.

Leonardo Padura, Das Meer der Illusionen

Volker Kutscher webt auf brillante Weise dieses historisch-politische Motiv in die Romanhandlung ein. Das ist ein Glanzpunkt von Rath, denn Kutscher gelingt das Kunststück, politisch zu schreiben, ohne den Roman von der Politik verschlingen zu lassen. Seine Figuren erleben, was es heißt, in dieser Zeit existieren zu müssen. Überleben ist keine Selbstverständlichkeit. Die Szenen, die den 9. November 1938 erzählen, sind von mitreißender Dichte. Die Atmosphäre erfasst den Leser und lässt ihn nicht wieder los.

Die Erschütterung des Pogroms, das zügellose Treiben der Nazis, das Verhalten der nicht-jüdischen Nachbarn, die völlige Recht- und Schutzlosigkeit der Opfer erleben gleich mehrere Personen am eigenen Leibe, die während der Handlung mit Gereon, Charlotte und anderen bekannten Personen zu tun hatten. Was über die als jüdisch geltende Bevölkerung hereinbrach, war bis dahin eher aus dem Osten Europas bekannt; die Illusion der jüdischen Integration in Deutschland seit Friedrich dem Großen verflüchtigte sich endgültig.

Der Herbst 1938 war auch in anderer Hinsicht disruptiv, was Kutscher zum Vorteil der dynamischen Romanhandlung nebenbei abhandelt. Aus München dringt während der Handlung immer wieder der ferne Donner eines heraufziehenden Krieges. Das Unheil kann gerade noch abgewendet werden, die in Verruf geratene Appeasement-Politik führte zu einer Übereinkunft auf dem Rücken der Tschechoslowakei. Damit liefen Putsch-Pläne des deutschen Militärs ins Leere, ein noch größeres Unheil, das in einem Halbsatz durchschimmert. Mehr braucht es auch nicht.

›Hilft ja alles nix. Am Ende entscheidet Hitler darüber, ob er Kriech will oder nit.‹

Volker Kutscher: Rath

Wie aber beendet man eine Buchreihe an einem nachtschwarzen Zeitpunkt? Ein Happy End verbietet sich. Volker Kutscher hat in einem Interview mit der FAZ einen interessanten Hinweis auf seine Überlegungen gegeben. Ein mögliches Final-Szenario wäre gewesen, dass die Familie Rath (Gereon, Charlotte, Friedrich) in Prag ist, wohin sie zwischenzeitlich tatsächlich flüchten wollte. Man sitzt um einen Tisch und draußen marschiert im März 1939 die Wehrmacht ein, hinter den Truppen folgen SS und Gestapo.

Kutscher hat sich für ein anderes, spektakuläres Ende entschieden, was mir außerordentlich gut gefallen hat. Der Leser schaut einigen lose im Wind der Geschichte baumelnden Erzählfäden hinterher, im Grunde genommen weiß man bei keiner der überlebenden Personen, wie es mit ihnen weitergehen wird. Das ist ein angemessener Umgang mit einem historischen Stoff, denn Geschichte ist immer offen. Nur rückwärtsgewandte Propheten behaupten anderes.

Die Wirkung des Endes wird verstärkt durch die dramatische Zuspitzung der Handlungsstränge. Das letzte Drittel des Romans liest man wie im Rausch, ein Pageturner, befeuert von voranjagender Spannung. Die vielfältigen Konflikte der vorangegangenen Bücher steuern auf eine »Lösung« zu, vor allem die Verwicklungen um Rath-Tornow-Gräf und Charly-Rademann-Fritze finden ihr überraschendes Ende.

Ihr könnt nicht da weitermachen, wo ihr aufgehört habt. All diese Dinge sind passiert. Die haben euch verändert. Die Zeiten haben sich verändert. Und eure Ehe, wenn man das noch so nennen kann, sowieso.

Volker Kutscher: Rath

Rath wie die gesamte Buchreihe lassen viele (Neben-)Figuren nicht unberührt von dem, was ihnen widerfährt. Wenn etwa ein SA-Mann von einem Bürger zu Tode geprügelt wird, zeigt das eben auch, wie sehr die zügellose Gewalt des Regimes und seiner Formationen in die Gesellschaft zurückwirkt. Auch dort brechen die Barrieren. Die Tötung ist keine reine Rache-Szene á la Italo-Western, sondern ein Sinnbild der fortschreitenden Enthemmung, die von den Nazis auf gewöhnliche Bürger ausstrahlt.

Auch die Hauptfigur ist davon betroffen, denn die Beziehung Gereons mit Charlotte ist erodiert und brüchig. Die Flucht nach Amerika nach dem Scheintod hat die Distanz vergrößert, der Graben bleibt auch in Rath lange offen. Allein die Umstände lassen nur kurze Stelldicheins in einem Hotel in Hannover zu. Gereon ist im Rheinland untergetaucht, Charlotte wurstelt sich in Berlin als Detektivin durch, ehe die Umstände rasante Veränderungen herbeiführen.

Wie schon in Transatlantik trägt Charly die Hauptlast der Handlung, Gereon ist abgetaucht. Kutscher deutet an einer Stelle ein geradezu klassisches Handlungsmotiv an, indem er Charlotte in dramatische Schwierigkeiten geraten und Gereon zu ihrer Rettung aufbrechen lässt. Die Rettungsmission löst sich jedoch auf überraschende Weise auf und Gereons Rolle als Retter läuft ins Leere. Mich hat bei der Lektüre die Frage beschäftigt, ob eine Buchreihe, die in acht von zehn Teilen auf eine Figur zugeschnitten ist, in den letzten beiden Bänden einen so weitreichenden Schwenk weg von der Hauptfigur vollziehen sollte.

Gereon Rath schwindet bereits in Transatlantik als handelnde Figur, mehr noch in Rath. Seine Lebensweise, das unpolitische Durchwursteln mit Abstechern in die Grauzone der Legalität, war schon lange an einer Grenze angekommen, dahinter blieb nur noch eine Flucht in die USA. Das Schwinden der Person in der Handlung spiegelt die Ausweglosigkeit und mangelnde Lernfähigkeit Gereon Raths wider und ist absolut vertretbar. Die Frage sei gestattet, ob unter diesen Umständen noch die letzten beiden Bände in der Form sinnvoll sind.

Die Frage stellt sich noch aus einem anderen Grund. 

Schwerer wiegt nämlich, dass die Gegenfigur zu Gereon nicht recht glaubwürdig wirkt. Charlotte Rath war bereits in den vorangegangenen Bänden einerseits ein wenig zu tough, gleichzeitig in ihren (oft selbstschädigenden) Handlungsmustern gefangen. Das setzt sich verschärft in Rath fort. Insbesondere die hochdramatischen Ereignisse nach dem Verrat eines alten »Freundes«, den Kutscher grandios als Musterbeispiel des angepassten Karrieristen gestaltet, hinterlassen scheinbar nur zarte äußerliche Spuren. Sie tritt danach wie davor auf, was schwer zu glauben ist.

Von dieser leisen Kritik unabhängig ist Rath ein furioser und angemessen furchtbarer Abschluss einer großartigen Buchreihe. Die Ermittlungen um den »Kriminalfall« bilden wieder einen leitenden roten Faden, die Erzählung ist abermals makellos in die Zeitläufte eingewoben. Die handelnden Figuren prallen aufeinander, wirbeln umeinander, ringen miteinander, verkrallen sich ineinander und führen einen irren Tanz auf, einen Totentanz am Abgrund.

Weitere Romane der Buchreihe:
Volker Kutscher: Die Akte Vaterland
Volker Kutscher: Märzgefallene
Volker Kutscher: Lunapark
Volker Kutscher: Marlow
Volker Kutscher: Olympia
Volker Kutscher: Transatlantik

[Rezensionsexemplar]

Volker Kutscher: Rath
Piper 2024
Gebunden 624 Seiten
ISBN 978-3-492-07410-0

Andrej Kurkow: Im täglichen Krieg

Kurkow gelingt das Kunststück, den schrecklichen Alltag des Krieges näherzubringen, ohne den Leser damit zu überfordern. Cover Haymon-Verlag, Bild mit Canva erstellt.

Es mag seltsam erscheinen, aber die Lektüre von Andrej Kurkows Im täglichen Krieg ist eine Art literarische Impfung gegen lähmende Angst, Überforderung und Ohnmacht. Die Beiträge des ukrainischen Autors schildern Ausschnitte des Alltags im russländischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der wird bekanntlich nicht nur an der Front, sondern auch gezielt gegen die Zivilbevölkerung geführt. Russland beabsichtigt eine vollständige Vernichtung der Ukraine.

Wer in den vergangenen Jahren nicht im seligen Tiefschlaf verbracht hat, weiß auch um die Aggressivität des Putin-Regimes gegen den demokratischen Westen. Dabei kann sich der Diktator auf eine Achse der Autokraten stützen, deren Ziel die Zerstörung der unliebsamen, für die Bevölkerung trotz aller Misslichkeiten viel lebenswerteren Staaten, die dem »Westen« zugerechnet werden. Diese sind für Alleinherrscher eine Bedrohung, weil sie als Alternative wahrgenommen werden könnten.

Faktisch führt Russland unter der Hand einen verdeckten Krieg gegen den Westen. Eine grundsätzlich bedrohliche Situation, die oft von interessierten Kreisen verschärft wird. Ein unschönes Beispiel ist die bewusst herbeigeführte Abhängigkeit Deutschlands von Russland bei Energielieferungen. Zu Kriegsbeginn drohten erhebliche wirtschaftliche und soziale Verwerfungen. Menschen reagieren auf Krisen ganz unterschiedlich, nicht wenige mit Verdrängung von Tatsachen und der Neigung, sich falschen Versprechungen zu öffnen.

Auch jene, die offen der Gefahr ins Auge sehen und etwas tun wollen, werden mit einer flatterhaften Flut an Meldungen, Nachrichten, Aufrufen, Lügen, Desinformation, verharmlosenden Medienberichten konfrontiert. Besonders auf den einschlägigen Plattformen im Internet kann der Nutzer schnell das Gefühl bekommen, überrollt zu werden. Ohnmacht ist die düstere Schwester der Angst, beide lähmen und lassen die Neigung wachsen, sich abzuwenden.

Das Schlimmste ist vielleicht, dass der Verlust eines Menschenlebens zu etwas Alltäglichem geworden ist. Im Krieg arbeitet der Tod am Fließband.

Andrej Kurkow: Im täglichen Krieg

Im täglichen Krieg wirkt diesen Zuständen entgegen. Wie das Zitat zeigt, hat Kurkow keine Freudenbotschaften zu verbreiten, er verharmlost die schockierenden Verbrechen in der Ukraine nicht. Doch schildert er den Alltag im Krieg auf eine unaufgeregte Weise. Der Stil des Autors, bekannt aus seinen Romanen Samson und Nadjeschda oder Graue Bienen, ist ist ein großes Plus des Buches. Ein ruhiger, gemessener Erzählduktus führt den Leser durch das jeweilige Thema, der ohne aufmerksamkeitsheischende Übertreibung auskommt.

Zunächst einmal ist es grundsätzlich wichtig, jene zu Wort kommen zu lassen, die von diesem Krieg betroffen sind – die Ukrainer. Deren Befindlichkeiten sollten bei allem, was über den Krieg zu berichten, einzuschätzen und entscheiden ist, die wesentliche Rolle spielen. Die »Zeugen des Sofas« (Christoph Brumme) im Westen sollten ihre Befindlichkeiten hintanstellen. Wer zuhört, beginnt nicht nur zu begreifen, was der Krieg vor Ort anrichtet, sondern auch, was die Kampfhandlungen hier verändern. Jeder Krieg hat einen langen Arm. 

Kurkow erlebte den Beginn des Krieges in Kyjiw, er war Binnenflüchtling und kehrte zwischenzeitlich wieder in die Hauptstadt zurück. Über den Alltag der permanenten Bedrohung durch russische Luftangriffe weißt er eine Menge zu erzählen. Etwa über das bekannte Motiv, bei Luftalarm zwei sichere Wände möglichst weit von den Außenmauern und Fenstern entfernt aufzusuchen, um Verletzungen durch Glassplitter bei berstenden Scheiben zu vermeiden. Der Flur ist zum Lebensort geworden.

Das sind Äußerlichkeiten. Der Krieg geht aber im Innern weiter, auch wenn man sich äußerlich von den Kämpfen und Bedrohungen entfernt. Kurkow beschreibt anschaulich, wie er auf Auslandsreisen die Umgebung automatisch daraufhin überprüft, wo er im Falle eines Angriffs am besten Schutz findet. Etwa einen Ort, an dem er nicht einem Regen aus Glassplittern ausgesetzt wäre, wenn in der Nähe eine russländische Rakete einschlagen sollte. Kriege enden nicht für jene, die ihm ausgesetzt sind, auch wenn sie sich außerhalb der Reichweite der Waffen begeben.

Wie eine Krankheit bestimmt der Krieg unser Verhalten, unsere Gedanken und sogar unsere Gefühle. Der Krieg übernimmt das Denken für uns. Er entscheidet sogar für uns.

Andrej Kurkow: Im täglichen Krieg

In einem Kapitel beschreibt Kurkow, wie das Fortleben des Krieges von der Sowjetunion im Falle des Zweiten Weltkrieges verstärkt wurde. Als Kind wurde er von Geschichten über den propagandistisch verzerrten Großen Vaterländischen Krieg überhäuft. Veteranen in Schulen, Filme im Fernsehen und Romane erzählten von Heldentaten sowjetischer Soldaten. Hinzu kamen Kriegsspiele (d.h. »Truppenübungen«) in der Schule, Ausflüge zu Kriegsmuseen und Schlachtfeldern. Solche »Fieberträume vom Krieg«, wie sie Michail Schischkin einmal nannte, wurden in Putins Russland instrumentalisiert.

Kurkow hofft, dass die ukrainische Kultur nach dem jetzigen Krieg einen anderen Weg geht. Sie sollte den »Ukrainern helfen, den Krieg hinter sich zu lassen und ihre Traumata zu bewältigen«. Sie solle für Meinungsfreiheit und Vielfalt eintreten, zugleich aber eine einigende Kraft werden. Diese kurzen Abschnitte zeigen, wie gewaltig die kulturelle Kluft zwischen der Ukraine und dem propaganda- und hassgesättigten Russland mittlerweile ist.

Kurkow verschweigt auch nicht, dass die Ukrainer durch den immer länger sich hinziehende Krieg unter Druck geraten. Kriege zermürben. Die vielgerühmte Resilienz ist kein unerschöpflicher Brunnen, gerade im Angesicht eines Gegners, der auf Vernichtung aus ist, treten Überforderungen auf. Atempausen vom Krieg, von der Belastung, dem Terror sind nötig, aber schwierig, denn auch in ruhige Gegenden reisen Terror und das schlechte Gewissen mit.

In vielen Passagen wird das Bemühen Kurkows deutlich, sich selbst eine Funktion im Krieg zuzuschreiben. Es klingt nach dem Versuch, das Schreiben zu rechtfertigen, eine Tätigkeit, die recht fern vom Kampf, von Rettung oder Wiederaufbau ist. Was ist die Aufgabe eines Schriftstellers im Krieg? Hilft die eigene Tätigkeit oder ist es nur die Ablenkung von der Ohnmacht? Anders als das Liken und Retweeten in den Sozialen Medien ist das Schreiben keineswegs sinnlos, wie ich bei der Lektüre von Im täglichen Krieg an mir selbst feststellen konnte.

Das Thema Verrat ist in der Ukraine ganz und gar kein beliebtes und wird definitiv nur höchst ungern angesprochen.

Andrej Kurkow: Im täglichen Krieg

Die Ukraine ist kein idealer Staat, ihre Bürger sind weder Engel noch Lichtgestalten. Auch nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gibt es genügend Probleme – wie könnte es auch anders sein, hat doch der seit 2014 schwelende Krieg im Osten des Landes eine Modernisierung und Reformierung massiv behindert. Kurkow verschweigt viele der Schwierigkeiten nicht, Korruption, fehlende Bunker, kontraproduktive »Hilfe«, Versagen der Behörden, Politspielchen.

Seine Herangehensweise ist nicht nur konstruktiv, sondern auch enorm kreativ. Ein schönes Beispiel für Kurkows originellen Stil ist das Kapitel mit der auf den ersten Blick etwas seltsamen Überschrift »Bienen und Verräter«. Der Autor verwebt in jedem Abschnitt wenigsten zwei Motive, die augenscheinlich nichts miteinander zu tun haben. Doch gelingt ihm ein Brückenschlag, der den Blick auf die vielschichtige und widersprüchliche, chaotische Wirklichkeit des Kriegsalltags freigibt.

Einige der vielen Helfer in der Ukraine kümmern sich um verwaiste Katzen aus den Frontgebieten. Dort lebten vor dem Krieg zahllose Bienenzüchter, einer davon ist Hauptfigur in Kurkows fabelhaften Roman Graue Bienen. Zehntausende Bienenvölker könnten infolge des Krieges verloren gehen, die Bienen verwildern und vor dem Lärm fliehen. Ein Soldat mit Imker-Kenntnissen nimmt sich bei Bachmut eines Bienenvolkes an und gibt ihm in einer Munitionskiste ein Zuhause. Als der Imker versetzt wird, können die Bienen dank eines Freiwilligen (ohne Imker-Kenntnisse) in ihrer Kiste nach Westen fliehen.

Von den Bienen kommt Kurkow auf die Menschen im Frontgebiet, die zum Teil abwarten, statt zu fliehen. Neben pro-ukrainischen gibt es darunter jedoch auch verräterische Abwartende, die bei erster Gelegenheit mit den Invasoren kollaborieren. Ein unangenehmes Thema, das Kurkow über das Bienen-Motiv ansteuert: Ukrainer, auch in hohen Positionen, haben sich kaufen lassen, schon 2014.

In den besetzten Gebieten müssen viele Menschen mit den Russen kooperieren, denn ihnen werden vielfältige Daumenschrauben angelegt. Doch auch in den nur kurzfristig eingenommenen Dörfern um Kyjiw gab es Kollaborateure, die den Russen bei ihren Kriegsverbrechen halfen, darunter ein ehemaliger Mönch aus einem Kloster des Moskauer Patriarchats in Andrijiwka. Nach dem Rückzug der Russen blieben ihre Hinterlassenschaften, Müll, Gerümpel und auch Waffen.

Die wiedergewonnene Freiheit in den befreiten Orten liegt unter dem Schatten der überstandenen Besetzung. Betrunkene feuern mit den russischen Waffen bei Nacht, niemand will sie anschwärzen, wegen dem, was die »Alkoholiker« unter der Knute russischer Soldaten durchmachen mussten.

Es ist ein seltsames Nebeneinander in dieser neuen Hölle. Einige Bewohner bemühen sich um Normalität, andere stehlen das Gemüse aus dem Garten des Nachbarn, um Alkohol vom Erlös zu kaufen. Einer dieser »Täter« ist ausgerechnet Bienenzüchter. Das Eingangsmotiv dient zu einem Kommentar Kurkows: Eines der Bienen-Völker des räuberischen Alkoholikers wird sich aus dem Staub machen, denn:

Vernachlässigung ist auch eine Form des Verrats und genauso wie Menschen tun sich Bienen schwer damit, Verrätern zu vergeben.

Andrej Kurkow: Im täglichen Krieg

Kurkow lässt seinen Lesern Raum, um selbst über unangenehme Themen wie Verrat, Kriegsverbrechen, Kollaboration und Traumata nachzudenken, indem er auf literarische Weise für die nötige Entlastung sorgt. Angst frisst nicht nur die Seele auf, sie verhindert auch Denken und Empathie. Auf diese Weise bringt Im täglichen Krieg dem Leser den Kriegsalltag nahe, ohne diesen damit zu erschlagen. Auch aus diesem Grund ist das Buch unbedingt lesenswert, wie schon der erste Teil, Tagebuch einer Invasion.

[Rezensionsexemplar]

Andrej Kurkow: Im täglichen Krieg
Aus dem Englischen von Rebecca DeWald
Haymon Verlag 2024
Klappenbroschur 432 Seiten
ISBN: 978-3-7099-8230-3

Piratenbrüder – Spin-off-Sequel

Der Weg Eillirs und des Wikinger-Fürsten Stígandr wurde in Vinland – Piratenbrüder Band 4 soweit erzählt, wie es für die Geschichte um die Piratenbrüder Joshua und Jeremiah wichtig war. Was danach geschah, bleibt einem eigenständigen Roman vorbehalten, einem Sequel der Piratenbrüder-Serie.

Vinland – Piratenbrüder Band 4 hat ein offenes Ende. Im Rahmen einer Buchserie ist das wenig verwunderlich, Joshua und Jeremiah werden in drei weiteren Büchern Abenteuer zu bestehen haben. Was ist aber mit den Wikingern um Stígandr, Rydr und Eillir, deren Geschichte parallel auf einer zweiten Zeitebene erzählt wird? Auch hier kommt die Erzählung zu einem Ende, das eine Fortsetzung offensichtlich nahelegt.

Die große Fahrt Stígandrs nach Westen ist beendet. Alles, was für die Handlung der Piratenbrüder wichtig ist, wurde erzählt. Der Leser weiß, woher diese ominöse Karte stammt, die Erik zu Beginn von Vinland als Wegweiser zu einem geheimnisvollen Schatz präsentiert hat. Der Leser weiß auch, ob es den Schatz wirklich gibt und – wenn ja – was er enthält. Wie es danach weitergeht mit der Geschichte, bleibt offen. Eine große Leerstelle tut sich auf, die gefüllt werden möchte.

Stígandr hegt große Pläne, Ryldr will ihm dabei zur Seite stehen und aus persönlichen Gründen Rache nehmen, während Eillir gar keine andere Wahl hat, als die beiden zu begleiten. Gern wüsste man auch, welches Schicksal den starken Frauen Werengis und Aldis beschieden ist; wie Agda sich in ihrem neuen Leben zurechtfindet. Und dann ist da noch Berengar von Werra, der Tyske aus dem Reich der Ostfranken. Schließlich umgibt Eillirs Herkunft noch ein dichter Nebel.

Die Leser möchten wissen, wie es weitergeht. Mehrfach bin ich ermuntert worden, die Geschichte um Eillir weiterzuerzählen. Zum Glück habe ich das schon beim Schreiben von Vinland erwogen. Kaum war die erste, grobe Version getippt, habe ich mir Gedanken über eine Fortschreibung der Geschichte um »meine« Wikinger gemacht. Ich habe recherchiert und eine Skizze mit wichtigen Figuren und Konfliktlinien eines Historischen Romans erstellt.

Vielleicht hat mancher Leser auch erwartet, ich würde im fünften Teil der Piratenbrüder-Serie wieder auf zwei Zeitebenen schreiben. Möglicherweise sind sogar einige enttäuscht darüber, dass es jetzt »nur« mit den Piratenbrüdern weitergeht. Alles andere wäre jedoch keine gute Idee gewesen. Vinland hat das erzählt, was beide Zeiten miteinander verbindet; danach gehen beide Geschichten eigene Wege. Die Berührungspunkte, die es zwischen Piraten und Wikingern historisch gegeben hat, sind auserzählt.

Der Roman hat ein offenes Ende, was das Schicksal der Wikinger um Eillir, Stígandr und Ryldr anbelangt. Von Anfang an hatte ich die Idee, die Geschichte in einem eigenständigen Roman zu erzählen. Das ist mein nächstes Roman-Projekt.

Was Stígandr, Eillir und Ryldr erwartet, würde auch den Erzählrahmen völlig sprengen. In Vinland habe ich schon einige Themen und Motive angedeutet, die eine Rolle spielen werden. Da wären etwa die Kriege in den nordischen Ländern um die Macht, aber auch der Kampf um die Krone in England. Sven Gabelbart (was für ein toller Name!) hat sich dem Ziel verschrieben, König zu werden. Wie das historisch endete und was danach folgte, kann man auf Wikipedia kurz nachlesen.

Meine Wikinger erwartet jedenfalls ein Hexenkessel, so viel sei an dieser Stelle verraten. Das soll und muss mit einem eigenen Roman gewürdigt werden.

Nach Beendigung des letzten Romans um die Piratenbrüder werde ich mich zunächst um diesen Wikinger-Roman kümmern und danach der epischen High-Fantasy-Serie widmen. Da in der Fantasy-Welt auch eine Art »Nordmänner« ihr Unwesen treibt, ist die Recherche für den Wikinger-Roman gleich ein wenig Vorgriff auf das Fantasy-Abenteuer.

Der Wikinger-Roman wird weniger Jugendbuch sein als die Piratenbrüder, allerdings werde ich weiterhin Zurückhaltung üben, wenn es um Schlachten, Kämpfe und Sex geht. Die brutale Grausamkeit der Zeit will ich selbstverständlich nicht verschweigen, aber das geht auch ohne explizite oder blutrünstige Schilderungen. Wer so etwas will, wird anderswo fündig.

Bisher erschienen:
(einfach auf das Cover klicken)

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